Episode 22 ∙ 19.05.2025 ∙ 30 Min
Glamour und Sterbebegleitung? Wie geht das zusammen?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Manuela Thoma-Adofo
Wie passen Glamour und Sterbebegleitung zusammen? Manuela Thoma-Adofo ist Autorin, Rednerin, Moderatorin und ehemaliges Model – und seit 1994 zugleich Sterbebegleiterin, ausgelöst durch einen Moment, in dem sie mit ihrem sechs Wochen alten Sohn im Arm eine Bewohnerin eines Seniorenheims sterben sah.
Sie erzählt von einer alten Dame, die ihr eigenes Sterben plötzlich als aufregendes Abenteuer begriff, statt es zu fürchten, und davon, wie sie kurz vor der Aufnahme fast in eine fremde Beerdigung „geschlittert" wäre: Sie traf eine weinende Bekannte auf einer Bank, deren Vater gerade beigesetzt wurde, nur mit ihrer Schwester – und blieb spontan da, um die beiden nicht allein zu lassen.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Das letzte Mal ist erst wenige Wochen her. Da bin ich mehr oder minder in eine Beerdigung geschlittert … Dann habe ich gedacht: Okay, dann kürze ich jetzt nicht ab. Dann nehme ich mir Zeit."

Über Manuela Thoma-Adofo
Manuela Thoma-Adofo ist zu Gast. Die Autorin, Rednerin, Moderatorin und ehemaliges Model ist seit 1994 auch Sterbebegleiterin – ausgelöst durch einen Moment, in dem sie mit ihrem sechs Wochen alten Sohn im Arm eine Bewohnerin eines Seniorenheims sterben sah. Sie erzählt von einer alten Dame, die ihr eigenes Sterben plötzlich als aufregendes Abenteuer begriff, und davon, wie sie mit Humor in ihren Vorträgen ein Thema öffnet, vor dem die meisten Menschen am liebsten die Arme verschränken.
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Weitere InformationenTranskript
- Podcast: Talk about Tod
- Staffel: Staffel 3
- Titel: Glamour und sterbebegleitung wie geht das zusammen
- Quelle: episode-22-glamour-und-sterbebegleitung-wie-geht-das-zusammen.mp3
- Status: Whisper-Transkription; als reiner Fließtext ohne Sprecherzuordnung und ohne Zeitangaben aufbereitet, redaktionelle Prüfung offen
Transkript
Bevor es losgeht mit der Episode heute möchten wir Sie wieder einladen, bei uns im Haus Inbergisch Gladbach vorbei zu schauen. Und zwar am 3. Juni Biggie Wininger Solo Kabarett und Comedyabend. Damit Biggie Wininger bei uns auf der Bühne stehen, der Eintritt 25 Euro, die Adresse, Pützrotbestattung und Trauerbegleitung, Kürtener Straße, Inbergisch Gladbach, kommen Sie vorbei. Oder am 4. Juni unser letzte Hilfekurs, Wie kann man Sterbenden beistehen? Da vermitteln wir Grundkompetenzen, um einen Menschen am Ende seines Lebens zu begleiten. Da gibt es auch einen Unkostenbeitrag, der beträgt 20 Euro findet wieder bei uns im Haus statt.
Und jetzt geht's los. Hallo zu Talk About Tod. Wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Mein Name ist Klaus Reichert. Und ich bin David Tod. Hallo zu Herrn Neun, Folge unseres Podcasts. Heute sprechen wir mit einer Frau, die auf den ersten Blick eher auf der Sonnenseite des Lebens zu Hause ist. Manuela Toma Adolfo ist Autorin, Rednerin, Model und Moderatorin. Aber im Unterschied zu vielen anderen aus der Medienwelt hat sie vor vielen Jahren eine Aufgabe übernommen, die sogar nichts mit dem Glitzern und Funkeln der Medienbranche zu tun hat.
Hallo, ich freue mich dabei zu sein. Wir legen los mit der ersten Frage, die wir alle unseren Gästen stellen. Wann warst du das letzte Mal auf einer Beerdigung? Das letzte Mal ist erst wenige Wochen her. Da bin ich mehr oder minder in eine Beerdigung geschlittert, weil ich wollte über den Toph abkürzen und traf dann auf eine Bekannte, die traurig auf einer Bank saß. Ich habe gefragt, was los wäre und sie erzählte, dass ihren Vater an dem Tag beerdigen und nur ihre Schwester und sie wäre mit dabei. Und das war eine Urnbeisetzung. Dann habe ich gedacht, okay, dann kürze ich jetzt nicht ab.
