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Denkanstoß 23
"Trauriges Fest der Liebe"


Die Heinzelmännchen haben sich auch in diesem Jahr für ihren historischen Weihnachtsmarkt in der Kölner Altstadt wieder einiges einfallen lassen. Heumarkt und Alter Markt erstrahlen in weihnachtlichem Glanz.

Die fröhliche Menschenmenge schiebt sich an Buden mit Lebkuchen und Christbaumschmuck vorbei. Im Gedränge eine junge Frau, von der die Glühwein trinkenden, gut gelaunten Menschen kaum Notiz nehmen.

Almut Sievers hat den Mantelkragen hochgeschlagen und beobachtet traurig einen heiteren Weihnachtsmann, der Süßigkeiten an Kinder verteilt. Vor sechs Wochen starb ihr Vater Werner. Während die Weihnachtsmarktbesucher fröhlich die Weihnachtslieder mitsummen, die aus den Lautsprechern der Buden schallen, möchte Almut am liebsten weinen.

Das Fest der Liebe ist nach einem Trauerfall für viele Menschen eine ganz besondere Herausforderung. Wenn der Platz von Oma am Weihnachtstisch leer bleibt oder der Vater nicht wie gewohnt an Heiligabend die Gans anschneidet, kein Kinderlachen durch das festlich geschmückte Wohnzimmer schallt, dann wird einem umso mehr bewusst, wie groß und unwiederbringlich der Verlust eines geliebten Menschen ist.

Für viele Trauernde ist Heiligabend ein regelrechter Angsttermin. Einfach Abtauchen ist in der Regel keine Lösung. Wer zum Beispiel mit einer weiten Reise versucht, dem Schmerz zu entfliehen, den holen Trauer und Einsamkeit mit Sicherheit auch unter Palmen am Strand ein. Es ist auf jeden Fall besser, diese besondere Situation in vertrautem Umfeld zu erleben. Trauernde sollten Weihnachten ganz bewusst planen und den Heiligen Abend mit Freunden und Verwandten verbringen, die damit umgehen können, wenn Tränen fließen.

Auf dem Heimweg klingelt Almut Sievers Handy, ihre Mutter hat beschlossen, Weihnachten wie immer mit der ganzen Familie und ein paar Freunden zu feiern. Auch sie hat Angst vor dem Abend, aber sie ist zuversichtlich, dass Gemeinschaft und Vertrautheit allen helfen werden.

Als Almut an diesem Adventsabend in ihre Wohnung zurückkommt, ist ihr nicht mehr ganz so schwer ums Herz. Sie zündet eine Kerze an, zieht eine Tüte mit gebrannten Mandeln aus der Jackentasche und schafft es, sich ein bisschen auf Weihnachten zu freuen.

Herzlichst,

Hanna Thiele-Roth und David Roth

Bergisch Gladbach im Dezember 2016


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Rückmeldungen zu unserem Denkanstoß 23

Zu diesem Denkanstoß "Trauriges Fest der Liebe" haben wir schöne und bewegendes Rückmeldungen erhalten. Hier zwei der Mails, die uns erreicht haben:


Sehr geehrter Herr Roth,
vielen Dank für Ihren Denkanstoß.

Almut wird in ihrer Trauer aufgefangen. Sie hat ihre Familie, die sie auffängt. Das nimmt ihr zwar nicht ihre Trauer, aber wenn sich alle gemeinsam an Oma erinnert, ist der Schmerz doch etwas geteilt. Schön, wenn man eine Familie hat. Gerade in so schweren Zeiten ist eine Familie durch nichts zu ersetzen. Dann treten alle Unstimmigkeiten und Streitereien in den Hintergrund.

Meine Frau, die ich über alles geliebt habe, ist nach 40 Jahren Ehe ganz plötzlich am 18. September verstorben. Wir sind vor 5 Jahren nach Bremerhaven gezogen, einen Freundeskreis konnten wir aus verschiedenen Gründen nicht aufbauen. Familie gibt es nicht. Da war niemand, der gemeinsam mit mir getrauert hat, als ich die Urne meiner Frau zur Nordsee hinaus begleitet habe. Eine Seebestattung - der letzte Wunsch, den ich meiner Frau erfüllen konnte.

Nun bin ich allein und habe Angst vor Weihnachten. Bereits jetzt tauchen die Bilder früherer Weihnachtsfeste vor mir auf. Es waren schöne und fröhliche Feste. Nun ist meine Frau tot, eine Tatsache, die meine Seele bis heute noch nicht begriffen hat.

Sie dürfen meinen Text gerne veröffentlichen.

Trotzdem, ich wünsche Ihnen ein frohes Fest,
liebe Grüße aus Bremerhaven






Sehr geehrte Damen und Herren!
Ihr Denkanstoß zu Weihnachten stimmt mit meinen Erfahrungen überein!

Am ersten Weihnachten nach dem Tod meiner jüngsten Schwester hatten wir alle Angst davor, wie und ob wir das Weihnachtsfest überstehen. Wir hatten große Sorge um unsere Eltern, um meinen Schwager und die drei Kinder meiner verstorbenen Schwester und nicht zuletzt auch um uns selbst.

Aber rückblickend kann ich sagen, dass die Trauer und das Vermissen uns so verbunden haben, dass wir daraus die Kraft schöpfen konnten, trotz dieser Riesenlücke ein schönes Weihnachtsfest zu verleben.

An diesen Tagen (Weihnachten, Jahrestag, Geburtstag d. Verstorbenen...) ist man innerlich darauf gefasst, die Fassung zu verlieren, und dann passiert es gar nicht unbedingt. Man ist vorbereitet.

Viel überwältigender empfinde ich die Momente, in denen mich ganz unvermittelt (z.B. durch einen Song im Radio, eine Geste oder ein Bild) eine Welle der Trauer überrollt. Und auch dann ist es am schönsten, wenn man Menschen in seiner Nähe hat, die das verstehen und aushalten.

Anbei übersende ich Ihnen ein kleines Gedicht, welches ich am jenem ersten Weihnachten ohne meine Schwester geschrieben habe.

Herzliche Grüße und eine schöne besinnliche Adventszeit.
Beate Bühner

Weihnachten – ganz anders
 Vieles ist wie in jedem Jahr – 4 Wochen im Advent.
Geschenke kaufen, Putzen, Kochen – jeder macht und rennt.
Ich denke an unser Weihnachten im letzten Jahr
Und spüre: Nichts ist mehr wie es einmal war!
Besinnlichkeit – Ruhe, Gedanken kreisen laut.
Innehalten – Trauer, Schauer auf der Haut.
Frieden – Eins sein mit dem, was uns wichtig erscheint.
Engel - tragen Wünsche fort - sind, was uns vereint.
Kerzenschein – wohlig warm, Tränen schimmern im Glanz.
Klänge – mal leise, mal fordern sie auf zum Tanz.
Liebe – ja, sie ist das, was zählt.
Freude – sie ist da, auch wenn so viel fehlt!
Weihnachten – ja, aber ganz anders…

v. Beate Bühner