Episode 21 ∙ 29.04.2025 ∙ 24 Min
Marmor, Stein und Eisen spricht?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Andreas Degenhardt
Wie entsteht ein Grabstein, der wirklich zu einem Menschen passt? Andreas Degenhardt ist Steinmetzmeister und leitet Grabmale Richerzagen in Bergisch Gladbach, ein Partnerbetrieb von Pütz-Roth. Er erzählt, wie er sich bewusst gegen alte Gewohnheiten stellt: Statt Angehörigen wie früher eine Richtung vorzugeben, hört er ihnen zu und findet gemeinsam heraus, welche Form, Schrift oder Ornamentik zum Leben des Verstorbenen passt.
Im Gespräch geht es um sehr konkrete Beispiele – etwa, wofür ein Anker für einen Segler stehen kann oder ein holzähnlich bearbeiteter Stein für einen Zimmermann –, aber auch um den Moment, der Degenhardt selbst am meisten bewegt: wenn jemand zum ersten Mal den Namen eines geliebten Menschen in Stein gemeißelt sieht.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Die erste Frage, die wir allen unseren Gästen stellen: Wann warst du das letzte Mal auf einer Beerdigung?" – „Kommt drauf an, als Gast selbst, länger her, ich glaube bei meiner Oma 2020 oder so. Und unfreiwillig kommt das schon mal häufiger vor, wenn man auf dem Friedhof arbeitet."

Über Andreas Degenhardt
Andreas Degenhardt ist zu Gast. Der Steinmetzmeister leitet Grabmale Richerzagen in Bergisch Gladbach und ist als Partner von Pütz-Roth für viele Grabsteine der Angehörigen verantwortlich. Er erzählt, wie er Kundinnen und Kunden bei der Gestaltung eines Grabmals genau zuhört, statt ihnen wie früher üblich eine Richtung vorzugeben, warum ein Anker für einen Segler oder ein holzähnlicher Stein für einen Zimmermann stehen kann, und wie bewegend der Moment ist, wenn jemand zum ersten Mal den Namen eines geliebten Menschen in Stein gemeißelt sieht.
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Weitere InformationenTranskript
- Podcast: Talk about Tod
- Staffel: Staffel 3
- Titel: Marmor stein und eisen spricht
- Quelle: episode-21-marmor-stein-und-eisen-spricht.mp3
- Status: Whisper-Transkription; als reiner Fließtext ohne Sprecherzuordnung und ohne Zeitangaben aufbereitet, redaktionelle Prüfung offen
Transkript
Bevor es losgeht mit Talk about Tod, noch ein Hinweis auf eine Veranstaltung bei uns im Haus in Bergisch-Klattbach. Da tritt am 7. Mai ab 19 Uhr der Kunstkomedien Jakob Schwerdfeger auf. Sein aktuelles Programm heißt Meisterberg und wir würden uns freuen, wenn ihr dabei werdet. Der Eintritt kostet 25 Euro. Hallo zu Talk about Tod, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Mein Name ist Klaus Reichert. Und ich bin David Roth. Hallo zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Heute sprechen wir mit einem Mann, der tagtäglich mit Erinnerung arbeitet und mit Stein.
Andreas Degenhardt ist Steinmetzmeister, Chef von Grabmale-Richer-Zagen in Bergisch-Gladbach und er ist ein Partner von uns bei Pütz-Roth. Gemeinsam gestalten wir neue Wege im Umgang mit Trauer, Erinnerung und Abschied. Herzlich willkommen Andreas Degenhardt. Hallo, Andreas. Die erste Frage, die wir alle unseren Gästen stellen, wann warst du das letzte mal auf einer Beerdigung. Kommt drauf an, als Gast selbst, länger her, ich glaube, bei meiner Oma 2020 oder so. Und unfreiwillig kommt das schon mal häufiger vor, wenn man auf dem Friedhof arbeitet.