Dann nehme ich mir Zeit und wir sind zu dritt. Und so ist das dann auch gelaufen. Und dann hatten wir auch sogar noch einen richtig schönen Abend zusammen. War das so geplant, dass da nur so wenig Leute teilnehmen oder ist es einfach so passiert? Es ist einfach so passiert. Ich fand das ziemlich traurig, weil diese Familie eigentlich schon sehr gut vernetzt war, dachte ich. Aber dann, wenn es dann um Tod und Sterben ging, waren sie allein. Das war die letzte, wo ich reingeschlittert bin. Die letzte, die für mich wirklich relevant war, war Anfang letzten Jahres und das war die Beerdigung meines Vaters.
Und wie hast du diese Beerdigung für dich erlebt? Gab es etwas, was dir besonders in Erinnerung geblieben ist, im Guten oder manchmal vielleicht im Schlechten? Dadurch, dass mein Vater gebürtiger Ganal ist, da ist ein ziemlich anderer Spirit oder vielmehr ein richtiger Mix. Das heißt, wir hatten einen sehr, sehr deutschen Teil und dann stand die Familie auf die Garnasche Seite und sang einen Garnaschen Koral und das war so beeindruckend und so lebendig und auch der Rest der Bestattung war einfach sehr lebendig. lebendiger als man es halt an vielen anderen Stellen kennt.
Du sagst der Tod hat keine Lobby in unserer Gesellschaft. Warum tun wir uns immer noch so schwer mit diesem Thema? Wir tun uns damit immer noch so schwer, weil das zu den Dingen gehört, die wir nicht üben können. Wir können heute alles testen, wir können alles üben, wir können Erfahrungen sammeln in allen möglichen Bereichen. Nur wird das mit dem Sterben nicht funktionieren, weil das kriegen wir alle nur einmal hin, aber wir kriegen es hin. Und die meisten Menschen haben gar nicht so sehr Angst vor dem Tod, sondern vielmehr vor dem Sterben, weil es ist viel leichter, dass den Fakt gestorben zu sein, also tot zu sein oder dass jemand tot ist, zu akzeptieren und zu verarbeiten als den Prozess des Sterbens.
Und die meisten haben eigentlich, wenn sie sagen, sie haben Angst vor dem Tod, haben sie eigentlich Angst vor dem Sterben. Wie kam es, dass du Sterbebegleiterin geworden bist, gerade dann natürlich auch in diesem Zusammenhang? Also Sterbebegleiterin bin ich geworden vor jetzt bald also im November sind es 29 Jahre, also ich fasse es jetzt mal zusammen. 1994, ich war verlobt mit einem Olympiasieger, der hat mit dem Team Gold und dann allein nochmal Bronze gewonnen. Ich saß in unserer zwei Zimmerwohnungen im Schwarzwald und es kam lauter Fresskörbe und Blumstreuse und so weiter.
Und ich finde es kein was Trauriges als Blumen beim Welken zuzuschauen. Also, ich habe überlegt, was ich damit mache und habe dann alles in meinen Kombi geparkt und bin ins nächste Seniorenheim gefahren. Ich habe gesagt, ich habe das hier. Darf ich euch das geben? Und das haben Sie dann auch mit Freude genommen? Und wenn ich schon mal da bin, könnt ihr vielleicht auch was mit mir anfangen? Und so kam ich in den Vorlesedienst, dass ich erst mal nur kam und regelmäßig vorgelesen habe. Ich war berufstätig, aber ich hatte diese Zeit auch und ich wusste, dass ich noch irgendetwas machen musste. wollte.
Und dann kam es zu unserer Hochzeit und das Schöne bei unserer Hochzeit war, zu dem Zeitpunkt habe ich gesagt, alle die laufen können, schieben den Rollstuhl zur Hochzeit. Wir hatten sogar ein Pflegebett in der Kirche. Das fand ich schon mal sehr lebendig und dann wurde ich, also wie im Märchen übers Jahr wurde sie schwanger, geba einen Sohn und der Moment, in dem ich Sterbebegleiterin wurde, war der, ich saß bei einer Patientin und ich hatte vorher gefragt, wer kann eine Geschichte gebrauchen und meine Lieblingsschwester sagte die Frau. Sowieso.
Aber die macht sich schon auf den Weg. Da bin ich halt da rein in meinem sechswochen alten Sohn. Das weiß ich auch mal ganz genau, wie lange ich das mache. Ich brauche immer nur auf das Alter von meinem Sohn gucken. Und saß an dem Bett, stillte meinen Sohn und merkte, wie sich die Atmung ändert. Entstufen mich. Das sah es lang. Irgendwann stief mein Sohn ein und ich merkte, die Bewohnerin des Seniorenheims starb. Und zu keinem Zeitpunkt meines Lebens war ich mir so sicher an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit zu sein, als in diesem Moment dort, ich bin nicht in Panik geraten, ich war absolut ruhig und das war der Moment, wie ich immer sage, wo sich dieser Kreis schloss.
