Episode 45 ∙ 01.07.2026 ∙ 33 Min
Darf man am Ende noch lachen, Herr Brodowy?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Matthias Brodowy
Darf man am Ende noch lachen? Kabarettist, Musiker und Autor Matthias Brodowy ist Schirmherr eines ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes in Hannover und bringt Menschen seit Jahren zum Lachen – ohne zu vergessen, dass das Leben nicht nur aus Leichtigkeit besteht.
Er erzählt, wie ihn der frühe Tod seines Vaters mit 42 Jahren als 22-Jährigen geprägt hat und ihm klarmachte, dem Thema Tod im Leben nie mehr auszuweichen, und warum er überzeugt ist, dass Humor sowohl den Menschen in der Hospizarbeit als auch den Begleiteten hilft – und deshalb auch auf die Kabarettbühne gehört.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Du bringst Leute auf der Bühne zum Lachen, gleichzeitig engagierst du dich in der Hospiz- und Palliativarbeit. Wie passt das zusammen?" – „Ich finde, das passt sehr gut zusammen … Wenn man den Tod komplett ausblendet, ist ein großer Teil des Lebens ja nicht mit dabei."

Über Matthias Brodowy
Matthias Brodowy ist zu Gast. Der Kabarettist, Musiker und Autor ist Schirmherr eines ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes in Hannover. Er erzählt, wie ihn der frühe Tod seines Vaters mit 42 Jahren als 22-Jährigen geprägt hat und ihm klarmachte, dem Thema Tod im Leben nie mehr auszuweichen, und warum er überzeugt ist, dass Humor sowohl den Menschen in der Hospizarbeit als auch den Begleiteten hilft – und deshalb auch auf die Kabarettbühne gehört.
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Hallo zu Talk about Tod, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Ich bin David Roth, schön, dass du wieder dabei bist. Und ich bin Klaus Reichert, in diesem Podcast sprechen wir über das Leben, über den Tod, über das was bleibt, was trägt und manchmal sogar tröstet. Unser Gast heute ist jemand, der Menschen seit vielen Jahren zum Lachen bringt und zum Gleich sehr genau weiß, dass das Leben nicht nur aus Leichtigkeit besteht. Matthias Brodovi ist Kabarettist, Musiker und Autor und er ist Schirmherr des ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes der Matthias an Hannover.
Herzlich willkommen, Matthias Brodovi. Ich freue mich tatsächlich, da zu sein, also überhaupt. Schön, dass du da bist. Wann waren Sie das letzte Mal auf einer Beerdigung? Dieses Jahr. Das war eine Beerdigung eines Menschen, der sehr alt geworden ist. Ein Mensch, dem ich persönlich viel zu verdanken habe, mit dem ich wunderbare Liedermacher-Festivals vor Kloster Banz organisiert habe und eine Radiolegende, der hat früher auch den ESC moderiert. Ardo Schlier, also wirklich eine Legende im bayerischen Rundfunk und es war eine schöne Beerdigung, weil wirklich ein reiches Leben gefeiert wurde.
Also eine Beerdigung, wo man sagen kann, ab einem bestimmten Alter, da geht man dann auch hin und sagt, es war gut. Du bringst Leute auf der Bühne zum Lachen, gleichzeitig schierst du dich in der Hospiz- und Palliativarbeit. Wie passt das zusammen? Ich finde, das passt sehr gut zusammen. Ich habe selber ja sehr früh Erfahrungen mit dem Tod machen müssen und habe seitdem Tod immer als großes Lebensthema gehabt. Und ich finde, Kabarett, was sich mit der Gesellschaft beschäftigt, man sagt ja immer, Kabarett sei Gesellschaftskritik, Kabarett muss sich demnach auch mit Leben und mit Tod auseinandersetzen.
Und wenn man den Tod komplett ausblendet, ist ein großer Teil des Lebens ja nicht mit dabei. Und deswegen, finde ich, gehört der Tod auf die Kabarett-Bühne und ich habe auch festgestellt, in der Hospizarbeit ist Fumor etwas, was sowohl den Menschen hilft, die dort ehrenamtlich oder hauptamtlich tätig sind, aber auch den Menschen, die begleitet werden. Dürfen wir was über diese frühe Erfahrung erfahren, würden Sie uns das erzählen? In jedem Fall. Also mal abgesehen davon, dass ich sehr jung war, als mein Opa starb, war es halt so, dass mein Vater mit 42 Jahren verstorben ist.
Ich war damals 22, hatte aber auch zwei Brüder, die 11 und 13 waren und damals musste ich zum Beispiel feststellen, einmal, dass der Tod sehr schnell ins Leben kommen kann, sehr unerwartet kommen kann, sehr brutal ins Leben kommen kann. Ich bin jetzt 53 Jahre alt und stelle eben fest, 42 ist, wenn ich das mal so sagen darf, scheiße jung, viel zu jung um zu sterben, aber auch damals war mir das klar, ich hatte ja nun meine beiden Brüder und wenn der Vater stirbt in dem Alter ist das einfach nur schrecklich, es ist einfach nur furchtbar. Und damals habe ich mir geschworen, dass ich vor dem Tod im Leben nicht mehr weglaufe, sondern dass das ein Thema wird, einfach, ich habe auch festgestellt, dass zum Beispiel an der Schule die Lehrkräfte, aber auch die Mitschüler, dass sie überhaupt nicht mit so etwas umgehen können.