Und wie hast du diese Beerdigung erlebt? Gab es etwas, dass dir besonders in Erinnerung geblieben ist und guten oder vielleicht auch im Schlechten? Man muss sagen, ich selbst war sehr getroffen. Also ich hatte tatsächlich für Ästhetik wenig Auge in dem Moment. Also ich war, mich hat das ganz schön mitgenommen. Sie sagen, das war für mich schon eine ziemlich harte Sache. Ich glaube, wenn man den ganzen Tag damit zu tun hat und dann mit dieser dieser Wall durchbrochen von der Professionalität und man das persönlich von so einem Verlust betroffen nimmt, er das schon ganz schön mit.
Also zumindest in meinem Fall war das so. Als Steinmetz, du hast eben gerade angedeutet, bist du relativ oft auf Riedhöfen. Gehört das zu deinem Tagesgeschäft? Ja, absolut. Also sowohl Montagen als auch Aufmessen, Beschriften. Da ist ja alles dabei und es befindet auch alles auf dem Friedhof statt, da wir mit der Firma ja ausschließlich das Grabspektrum bedienen. Also wir machen ja gar nicht, also Baustelle haben wir gar nichts mit zu tun, auch nicht so Küchenrestauration und so, dass oder so Küchenbau ist auch eigentlich nicht in unserem Report war.
Steinmetz ist ein uraltes Handwerk. Andreas, wie bist du dazu gekommen? Durch Zufall. Ich bin von der Schule abgegangen. Meine Schulzeit war recht wild und bewegt, sag ich mal und war auf der Suche nach einem Job oder beziehungsweise eine Ausbildungsstelle, weil klar war, dass ich nicht arbeitslos zu Hause bleibe und hatte immer Lust, also einen kreativ angehauchten Job zu machen. Und bin zuerst zu einem Kunstschmied gegangen und dachte, das wäre eine gute Idee. Von dem habe ich eine klare Absage bekommen und von da aus bin ich tatsächlich in den Bus gestiegen und direkt zu meinem Ausbildungsbetrieb gefahren, wo ich dann 14 Tage Praktikung gemacht habe und danach dann auch sofort die Ausbildung begonnen habe.
Ihr macht ja keine Grab-Male von der Stange, sondern gestaltet individuell. Wie geht ihr davor? Wie wichtig ist das Gespräch mit den Angehörigen für euch? Im Endeffekt ist es wichtig erstmal den Leuten zuzuhören und zu gucken, mit welchen Ideen kommen die vielleicht schon. Also ist es halt im normalen Fall hören wir uns genau an, was möchte die Kundschaft haben, was hat sie eventuell gesehen auf dem Friedhof von anderen Grabsteinen oder gibt es vielleicht eine ganz ausgefallene Idee schon von sich selbst aus. Und dann realisieren wir das gemeinsam mit den Kunden, also was Ornamentik, Schrift, Form des Steins angeht.
Gehen wir da sehr darauf ein, dass wir, dass er da, ja wie das früher war so ein bisschen so üblich, dass der Steinmetz schon so ein bisschen so in die Richtung gedrückt hat, wo er den Kunden haben möchte. Das, ich meine, dieses Feld bespielen wir halt anders und sagen halt einfach, der Kunde kommt rein. Wir hören uns erst mal an, was für eine Idee der kommt, was für Wünschen der kommt und daraufhin entwerfen wir dann oder vielleicht kommt der Kunde ja auch schon mit einem Entwurf. Hatten wir auch schon häufiger. Was sind denn so ausgefallene Wünsche, die die Kunden haben?
Ich meine, es gibt verschiedene Schriften. Wir haben mal ein Schreiben beschriftet mit Hakuna Matata. Das fand ich schon relativ ausgefallene Standart nicht mal ein Name drauf. Es war eine pflegeleichte Stelle, wo ich weiß gar nicht mehr, wo das war. Aber es war schon so was finde ich schon ziemlich ausgefallen ehrlich gesagt. Ansonsten ist natürlich letztendlich, wenn das sehr künstlerisch wird oder sehr groß, dann wird es ausgefallen. Hakuna Matata, das müssen wir erklären, was es ist oder was es heißt. Ich meine, das ist auch so ein Disney-Film, das ist ein Spruch von Kartunfiguren aus einem Disney-Film.