Hier waren sechs Wochen altes Kind, ich war eine junge Frau in der Mitte und dort trat jemand aus dem Leben, also einen Kommen, einen Sein, einen Gehen und ich sage immer, das war der Moment, wo mich meine Berufung fand, denn ich habe keine gesucht und seit diesem Zeitpunkt bin ich Sterbebegleiterin. Hast du beides als natürlich empfunden, sowohl dein Sohn, der sechs Wochen alt war zu dem Zeitpunkt, als auch die Frau, die vor dir gestorben ist? Wie war das? Wie erinnerst du dich? Ja, das ist für mich so, in dem Moment ist mir bewusst geworden, dass wir Sterbebegleiter oder das Sterbebegleiter wie Hebammen auf der anderen Seite sind.
Als Hebammer kann ich einer gebährenden Wasserreich und ich kann ihr die Hand halten, ich kann ihr Mut machen, ich kann bei ihr sein, ich kann ihr Zuversicht geben in irgendeiner Weise, aber ich kann dieses Kind nicht gebähren und als Sterbebegleiterin kann ich die Hand halten, ich kann da sein, ich kann Ruhe vermitteln, aber ich kann den Tod nicht sterben. Deswegen sage ich immer, wir Sterbebegleiter sind die Hebammen auf der anderen Seite und dementsprechend war das für mich etwas sehr sehr natürlich ist und das war mir vorher nicht so bewusst und es wurde mir in diesem Moment total bewusst.
In deinen Lesungen und Vorträgen bringst du Humor und Hoffnung in Räume, die oft nur von Angst und Schweigen erfüllt sind. Wie machst du das? Ja, das ist tatsächlich so, dass wenn ich in den Saal komme, also man geht auf die Bühne und man sieht die Leute sitzen mit verschränkten Armen. Man schaut runter und die Leute sitzen mit verschränkten Armen und man liest in diesen Gesichtern, jetzt geht's um Tod und Sterben, jetzt wird's richtig traurig. Und dann gehe ich auf die Bühne und sage erst schön, dass ihr alle da seid. Noch. Und dann kommt das erste Lachen.
Und mit diesem ersten Lachen machen die Leute auf für ein Thema, vor dem sie am liebsten immer zu machen. Und ich erzähle einfach auch Anekdoten aus meiner Sterbebegleiterzeit. Und die sind nun mal nicht alle traurig. Und manche machen auch einfach Mut. Und ich hatte jetzt zuletzt wieder etwas und das möchte ich euch gerne erzählen, weil das war das nach so vielen Jahren, dass man nochmal eine andere Ansicht kriegt. Das war eine, ich sage Patientin, es war eine Bewohnerin aus dem Seniorenheim natürlich und die war ein bisschen angezickt in der Regel, zwar schon gegen gegen 90 und die tat immer so, als ob sie andere nicht versteht.
Also wenn sie Leute nicht mochte, dann tat sie so, als ob sie den nicht versteht. Das hieß, dann stand ich Da war er und es ist Manuela. Hat er jetzt gesagt, es gibt heute Fisch zum Mittag? Er sagt, ja, Bernadette. Er hat gesagt, es gibt heute Fisch zum Mittag. Manuela hat sie gesagt, heute kommt die Friseurin nicht. Ja, Friseurin kommt heute nicht. Und irgendwann war die Ärztin da und ich habe manchmal ein bisschen Problem mit den Ärzten, wenn sie bei uns in Sangerinheim kommen, weil dieses Retten über den Tod hinaus ist für mich immer sehr, sehr traurig.
Und dann kam die Ärztin und erzählte mir ganz nebenbei, also die Bernadette lag in ihrem Bett, war krank, das wussten wir, und sie erzählte mir ganz nebenbei, Krebs fortgeschritten geht nicht mehr lang. Und Bernadette schaut mich an und sagt laut und deutlich, Manuela hat sie gerade gesagt, dass ich sterben muss. Und ich sage, ja, Bernadette, sie hat gesagt, dass du bald sterben musst. Und dann schaut sie mich an und sagt, ist das aufregend? Ja und ab diesem Zeitpunkt hat die ihren gesamten Sterbeprozessen wie ein großes Abenteuer gesehen, so als ob wir eine Reise buchen, sagt sie, meinst du ich mag da noch was essen und wirst du dann da sein und was hast du dann an und meinst du es tut weh und also es gab so viel, auf einmal hatte sie eine wahnsinnslebendige Energie bis zum letzten Moment, also ich war bis zum Schluss bei ihr und bis zu diesem letzten Moment war sie voller Energie und mit einer Perspektive aufs Sterben wie andere eine Perspektive auf ihren Urlaub haben.
