Denkanstoß 33 – Die Gärten der Bestattung

Der Beginn der Zivilisation wird häufig gleichgesetzt mit dem ersten Auftauchen von Bestattungsritualen. Markiert der Zeitpunkt, als der erste Homo sapiens einem verstorbenen Sippenmitglied eine Muschelkette ins Grab legte, den Beginn unserer Gesellschaft, dann frage ich mich, wo wir zivilisatorisch mittlerweile angekommen sind?
Fakt ist: Immer mehr Menschen lassen sich anonym bestatten. Fakt ist auch: Aus unseren Friedhöfen wurden vielerortsüberreglementierte Begräbnis- und Steinwüsten.

Reihengrab an Reihengrab, Grabflächen und Steine streng genormt und als würde auch die Bepflanzung diktiert, dominieren Stiefmütterchen und Efeu. Es herrscht Ordnung, gibt aber kaum Menschen, die vor den Gräbern innehalten
und sich erinnern.

Am 5. Mai 2006 eröffne ich meinen privaten Friedhof in Bergisch Gladbach. Es ist der erste private Friedhof Deutschlands. Die „Gärten der Bestattung“ werden ein Platz lebendiger Erinnerung. Hier soll vieles anders werden. Trostlose Einheitsgräber wird es nicht geben, auch keine starren Friedhofszeiten und vorgeschriebene Rituale. Wir verzichten bewusst auf festangelegte Wege zu den Gräbern. Mit der Zeit sollen statt dessen „Trampelpfade“ entstehen. Sie sind für mich ein Symbol wie die Traumpfade der Aborigines, die in alten Mythen ganz Australien überziehen. Diese Traumpfade sind Ausdruck der Verbundenheit mit der Vergangenheit. Sie sind aber auch Orientierungswege für die Zukunft.

An stillen Plätzen kann man sich mit seiner Trauer auseinander setzen, kann sein Leben neu überdenken, sich seinen Ängsten stellen, seine Wurzeln spüren.

Die Grabstellen können von den Angehörigen selbst gestaltet werden, ohne dass sie großen Einschränkungen unterliegen, wie man sie leider von den meisten Friedhöfen kennt. Die Gestaltung soll der Umgebung und der Würde des Friedhofs angemessen sein. In den „Gärten der Bestattung“ werden zunächst nur Urnen und Totenasche beigesetzt. Vielleicht eines Tages auch mehr, aber so weit sind wir noch nicht in Deutschland. Bürokratieabbau ist auch im Friedhofswesen ein äußerst zäher Prozess. Viele Beamte möchten bei der Planung und Normierung der Gottesäcker von Trauernden nicht gestört werden.

Nicht nur in der Gestaltung, auch in der Planung möchte ich den Trauernden mehr Freiheit geben. Auf meinem privaten Friedhof haben Trauernde die Gelegenheit, auch abends ihre Toten zu bestatten oder am Wochenende. Eben dann, wenn
es eine gute Zeit für sie ist.

Bergisch Gladbach, im April 2006
Ihr Fritz Roth