Ich glaube von einem Warzen Schwein und einem Erdmännchen bei König der Löwen. Aber ich habe keine Fakten zu. Ich meine, so wäre es gewesen. Kommt denn auch Leute zu euch, die noch in der aktuellen Trauerphase sind oder kommen die Leute eher später, wenn das vorbei ist? So vorles auch. Es gibt auch Leute, die kommen schon vor der Beerdigung. Also wird man einen sehr traurigen Fall, muss man sagen, wo die Kunden, der Mann ist im Ausland verstorben und die Kunden war quasi bei uns, bevor der Leichnam des Verstorbenen überhaupt überführt war nach Berges Gladbach.
Und sie sagte tatsächlich von sich selber, dass wir ein signifikanter Teil der Trauerbewältigung in dem Moment waren. Und fand ich gut. Aber man muss halt auch klar sagen, dass das... Also für mich, ich hab immer das Gefühl, dass das... Meinen Sekunden sind das sehr gefasst und klar, aber viele wissen dann auch noch gar nicht mit der Situation umzugehen. Und sind dann... Manchmal kommt es dann zu ganz krassen Schwankungen, was halt den Erstwunsch betrifft. Also dass man dann nochmal sehr unplanend und anders gestaltet und eventuell dann noch nochmal ordentlich Zeit mit den Kunden verbringen, bis man dann halt quasi letztendlich den fertigen Plan hat.
Andreas, du bist ein total zugänglicher und offener Mensch. Die Leute, die zu dir kommen, zeigen die Gefühle, wenn du mit ihnen redest. Ist das möglich? Das ist möglich. Also es ist ja auch nichts verkehrtes. Man sieht ja im Endeffekt bei uns in den meisten Fällen auch das erste Mal den beschrifteten Grabstein und dass das emotional eine hoch aufgeladene Situation ist, ist ja klar. Und dann sieht man das erste Mal von seinem lebensgefährten Opa, weiß ich nicht, Ehepartner, Schwester, den Namen auf dem Stein stehen. Das ist schon sehr mitnehmend.
Und es kommt natürlich aus und mal mal so ein bisschen drauf an wie, was ist das für eine Situation, wenn da jemand jetzt 94 geworden ist und quasi nicht eingeschlafen ist und am nächsten Morgen nicht aufgewacht, ist das sicherlich noch mal was anderes als wenn ... weiß ich nicht, dass so ... ich mein, da gibt es ja ganz viele Beispiele, also ich mein von fiesen Krankheiten oder Unfällen oder so, das ist ja alles so, ja, ist alles so eine Sache, ne? Das ist sehr individuell. Erfährst du mehr über die Leute als den Namen oder das Geburts- und Sterbodatum, das dann auf dem Grabstein steht?
Ja, aber ich frage mich speziell nach. Ich frage mich nach, wie ist derjenige verstorben oder wenn die Kunden mir das sagen möchten, wenn sie das in dem Moment mit mir kommunizieren wollen, dann gehe ich da gerne drauf ein oder versuche den Beistand zu leisten, auch wenn es nicht immer ganz so einfach ist. Es ist ja häufig auch schon gut, wenn man einfach nur zuhört und vielleicht gar nichts sagt. Und man erfährt halt häufig so Berufe. Also weil so, wir möchten was Gradliniges haben, mein Mann war Architekt oder wir möchten was haben. Es gibt so Gesteine, die sehen so ein bisschen aus wie Holz.
