Episode 12 ∙ 14.10.2024 ∙ 28 Min
Wieviel Feier verträgt die Trauer, Nadine?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Nadine Dorau
Wie viel Feier verträgt die Trauer? Nadine Dorau ist Gastgeberin und Caterin von der Schmeckerei in Krefeld und hat mit „Sei mein Gast" ein Buch übers Feiern geschrieben, in dem sie bewusst auch dem Leichenschmaus ein Kapitel widmet.
Sie erzählt von der Beerdigung eines langjährigen Mitarbeiters, bei der jeder Trauergast ein Puzzleteil bekam – zusammengesetzt ergaben sie am Ende ein Bild aus seinem ganzen Leben. Für Dorau ist das ein Grund, warum sie den Leichenschmaus bewusst nicht ans Ende ihres Buches gestellt hat: weil sich Trennungsschmerz durch das ganze Leben zieht, vom Kindergartenabschied bis zum Tod – und weil etwa in Nepal der Umgang mit Verbrennungsstätten mitten im Alltag viel selbstverständlicher ist als bei uns.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Wann warst du das letzte Mal auf einer Beerdigung?" – „Günther hat unglaublich gerne gepuzzelt, und so hat jeder trauernde Gast am Ende ein Stück Puzzle bekommen – und zusammengesetzt war es sein ganzes Leben."

Über Nadine Dorau
Nadine Dorau ist zu Gast. Die Gastgeberin und Caterin von der Schmeckerei in Krefeld hat mit „Sei mein Gast" ein Buch übers Feiern geschrieben und darin bewusst auch dem Leichenschmaus ein Kapitel gewidmet. Sie erzählt von der Beerdigung eines Mitarbeiters, bei der jeder Trauergast ein Puzzleteil bekam, das am Ende zusammengesetzt sein ganzes Leben zeigte, und davon, warum gutes Essen nach einem Todesfall für sie kein Widerspruch ist, sondern Nahrung für Körper und Seele.
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Hallo zu TalkAboutTot, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst, mein Name ist Klaus Reichert. Und ich bin David Roth, hallo zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Heute ist eine Frau bei uns zu Gast, die dafür sorgt, dass bei großen Festen die Gäste mit allerlei Köstlichkeiten verwöhnt werden, sie kätert große Feste, sorgt aber auch auf Beerdigungen dafür, dass die Leute satt werden. Hallo und herzlich willkommen Nadine Dorauff von der Schmeckerei in Krefeld. Ganz lieben Dank für die Einladung, ich freue mich sehr, sehr wieder einmal eingeladen worden zu sein und dabei sein zu dürfen.
Nadine ist auch Gastgeberin eines Podcasts, er heißt Party Possible und wir kennen sie durch ihr Buch "Seien Mein Gast", da durften wir ein Kapitel beisteuern. Wir wollen auch heute mit der ersten Frage beginnen, Nadine, diese Frage stellen wir alle unseren Gästen. Wann warst du das letzte Mal auf einer Beerdigung? Oh, das ist noch gar nicht so lange her als ein ja ein lieber Mitarbeiter, der aber schon inventar war, wie es ja so oft in so alteingesessenen Betrieben wie bei unserem eben ist, ja leider Zugabe getragen werden musste. Im entsprechenden Alter aber trotzdem ist es natürlich ein Abschied für immer, der schmerzt.
Wie ist dir diese Beerdigung in Erinnerung geblieben? Ich fand die Beerdigung sehr schön, wenn man überhaupt von schön sprechen kann, weil es sehr individuell war. Günther hat unglaublich gerne gepuzzelt und so hat jeder Gast dann am Ende, jeder trauernde Gast ein Stück Puzzle bekommen und zusammengesetzt war es das ganze Leben. Und das ist eine ganz wunderschöne Art an Erinnerung und das macht es dann für mich aus, dass ich sagen kann, das hat mich berührt, das war schön und es bleibt mir ein kleines Stück seines Lebens in Form eines Puzzlestückes.