Wenn ich so eine Geschichte höre, das ist ja einfach berührend, dass es hält, das macht Mut, wie man einfach auch so einen Blickwinkelwechsel nehmen kann. Die Menschen, die dann bei dir bei den Vorträgen im Publikum sind, merkst du, dass sich da was löst oder wie drückt sich das vielleicht aus? Man merkt es schon allein in der körperlichen Haltung, wenn Einzelpersonen da sitzen. Also sie sitzen wirklich häufig mit Verschränken haben und mit diesem ersten Lachen öffnet sich das und auch dieses, wenn man merkt, sie lassen das Lachen zu. Es ist nicht mehr dieses, oh mein Gott, das habe ich gelacht und das ist doch ein ganz ganz schreckliches Thema, sondern die lassen einfach dann das Leben zu und dass man nicht mit einer Zehnerpackung Tempontaschentücher bei so einem Vortrag sitzen muss.
Es wird auch mal geweint. Aber es wird viel mehr gelacht und es wird auch mal nachgefragt. Wir haben eigentlich ziemlich viel Spaß dabei, wenn ich ihm erzähle, wir Stabwebegleiter, wenn jemand sich eine Farbe zu uns vorstellt, dann ist das eher so antrazid, so knapp vor dem Schwarz der Bestatter. Niemand stellt sich uns lebendig vor oder manchmal gehe ich in Schulen, Ja, acht neunte, zehnte, elfte Klassen und dann kam es eben schon mal vor. Ich komme da hin. Ich komme dann auch mal mit dem Motorrad und man sieht es ja jetzt nicht, aber kommt dann nicht immer so an, so gebügelt an, sondern ich sehe da auch mal recht wild aus.
Und setze ich mich in den Stuhlkreis und die Schüler kommen und schauen und dann frage ich nach, was habt ihr eigentlich erwartet? Und ich so ja, Hospizhelfer sage ich ja, Aber wie ihn habt ihr erwartet? Eine Nonne. Ja und dann einfach mit denen so reden zu können. Total lebendig. Das tut einfach total gut, weil gerade Kinder und Jugendliche werden so oft aus diesem Prozess rausgehalten. Früher waren Kinder dabei, wenn die Oma krank wurde. Sie waren dabei, wenn die Oma starb. Die waren dabei, als die Oma aufgebahrt lag und die Nachbarn zur Verabschiedung kamen und die haben neben ihrer toten Oma gespielt.
Von denen hat keiner geglaubt, dass ihre Toteoma irgendwann aufspringt und in an den Hals geht. Aber wie erleben wir denn heute Tod und Sterben? Wir erleben es doch in erster Linie aus den Medien. Wie wird da gestorben? Du fällst aus dem fliegenden Hubschrauber, du wirst dreimal vom selben Auto überfahren, du stirbst irgendwo in dem Wald, wo du garantiert nicht sterben willst. Aber so ist ja Tod und Sterben nicht. Und das den Menschen nahezubringen, ist schwierig, wenn sie vorher rausgehalten werden. Wenn ein Kind, Philipp ist zehn Jahre und die Eltern sagen, die Oma ist krank, aber du gehst jetzt mehr nicht mehr mit.
Wir möchten, dass du die Oma in Erinnerung behältst, wie sie war. Dabei lebt die Oma noch. Ja, gut, jetzt ist die Oma verstorben. Philipp darf seine tote Oma nicht sehen. Vielleicht mag er es auch gar nicht. Musst ja auch kein Kind. Und dann heißt das, nein, nein, die nehmen wir nicht mit zur Beerdigung. Das könnte ihn schrecklich traumatisieren, zu sehen, wenn alle so traurig sind. Jetzt erlebt dieses Kind einfach, Mama und Papa beschützen mich vor richtig schlimmen Sachen. Wie schlimm muss diese Beerdigung sein, dass ich da nicht mithin kann.
Und wenn sich das in diesem Leben, also in dieser Pflanze dann weiter herauswächst, wie soll denn dieser Mensch dann natürliches Verhältnis zum Tod bekommen? Wenn es so schlimm ist, dass meine Eltern nicht zulassen, dass ich dazu Kontakt habe. Und dementsprechend bin ich eigentlich immer dafür, dass man die Kinder integriert. Ich meine, man muss jetzt kein Kind. Das sagt ich möchte das nicht zu einer Beerdigung zerren. Aber Kinder sind viel neugieriger, als man meint. Und es ist ganz einfach so, dass dann erlebt das Kind Mama und Papa Wein. Viele Menschen weinen, aber sie hören auch wieder auf.