Mein Mann war Zimmermann. Also so Sachen kommen schon häufiger. Oder derjenige war Segler und will ein Anker drauf haben. Also man erfährt meistens so ein bisschen schon außerhalb des Namens und Geburtstilbendaten. Aber seltener ist es, dass die Leute mit der Tür ins Haus fallen und sagen, was das letzte Tour des Ursache war. Das ist ja auch völlig in Ordnung. Du hast ja gerade schon einige Materialien erwähnt. die Leute haben möchten. Was für Materialien bearbeitet ihr und ja, mit was für Wünschen kommen vielleicht die Menschen in der Richtung?
Also letztendlich sind wir Steinmetz und arbeiten überwiegend mit Stein. Also wir machen alles, was man also alle Steinmaterialien, außer Kunststein, das gibt ja wir bearbeiten in den klassischen Naturstein. Ob das jetzt Granit, Marmor, das ist alles quasi unter diesem Oberbegriff Naturstein, was man erst mal gar nicht, Also was viele Leute gar nicht wissen, die kommen dann mit einem, sagen, ich möchte gerne Naturstein haben und meinen damit diesen klassischen gebrochenen Felsen. Letztendlich ist ein hochglanzpolierter Stein, ob der jetzt schwarz, rot, weiß oder gelb ist.
Das ist letztendlich alles Naturstein. Bei uns im Laden gibt es nur Naturstein und wir verarbeiten auch prinzipiell keine epoxitharts gebundenen Kunststeine oder so was. Da sind wir, es ist nicht ganz so unser Mithier, sag ich mal. Wenn es natürlich einen speziellen Wunsch gibt, machen können wir es letztendlich. Das bindet halt der Job schon ein. Und alles, was so spezielle Wünsche sind, wir gehen natürlich auf jeden Wunsch ein. Wenn es heißt, wir möchten gerne ein Holzkreuz vor dem Grabstein stehen haben oder ein Edelstahlkreuz oder Branche oder irgendwelche anderen Materialien, da sind wir halt sehr offen.
Wir haben mit einer Kundin halt ein großes Kunstobjekt entworfen aus Edelstahl. Wir haben das entworfen und haben es letztendlich auch von einem metallverarbeitenden Betrieb letztendlich machen lassen. Das wird jetzt quasi in Kürze auch so aufgestellt. Sie ist in meinen Augen sehr gut gelungen. Die Menschen, die zu euch kommen, die bringen teilweise auch eigene Steine zum Beschriften mit. Ganz genau. Wo muss man darauf achten? Ich sag mal, Stein ist ja nicht Stein. Und ich hab das ja jetzt schon ein paar Mal auch miterlebt. Ein Stein bietet ja direkt an, wo er beschriftet werden möchte.
Und es gibt tatsächlich einfach Steine, die möchten nicht beschriftet werden. Die sind von der Oberfläche so zerklüftet und so rau, dass es nicht möglich ist, den da schriften quasi auf gewohnte Weise, also mit der Gravur, mit dem Einbringen von Wustaben durch Maiseln, dass es auf manchen Oberflächen einfach nicht möglich ist. Wenn es letztendlich der totale Wunsch ist von jemandem, gerade diesen Stein zu haben, finden wir eigentlich immer ein Weg. Das soll nicht das Problem sein. Aber wo man schon mal vorsichtig gucken kann, ist die Oberflächenbeschaffenheit und die Größe.
Irgendwo ist das filigrane Arbeiten bei Steinmetzten beschränkt und auch beim Stein beschränkt. beschränkt. Das ist ein sprödes Material. So ein 2 Euro Stück großen Kieselstein kann ich de facto dann auch nur mit einem Buchstaben beschriften, aber dann ist es das auch gewesen. Gibt es denn Trends in deinem Beruf, dass die Steinart sich in den letzten Jahren verändert hat oder ist steinewig und wird schon seit Jahrhunderten das gleiche Material verwendet? Ja, im Endeffekt wird es seit Jahrhunderten Stein verwendet, aber man sieht schon so an den Formen.
