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Denkanstoß 32
"Der Pfad der Sehnsucht"


Der Pfad der Sehnsucht beginnt mit der mehrfach gewundenen vergoldeten Linien-Skulptur aus Eisenblech von Knopp Ferro. Diese Arbeit spiegelt den Verlauf jedes menschlichen Seins.

Über Jahrhunderte sind wir zum „Cogito, ergo sum“, „ich denke, also bin ich“ erzogen worden. Die gesamte Installation lädt den Betrachter ein, sich einem „Credo, ergo sum“, „ich glaube, also bin ich“ zu öffnen. Deshalb verlässt er die Rationalitätsebene und steigt symbolisch ab auf eine emotionale Ebene.

Es ist unmöglich, einem Zurückbleibendem ein Konzept für seinen Trauerweg vorzugeben, aber es ist möglich, ihm ein Gespür zu vermitteln, dass er auch über den Tod hinaus von den „guten Mächten“ derer, die er irdisch vermisst, begleitet wird.
Der Weg führt hinab zu einer Glaswand. Hinter einem Schleier fließenden Wassers, das die stetige Veränderung allen Seins symbolisiert, steht ein Text von Nelly Sachs: „Alles beginnt mit der Sehnsucht“. Doch um dies zuzulassen und zu entdecken, muss der Betrachter erst den Tod der Person, nach der er sich sehnt, zulassen und akzeptieren.

Jeder Tod ist für den, der damit leben muss, wie eine Lawine, ein Erdbeben, ein Zusammenbruch bestehender Lebensvorstellungen. Der Tod – symbolisiert durch eine Gerölllawine – bricht in die alltägliche Welt ein. Der Betrachter muss seinen Weg durch ein Trümmerfeld finden. Und wenn er versucht, die Bruchstücke zu sortieren, entdeckt er die Spuren, die von der Lebensbahn des Verstorbenen zurückgeblieben sind.

Der weitere Weg führt in einen Glasgang. Die rechte Kopfwand wird durch das übergroße Foto einer menschlichen DNA-Analyse bestimmt. Sie vermittelt dem Betrachter die Einzigartigkeit jeden menschlichen Seins. Der Glasboden symbolisiert die Zerbrechlichkeit und gleichzeitig die Wertigkeit jeder menschlichen Beziehung. Die Wand mit den Namen verdeutlicht dem Betrachter, wie viele Menschen ihn auf seinem Lebensweg begleiten. Gleichzeitig entsteht Erinnerung über das bewusste Wahrnehmen von Gegenständen, die in einem Glasregal lagern. Da liegt ein Kochlöffel, ein Spielzeugauto, zwei Figuren von einer Hochzeitstorte, eine Lesebrille, ein Buch, ein Skateboard, eine bemalte Porzellanplatte und vieles mehr.

Mit der bewussten Wahrnehmung der Namen und der konkreten Erinnerungsstücke durchwandert der Betrachter auch diverse Stationen seines eigenen Lebens. Dies ruft Träume, Gefühle und besonders Sehnsüchte nach Geborgenheit, Wärme, Heimat, Kindsein hervor.

Am Ausgang des Weges durch den Kunstgang ist eine Videoprojektion zu sehen. Es schneit auf eine Sommerwiese, aus der die Samen von Pusteblumen aufsteigen. Die Videoinstallation in Schwarz und Weiß steht im Kontrast zur realen Welt, in die man durch eine Tür wieder hinaustritt.

Diese reale Welt, die wir täglich geschenkt bekommen und die wir täglich erfahren dürfen, ist viel bunter und lebendiger als all die uns so vertrauten Scheinwelten. Sie muss nur immer wieder neu entdeckt werden. Und so verlässt der Betrachter die Ebene der Gefühle und Beziehungen vielleicht etwas sehender, vielleicht etwas mutiger und hoffentlich etwas lebendiger: Er wagt einen neuen Gang in das alltägliche Leben, wohl spürend, dass er in seiner ihm noch verbleibenden Zeit von denen begleitet wird, die er irdisch vermisst.

Wir möchten Sie herzlich einladen, den Pfad der Sehnsucht in unserem Haus zu besuchen.

Herzlichst

Hanna Thiele-Roth     David Roth

Bergisch Gladbach im September 2018

Hier einige Impressionen von unserem Pfad der Sehnsucht:

Pfad der SehnsuchtGalerie öffnen

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kdb21f223944144e2a6d0c48fa3e3bb34.reichert@f4f9a9ecdd1b47eb99009fc27d7ef158puetz-roth.de, Stichwort „Denkanstoß”