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Denkanstoß 28
"Gefährten - Mensch und Tier in einem Grab"


Ihr ganzes Leben lang war Jamiro da. Er war Linas treuer Begleiter. Sie hatte schon als Fünfjährige auf ihm sitzen dürfen und später dann auf dem Pferd Reiten gelernt. Jeden Nachmittag fuhr Lina von der Schule aus direkt in den Stall, um mit Jamiro auszureiten, ihn zu striegeln, zu füttern und in jeder Hinsicht liebevoll zu hegen und zu pflegen.

Jamiro gehörte zur Rasse der American Bashkir Curly Horses, er war ein robuster Hengst, eine treue und zuverlässige Seele. Und Lina war ein richtiges Pferdemädchen, das am liebsten den ganzen Tag in Reiterhosen und Reitstiefeln unterwegs war.

Das Tier erkannte den Teeny schon an der Art, wie er durch den Pferdestall schlenderte. Jamiro stellte die Ohren auf, wenn er Linas Schritte hörte, die immer langsamer wurden, wenn sie in den Stall trat, die Eingangstür sachte hinter sich schloss und das Zaumzeug von Haken nahm.

Als Lina völlig unerwartet an einer Sepsis starb, hatten ihre Eltern Maria und Daniel das Gefühl, Jamiro würde genau wie sie um das junge Mädchen trauern. Er hörte für einige Tage auf zu fressen und weigerte sich seine Box zu verlassen. Bei der Beerdigung stand das Pferd dann still mit am Grab. Im Vorfeld ließ die Friedhofsverwaltung mitteilen, das wäre nicht erlaubt. Linas Eltern setzten sich einfach über das Verbot hinweg, was ohne Folgen blieb. Sie wollten, dass das Pferd dabei war, also erfüllten sie sich einfach diesen Wunsch.

Der Tod ist eine absolute Ausnahmesituation und gerade wenn ein geliebter Mensch stirbt, sollte man sich keine Vorschriften machen lassen. Nicht von Bestattern, nicht von Beamten und auch nicht von Verwandten und Bekannten, die meinen alles besser zu wissen.

Wir raten Hinterbliebenen intensiv darüber nachzudenken, wie sie trauern wollen, welche Rituale sie sich für den Abschied vorstellen und wie die Trauerfeier aussehen soll. Warum sollte ein Pferd, oder auch ein Hund oder eine Katze nicht Teil einer Trauergemeinschaft sein?

Jamiro blieb auch nach Linas Tod Teil der Familie, auch wenn er von einem anderen Kind versorgt wurde. Er erinnerte die Eltern jeden Tag an ihre geliebte Tochter.

Noch im für Pferde hohen Alter von 25 Jahren unternahm Linas Mutter mit Jamiro kurze Ausritte. Natürlich nicht mehr im Galopp. Im Schritt zogen die beiden über die Felder. Diese Art der langsamen Fortbewegung hatte für Maria etwas Meditatives, sie fühlte sich ihrer Tochter in diesen Momenten immer besonders nahe.

Als Jamiro fünf Jahre später morgens tot in seiner Box lag, kam der Schmerz der Trauer sehr nahe, die Maria und Daniel damals beim Tod ihrer Tochter durchlebt hatten. Maria saß Stunden in der Box neben dem toten Jamiro, streichelte über sein Fell, umarmte den Hals des Pferdes und kämmte seine Mähne. Andere Reiter kamen vorbei, legten Jamiro zum letzten Mal die Hand auf den Rücken und verabschiedeten sich. Im Stall war es ganz still, fast so als würden die anderen Tiere spüren, dass einer von ihnen für immer gegangen war.

Die ganze Nacht lag Maria neben dem Gefährten von Lina im Stroh. Für die Reiterin war es eine Horrorvorstellung am nächsten Morgen den Abdecker zu bestellen, das geliebte Pferd einfach abholen zu lassen und fertig. Jamiro war ein Familienmitglied. Er hatte einen besonderen Abschied verdient.

So wie Maria geht es vielen Besitzern von Pferden und auch größeren Hunden. Viele kleine Haustiere werden still und heimlich im Garten begraben. Was mit einem Pferd, bzw. einem großem Hund nicht möglich ist.

Was also tun, wenn man sich nicht sang- und klanglos von einem verstorbenen Tier trennen will? Beim Abschied von Verwandten und Freunden gibt es seit der Steinzeit Rituale, die wir pflegen. Wir bestatten unsere Toten, wir treffen uns auf Trauerfeiern um gemeinsam zu weinen und an die Toten zu erinnern. Warum das nicht mit Haustieren möglich sein sollte, mit denen wir seit Jahrtausenden zusammen leben, diese Frage stellen sich viele Menschen. Auch Maria und Daniel stellten sich diese Frage und sie kamen auf einen Gedanken, der für sie sehr tröstend war. Beide spürten, dass es für Jamiro eigentlich nur einen Platz gab, an den er gehörte, auch im Tod. Dieser Platz war an der Seite ihrer Tochter im Familiengrab.

Natürlich wurde der Wunsch der Eltern vom Friedhofsamt abgelehnt.

Der Wunsch, mit dem eigenen Kind, dem Ehepartner bzw. Eltern in ein Familiengrab zur letzten Ruhe gebettet zu werden, ist weit verbreitet und wird als Ritual auch nicht hinterfragt. Warum sollte es also nicht auch möglich sein, mit einem Tier, mit dem man über viele Jahrzehnte verbunden war, zusammen bestattet zu werden?

In unseren Gärten der Bestattung versuchen wir die Wünsche der Menschen zu respektieren und weil immer mehr Menschen zu uns gekommen sind und den Wunsch geäußert haben, gemeinsam mit ihrem Hund oder der Katze beerdigt zu werden, haben wir die Möglichkeit geschaffen.

Im neuen Teil der Gärten der Bestattung ist es möglich, einem verstorbenen Menschen sein verstorbenes Haustier mit ins Grab zu geben. Wir haben ganz bewusst dafür ein neues Areal angelegt, da wir wissen, dass es natürlich auch viele Menschen gibt, die von der Idee auf einem Friedhof zu liegen, auf dem auch Haustiere bestattet werden, nicht begeistert sind. Auch werden die Haustiere natürlich nicht getötet, wenn ihre Besitzer sterben. Sie werden wie im Fall von Jamiro erst nach ihrem Tod eingeäschert und dann in einer Urne (bei Pferden sind es mehrere Urnen) als Grabbeigabe ins das Grab des verstorbenen Menschen gelegt.

Verstorbene Pferde sind noch mal ein Sonderfall, weil sie offiziell keine Haustiere sondern Nutztiere sind. Im Fall von Lina und Jamiro haben ihre Eltern damals einen Weg gefunden, die Gefährten im Tod wieder zu vereinen. Und auch wir würden einen Weg finden, wenn man uns danach fragt.

Herzlichst

Hanna Thiele-Roth            David Roth

Bergisch Gladbach im September 2017 
 
 

Lea Schenker - Tierbestattungen und David Roth in den Gärten der Bestattung



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