Man kann das glaube ich ganz gut beobachten auf dem Millartenfriedhof zum Beispiel, der ist ja vielen Leuten begriff. Man kann schon sehr gut beobachten, wo der Trend letztendlich hingegangen ist. Auf dem Millartenfriedhof stehen sehr punktvolle große Grabmahle und die sind häufig aus Samenstein, umso älter die wurden, das war halt mal deutlich einfacher an Samstein zu bearbeiten als ein Granit. Mit einem ausschließlich mit Hammer und Meister macht man bei einem Granit nicht so viel, sag ich mal. Wenn man das jetzt noch im Handbetrieb quasi fertig, ohne Maschinen.
Und da sieht man ganz gut, wie sich das entwickelt hat. Früher waren es sehr große Sachen, vor allem bei recht wohlhabenden Familien, unsere große Grabsteine. Oftmal so Sandstein, Kalkstein, alles, was sich so gut bearbeiten lässt, Marmor, diese weicheren Gesteine. Dann ging das so ein bisschen über in diesen polierten Stein. Hochglanz poliert meistens so eine geschwungene Form an der Oberkante, dann schön Phasen drauf geschliffen. Also eine Phase ist quasi so ein 45 Grad Winkel auf den Außenkanten und dass man kann das schon gut erkennen. Man sieht das dann halt auch auf den neueren Teilen, bei Melatenfriedhof zum Beispiel oder auch bei jedem anderen Friedhof.
Man findet letztendlich immer ein sehr altes Grab und wahrscheinlich auch auf jedem Friedhof ein sehr neues Grab. Was kostet denn ein Grabstein? Und wenn man über wenn Friedhof geht, viele haben ja relativ in Anführungsstrichen normale Grabsteine, die hinter dem Grab steht dann so ein 1 Meter hoher Steinmonolith, der graviert ist mit Namen und mit Datum. Kann man da irgendwie so eine Hausnummer anlegen? Fort bis? Ich denke 4000 bis 8. Das ist wirklich in der Gesteinsverarbeitung im Branche. Ist das sehr schwer zu sagen. Das kommt auf unheimlich viele Faktoren an.
Zum Beispiel, wir nehmen jetzt mal einen sehr günstigen Fall. Nennt sich Oroi und Blue, hat einen schönen blauen Ton und hat so Granateinschlüsse. Das heißt, er hat so leichte rote Punkte. Das ist ein, in meinen Augen, wunderschönes Material. Der ist verhältnismäßig günstig zu bekommen. wird tatsächlich überwiegend in Indien abgebaut und ist, wie gesagt, verhältnismäßig günstig. Es gibt ein Material, was wahrscheinlich jeder kennt, dieser berühmte Kararama-Mor, der kostet einfach das Vierfache. Und in diesem Bereich, in dieser Range, dazwischen kann man sich irgendwo auffalten.
Es ist sehr schwierig zu sagen. Also wenn man es genau wissen will, dann einfach mal bei Richard sagen, vorbeischauen und auf ein Stein deuten und dann kannst du natürlich sagen, was es kostet? Es ist einfach so, dass wir den Kunden erst mal ein unverbindliches Angebot erstellen, weil die meisten Leute sind ja völlig unbefleckt mit dem Thema und sagen, wir gehen jetzt zum Steinmetz und die wissen ja erst mal noch gar nicht so wirklich, was aus sie zukommt. Also da kann man an einfach ein Angebot erstellen. Wir müssen die Grabstätten aufmessen.
Es kommt immer auch so ein bisschen auf das Gelände an. Wenn ich jetzt einen sehr hügeligen Friedhof habe, dann kommt es schon mal vor, dass das Grab in eine Hanglage gebaut werden muss. Da kommt natürlich sehr viel mehr Krialle zum Tragen. Dann wird die Einfassung sehr viel höher. Oder so ähnliche Sachen halt. Das ist wirklich eine individuelle Sache. Wir machen ein unverbindliches Angebot, weil wir wissen, derjenige wird wahrscheinlich noch keine Ahnung haben, wo es hingeht. Ich muss das ganz ehrlich gestehen, also Fachmann hin oder her. Ich weiß manchmal auch nicht, wo die Reise hingeht.