Und das ist auch nicht schlimm. Das ist wahrscheinlich sogar völlig normal. Aber seitdem ist es ein Lebensthema für mich geworden mit Menschen über den Tod zu reden und darüber zu reden, wie man mit Menschen umgeht, die nun in einer solchen Situation einfach gefangen sind, eben nicht wegzulaufen davor, sondern sie im Zweifelsfall einfach wie auch immer in den Arm zu nehmen. Würden Sie sagen, dass das der Auslöser war, sich um sterbende Menschen zu kümmern oder gab es später nochmal einen Moment, ein Ereignis, wo Sie sagten, ja, ich mache das jetzt?
Naja, ich glaube schon, dass das der Auslöser war, mich überhaupt mit dem Tod so intensiv zu beschäftigen. Ich hatte allerdings auch das Glück, das muss ich sagen, schon früh auf dem Friedhof zu sein, als Messdiener. Also es war für mich normal, neben einem Sack zu stehen und das Kreuz zu halten oder mit dem Pfarrer vor dem Sack mit dem Kreuz herzugehen und mit dem Bestatter anschließen. Das war für uns die Krönung für uns junge Messdiener, wenn man mit dem leichen Wagen zurückfahren durften. Das war toll. Also so etwas fanden wir klasse. Und dann war ich ja Friedhofs Organist, das heißt auch da hatte ich Begegnung und Berührung mit dem Tod.
Vielleicht war das auch eine gute Vorbereitung auf die Situation mit meinem Vater selber, weil ich dann zum Beispiel diese Beerdigung ganz besonders geplant habe. Das war eine sehr, sehr persönliche Beerdigung und das habe ich dann später bei Todesfällen in der Familie immer wieder auch so gemacht, sehr persönlich zu sein. Ich habe viele Freunde und Freundinnen beraten, dass man eben auch sehr persönlich an so was rangehen kann und sehr individuell Beerdigungen, aber auch Trauerarbeit überhaupt machen kann. Und ich habe auch einige Beerdigungen als freier Redner im Freundeskreis gemacht, wo ich auch eigentlich nur eine Maxime hatte zu sagen, wie kriegen wir es so persönlich und so schön wie möglich hin.
Ich finde nichts besser als wenn man hinterher sagen kann, das war zwar traurig, aber es war schön. Ich muss jetzt fairerweise dazu sagen, als Schirmherr des ambulanten Hospiz und Palliativberatungsdienstes bin ich natürlich vor allen Dingen Lobbyist für diese Arbeit. Also ich versuche mal Geld zu sammeln, Ben-Fitz-Auftritte, versuche aber eben vor allen Dingen auch dafür zu werben. Also vor allen Dingen Menschen überhaupt davon zu erzählen, dass es das gibt. Aber das ist mir nochmal ganz wichtig, weil ich jetzt, ich bin nicht ein ausgebildeter Hospizbegleiter.
Ich finde das ganz wichtig, dass die Menschen das auch wissen, dass das ja Ehrenamtliche auch teilweise sind, die sich auf Lehrgänge, also gibt es auch Hauptamtliche, aber auch Ehrenamtliche, die sich auf Lehrgänge erst mal begeben, bevor sie das so machen können. Leute, die unglaublich viel Einsatz bringen, bevor sie überhaupt dann mit dieser Arbeit beginnen, damit sie gut vorbereitet sind. Ich selbst besuch ab und an mal jemanden, wenn sich zum Beispiel jemand das wünscht. Ich hatte einen Fan, eine Dame, ich darf das glaube ich jetzt so erzählen.
Das ist sehr lange her schon. Die hatte einen Gehirntumor und wünschte sich, dass ich mal vorbeikommen. Da bin ich natürlich vorbeigekommen und das war für mich sehr schwer erstmal zu nehmen, weil diese Frau ganz normal war. Sie war völlig normal. Sie war nicht im Krankenhaus, sie war zu Hause, das ist ja die Idee des ambulanten Dienstes. Und sie sagte selber, sie hatten Feind im Kopf und weiß, eines Tages kommt der Moment, dann schlägt er zu. Aber bis dahin will sie noch ganz viel erleben, mit einer Harley-Davidson-Fahren und diesmachen und jenes machen.
Wir haben viel gelacht, sie hat mir Fotos gezeigt, wir haben Kaffee getrunken und ich konnte sie dann noch einladen zu einer Premiere bei mir in Hannover zum neuen Kabarettstück. Da kam sie hin, hat sich dann ganz schick gemacht und war richtig fröhlich und konnte eben noch mal leben. Sie wusste genau, das Ende kommt wahrscheinlich noch im gleichen Jahr und das Ende kommt dann schnell. Und dann, das ist so etwas, das ist jetzt genau zehn Jahre her. Ich werde das nie vergessen, ich habe ihr versprochen, ich komme noch mal vorbei und irgendwann kam, da war ich in Freiburg im Breisgau, gerade kam der Anruf, Frau Sowieso, ist jetzt ins Hospiz gekommen.