Und dann geht das Leben weiter. Da ist nicht dieses Loch in diesem Kreis, also in diesem Zirkel des Lebens, was so schwarz und dunkel und beängstigend ist, sondern es ist rund und ja es gibt auch schmerzhafte Momente und ich glaube es ist mehr traumatisierend, wenn ein Mensch einfach weg ist. Bei mir war es so, als meine Uroma gestorben ist, die hat bei uns gelebt, die ist an dem einen Tag noch mit dem Hund rausgegangen und am nächsten Tag war sie weg, weil mein Vater einfach meinte, er muss uns vor dem Anblick unserer toten Uma beschützen. Und wir waren noch nicht mal bei der Beerdigung mit dabei.
Da ist ein Mensch, zack, bumm, weg, aus! Ja, siehst du nie wieder und ich finde, das ist nicht der richtige Weg. Wir sehen das genau so. Dann erwähnen wir doch ganz kurz an der Stelle, ohne das Thema noch weiter auszuführen, weil wir sprechen in der Tat sehr oft darüber, dass es in den Gärten der Bestattung ein Kindergarten gibt und es gibt auch... Auf unserem Friedhof. Und dass Kinder uns, wenn wir es geschafft haben, dass die einfach mit ihrer Familie da mal ein bisschen Zeit im Alltag haben, wir haben ja alles bloß keine Zeit, die Eltern sind ganz alt am Arbeiten oder an irgendwas dran.
Wir müssen uns ja heute auch nicht mehr auf ein Programm, auf irgendeinem Bildschirm einigen, mit dem Opa oder so, ne? Sondern heute hat ja jeder seinen Endgerät und macht genau das, was ihn interessiert. Dass Kinder das teilweise so schön erleben, dass sie da wirklich Jahrzehnte auch von Zähren, dass die Eltern mal im Moment konzentriert da beieinander waren. Und so eine Zeit kann ja auch eine schöne Zeit sein, weil man Gemeinschaft hat. Und wo Kinder uns dann heute häufiger fragen, ob sie uns an ihrem Geburtstag besuchen können oder den vielleicht sogar da feiern können.
Das finden wir von dem Bestattungsaus eigentlich ganz schön. Kein Hüpfburg auf dem Friedhof, oder? Haben wir auch schon gehabt, ehrlich gesagt, wenn ich so eine Teilfest mache. Oder wir haben jetzt bald wieder ein großes Konzert bei uns auf dem Gelände. Da ist schon Rami Demi, Spielende Kinder und wenn ich jetzt hier eine Teilfest mache, Dann ist da unter anderem auch so ein großer Stelzenläufer als Baummensch, so wie bei Herr der Winge von der Art mit einer kleinen Fee und der zieht mit Trauben voller Kinder da über das Gelände und es gibt heute immer viel zu entdecken.
Ich finde ich toll. Wenn die Kinder mit Tod in Verbindung kommen oder mit Friedhöfen, dann ist es in der Regel immer gruselig. Und wenn man diesen Grusel nimmt, ganz einfach, weil es nicht gruselig ist, es gibt kein friedlicher in Ord, dann nimmt das einfach von der Angst Das ist aber wie bei allen Sachen. Lerne es kennen und du hast weniger Angst davor. Zwei meiner Kinder sind auch in diesen Waldkindergarten gegangen. Die sind häufig bei uns gewesen. Genauso wie du das gerade geschildert hast, deine Erfahrungen da im Heim. Das war auch für meine Schwester mit ihrem ersten Kind.
Jetzt hat es unser Vater gerade gestorben und wie sie konnte, kam sie aus dem Krankenhaus. Und danach hatte sie dann halt immer in ihrem Büro, das sehr zentral liegt, eigentlich direkt am Eingangsbereich. Jeder kann da reinschauen. hatte sie so eine Konstruktion, sich gebastelt, wohne wiegedort von der Decke hin und hat mehr als einmal erlebt, dass Menschen sie gefragt haben, dürfen wir den kleinen Mal halten und sie tragen die Ohne. Das passt einfach dazu und wie gesagt Kinder, die sind ja so unverstellt, die sind auch so ein bisschen egoistisch, die sagen, was sie gerade wollen, auch wie du das geschildert hast.
Die erinnern uns an die eigenen Bedürfnisse. Das ist bei erstmal krass. Ich habe vor drei Tagen ein Gespräch mit einer Dame geführt. Der hat ihr Enkel an den Kopf geklatscht. Von wegen, es gäbe ja eigentlich Schlimmeres als mit 70 zur Vollweise zu werden. Der Mama ist mit gut 100 verstorben. Und das hört sich erst mal heftig an. Aber die waren im Gespräch und die ist einfach nur happy, dass sie Enkel hat, mit denen sie im nahen Kontakt sind, die sie da motivieren, mit denen sie sich austauschen kann, wo sie auch mal andere Bereiche siehst und Kinder, die sehen das alles in diesem Moment.