Du hast in deinem Buch Wert darauf gelegt, dass der Leichenschmaus oder das Räuessen, wie wir im Rheinland sagen, nicht ganz am Ende steht. So ein Mittendamm Buch. Warum? Für mich ist es wichtig jetzt schon über den Tod nachzudenken, denn das, was uns Angst macht, ist ja immer das, was wir nicht kennen, ist das Unbekannte. Und auch wenn wir in unserem Leben 1000 Tode sterben, jedes Mal, wenn wir eine Beziehung beenden zum Beispiel, oder auch das Verabschieden aus dem Kindergarten, in die Schule, in die Ausbildung usw. Jedes Mal trennen wir uns und jedes Mal ist ja auch ein Trennungsschmerz und das ist ja bewiesen ein kleiner Tod.
Wir verarbeiten das nicht anders und mir ist es so sehr wichtig, durch meine Reisen, was ich kennengelernt habe, wie in Nepal, da sind die Verbrennungsstätten, das findet nicht hinter sterilen Räumen statt. Das findet eine Verbrennung der Menschen, die du geliebt hast, mitten in Kathmandu statt. Da die Schüler, die in die Schule laufen, laufen an und über die Verbrennungsstätten und es gehört da zum Alltag. Und wenn du weißt, das steigt Feuer auf, ist es nicht bei uns, ach die Grillen da, da ist ein BBQ, sondern dann wird gerade ein geliebter Mensch, ein Mama, ein Vater, ein Kind, Geschwister, verbrannt und es ist eben nicht am Rande der Gesellschaft irgendwo in einem Gewerbegebiet oder ähnlichem, sondern es findet in der Stadt statt.
Und das wollte ich in diesem Buch auch so wichtig sagen, es ist nicht an unserem Ende des Tages, dass dann alle sterben, sondern es passiert eben in der Mitte unseres Lebens. In deinem Buch geht es ja vor allem um Genuss, da wird erzählt, wie man Feste organisiert, es gibt Rezepte, alle möglichen Dinge, die mit Genuss und Organisation natürlich auch zu tun haben. Warum ist es gerade in der Situation nach einer Beerdigung wichtig, gut und vor allem auch mit Genuss zu essen? Damit du generd wirst, damit du generd bleibst und damit du dann in dieser Zusammenkunft an diesen Menschen, die in der Gemeinsamkeit ja auch wieder ihren Trost finden, einfach ein Mittel zu haben, in dem man den Körper und die Seele nähren kann.
Und ich erinnere mich, dass meine Mama gesagt hat, für mich war das schlimmste, als ihre Mutter gestorben ist, dass am nächsten Tag ging die Sonne wieder auf, es ging ganz normal weiter. Und sie sagte, das konnte ich gar nicht begleifen und so ist es ja aber auch, wir müssen wieder in das Leben kommen, wir müssen wieder am Leben teilnehmen und Essen nährt den Körper, die Seele und natürlich auch uns um weiterhin bestehen zu können, bei Kräften zu bleiben. Es sind Lebensmittel, also das sagt ja das Wort schon, es sind Mittel, die wir zum Leben dringend benötigen.
Da wird das Wort Genuss im Zusammenhang mit Tod und Trauer klingt für viele vielleicht nach einem Widerspruch. Warum ist das für dich kein Widerspruch? Und ja, wir sagen ja immer, Trauer ist Liebe und das Trauer irgendwo auch eine Beziehung voraussetzt. Und in dieser Beziehung freut man sich einfach auf Sachen, da ist man besieelt, man hat eine große Sehnsucht, man erlebt wunderschöne Sachen mit jemandem und dazu gehört natürlich dann auch der Genuss, dass man miteinander kocht, dass man an besondere Orte geht, dass man sich überlegt, wie mache ich dem anderen eine Freude an bestimmten Tagen.
Und wir glauben einfach, dass es ja auch darum geht und ich glaube in der Haltung sind wir ja auch ganz nah mit der Nadine zusammen, dass man das Schöne aus dieser Situation mitnehmen kann. Dass das in einem auch in Zeiten, wo es einem nicht so gut vielleicht so ein bisschen stärken kann, dass man weiß, da ist jemand gewesen, der mich auch über solche Momente trägt und wo dann ja so ein bisschen diese Person vielleicht auch wieder spürbar wird. Vor kurzem hatte meine Lebensgefährtin Brennnessel super gemacht, das ist jetzt vielleicht fern ab von großem Genuss.
