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Denkanstoß 37
"Die-in for Future"


Saskia hatte über die Hälfte der 7b davon überzeugt, mit ihr am Freitag die Schule zu schwänzen und sich für mehr Klimaschutz stark zu machen. Ihre Großeltern waren 68 auf die Straße gegangen und ihre Eltern hatten in den 80zigern gegen Atomkraftwerke demonstriert. Außerparlamentarischer Widerstand hatte in Saskias Familie Tradition.

Ihr Vater war es, der die Fridays for Future Kids auf die Idee brachte, es mit einer wirkungsvollen und vor allem auffälligen Form des Demonstrierens zu versuchen. „Macht doch ein Die-in“, hatte er den Kindern nachgerufen, als sich Saskia mit ihren Klassenkameraden auf den Weg zur Demo machte.

Saskia googelte Die-in in der S-Bahn. Der Artikel bei Wikipedia begeisterte sie und ihre Freunde und schnell war man sich einig, dass das genau das richtige Zeichen für die Friday is for Future - Demo wäre.

Diese Form des Widerstandes tauchte Ende der 60ziger Jahre auf den Demos der Großeltern der jungen Demonstrantinnen und Demonstranten von heute auf. Die Apo traf sich damals regelmäßig zu Sit-ins, einer gewaltfreien Protestform, bei der man sich zum Sitzstreik niederließ und Straßen und Gebäudeeingänge blockierte. Unvergessen natürlich auch das legendäre Bed-in von John Lennon und Yoko Ono in einem Hotel in Amsterdam.

Bei einem Die-in legen sich die Kundgebungsteilnehmer wie tot zu Boden, um so ihren Protest gegen einen aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustand auszudrücken, den sie für lebensbedrohend oder unmenschlich halten.
Den 68zigern ging es darum, die Gesellschaft vom Muff von tausend Jahren zu befreien. In den 80zigern Jahren belebte Petra Kelly diese Form des Protestes wieder um gegen die Neutronenbombe und den Nato-Doppelbeschluss zu demonstrieren. Dabei symbolisierte die Aktion vor allem die Wirkung der Neutronenbombe, alle Menschen und Tiere zu töten.

Auch die jungen Klimaschützer möchten durch ihre Die-ins wachrütteln und für die Gefahren des Klimawandels sensibilisieren.

Als Bestatter wissen wir natürlich um die Wirkung des Todes, selbst wenn nur symbolisch gestorben wird. Der Tod ist der absolute Endpunkt, danach kommt (wahrscheinlich) nichts mehr. Wer zum Die-in aufruft, der hat große Angst davor, dass wir unsere Lebensgrundlagen zerstören. Wünschenswert wäre, dass von den Die-ins ein Weckruf ausgeht, der gehört wird.

Wir sind der Meinung, der Tod kann ein guter Lehrmeister zum zivilen Ungehorsam sein. Auch diese Symbolik steckt natürlich in einem Die-in. Vielleicht sind wir als Gesellschaft zu träge geworden und zum Glück wächst da eine neue Generation heran, die bereit ist, für ihre Ziele auf die Straße zu gehen.

Saskia und ihre Klassenkameraden erinnern uns mit ihren Die-ins daran, dass es an uns ist, unser Schicksal in die Hand zu nehmen.

Herzlichst

Hanna Roth                   David Roth

Bergisch Gladbach im September 2019


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kc0e7cec554a1480780c4266e0bf191a8.reichert@b306d1a9a1c447459fdccaef2466800dpuetz-roth.de, Stichwort „Denkanstoß”