Wenn man Sachen vertrauten macht. Ich habe in einem Vortrag diesen Satz, das Monster unter dem Bett ist Rosa. Es ist dieses, wenn Kinder glauben, es ist ein Monster unter dem Bett, dann kann man den 100 Mal sagen, da ist kein Monster, weil da ist ein Monster. Aber man sagt, ja, das ist Rosa und hat ganz schön viel Hunger oder ganz schön Angst. Das hat Angst vor der Dunkelheit und deswegen ist es unter deinem Bett und man macht eine Geschichte daraus, dann ist das Monster unter dem Bett auf einmal ein Kumpel und nicht mehr irgendwas, was dadurch, dass man kein Bild davon hat, viel Angst macht.
Und wenn man einfach erlebt, wie so ein Sarg runtergeht oder eine Urne eingesetzt wird und getraut wird und wie schnell danach lacht wird, es wird am selben Tag normalerweise, wird schon wieder gelacht. Manchmal erst mal verschämt oder so, weil wie können wir nur, wird schon wieder gelacht. Ja. Kommen eigentlich mehr Frauen oder mehr Männer zu deinen Veranstaltungen? Ich weiß nicht, wer hier wehen zu wem, wehen mit mit schleift. Ich glaube es kommen mehr Frauen, es kommen mehr Frauen, aber es kommen auch Männer. Kommen mehr jüngere Frauen oder mehr Eltern?
Es kommen, bei den Männern sind es prinzipiell Mittel alt, was für mich immer noch jung ist, bis alt. Bei den Frauen ist es jung bis alt. Du kämpfst auch gegen Altersdiskriminierung, deshalb erwähne ich das. Und für mehr Sichtbarkeit von Frauen über 50, woran machst du fest, dass Frauen über 50 nicht mehr gesehen werden? Sie sollen nicht mehr gesehen werden und die müssen jetzt ganz schön auf den Putz hauen, was ich auch wieder für übertrieben halte, umgesehen zu werden. In der Arbeitswelt ist es schwierig. Es blittert sich diese Gruppe ab, die sagt, wir über 50, wir sind die Allergeisten, wir sind die Tollsten und so weiter und so fort, wohl wissend, dass das gar nicht so ist, weil das waren wir auch schon mit 40 oder mit 30 oder mit 20.
Aber dieses über 50 nicht mehr gesehen werden, über 50 hat sich eine Menge getan. Man ist in der Regel nicht mehr so vertil, wie man es mit 20 war und dadurch scheidet man schon allein für viele Menschen in seiner Weiblichkeit aus. Dieser Gedanke ist falsch, weil eigentlich geht es ab 50 erst richtig los, weil man auf diesen ganzen Zinnober, mit dem man 20 zu tun hatte, überhaupt nichts mehr zu tun hat. Es ist ja ein ganz anderes Thema, aber man verheddert sich nicht mehr in irgendwelcher Langerie, um irgendwelchen Menschen zu gefallen, denen man eigentlich gar nicht gefallen muss oder will, sondern man ist einfach das, was sexy und lebenswert und liebenswert ist, ist, dass selbstbewusstsein was gewachsen ist.
Und wenn ich jetzt nur von mir auf andere schließe, mit 20 war ich als Model ziemlich erfolgreich, selbstbewusst war ich nicht. Und jetzt ist es einfach so, dass mir, wenn man es so in eurem Podcast sagen darf, unglaublich viel am Arsch vorbei geht. Sehr viel Kritik und nicht nur Kritik, sondern wenn Menschen glauben, sie dürfen urteilen. Altersgerecht. Wenn ich das höre, kleide dich altersgerecht, sei nicht so laut. Habe ich dich tatsächlich letztens auf dem Marienplatz mit deiner Freundin Salsa tanzen sehen? Ja, war ich. Hat Spaß gemacht, dann zu sagen, verhalte dich altersgerecht.
Altersgerecht ist, wenn Kinder rechtzeitig mit Besteck essen oder alleine aufs Klo können. Was ist sonst Altersgerecht? Ja, das ist das, was wir draus machen. Und viele lassen sich aber Einschüchtern von der Einstellung von Menschen, die noch eine Einstellung haben, die viele, viele Jahre zurück ist, wie Frauen über 50 sich zu verhalten haben. Die Frauen über 50 heute sind anders als die Frauen über 50 vor 50 Jahren. Heißt aber nicht, 50 ist das neue 30. Dieser Spruch geht mir dermaßen auf den Senkel. Ich war mit 30 nicht so cool wie jetzt. Ich musste nicht wieder sagen, ich bin so jung.