Also, Endstation jetzt. Wir wissen, es wird in den nächsten zwei Wochen zu Ende gehen, sie weiß es auch. Und sie wollte dahin, war glücklich, dass es geklappt hat und ich habe sie sofort angerufen, habe gesagt, Frau, ich nenne den Namen nicht. Ich bin in Freiburg, ich habe heute Abend einen Auftritt, es ist Samstag, Montag komme ich zu Ihnen und ich weiß noch, was ich gesagt habe und unterstehen Sie sich, vorher zu sterben. Wir haben uns versprochen, dass wir uns noch mal sehen. Es ist nicht mehr dazu gekommen. Sie ist tatsächlich in dieser Nacht im Hospiz gestorben, aber das war wunderschön.
Das war im Prinzip das Schönste, was ihr passieren konnte. Sie hat sich genau das gewünscht. Ankommen, also so würde ich das dann nennen, in den festen Hospizen gibt es das ja häufiger mal, dass darüber berichtet wird, dass die Menschen dort ankommen und noch in sehr kurzer Zeit sterben. Also sie eigentlich noch eine Prognose haben von vielleicht einer Woche, von vielleicht zwei Wochen, von vielleicht drei Wochen, aber sie sind angekommen. Sie sind an dem Ort, an dem sie sein wollen und dort lassen sie vom Leben los. Und es ist sehr traurig, dass ich sie nicht mehr gesehen habe.
Ich finde es aber sehr schön, dass wir noch mal miteinander gesprochen haben, dass wir uns verabredet haben und dass sie so in Frieden gehen konnte. Das war eigentlich toll. Und das sind so die Momente, die finde ich beeindruckend, dass es Menschen gibt, die eben diesen Weg so vorbildhaft gehen, also vorbildhaft für uns alle. Für mich ist diese Frau ein Vorbild, dass sie mit ihrer Krankheit leben konnte, gesagt hat, ich mache noch was Schönes, ich gehe ins Theater, ich fahre eine Harley-Davidson, ich unternehm was und ich weiß, dass Ende kommt, ich werde Silvester nicht mehr erleben, wahrscheinlich Weihnachten nicht mehr erleben, ich werde das nicht mehr schaffen.
Ist aber egal, bis dahin mache ich was und ich bereite mich darauf vor und wenn es nicht mehr geht, dann gehe ich ins Hospiz. Und es hat alles wunderbar geklappt, nach Plan. Das ist einfach, also finde ich beeindruckend und das gibt mir persönlich auch viel. Sie sind ja als Komedien oder Kaparitist immer auf der Suche nach Proernten und eine Proernte könnte ja auch sein, dass sie sie gar nicht mehr sehen wollte. Ja, es könnte sein, genau. Ich habe jetzt mal eine Übergang versucht, ihr so mit ihrem Beruf zu tun, sie bringen ja beruflich Menschen zum Lachen, verändert sich der Blick auf Humor, wenn man sich mit sterben und Endlichkeit beschäftigt.
Ja, absolut. Also ich finde, es gibt ja den wunderbaren angelsächsischen Humor oder auch, ich finde es sehr schön bei den österreichischen Kollegen. Die Österreicher haben ein ganz besonderes, also gerade die Wiener haben ein besonderes Verhältnis zum Tod. Auch die österreichischen Kaparitisten, Kollegen haben eine besondere Form des schwarzen Humors. Und dieser schwarze Humor oder Galgenhumor oder im angelsächsischen Raum hat man es eben auch oft, auch bei Monty Python zum Beispiel. Da ist der Tod so im Humor integriert, dass der Tod verlacht wird.
Das ist übrigens eine alte kirchliche Tradition. Es gab ja dieses berühmte Osterlachen, dass sozusagen der Tod verlacht wird, weil über dem Tod eine Macht steht, die größer ist als der Tod. Und ich finde aber die Idee, dass der Tod von uns auf der Bühne auch verlacht wird und man damit ein bisschen eingeladen wird zum Leben, das ist eine schöne Idee. Und das ist aber, da hat nicht jeder den Zugang zu. Ich habe ein paar Geschichten, dass ich über meinen eigenen Tod spreche. Ich finde das leichter als über den Tod der anderen zu sprechen. Es ist über meinen eigenen Tod spreche und es gibt immer wieder Leute, die damit überhaupt nicht klarkommen und die dann hinterher sagen, das macht man doch nicht.
Also dieses berühmte "Das macht man nicht". Es gibt so vieles, was man nicht macht. Ich bin schon kritisiert worden, dass ich auf Beerdigung bestimmte Lieder gesungen habe oder dass auf der Beerdigung bei meiner Rede zu viel gelacht wurde, obwohl ich das so wichtig finde, weil ich immer finde, wenn man über die Schwulligkeiten eines Verstorbenen, der dann ja so richtig auflebt, wenn man gerade über Schwulligkeiten erzählt, wenn man darüber lachen kann, ist das doch die schönste Form von Liebe eigentlich, die dann gezeigt wird. Es gibt immer wieder Menschen, die sagen, das macht man nicht.
Und da möchte ich gegen angehen. Ich möchte gegen dieses "Das macht man nicht" angehen. Ich habe auf der Beerdigung meines Vaters, der ein Säufer war, habe ich Bier ausschenken lassen, weil das einfach sein Leben lang zu ihm gehört hat und habe seine Lieblings-Trinklieder, die ja mit seinen Kumparen ständig gesungen hat, vom Kammerorchester spielen lassen. Und das hat am Anfang auch für Irritationen gesorgt. Aber nach dem dritten, vierten Bier wurde es dann auch wieder irgendwie lustig. Also da haben die Leute dann gesagt, ja, am Anfang werden sie irritiert gewesen, weil das auf der Beerdigung selbst, also in dem Raum, in dem auch der Sack steht, schon irgendwas ausgeschenkt wird, war für die meisten sehr ungewöhnlich.
