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Denkanstoß 34
"Den Tod ins Leben holen!"


Trauer braucht eine Heimat, einen Ort zu dem man gehen kann und der was mit dem Verstorbenen zu tun hat. Wenn auf Friedhöfen der Leichnam oder die Asche in der Erde ruht und der Name am Grab erkennbar ist, dann wird aus dem Ort der letzten Ruhe ein persönlicher Erinnerungsplatz.

Da immer mehr Tote verbrannt werden, sind wir mittlerweile an den Umgang mit Totenasche gewöhnt. Es gibt sogar Länder wie Belgien und die Schweiz wo jeder die Urne eines geliebten Menschen zuhause aufbewahren oder sie im Garten beisetzen darf.

In Deutschland schreibt der Gesetzgeber vor, dass Urnen nur auf Friedhöfen, in Columbarien oder eben in Bestattungswäldern beerdigt werden dürfen. Warum eigentlich? Wenn keine Gefahr von der Asche ausgeht und die Menschen immer mehr den Wunsch verspüren, Tote nicht mehr auf normalen Friedhöfen zu bestatten, warum denken wir nicht einfach mal über ganz neue Formen des Abschieds und der Beisetzung nach?

Kreuze nach Unfällen am Straßenrand, das Blumenmeer vor dem Haus eines Prominenten oder die Kerzen, die angezündet werden, an Orten an denen Menschen gewaltsam zu Tode kamen, zeigen uns, dass es ein Bedürfnis nach öffentlich gezeigtem Gedenken und öffentlicher Trauer gibt.

Der Erfolg der Bestattungswälder und das wachsende Bedürfnis nach sichtbarem Ausdruck und Teilen der Trauer sollte uns ermuntern, neue Wege lebendiger Trauer zu gehen.

Stellen Sie sich folgendes vor: Sie fahren an einem Kreisel vorbei. Oft werden diese Verkehrsknotenpunkte mit Kunst verziert, manchmal einfach bepflanzt oder zugepflastert und dann sich selbst überlassen. Oder denken Sie an die Linde auf dem Marktplatz, den Grünstreifen vor dem Rathaus, oder der große Platz vor dem Supermarkt, denkbar wäre natürlich auch der Kastanienbaum direkt bei Ihnen vor dem Haus. Gute Plätze für Gedenkorte gibt es überall.

Warum erlaubt man nicht, Urnen an diesen zentralen Orten zu bestatten, mitten im Leben? Die Toten wären nicht mehr an den Ortsausgang oder in einen Bestattungswald verbannt. Wir würden jeden Tag an unseren Ahnen vorbei spazieren und an sie erinnert werden.

Es würde Kreisel geben, auf denen man die Urnen einfach in die Wiese legt und keine Grabpflege nötig wäre und es würde Kreisel geben, auf denen die Menschen, ähnlich der Kreuze am Wegesrand, richtige Gedenkorte mit Bildern, Skulpturen, Blumen und Kerzen schaffen könnten und dann natürlich liebevoll pflegen würden. Für den Baum direkt vor der Haustür oder auf dem Marktplatz unter dem die Urne eines geliebten Menschen begraben liegt, würde man sich selbstverständlich verantwortlich fühlen und ihn hegen und pflegen.
Ober bestatten wir doch die Toten wieder auf den Kirchhöfen, in öffentlichen Parks, in den Blumenbeeten vor den Rathäusern, oder direkt da wo die meisten Menschen täglich unterwegs sind, legen wir die Urnen unter das Pflaster in den Fußgängerzonen.

Was ginge davon für ein wunderbares Signal aus. Die Verstorbenen und die Trauernden blieben sichtbarer Teil der Gemeinschaft.

Das Bedürfnis nach öffentlicher Trauer wächst und Behörden, Bestatter und Friedhofsbetreiber sollten es zulassen und auf eine gewisse Art auch legalisieren.

Im November gedenken wir traditionell der Toten. Wir möchten Sie dieses Jahr einladen, auch über unsere Vorschläge nachzudenken.

Wahrscheinlich werden die Kreisel auch in Zukunft einfach Kreisel bleiben und auch auf dem Marktplatz und in der Fußgängerzone wird es keine Gräber geben. Aber ein guter Gedanke bleibt es auf jeden Fall, die Toten näher zu uns zu holen und sie so in unserer Erinnerung am Leben zu halten.

Herzlichst

Hanna Thiele-Roth        David Roth

Bergisch Gladbach im November 2018

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k9f3daebbcf5a4f9a8eb04e08eae1dca1.reichert@83e7d47e2ff7497dbdd7ab9cfeed4cd5puetz-roth.de, Stichwort „Denkanstoß”