Oder wenn jemand sagt, du siehst aber gut aus für deinen Alter. Was soll das? Heißt das? Ich sehe Jünger aus und Jünger ist aka schön, halte ich einfach für falsch. Bin ich ziemlich penetrant mit. 50 ist das neue 50 und das ist ziemlich cool. Wenn man diese beiden Themen zusammenführt, zum einen Sterbebegleitung, dann deinen Einsatz jetzt sozusagen Frauen über 50. Glaubst du, und du hast ja viele Leute in den Tod begleitet, Frauen und Männer, glaubst du, dass Frauen am Ende anders sterben als Männer? Die meisten Menschen, die ich begleitet habe, die waren zwischen, also die Jüngste war 69, also die ich im Rahmen meiner Sterbebegleitung begleitet habe, die Älteste war 104.
Es waren mehr Frauen als Männer, liegt aber einfach daran, dass demografisch, dass es einfach mehr Frauen in diesem Alter dann noch gab. Und sterben Männer anders. Nein, ich empfand es nicht so. Aber ich glaube, das ist in der Tat so, wenn diese Menschen nicht nach einem langen, langen Leben versterben, sondern rausgerissen werden durch Krankheit und zu einem anderen Zeitpunkt. Also ich habe auch eine Freundin begleitet, die war erst 39 und da war das Sterben einfach grausam. So empfand ich es, aber das war einfach auch ein grausamer Tod. Es war schon allein, weil sie 39 war, ihre Tochter war 13.
Es war kein schönes Sterben, obwohl es auch wieder bewusst war und ob es... Das hat mich anders mitgenommen als das von anderen Menschen. Das war jetzt eine sehr gute Ergänzung zu einem Buch, was Hannah David's Schwester gerade geschrieben hat. sterben Frauen anders ist die Kernfrage dieses Buches und wir haben mit verschiedenen Frauen darüber gesprochen und es gab sehr wohl ja die meisten da Frauen mit denen wir geredet haben haben gesagt ja es gibt einen Unterschied das hat mit dem Kerverhalten von Frauen zu tun das hat damit zu tun wie du es gerade geschildert hast dass Frauen älter werden als Männer und häufig ihre Männer auch in den Tod begleiten wenn ich begleiten dann zumindest mit der Situation fertig werden müssen dass die Männer vor ihnen gestorben sind und das kommt jetzt im Herbst erscheint zur nächsten Buchmesse.
Und interessant ist, dass keine der Frauen, mit denen wir gesprochen haben, gesagt hat, es gibt keinen Unterschied, weil alle Frauen haben sehr wohl einen Unterschied gesehen. Es gab so eine der Frauen aus dem Bereich der katholischen Kirche, die uns auch Maria hingewiesen hat, dass wir zum Beispiel alle wissen, wie Jesus Christus gestorben ist, aber kaum einer sagen kann, wie Maria gestorben ist. Und gar nicht gesichert ist, ob sie überhaupt gestorben ist oder manchmal gibt es ja die Vorstellung, dass sie sowieso in den Himmel aufgefahren ist.
Andere Frauen haben ja, wenn der Frau die Catering macht, die große Veranstaltung organisiert, die auch aus ihrem Erfahrungsschatz was Beerdigungen angeht und wie die mittlerweile tatsächlich organisiert werden. Also sehr interessant. Und es fand ich richtig gut jetzt, dass mal jemand sagt, es gibt keinen Unterschied. Nein, nein. Es ist beim Sterben selbst, beim Begleiten von Sterben, ja, wenn Familienmitglieder sterben. Sind diese Frauen, die das begleiten, anders aufgestellt als Männer durch die Kehrarbeit eben diese geleistet haben, auch dadurch wie sie zu Krankheitsfällen, zu all diesen Problemen des Lebens stehen und wie sie die haben meistern müssen.
Und das sind ja meistens oder sehr oft die Frauen, die diese Probleme meistern müssen. Und dementsprechend gehen Frauen mit dem Sterben anders um. Aber Aber als die Menschen, die ich begleitet habe, der Prozess war immer sehr, sehr gleich, egal ob männlich oder weiblich. Aber die Begleitungen waren anders. Wenn jetzt Töchter, eine Mutter oder ein Vater begleitet haben beim Sterben und ich diese Töchter begleitet habe, war das anders, als wenn Söhne diesen Menschen begleitet haben. Die Söhne wollten häufig organisieren. Die wollten noch ganz viel managen und machen und tun und die Frauen, die waren besorgt, ist sie noch genug?