Danach geht es natürlich ab damit. Oder das ist ja jetzt nicht so ungewöhnlich. Dann geht es so ab und ich glaube, das ist ja eigentlich auch die große Kunst, gerade in so einer Trauerrede, dass man im Menschen wirklich nahe kommt und weiß, was man da gerade tut. Und ich muss gestehen, ich habe vor kurzem eine wunderschöne Trauerrede von einem Pfarrer gehört. Ich glaube, da habe ich sogar von erzählt schon mal. Und der hat halt all die liebenswerten Eigenschaften, die man natürlich da erwartet. Viele sagen ja, dass so eine Beerdigung eigentlich die ultimative Lobhuttelei ist.
Viele übertreiben es ja sogar in die Richtung, dass nirgendwo so viel gelogen wird wie auf einer Beerdigung, wo er dann aber auch genau über diese Schrullen gesprochen hat, über das liebenswürdige und das Penible, bis hin zum Pedantisch in der Person. Und das Mitten in der Kirche, das war wunderschön. Und insgesamt muss ich sagen, dazu, dass wir dann noch so ein richtiges Wetterspektakel hatten, alles was es so an Ausprägungen an Wetter da geben konnte, das hat einfach einen besonderen Moment geschaffen, der Menschen dann auch in Erinnerungen bleibt und nicht einfach so eine Pflichtveranstaltung ist.
Der haben diese Sehnsucht näher gebracht hat, was jemand gerne gegessen hat, wo er hingegangen ist, wie man ihn erlebt hat und wo man dann dann doch wieder verknüpfen kann. Und das ist wunderschön. Ja, damit sind wir eigentlich dann auch mitten in diesem Thema. Du hast mal sinngemäß gesagt, dass ja anders als viele Kabarettisten, die sich mit der Tagespolitik befassen und dem, was wir jeden Tag erleben, du eigentlich das Gefühl hast, dass man viel mehr über Menschen lernen kann, wenn man gerade in diesen Niederungen in Krankenhäusern Pflegeeinrichtungen oder am Rand des Lebens in diesem Bereich näher zum Tod erleben kann.
Was lernt man in solchen Situationen über Menschen? Naja, man lernt etwas über Menschen und über unsere Gesellschaft. Also wenn ich zum Beispiel einen, wenn ich jetzt mal unabhängig vom Tod einen Pflegeheim betrete, ich sehe wie unsere Gesellschaft tickt, ich sehe eine reiche Gesellschaft, die auf, auf Pfannen, auf Spaß aus ist, auf tollen Urlaub fahren und alles ist möglich. Also alles geht, nichts muss. Und dann komme ich in einen Pflegeheim und als erstes stelle ich fest hoffnungslos unterbesetzt. Menschen am Limit. Vieles muss warten. Im Zweifelsfall muss eben auch die Person warten, die dringend auf die Toilette muss.
Aber es ist niemand da. Die Person muss warten. Es geht dann bis hin ins Unwürdige, das dann gesagt wird, ist egal, machen Sie halt ins Bett. Also das müssen wir uns vorstellen. Und da lernen wir doch viel über unsere Gesellschaft, wo wir unsere Prioritäten setzen. Das ist für mich zum Beispiel höchstpolitisch. Da wird dann mal geklatscht für die Pflegekräfte oder da wird mal gesagt, man müsste mal, ja, müsste es gut. Man macht aber nichts. Wir müssen Strukturen verändern. Wir müssen auch einfach feststellen, diese Gesellschaft wird immer älter und wenn die Babyboomer jetzt sozusagen mal irgendwann ins Pflegealter kommt, dann haben wir hinterher die Billenknick-Kinder.
Das heißt, wir haben viel zu wenig Leute, die viel zu viele pflegen müssen. Dann kann man natürlich sagen, aber es sein, haben wir Pflegeroboter und alles. Ich setze mal weiterhin natürlich auch drauf, dass wir uns überhaupt mit dem Thema beschäftigen, dass das alles ansteht. Da habe ich das Gefühl, setzt die Politik Prioritäten falsch. Das Zweite, man lernt viel über Familienstrukturen. Es gibt die einsamen Menschen, wo vielleicht zum Geburtstag und zu Weihnachten jemand vorbeikommt und die sonst niemanden mehr haben. Das Thema Demenz. Natürlich ist das ein organisches Thema, aber Demenz kann oder ist sicherlich nicht förderlich, wenn man nur im Bett liegt und an die Decke starten.
Es ist gut, wenn man Beschäftigung hat, wenn man redet, wenn man Ansprache hat, wenn man überhaupt ein Miteinander hat. Das Miteinander kommt dann auch zu kurz. Ja, und dann geht es natürlich um den Menschen selber, der man ja eines Tages selbst auch sein könnte. Wir sehen ja vielleicht unser zukünftiges Ich darin. Das ist für mich also etwas, was unbedingt ins Kabarett gehört, weil manchmal mich die Tagespolitik gar nicht so interessiert, wie eben genau diese Dinge, die für unsere Gesellschaft doch so symptomatisch sind. Ich habe ein Lied geschrieben über einen Menschen mit Demenz, der mir tatsächlich mal begegnet ist und sehr eindrücklich war.