Aber das ist etwas, was meine Oma immer gemacht hat, was ich untrücklich mit der Verbinde, das hat sie halt ab und zu gemacht und wo es total schön war, wenn man so Momente hat oder ab und zu versuche ich dann so eine bestimmte Art Kartoffelsalat nachzumachen, wie sie das immer gemacht hat in einer süßsaueren Art und Weise. Und in diesen Momenten sind Menschen uns nah. Dann geht es vielleicht so ein kleines bisschen auch, du hast gesagt, die Sonne wieder auf. Am nächsten Tag, aber vielleicht auch schon am Nachmittag, am Abend oder in der Nacht, worauf man sich halt freuen kann einfach.
Ich frag mal euch beide, man hat ja manchmal das Gefühl, wenn ein Todesfall eintritt, dass die Trauerenden wie vor allem riesigen Stoppschild stehen, alles anhält und man vielleicht sogar so eine Art Erlaubnis braucht, dass man auch die schönen Dinge trotzdem sehen kann, dass man auch genießen darf. Wie seht ihr das? Für mich ist es da ganz wichtig, den Genuss mit einzubinden und auch hier möchte ich wirklich nochmal die Brücke schlagen, wir alle wissen und das ist so sehr wichtig. Wir reden alle so sehr darüber, was unseren Körper nähert, welche Lebensmittel für uns wichtig sind.
Viele verzichten auf Kohlenhydrate, um dann wirklich mehr Eiwass zu nehmen, um mehr Muskelmasse aufzubauen. Aber was ist denn mit der Seele? Und Schokolade tut der Seele gut. Schokolade, wenn ich Schokolade esse oder wenn es mir nicht gut geht, weil irgend ein großer Stress da ist und ihr kennt das, du kannst mich hier in die Wurstküche stellen, 20 Stunden am Stück, das ist kein Stress, weißt du dieser Nervenstress, so aber die nicht sein muss oder oder. Und dann denke ich mir, nee, also jetzt zähle ich mit Sicherheit nicht noch die Kalorien und gönn mir mein Stück Schokolade oder auch eine ganze Tafel.
Und das ist auch der Genuss, wovon du grad gesprochen hast. Das nähert die Seele, das tut der Seele gut und in dem Moment sind wir wieder mehr verbunden und darum möchte ich so weit weg von dieser Information immer nur, das ist für dich gesund in Form deines Körpers. Es gibt auch gesund für die Seele. Es ist ja eigentlich so die Sache, wie kann es mir gut gehen, wenn eine Person, die ich lieb habe, grad verstorben ist. Und es gibt natürlich auch dieses Bedürfnis, Trauer zu zeigen. Für viele Menschen ist es teilweise wieder sinnig, dass sie da auch bei Trauer feiern, die dann mit so ein bisschen Stocken der Stimme eigentlich am Ende sagen.
Sie wissen nicht, ob man das sagen darf, aber das ist vielleicht ganz schön sogar gewesen, so wie Nadine das gerade geschrieben hat mit den Puzzleteilen und dass man diesen Moment dann noch hat. Und das ist für viele Menschen wieder sinnig. Und das ist ja eigentlich auch diese Erfahrung, die wir Menschen näher bringen wollen in der Situation, wenn sie ihren Verstorbenen sehen. Nicht, dass wir den so verändert haben und dass der friedlich da ist, sondern dass er da einfach ganz friedlich, entspannt, ohne Sorgen, ohne Schmerz liegt, dass die Mühsal, die Beschwerden, die jemand vielleicht hatte oder auch einfach die Ursachen, warum jemand gestorben ist.
So mehr oder minder von dieser Person abgefallen sind, ich sehe vielleicht noch Spuren der Therapie oder so etwas, aber die Person liegt da ganz friedlich, ganz entspannt. Manchmal hat man das Gefühl, wenn man jemanden besuchen geht, dass der vielleicht irgendwo etwas sieht und was wir nicht mehr zu glauben wagen. Und ich kann anfangen zu begreifen, dass wenn es dieser Person nicht schlecht geht, es mir auch nicht schlecht gehen muss in dem Moment. Und dann habe ich halt die Möglichkeit, auch so wie du das gerade gesagt hast, mit den Lebensmitteln, dass ich wieder für mich sorge, was schön ist und dieses einfach sein zu können, zu wissen auch, was ich da mache.