Ich bin manchmal von Materialien, mit denen ich selten arbeite, bin ich überrascht, wie teuer oder eben günstig. Und das ist halt die Sache. Also unsere Angebote sind unverbindlich. Und im besten Fall, je nachdem, wenn jemand jetzt noch eine genaue Vorstellung hat, gibt es noch eine nette Zeichnung dazu. Und dann veranschaulichen wir das auch in 3D, was dann letztendlich aufgebaut wird. Dann kommt natürlich noch eine ganze Menge Bürokratie, so wie ich das mitbekommen habe hinzu. Ihr müsst euch ja auch noch die Grabmale gememelt nehmen lassen bei den Städten.
Und das halt dann auch öfters andere Gewerke mit Fundamenten und Ähnlichem drin sind. Das bringt wirklich einen ganzen Haufen Bürokratie mit, man meint es nicht. Aber ein Grabstein baut man nicht einfach so auf dem Grab auf. Das sind viele Leute der Meinung, aber dem ist absolut nicht so. Zuerst mal, wenn man einen Steinwärtsbetrieb eröffnet, muss man je nach Gemeinde auch erst mal eine Arbeitserlaubnis haben auf dem jeweiligen Friedhof. Also zum Beispiel für Köln gibt es einen eigenen, für Leverkusen gibt es einen eigenen, für Berge Stadbach oder bei sich München, Düsseldorf.
Die werden alle verschiedene Friedhof-Satzungen haben und die lassen sich alle gerne bestätigen, dass man diese gelesen hat und dass man die auch umsetzt auf dem Friedhof, wie die sich das vorstellen. Und dann darf man eher erst A mit einem Fahrzeug auf den Friedhof drauf fahren als Gewerbetreibender. Und dann kann man auch erst anfangen, die Genehmigungen einzureichen. So, wenn ich keine Arbeits-Genehmigung habe, kriege ich keine Genehmigung für die Errichtung einer Grabstätte. Na ja, und dann geht es halt los. Dann muss die Grabstätte genehmigt werden.
Im Normalfall muss da ein Zertifikat folgen bei den großen Städten, dass die Steine zu vertreten am Umfeld kommen, also so sozial verträglich sind, dass es da keine Kinderarbeit dran ist, dass die Leute anständig bezahlt werden, je nachdem welches Land. Letztendlich, wenn die Grabstädte aufgebaut ist, muss ein, in manchen Städten reicht es da, eine Unterschrift zu machen bzw. die Standsicherheit durch Errechnen zu gewährleisten Oder es muss ein Lastzeitdiagramm mit einem Gerät erstellt werden, so dass der das Grab mal wegesicher ist, so heißt es.
Und dann hat man es geschafft. Dann steht es, die Grabstätte ist. Genau. Und dann sieht man euch nur noch ab und zu, oder auch die Leute von der Friedhofsverwaltung mit so einem Gerät, wie er euch gegen den Grabstein lehnt und man kriegt große Angst. Aber das ist dann die sogenannte Standfestigkeitsprüfung, die immer wieder, glaube ich, mal gemacht werden muss. Ja, ganz genau. Die Friedhöfe selbst machen das, Weil die sind ja auch so ein bisschen dafür verantwortlich, dass da keine Unfälle passieren. Und wir selber machen es auch nach Errichtung eines Grabmeisters.
Das mit so einem Diagramm zu untermauern ist gar nicht so der verkehrte Weg. Andreas, du bildest auch aus, warum ist es dir wichtig, dass junge Leute in den Beruf reinwachsen? Was gibst du jungen Menschen mit auf den Weg, die sich für diesen Beruf entscheiden? Ich mache das eigentlich aus Überzeugung. Also ich bin aus Überzeugung Steinmetz. Ich lebe das, finde das gut. Wenn ich im Urlaub bin, gehe ich über den Friedhof. Und ich bin total überzeugt davon, dass Stein ist ein sehr robustes Material. Und die meisten der Steine, die ich aufbaue, überdauern meine Lebenszeit und die Gestaltung darauf auch.