Das Lied heißt "Seine Welt" und die Idee dieses Liedes ist, was dieser Mensch in seiner Welt erlebt. Das kann ich nicht korrigieren, indem ich sage, das stimmt doch alles gar nicht, das ist doch alles gar kein Problem, sondern es ist meine Aufgabe, dass ich mich auch in seine Welt begebe, um ihn vielleicht ein bisschen besser zu verstehen und um plump mitzuspielen, um ihm Sicherheit zu geben. Wenn in seiner Welt bestimmte Dinge so sind und wir uns an einem ganz anderen Ort befinden, was vertue ich mir, wenn ich mich einfach zu diesem Ort begebe und ihm nicht sage, aber sowieso, wir sind doch hier im Pflegeheim und nicht auf der Insel Langeoog.
Kann ich doch sagen, ja, es ist doch schön hier auf Langeoog, freue mich, dass wir uns sehen und ich bin der Leuchtturmwerter. Sie haben mich ja erkannt. Warum denn nicht? Also einfach mitspielen. Ich habe viel Musik im Altersheim gemacht und auch im Pflegeheim und hatte viel mit den Menschen zu tun. Es ist unglaublich, was Musik mit den Menschen macht. Wie viel Sicherheit ihnen die Musik gibt, weil da so viel Erinnerungen sind, so viel Wissen auch noch, so viel Liedtexte sind präsent. Aber teilweise haben die Menschen auch getanzt, Menschen, die sonst sich kaum noch bewegen.
Wir können unglaublich viel mit unglaublich wenig machen, wenn wir uns nur damit beschäftigen würden. Und genau das tun wir als Gesellschaft nicht. Genau, und das ist es, was du mit da sein meinst, in diesem Moment sein, oder? Auch, genau. Ich bezog es vor allen Dingen auf, es war so schön, ich weiß nicht, wer es gesagt hatte zu Beginn, dass es gut, dass wir leben, also dass wir deswegen da sind. Aber es stimmt, wir sind sehr wenig im Hier und Jetzt und wir nehmen sehr wenig um uns herum wahr. Und Aufgabe von Kabarett ist genau dafür zu sorgen, eben solche Dinge auch zu sehen und nicht immer nur zu sagen, ja, die da oben in der großen Politik, die müssten mal, sondern es ist ganz, ganz leicht, selbst vor Ort, eine Kleinigkeit zu machen.
Ich habe mich lange in Pflegeheimen aufhalten müssen, meine Mutter hat über 20 Jahre in dieser Situation gelebt. Und ich habe am Anfang die Erfahrung gemacht, dass man schon, wenn man das erste, zweite, dritte Mal dahin kommt, schon ein bisschen schockiert ist über die Situation. Das ist der Geruch, der da ist, ist natürlich auch teilweise der Zustand, die nehmen die Menschen dort sind. Und ich habe dann aber festgestellt, dass es für meine Mutter selbst und die anderen Menschen, die da gelebt haben, etwas viel Wichtigeres gibt als, dass die Tapete bunt ist und alles irgendwie so, der äußere Rahmen irgendwie besonders ist, sondern die Sozialstruktur, die Menschen miteinander begegnen, die sich da sind, die füreinander da, kommen die miteinander aus, kümmern die sich umeinander.
Wenn das der Fall ist und teilweise kann man das ja auch initiieren, wenn man in so einem Heim arbeitet oder wenn man das leitet, dann ist der Aufenthalt dort ein ganz anderer als der, den man so auf den ersten Blick wahrnimmt. Weil was man wahrnimmt ist, dass das Leben halt anders wird und anders aussieht durch die Einschränkungen und durch natürlich auch die Art und Weise, wie diese Räume oft gestaltet sind. Und ich habe dann das Gefühl bekommen, dass es meiner Mutter auch egal ist, wie es da aussieht. So verlangen ihre Freundin damit am Tisch sitzt und die Menschen sich umeinander kümmern.
Und das ist etwas, was man halt schwer sieht, wenn man nur immer mal hingeht und dann sind mir die Leute begegnet, Freundin meiner Mutter, die gesagt haben, oh, ich kann da nicht hingehen. Ich bin immer dann depressiv, wenn ich da weggehe, weil es ist so schlimm da und dann sage ich, ja, das ist deine Sicht drauf, weil du deine Perspektive nicht verändern kannst. Aber stell dir vor, du lebst in so einer Situation. Was wäre dir denn wichtig? Wichtig, wie ist in so einem Moment, dass man Freunde hat, dass man Freundinnen hat, dass die Menschen sich umeinander kümmern?
Weil das ist etwas, was auch im richtigen Leben eigentlich zählen sollte, mehr zählen sollte, als das oft der Fall ist oder wie sehen Sie das? Ja unbedingt, ich habe eben auch gerade überlegt, dass es ja nicht nur mit den Pflegeheimen so oder Menschen, die sagen, ich kann nicht in ein Krankenhaus gehen, es deprimiert mich. Es ist ja auch mit Beerdigung so. Ich kenne Menschen, die sagen, ich gehe nicht auf eine Beerdigung, ich gehe nicht auf eine Fühlung. Aber zum Bestatter. Oder zum Bestatter, genau. Und schon gar nicht gehe ich an einen offenen Sack.
