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Der Pfad der Sehnsucht

Der Pfad der Sehnsucht des Künstlers Rolf Hinterecker ist fast schon eine Ausstellung des Lebens in sich selbst. Sie unterstützt Trauernde und Hinterbliebene auf Ihrem Weg der Trauerbewältigung, ist aber gleichermaßen ein Angebot für Interessenten.

Beginnend mit einer Linien-Skulptur von Knopp Ferro, die den Verlauf menschlichen Seins symbolisiert, erstreckt er sich über mehrere Räume in und unter den Gebäuden, die auch unsere Private Trauer Akademie beherbergen.

Auf dem Pfad der Sehnsucht verlassen wir die Ebene der reinen Vernunft und gelangen auf tiefer gelegene emotionale Ebenen: Die Installation lädt ein, sich als Alternative zum 'Cogito, ergo sum' einem 'Credo, ergo sum', „ich glaube, also bin ich“, zu öffnen.

Der Pfad führt uns in die 'Zyklen der Stille'; zu einer Glaswand, auf welcher ein Schleier fließenden Wassers die stetige Veränderung allen Seins symbolisiert. Dahinter ein Text von Nelly Sachs: „Alles beginnt mit der Sehnsucht“: Zuerst muss der Tod der Person, nach der wir uns sehnen, akzeptiert werden...

Jeder Tod ist für den, der damit leben muss, wie eine Lawine, ein Erdbeben, ein Zusammenbruch bestehender Lebensvorstellungen. Der Tod – hier versinnbildlicht durch eine Gerölllawine – bricht in die alltägliche Welt ein. Der Betrachter muss seinen Weg durch ein Trümmerfeld finden. Und wenn er versucht, die Bruchstücke zu sortieren, entdeckt er die Spuren, die von der Lebensbahn des Verstorbenen zurückgeblieben sind.

Der weitere Weg führt in einen Korridor aus Glas. Die rechte Kopfwand zeigt ein übergroßes Foto menschlicher DNA, die dem Betrachter die Einzigartigkeit jeden menschlichen Seins erinnert. 

Der gläserne Boden in diesem Bereich des Pfades symbolisiert den zerbrechlichen Wert menschlicher Beziehungen. Eine Wand voller Namen (Künstler: Roland Bergere) steht für die Menschen auf unserem Lebensweg. Beziehungsvolle Gegenstände auf langen Glasregalen verkörpern Erinnerungen... Hier und da wird zwischen Ihnen auf Spiegelscherben der blaue Himmel sichtbar.

Angestoßen durch die Wahrnehmung der Namen und der Erinnerungsstücke, durchwandert der Betrachter auch Stationen seines eigenen Lebens. Träume, Gefühle und besonders Sehnsüchte nach Geborgenheit, Wärme, Heimat, Kindsein werden wach.

Dass Geborgenheit, Glück und ewige Vollkommenheit nach dem Tode im Himmel oder im verlorenen Paradies erfahrbar werden mögen, sind einige der großen universellen Sehnsüchte der Menschheit. Immer versuchten die Menschen, dieses Paradies bereits zu Lebzeiten auf Erden zu verwirklichen. Wie im nächsten Raum, dessen Betreten eine gewisse Überwindung erfordert...

Diese Scheu mag zu Fluchten in Seitenwege führen. Leicht folgt der Mensch Täuschungen, Verlockungen und auch falschen Heilversprechungen in Sackgassen. Die zu erkennen, ist wichtig, um umkehren und weiter nach dem Paradies suchen zu können, wo immer es auch liegen mag.

Am Ende des Pfades finden wir uns auf einer Wiese wieder, aus der die Samen von Pusteblumen vom Himmel fallen, während gleichzeitig Schnee aufsteigt – in surrealem Kontrast zur realen Welt, in die der Betrachter durch die Projektion der Wiese zurückgelangt: Vielleicht etwas sehender, vielleicht etwas mutiger und hoffentlich etwas lebendiger. Dabei spürend, dass er in der ihm noch verbleibenden Zeit von denen begleitet wird, die er im Leben vermisst.