Und das ist ja auch bei jedem anders, der eine mag was Süßes, eine meiner Töchter, der kann man halt mit einer Kringelwurst oder so eine große Freude machen, die ist da sehr herzhaft unterwegs. Und es gibt vielleicht so ein kleines bisschen Festigkeit, wenn man sieht, das ist jetzt ein besonderer Moment und so ist es ja letztlich mit dem Tod auch. Also das ist sicherlich kein Genuss, sich mit dem Thema befassen zu müssen, aber ich merke, es ist real und es ist ein besonderer Moment, wo dann halt auch ganz vieles wieder kommt unter anderem. Die Sachen, wo ich gerne vielleicht nochmal hätte, dass meine Oma die gekocht hätte, genau in der Art.
Und dann immer, wenn ich das nachkoche, dann ist es nah dran, aber vielleicht nicht ideal. Oder diesen Moment, wo man nochmal einfach die Hand halten möchte, beieinander ist, ist ja eigentlich in vielen Bereichen so, auch wenn Menschen zum Beispiel möchten, dass ein Verstorbener nochmal vielleicht bis zum Morgen zu Hause bleibt und man einfach nur daneben liegen darf. Ich erinnere mich an ein Interview, was ich mit David hatte, wo ich zu ihm gekommen bin und er zu mir gesagt hat, wie möchtest du denn eigentlich beerdigt werden? Und ich habe mir gedacht, ja, ich möchte hier eine ganz große Show, da sollen ganz viele Leute kommen und nachher, als ich mich damit beschäftigt habe, als ich diesen, meinen eigenen Tod in mein Leben geholt habe, wurde mir bewusst, ich stehe total gerne auf einer Bühne, sei es damals hinter der Fleischstärke, das ist auch eine Bühne, oder aber auf der Bühne für eine Show oder ich erzähle Menschen was in der Gastronomie oder eben im Knägel in meinem Podcast.
Das sind ja alles kleine Bühnen, die ich bestiecke, aber ich möchte gerne von der Fern dann bewundert werden. Ich möchte, kann ich das so viel so mir so nah sind. Weil es doch am Ende des Tages ist das Beschäftigen, was ich da gemacht habe mit David in dem Gespräch, mit meinem eigenen Versterben, mit meinem eigenen Vergehen, möchte ich viel lieber nur die ganz kleinen Menschen um mich drum herum haben. Wir hatten auch ein Kochenbind tatsächlich als letzte Party, als schon auch als Trauerfeier, wo die Lieblingsrezepte der verstorbenen Urma durchgekocht wurden.
Und da war eben dann, dass die Vorspeise war kein Getrüffeltes irgendwas vom Salova-Jungspein getoppt von der Praline, sondern das war dann eine Kartoffelsuppe. So, und die Hauptspeise war dann eben auch was ganz Bodenständiges, nämlich ein Sauerbraten, was man vielleicht oder waren alles nach den Rezepten von dieser Oma. Und das Dessert war ein Milchreis, das war keine Mousse-Schokolade, dreimal aufgekocht und dann noch geduzt. Weißt du? Das ist natürlich auch eine ganz wunderbare Art, dann nochmal zusammenzukommen, was zu tun und das sagst du ja auch nochmal, anpacken mit den Händen und das Leben durch Rezepte, durch Genussrevue passieren lassen.
Das war wunderbar. Genau so haben wir das auch erlebt in den Kochkursen, die wir bei uns gemacht haben. Und das war einfach toll, da entsteht eine besondere Dynamik und wo dann halt all diese Hausrezepte ausgepackt werden bei uns, was vielleicht ein bisschen einfacher von der Art her, dass man sich halt erstmal auf die Rezepte dann geeinigt hat und dann mit ganz viel Energie einen Plan gemacht haben, geguckt haben, welche Gerätschaften braucht man, was müssen wir einkaufen, den Markt erlebt haben, alles vorbereitet haben, nochmal innegehalten haben.