Nein, das ich will damit nichts zu tun haben. Ich glaube, wir müssen uns viel mehr mit den Menschen, wir müssen viel mehr Begegnung mit dem Menschlichen haben. Und zum Menschlichen gehört für mich das Leiden auch dazu, sich diesem Leiden nicht zu entziehen. Und es gehört auch dazu zu Würde des Menschen, wenn das Leben zu Ende ist. Auch diesem vergangenen Leben einen gewissen Respekt zu zäulen und sich auch dem auszusetzen, sag ich mal. Also auch der Realität zu stellen. Weglaufen können wir davor nicht. Aber das machen viele in vielen Bereichen.
Ich bin auch, das gebe ich offen zu, sehr oft vor der Steuer weggelaufen. Nicht im Sinne davon, dass ich sie nicht bezahlt hätte, sondern dass mein Steuerberater mich zehnmal erinnern musste, endlich die Unterlagen einzureichen. Das hat mich schlicht überfordert, alle Zettel zusammen zu sammeln. Also ich weiß auch, man kann vor Dingen weglaufen. Aber man sollte nicht davor weglaufen, wenn ein nahe Angehöriger irgendwo einfach Hilfe braucht. Oder vielleicht nicht ein nahe Angehöriger. Manchmal kann es ja auch ein Mensch sein, von dem man weiß, der hat gar keine Zugehörigen mehr.
Da gibt es niemanden mehr, gibt es keine Familie mehr. Aber das war meine Nachbarin oder mein Nachbar. Da gehe ich jetzt mal hin. Und das ist für mich Begegnung. Also einfach Begegnung, dass wir Menschen uns viel mehr begegnen müssen. Und diese Begegnung, also in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder auf Friedhöfen scheuen viele. Weil ich glaube, sie haben einfach Angst, ihre Zukunft oder eine Option ihres Lebens zu sehen. Und das wollen sie nicht. Ist jetzt Küchenpsychologie, ne? Ja gut, aber wie gesagt, so Momente geben einem ja auch Zuversicht.
Da merkt man auf einmal, was wirklich real ist. Und dass es halt trotz einer schwierigen Situation für Momente zumindest schön sein kann. Wenn man einfach halt nur beieinander ist, irgendwas erlebt. Sich dran erinnert, wie es auf lange Och oder so war. Und ja, ich finde, man nimmt sehr viel für sich auch aus diesem Moment mit. Bist du mal nach lange Och gefahren? Ja, ich war auf dazu allen in Sinn. Ich komme jetzt gerade von einer Tournee wieder, die mich nach Für und Amrum und Sylt gebracht hat. Wo alle immer sagen, mein Gott, hast du ein tolles Leben.
Und ich sage, hm, ich komme von der Fähre, fahre ins Hotel, fahre von dort ins Theater. Fahre vom Theater wieder ins Hotel. Und wenn ich Glück habe, habe ich am nächsten Morgen vor der nächsten Fähre noch die Zeit, nach dem Frühstück einmal zu gucken, wo das Wasser ist. Und das ist dann ja meistens weg, weil Ebbe ist, ne? Also das macht das Wasser extra. Beziehungsweise weil ich damit meinte, ist es auch einfach die Anregungen, die wir aus Gesprächen heraus bekommen. Dass man einfach merkt, warum Menschen sich lieb haben, was besonders in ihrem Leben ist, was sie genießen und so.
Das ist besser als jede Zeitschrift, die uns irgendwas verspricht. Haben Sie aus Gesprächen mit Ehrenamtlichen oder mit Betroffenen was mitgenommen, dass Sie bis heute nicht loslässt? Also ich habe vieles mitbekommen und was mich tatsächlich gar nicht loslässt, das hängt mit meinem Beruf zusammen, ist die immer wiederkehrende Aussage, wir lachen viel. Also wenn Ehrenamtliche und Hauptamtliche mir sagen, wir lachen viel, wir lachen auch mit totkranken Menschen. Aus Pizarbeit ist ja nicht immer zwangsläufig, dass man mit Menschen arbeitet, die in den nächsten vier, sechs oder acht Wochen sterben, sondern es sind Menschen, die auch lange Zeit begleitet werden, weil sie eine sehr, sehr schwere Erkrankung haben und sie eine langfristige Begleitung brauchen.
Also es gibt durchaus Besuchstdienste, die auch mal über ein, zwei, drei Jahre gehen können. Aber auch wenn von Fällen erzählt wird, dass Menschen dann relativ bald gestorben sind, immer wieder die Rede davon und wir haben viel gelacht und sie hat noch einen Witz erzählt und sie hat doch die Anekdote erzählt. Und das ist ja übrigens auch etwas, was bei uns sagt, man Leichenschmaus, also man nach der Beerdigung weiß immer gar nicht, das nennt man wohl überall anders. Also in Niedersachsen sagen wir Leichenschmaus, wenn wir hinterher nach der Beerdigung irgendwo hingehen und dann kommen die Anekdoten und dann fangen die Menschen an zu lachen.