Und ich finde, das ist ein sehr beruhigendes Gefühl. Abgesehen davon macht das halt Spaß, sich da einzudenken. Und es macht auch Spaß, ein Modell fürs Lager selber zu entwerfen. Und es ist halt eine feine Sache, so im Handwerk zu agieren. Ich finde das gut, das zu vermitteln. Also es gibt genug junge Menschen, die wissen nicht, was sie machen sollen. Und ich finde, als Steinmetz verschwendet man seine Zeit nicht. Also das ist für mich eine total tolle Sache. Und die Arbeit ist sehr befriedigend. Steinmetz ist ein Beruf, wo man anpacken muss. Das heißt, es ist wirklich im wahrsten Sinne des Wortes ein Handwerk.
Bewerben sich auch Mädchen bei dir? Ja, wir haben aktuell eine Art Zubine oder beziehungsweise eine auszubildende. Verstalten kann man ja auch, wenn man nicht von wahnsinnig starker Statue ist. Schriften gravieren kann man das auch. Also man muss nicht unbedingt die Brecherstatue haben, um den Job aus ausüben zu können. Also es gibt wirklich genug Arbeiten, wo man unterstützen kann beziehungsweise mitarbeiten kann. Wo das halt auch einfach nicht notwendig ist. Stark zu sein. Und auf der anderen Seite muss ich auch sagen, man wächst ja auch sozusagen in den Beruf hinein.
Ich habe sie ja von Anfang an gesehen. Ihre Starke ist definitiv das künstlerische Gestalten. Es geht Richtung Kalligrafieren. Aber sie ist auch richtig, richtig fit geworden in dieser Zeit. Und es steht ganz anders. Sie wirkt sehr muskulös, also ganz ohne Tragen und schleppen geht es ja nicht aus. Also das kommt mit der Zeit. Natürlich, man wechselt damit. Es ist halt wie überall. Man, man, der Körper passt sich dem an, was man macht. So ein bisschen. Und man muss halt auch ganz klar sagen, Man versucht, als Steinmetz immer den leichtesten Weg zu finden.
Nicht, weil man faul ist, sondern weil man einfach ein paar Jahre arbeiten möchte. Andreas, lass uns mal über deine eigene Beerdigung sprechen. Hast du dir schon mal Gedanken gemacht, wie du gerne verabschiedet werden möchtest? Also, ich würde gerne in ein bestehendes dreistelliges Grab, also in so ein Familiengrab gehen. Und eigentlich über die Beerdigung selbst habe ich mir tatsächlich weniger Gedanken gemacht, als der Platz, an dem ich beerdigt werden möchte. Ich würde tatsächlich gerne auf dem Deutzer Friedhof beerdigt werden, auf dem Hauptweg auf einer dreistelligen Grabstätte.
Und ich möchte eine schwarze Einfassung haben und einen schwarzen Obelisk. Und was soll da draufstehen, außer dem Namen und dem Geburts- und Sterbedatung vielleicht noch was anderes? Es soll erstmal nur der Name, aber der soll tatsächlich einfach nur Familie Degenhardt gerne, das finde ich schon ganz gut. So Obelisken tronen normalerweise auf einem Kapitel, nennen wir es mal so, Und in diesem Kapitel soll in Erhaben der Nachname graviert werden. Also nicht vertieft, sondern der Nachname soll Erhaben aus dem Kapitel entspringen quasi. Wenn ich über den Wiener Zentralfriedhof gehe, begegne mir sehr viele Gräber, wo doch viele Informationen auf dem Grabstein draufstehen.