Und dann gab es auch immer eine kleine Aufgabe, dass man die Gäste vielleicht in irgendeiner Form auch wieder unterhält, auch wieder Gastgeber ist, über das Kochen hinaus. Also das hat sich gerade wunderbar angehört und diese Erfahrung haben wir bei uns auch gemacht, dass es schön ist, dass das Menschen gut tut, dass darüber auch dann wieder Verbindungen entstehen und das ist ja eigentlich auch unser Ansinn, dass Menschen vielleicht auch wieder Kontakte knüpfen, wo sie das Gefühl haben in verstehender Augen zu blicken und vielleicht nochmal miteinander kochen oder sich auf den Markt treffen oder all diese Sachen.
Hast du das Gefühl Nadine, dass immer mehr Menschen sich öffnen und diesen Moment des Abschieds mehr an sich herangelassen wird? Ja, allerdings durch die Arbeit, die auch ihr macht. Im letzten Jahr hatte ich zwei Gäste, die mir gesagt haben, ja, ich bin über dich auch auf Talk about Tod gekommen und habe mir das angehört und da habe ich gedacht, man kann das ja auch mal anders machen. Also ich denke, diese Arbeit, die wir hier machen, ist so sehr wichtig darüber offen zu reden und auch die Angst zu nehmen. Denn in dem Moment, wo das jetzt auf der Autofahrt, weißt du, ich möchte gar nicht, dass Menschen sich eine Stunde Zeit nehmen und unseren Podcast hören und darüber dann in Trauer-Situationen darüber anfangen nachzudenken, das Wichtige ist, genau während der Autofahrt zur Arbeit das zu konsumieren und hinten abzulegen, dass es eine Alltäglichkeit wird.
Weißt du denn, dann gibt es ja auch die Möglichkeit so einfach darüber zu philosophieren, oh, wie wollte ich das denn eigentlich wollen, was ist denn damit und dann ist diese Scheu weg. Weißt du, dann ist es wirklich Alltäglich. Wenn es passiert ist, ist natürlich immer noch kaum zu ertragen, kaum zu tragen, aber man hat damit schon mal ohne diese schlimme, schlimme Last der Trauer auf den Schultern schon mal zumindest einen Anhaltspunkt gehabt und dadurch merke ich, dass Menschen die Scham empfinden, die ein großes Scham empfinden haben, die dann sagen, ja, da ist jemand gestorben, ich weiß nicht, ich kann das alles gar nicht, mir fällt die Decke über den Kopf und ich kann das alles nicht und darüber noch eine Scham empfinden, das fällt von vielen ab, dadurch dass wir so eine Arbeit machen und das ist großartig.
Nadine, wie erlebst du Frauen in dem Moment beziehungsweise siehst du unterschieden zu Männern? Also erstmal denke ich, dass ich sehe große Unterschiede und ich finde es total illusorisch zu denken, dass Frauen nicht anders in dem Moment sind als Männer. Und das ist für mich ganz klar Männer und Frauen sind ja von Grund auf schon ganz anders gebaut. Natürlich ist das evolutionär, natürlich ist das in unserer Genologie drin und jetzt könnte man sagen, ich vertrete ein altes Rollenbild, was mir so oft vorgeworfen wird, das tue ich überhaupt gar nicht.
Aber es ist doch faktisch logisch, Frauen haben sogar weichere Körper als Männer. Es kann nicht sein, dass sie auf gleiche Weise sterben, auf gleiche Weise trauern, dass der Moment genauso ist für eine Frau wie für einen Mann. Und in dem Moment, wo ich das ausspreche, sage ich ja auch, weißt du, Frauen haben ja eine ganz andere Verantwortung. Männer gehen so viel leichter mit ihrem Leben um. In dem Moment schon, weißt du, Frauen haben eine ganz andere Verantwortung. Mir ist total wichtig, am Leben zu bleiben für meinen halbweisen Sohn. Ich sehe aber auch Männer, die Formel 1 fahren auf ganz hohe Berge krexeln, ohne dass sie eine Sommerstoffmaske haben, kenne ich wenige Frauen.