Da sieht man doch, wie wichtig dieses Lachen ist und es wird ja niemals über den Verstorbenen gelacht, sondern man lacht, weil es so schön war, wie er war oder wie sie war. Und auf einmal lebt diese Person so auf. Deswegen sage ich, Lachen ist die schönste Form von Liebe, die man einem verstorbenen Menschen gegenüber bringen kann. Weil die Person so auflebt. Bei uns im Berglichen sagt man, dass mit der Beerdigung nur die Hälfte geschehen ist und dann geht es zum Felversaufen. Felversaufen. Das bei uns genannt, andere haben eher den Beerdigungsimbis und so etwas.
Macht das einen Unterschied für dich oder auch in der Wahrnehmung des Themas? Denn jetzt jemand früh wie dein Vater oder viel, da ist sogar noch viel früher als Kind verstirbt. Also klar, ich glaube ganz ehrlich, mein bester Freund aus Wolfsburger Zeiten ist mit 19 Jahren tödlich verunglückt. Da war ich auch 19. Ich glaube, das ist kein Ort, wo man nach einem schweren Verkehrsunfall und bei so einem jungen Tod, kann ich mir nicht vorstellen, dass es auch nur den Ansatz von Lachen auf der Beerdigung oder hinterher geben kann. Das kann ich mir tatsächlich nicht vorstellen.
Außer es sind Freunde da, die dann nochmal ihnen so richtig aufleben lassen und auch da die Anekdoten erzählen. Allerdings eher nicht bei der Beerdigung, sondern auch eher hinterher im Kleinkreis und vielleicht dann bei manchen auch durchaus bei einem alkoholischen Getränk oder so. Das weiß ich nicht. Aber ich finde schon, es ist angenehmer, wenn ein Mensch geht, wenn seine Zeit war. Also ich muss sagen, am Sarg meines Vaters war es sehr, sehr schwer. Am Sarg meines Opa's war es auch traurig. Aber er war 94 und es war, wie es war, dann auch gut.
Und er wollte sterben. Und es war seine Zeit. Das ist in Ordnung. Da habe ich auch lange am Sterbebett gesessen und konnte sozusagen glücklich Abschied nehmen. Bei meinem Vater war es ein schreckliches Abschied nehmen. Also wenn ein Mensch mit 42 stirbt, ist es einfach, es ist Scheiße. Wir konnten uns vorbereiten, weil er 48 Stunden schon Hirntod war. Das ist dann tatsächlich eine Gut-... Es klingt jetzt ganz doof. Oder ich konnte es. Ich weiß nicht. Es ist eine Gnadenfrist, das man verstehen lernt. Ich habe ihm in der Zeit, zum Beispiel, obwohl mir die Ärzte gesagt haben, er kann jetzt nichts mehr mitkriegen, er ist eigentlich schon tot, nur die Maschinen halten ihn am Leben.
Ich habe ihm den gesamten kleinen Prinzen vorgelesen in der Zeit. Das gibt mir bis heute sehr viel. Das ist natürlich die Sache. Das ist für viele Menschen, egal wie die Situation ist, also jetzt nochmal anders als das, was du gerade geschildert hast. Trotzdem plötzlich und unerwartet, auch wenn es mit 90 Jahren oder so ist. Ich habe jetzt gerade eine Familie begleitet. Der war der Vater weit über 90. Und auf die Frage, ob die das erwartet hätten, nee, jetzt eigentlich nicht, vielleicht in zwei, drei Monaten, wo ich mich natürlich auch frage, wo das so ist.
Und es ist natürlich auch gerade unsere Aufgabe, diese von manchen als Schleusenzeit bezeichnete Zeit, diesen Übergang zu gestalten, bis man vielleicht bereit ist, jemand wegzugeben. Und das führt uns natürlich, wo der Klaus, glaube ich, noch eine Frage hat, schon fast in den nächsten Teil. Eine kurze Frage habe ich noch, David, weil jetzt haben wir schon das eine oder andere persönliche Erlebnis geschildert. Ein Erlebnis möchte ich noch schildern, weil mein Vater ist mit 69 gestorben. Das ist so dazwischen. Also das ist nicht jung, aber das ist auch noch nicht richtig alt.
Und er ist gestorben tatsächlich an seinem Alkoholismus. Und als ich ihn gefunden habe, morgens lag er mehr oder weniger unter seinem Rollator. Und in diesem Fach vorne im Rollator war ein Boxbeutel drin und ein Piccolo, seine Nachtration, die er mitgenommen hat und sein Blick war wirklich auf diese beiden Flaschen gerichtet. Und in diesem Moment ist er gestorben. Das war für mich dann doch klingt komisch, aber dann auch etwas Stimmiges. Und was mir dann geholfen hat danach war, dass wir ihn ja zu Hause aufgebahnt haben und tatsächlich ihn noch eine ganze Weile anschauen zu können, hat mir dann im Nachhinein total geholfen, weil er hatte, mit jedem Tag wurde sein Blick irgendwie friedlicher.
Das ist mehr oder weniger so ein Plädoyer auch dafür zu sagen, ja, wenn die Situation eintritt, sich dann nicht abzuwenden, sondern wirklich dem zuzuwenden und hinzuschauen, was da passiert. Ja, und so ist zu befassen. Und das ist ja eigentlich das, wofür man nur werben kann, dass man vertrautes Nutzen, in vertraute Räume gibt es nicht so weit an den Rand der Gesellschaft wie in den Heimen zu schieben. Oder letztlich muss man ja auch sagen in den Begräbniswäldern, meine Mutter hat mal gesagt, weiter entfernt kann man Menschen kaum bestatten, weil ich das später halt vielleicht auch nicht mehr so einfach hinkomme, da kein Bus hinfährt oder mich mal anabringen könnte.