Was bekommt sie zu trinken? Hat sie Schmerzen und so weiter? Also die Frauen haben sich mehr darauf eingelassen und die Männer haben versucht zu organisieren und auch die Emotionalität ein bisschen rauszulassen. Aber das ist halt auch noch die Generation, der permanent gesagt wurde, Männer weinen nicht. Und die Frauen durften ihre Emotionalität halt zulassen. Ich habe auch einen Mann, den ich begleitet habe, wo ich eigentlich die Familie begleitet habe. Der war sehr, sehr schroff mit seiner Familie. Und die Familie hat vermieden, tunlich vermieden.
Sag ihm nicht, wie krank er ist. Sag ihm nicht, also sag nicht, dass sie meinten Tod und Sterbe. Also vermeide es, vermeide es. Und ich war bei diesem Mann und der war auch sehr schroff zu mir. Und er meinte dann irgendwann, sie wissen schon, dass ich bald sterbe. Und mit diesem Ja zu Tod und Sterben hat sich so viel geändert. Die Tochter war erst mal entsetzt, dass ich das unselige Wort jetzt ausgesprochen habe. Aber ab diesem Zeitpunkt hat der Mann, der früher eine Firma geleitet hat, begonnen Sachen zu organisieren. Im Sterbebett. Der hat seine eigene Beerdigung noch in die Hand genommen.
Der hat auf einmal durfte in dem Haus geweint werden. Es durfte auch gelacht werden natürlich. Aber auf einmal durfte auch geweint werden, weil bis dahin hieß es, nein, nicht der Opa. Der Opa da, den dürfen wir nicht, der darf nicht. Mein Gott, der Opa wusste doch, was passiert. Und dann musste der Opa die Füße stillhalten, weil niemand über Tod und Sterben sprechen durfte. Die Kinder durften nicht traurig sein und du mussten leise sein und durften nicht drüber sprechen. Und die Schwiegertochter hat sich total aufgerieben, um hier noch alles gut und richtig zu machen.
Und der Sohn kam jeden Abend und sagte, du siehst heute schon viel besser aus. Mit dem Zeitpunkt, wo allen klar war, dieser Weg geht bald zu Ende, trat eine Entspannung und, Achtung, Lebensfreude in dieses Haus ein. Die ging über das Sterben hinaus. Manu, lass uns mal über deine eigene Beerdigung sprechen. Hast du dir da schon mal Gedanken gemacht? Ich habe mir nicht nur Gedanken gemacht. Ich schreibe alle zwei Jahre, zum Beispiel, Briefe an meine Kinder. Und dann, nach zwei Jahren, kann ich die dann quasi entsorgen. Und dann schreibe ich sie neu.
Und die haben schon ihren Brief von mir quasi parat liegen. Dann gibt es ein Lied, was gespielt werden muss. Und das ist von Van McCoy, Do the Hustle. Und dazu gibt es eine Choreografie. Die ist ganz einfach. Und letztens, meine Mutter war hier im Krankenhaus. Und meine Schwester, meine Nichte war mit dabei und haben dann, hab ich gesagt, ja ihr müsst doch diese Choreografie üben für alle Fälle. Wir wissen ja nicht, wann's bei mir so weit ist. Und dann hat meine Mutter, meine Nichte und meine Schwester im Krankenhausflur auf Dude Hassel diese Choreografie geübt.
Solange bis meine Mutter irgendwann sagte, halt stopp, wenn die Manu stirbt, bin ich doch gar nicht mehr dabei. Ich muss diesen Scheiß doch gar nicht üben. Ja. Ja, also es gibt also dieses Lied, es gibt, ich habe immer gesagt, wenn ich zu diesem Zeitpunkt in einer glücklichen Beziehung bin, würde ich ganz gerne einen Doppelgrab haben, damit man irgendwie übers Ende hinaus beieinander ist. Ich habe für mich alles organisiert. Ich mag gelbe Blumen, gelbe und weiße Blumen. Wenn einer mit einem roten Strauß kommt, werde ich mich an dieser Stelle nicht mehr beschweren.
Aber wenn es dann soweit ist, dann werde ich das wie Bernadette ganz spannend sehen, aber dieses Lied wird gespielt und darauf wird getanzt, darauf besteh ich, sonst komme ich aus der Urne zurück. Das muss sein. Mehr Infos zu Manuela Adolfo und ihren Büchern und ihren Vorträgen findet ihr wie immer in den Show Notes. Auf jeden Fall das aktuelle Buch, das empfehlen wir auf dem Weg, den niemand kennt. Das war es für heute. Schön am Leben bleiben und bis bald und danke schön. Danke euch beiden.