Das heißt, in dem Moment, wo eine ganz andere Leichtigkeit dem Leben über ist, ich meine, es ist ja auch logisch, dass Männer oder in unserer Genologie, und das ist nicht lange her, das sind keine 100 Jahre, dass der letzte Krieg vorbei ist. Da sind Männer in den Krieg gezogen. Es muss in unseren Genen sein, dass Frauen hier eine andere Verantwortung den Kindern über haben. Es hat Sinn, dass wir mehr Fetteinlagerung haben. Natürlich evolutionell, natürlich, dass wir unsere Kinder bekommen, dass wir Fettpolster haben, um diese zu ernähren. Wo es für Männer wichtig ist, dass diese eine Muskelmasse haben, um eben andere Tätigkeiten auszuüben.
Und es kann altes Rollenbild, das ist Fakt. Und es ist für mich ganz klar, dass Frauen ganz anders sind als Männer. Ganz anders sterben, ganz anders trauern, einfach in dem Moment auch anders eine andere Abhandlung sicherlich im Körper ist als bei uns Frauen. Und ich glaube, ich müsste jetzt einmal selber gestorben sein, um zu sagen, was das tatsächlich ist. Das weiß ich nicht. Die Erfahrung habe ich zumindest in diesem Leben noch nicht gemacht. Aber wenn wir doch darüber so philosophieren und wenn so viele Fakten uns doch tagtäglich begegnen, die nicht von der Hand zu weisen ist, wer sagt uns denn, dass der Geburtskanal nicht auch das Ende des Lichttunnels ist?
Woher wissen wir das denn? Das wissen wir ja gar nicht. Wo das gerade angesprochen heißt, glaubst du, dass Frauen anders sterben als Männer? Ja. Hast du eine Idee, wie das sein könnte? Wenn du zu mir sagen würdest, Nadine, möchtest du wissen, wann du stübsst, würde ich es ja sagen, damit ich das alles schön planen kann, damit ich die Kontrolle habe, damit ich weiß, okay, meine liebsten sind versorgt. So soll das sein. Ich würde die darauf vorbereiten. Ich würde sagen, alles ist gut. Und an dem Tag ist es soweit. Das heißt, für mich spielt da ganz, ganz viel Verantwortung eine Rolle und das Leben meiner Nächsten.
Und ich glaube, das ist bei ganz, ganz vielen Frauen so. Auch wenn viele vielleicht nicht so exzessiv darüber nachdenken, wie ich, die sich so stark auch damit beschäftigt, denke ich, das ist bei Frauen drin, dass sie vielleicht verantwortungsbewusster in ihrem Leben, aber natürlich nicht jede, keine Verallgemeinerung. Aber ich glaube, dass Frauen anders sterben, aber wie genau das jetzt ist, weiß ich nicht. Und aus deiner persönlichen Erfahrung mit Trauer, was hat dir dabei geholfen? Mir helfen tatsächlich auch die Erinnerungen. Ich sag mal, was sehr schwer für mich ist, nachdem mein Sohn ja seinen Vater verloren hat, ist es unglaublich schwer für mich auf Ego zu treffen von anderen Personen, die dann bei der Trauerfeier noch irgendwie versuchen zu sagen, ich habe ihn aber mehr geliebt oder was auch immer.
Ja, das finde ich schwierig, dass eben nicht die Person einfach betraut wird und der letzte Gang dann bekleidet wird, so wie es sein sollte. Was mir hilft, ist aber, wie sehr ich sehe, dass mein Sohn zu jemanden heranreift und heranwächst, der so bodenständig ist und so viel Freiheit von uns mitgegeben bekommen hat, so viel Verantwortung aber auch schon. Der weiß, mein Leben, das mache ich mir selber. Niemand kann dafür, wenn ich schlechte Laune hat und ich kann das auch selber ändern. Und dafür sind wir verantwortlich und ich finde das so schön, zu sehen, dass er das so mitgenommen hat.