Da steht manchmal noch eine Berufsbezeichnung drauf. Was sehr lustig war, war der Name einer Bäckerin, das Geburts- und Sterbedatum und ihre Berufsbezeichnung und dann stand noch drunter Hausbesitzerin. Das schien sehr wichtig zu sein in diesem Berufszweig, dass das auch noch gesagt hat, dass es die Frau so was gebracht hatte. Sind dir solche Fälle schon begegnet, wo du einfach mehr auf den Grabstein hast schreiben müssen als den Namen und das Geburtstil des Sterbedatums? Ja, ja, natürlich auf jeden Fall. Also sämtliche Titel. Dann haben wir einmal Kapitän zu See mit drauf geschrieben.
Auch Steinmetz und Steinbildhauer Meister war auch schon dabei. sicherlich und also klar mit Titel werden werden schon häufiger Professor, Doktor. Einmal hatten wir einen Bundesverdienstkreuz Träger, das musste dann auch mit drauf. Allerdings auf so ein 30 mal 30er Stein, das wird dann sehr klein, aber es ist letztendlich, ja klar man kann schon richtig viele Informationen oder beziehungsweise es gibt schon viele Informationen die man mit drauf machen kann. Was uns allerdings auch sehr häufig über dem Weg läuft, ist so ein Spruch halt. Also mehr als dich brauchte ich nicht.
Und das zum Beispiel ist so was, was man schon mal drauf macht oder halt solche Rapsprüche ist eigentlich mal sehr schön. Bei uns im Wald hat zum Beispiel auch jemand auf den Stein geschrieben, hier ruhen meine Gebeine, ich wünsch, das wären deine. Dann gibt's ja auch einige Quarkots, die eingehaut wurden und die Dimension noch so ein bisschen zu erhöhen und ich erlebe immer wieder auch, wenn ich euch mal besuchen komme, dass man ja auch ganz viel mit Metall- oder Bronze-Applikationen macht, teilweise Abformungen der Person, dass dann so eine Bronzefigur von einem Vogel habe ich letztens gesehen, der da mit drauf sitzt oder Statoren auch gefertigt werden, die dann von euch damit verbunden werden, damit die dann natürlich auch drauf bleiben.
Ja, aber wir machen auch hier mit Edelmetallen und arbeiten auch mit verschiedenen Kunstschmieden zusammen oder Kunstgießereien zusammen und das ist ja auch eine gängige Beschriftungsart dieser aufgesetzten Buchstaben in Form von Brance, Alu oder Edelstahl. Und jetzt natürlich unsere klassische Frage, die wir auch dir stellen möchten, Andreas. Welcher Song soll auf deiner Beerdigung gespielt werden oder gibt es am Meero Songs? Von Reinhard May, Gute Nacht Freunde. Das ist natürlich ein absoluter Knaller. Da werden vielleicht oder wahrscheinlich sehr sehr herz ergreifen, aber ansonsten bin ich auch ein großer Hannes Vada-Fan, deswegen kann man auch da sich sicherlich das Reportage verdienen, da wird man echt nicht falsch liegen, egal was man mit da ist.
Ich kenne ich ja jetzt schon eine ganz zuweile, Andreas. Du hast mich massiv überrascht. Ich hätte irgendwie was ganz anderes gedacht, aber eher so Intercent Man oder sowas oder Metallica. Sicherlich, wer ist ein knackiger Die haben mit der Metallik-Song auch nicht verkehrt. Aber ich weiß auch nicht, ich glaube, dass das so, es muss halt so ein bisschen zur Situation passen. Ich weiß nicht, ob das für die anderen so eine gute Trauer-Idee ist, wenn man da so ein Metalbanger spielt. Also, keine Ahnung, ich fand das immer ein super tolles Lied, was mich selber auch irgendwie immer gepackt hat.
Und deswegen das mir, das ist es. Das sei dir gegönnt, genau was du magst. Lieber Andreas, vielen Dank für das schöne Gespräch. Sehr gerne. Mehr Infos zu Andreas und seiner Arbeit bei Grabmaler Richard sagen, verlinken wir euch in den Show Notes. Das war's für heute. Schön am Leben bleiben und bis bald.