Denkanstoß 4 – „Fritz“

Fünf Monate nach seinem Tod haben wir unseren Vater Fritz Roth am Wochenende zur letzten Ruhe gebettet. Der Mai war sein Lieblingsmonat. Deshalb haben wir als Familie entschieden, Fritz´ Urne erst jetzt beizusetzen. Fritz hatte mal die Idee, den
1. Mai zum Volkstrauertag zu erklären. „Trauer ist Liebe“ und deshalb gehörte Trauer für ihn in den Wonnemonat Mai. „Freude und Leid, es existiert immer alles gleichzeitig“, hat Fritz in seinen Vorträgen die Zuhörer ermuntert ihr Schicksal anzunehmen.

Wir haben uns viel Zeit für den Abschied gelassen und das war gut so. Die Urne stand in dieser Zeit bei unserer Mutter Inge zu Hause. Wann immer jemand zu Besuch kam, war Fritz auf besondere Art noch einmal anwesend. Er hat uns noch einmal zum Lachen und zum Weinen gebracht. Wir haben viel darüber gesprochen, was für ein wunderbarer Mensch er war, wir haben auch geschimpft, Fritz musste immer im Mittelpunkt stehen und das hat es uns manchmal schwer gemacht, unserem Vater nahe zu sein.

Fritz konnte die Menschen, die er liebte, im wahrsten Sinne des Wortes auf Händen tragen. Wir haben diese Geste auf eine wunderbare Art erwidert. Jeder von uns hat die Asche unseres Vaters ein Stück getragen und meine Mutter hat die Urne, die die Form eines roten Herzes hatte, gehüllt in einen roten Schleier ins Grab gelegt.

Das Grab von Fritz Roth in den Gärten der Bestattung, dem Friedhof, den er gegründet hat, wird zum Erinnerungsort. Auch das Bild unserer Mutter, die unseren Vater zur letzten Ruhe bettet, wird in unseren Herzen lebendig bleiben.

Freunde und Verwandte haben das Grab mit Heimaterde bedeckt, von dem Bauernhof in Eikamp, auf dem Fritz aufgewachsen ist. Und dann haben die vier älteren Schwestern das Grab des „kleinen Bruders“ mit Rosen geschmückt.

Der letzte Weg von Fritz Roth markiert den Beginn von zwei neuen Wegen. Eine Stunde nach der Trauerfeier am Grab wurden unsere Kinder Fritz Uwe Jesus Thiele und Luca Friedrich Andreas Roth-Flohten in der St. Johannes der Täufer – Kirche in Herrenstrunden getauft. Wir haben ein großes Fest gefeiert. Das hätte Fritz gefallen.

Gefallen hätte ihm auch unser Umgang mit Trauer. „Trauer ist der beste Lehrmeister für zivilen Ungehorsam“, hat Fritz immer gesagt und die Leute ermuntert „…sich ihre Toten nicht stehlen zu lassen.“ Seine Asche war über Monate bei uns. Wir haben ihn am Wochenende beerdigt. Wir haben an diesem Tag Freude und Leid geteilt. Natürlich haben wir die Bestattungsgesetze sehr großzügig in unserem Sinne ausgelegt.

Wir haben dadurch aus unserem Abschied große Kraft schöpfen können, „Trauerpower“ hat Fritz das in seiner wunderbar optimistischen dem Leben zugewandten Art genannt. Dafür sind wir dankbar.

Und wir werden von dieser Kraft in unserem Arbeitsalltag noch lange zehren und wir werden sie auch dafür einsetzen, dass unsere Bestattungsgesetze endlich zu Gesetzen werden, die den Menschen das ermöglichen, was in der schwersten Stunde gut für sie ist.

Herzlichst,
Hanna Thiele-Roth und David Roth

Bergisch Gladbach im Juni 2013

 

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