Wo dieser Blick auf den Tod und das Vertraute dieses Innerhalten, eigentlich gerade wie die Momente über die wir gesprochen haben im Heim, wenn ich dann so einen Moment habe, der mich viele Jahre begleitet, auch wenn die Person vielleicht verstirbt, dass es einfach zeigt, dass das alles real ist. Ich werbe ja noch, das finde ich, ich möchte das, und das mache ich tatsächlich sogar manchmal sehr offensiv im Bekanntenkreis. Ich werbe dafür, dass die Menschen ihre eigene Beerdigung planen und sie als Feier planen. Ich möchte das bei mir jetzt nicht, weil ich Showeffekte haben möchte.
Die Leute dürfen auch gerne mal über mich weinen. Das ist völlig in Ordnung. Ich will jetzt nicht so tun, als wäre das alles nichts. Aber ich würde mir jetzt zum Beispiel einfach wünschen, selber zu wissen, wie meine Beerdigung abläuft. Nun bin ich Mensch von der Bühne und ich mag einfach nicht, dass irgendwer irgendwas macht. Es muss schon getimt sein. Also andersherum war ich sterbeweise nicht, aber das Timing danach muss stimmen. Es gibt ja keine Zufälle im Leben. Wo du es gerade ansprichst, wie würdest du dann sterben wollen? Ich weiß es. Ich habe meine größte Angst davor, plötzlich zu sterben.
Ich hatte letztes Jahr einen heftigen Verkehrsunfall, wo mir das nochmal sehr bewusst geworden ist, wie schnell das passieren kann. Und ich habe wirklich Angst davor, mit dem Herzinfarkt oder mit dem Schlaganfall plötzlich umzukippen. Ich möchte auch nicht lange leiden, weil ich mir irgendwie verabschieden kann von der Welt und von den Menschen. Da wir es uns nicht wünschen können, wer weiß, vielleicht wisst ihr es bald. Ich hoffe nicht, die mein Ableben war. Aber andersherum, ich habe keine Angst davor, bewusst zu sterben. Ich wünsche es mir, bewusst zu sterben.
Ich möchte gerne bewusst gehen. Und ich bin Mensch mit sehr viel Zuversicht. Ich bin auch ein gläubiger Mensch. Ich würde auch neugierig gehen. Wir haben Sie ja schon ein paar Jahre her auf der Bühne in den Gärten der Bestattung beim 50-jährigen Bühnenjubiläum von Purple Schultz erlebt. Das war eine ganz großartige Veranstaltung. So war es als Abschiedsfeier, wäre wahrscheinlich in Ihrem Sinne, oder? So in der Richtung. Also zumindest müsste gute Musik. Ich bin ja ein großer Heavy Metal-Fan. Es dürfte Iron Maiden gespielt werden. Es dürfte auch 666, The Number of the Beast gespielt werden.
Ich hätte damit kein Problem. Ich hätte gerne noch den Blick des Fahrers gesehen. Aber es sollte live gespielt werden. Und von Leuten, die es können. Hättest du auch eine Idee, was der Fahrer sagen darf? Oder würdest du ihm da vielleicht so ein bisschen, also schreibts ja selber auch trauer reden. Was würdest du ihm mit auf den Weg geben, was er auf jeden Fall mitnehmen sollte? Ich würde ihm in jedem Fall sagen, erzähl keinen Scheiß, sag wer ich war. Und mach zwischendurch, also ihm könnte ich, dem Fahrer könnte ich sagen, über mich gibt es so viele Anekdoten.
Und wenn er nicht weiter weiß, nimmt irgendwas aus meinem Programm was lustig war. Und ließe es noch mal vor. Ich habe aber ernsthaft überlegt, ich habe es noch nicht getan, aber vielleicht sollte ich es wirklich tun. Dass ich selber noch eine letzte Message auch einspreche. Dass ich fände es sehr charmant, wenn vom Band meine Stimme käme, das ist jetzt auch nicht neu. Aber nicht als Show-Effekt, sondern einfach um den Leuten zu sagen, mach's gut, war schön mit euch. Und habt keine Angst, mir ging es in allem, was war, ging es mir gut. Und ich bin fest davon überzeugt, auch wenn ich es jetzt noch nicht weiß, wenn ich es einspreche, es wird mir auch gut gehen, wenn ihr das hört.
Welches Lied soll auf ihrer Beerdigung unbedingt gespielt werden? Von Queen, The Show Must Go On. Lieber Matthias, vielen Dank für deine Zeit. Schön, dass du dabei warst. Und uns noch hoffentlich viel, viel, viel länger erhalten bleibt. Ich werde mir Mühe geben, aber es liegt alles nicht in unserer Hand. Aber ich habe eigentlich vor Jahr mal länger auf der Bühne zu stehen, am Schluss als Johannes Hestas, insofern habe ich noch einen Plan. Definitiv, da hast du was vor. Das kann dann noch alles dauern. Das war Talk About Tod, schön am Leben bleiben und bis bald.
Herzlichen Dank. Danke für die Einladung, war sehr schön. Vielen Dank.