Das sind Sachen, die mich trösten, die ich unglaublich finde, was dafür kleine Pflanzen gesät wurden, gesetzt wurden, die jetzt alle aufblühen. Nadine, wie oft denkst du über deinen eigenen Toten? Oft, sehr, sehr oft. Also ich beschäftige mich schon oft damit und möchte natürlich auch das größte, das schlimmste in meinem Leben ist ja Kontrollverlust, weil eben nur durch Kontrolle alles gut funktioniert. Die Partys, ich kann alles vorher planen. Und die Leichtigkeit, die ich dann natürlich rüberbringe, was mit so einer Gastgeberin ja auch unweigerlich zusammenhängt oder wenn ich andere Gastgeber ausbilde, ganz, ganz viele Asiatinnen, die zu uns kommen, die sagen, ich möchte eine tolle deutsche Gastgeberin sein.
Aber wie geht das denn? Bei uns in Japan ist es ja gar nicht üblich, Gäste zu Hause zu empfinden. Den bringe ich natürlich dann ganz unsere Eigenarten, unsere deutschen Eigenarten bei. Und in dem Moment, wo ich weiß, oh, wenn ich sterbe, verliere ich ja die Kontrolle darüber. Das ist für mich ein Grundsatz, die Objektivität darüber zu haben, alles, was ich wissen kann, auch zu lernen. Von David, von dir, von Podcast, die sich damit beschäftigen, von Maria Vandenberg, die eine traumhafte Trauergruppe anbietet, wo ich auch immer wieder so Informationen abfangen kann.
Und eben das ist für mich so wichtig, dass es wäre schlimmer für mich, nicht darüber nachzudenken. Ich weiß, vielen bereitet das Schmerz, mir würde der Schmerzbereiten nicht darüber nachdenken zu können und diese Informationen alle nicht haben zu dürfen. Du könntest bewusst sterben. Was wären deine letzten Worte? Meine letzten, wie lange darf ich dürfen, die nicht setz zu sein? Lange wie du magst, beziehungsweise ich hatte gerade nach dem, was du gesagt hast, auch so ein bisschen Bilder im Kopf, die vielleicht darauf hingehen. Achtung. Das ist gleich los, zehn, neun.
Aber falsch. Das ist ja die Frage. Also du darfst dir alles wünschen, ne? Okay, wenn ich mir wünschen dürfte, dann würde ich sagen, vertraue dir selber oder vertraue euch selber, je nachdem, wer natürlich dann anwiesend ist von meinen liebsten, meine letzten Worte, vertraue dir selber. Niemand ist den Weg gegangen, den du gehst und du bist die Person, auf die du dich immer verlassen kannst. Du bist die Person, die in ihrem Leben immer die Kontrolle hat, alles zu erreichen, zu ändern, zu machen, was sie wünscht. Du hast ja schon ein bisschen über deine eigene Beerdigung gesprochen.
Das klang schon danach, als hättest du sie fast schon minutiös geplant. Lass uns doch noch ein bisschen teilhaben an deinen Ideen. Du hast ja gesagt, es ist eher so, dass du die Menschen, die dir wichtig waren in deinem Leben, gar nicht so eine große Gruppe, gar nicht so die große Bühne, sondern so ein kleinerer Ort, nun kann ich mir vorstellen, dass trotzdem so im Hinterkopf schon auch mitschwingt, zu sagen, komm, wir machen nochmal eine richtige Party, oder? Also bei mir ist es ja so, viele meinen immer, ich bin so eine Partymaus. Das habe ich aber im Jahr so 2000 komplett abgelegt oder eigentlich schon 1998.
Das heißt, ich habe dann alles durch. Mama sagt ja immer, ich wäre bei den Kellerpartys einfach versagt, wäre ich nicht Party Service Catering Gastgeberin geworden professionell. Das heißt, ich bin gar nicht diejenige, die unglaublich gerne jetzt Party macht und feiert. Ich bin die, die alles gerne organisiert, damit andere eine schöne Zeit haben. Ich möchte einfach sein. Ich möchte niemanden zu Last fallen. Ich möchte nicht schwierig sein. Wenn du mich jetzt fragen würdest, wie die richtige Trauerfeier für mich wäre, wäre das wirklich in mitten von der Natur an einem Grab bitte am Stück nicht verbrannt wegen der Emissionen.
Und dann mit meinen wenigen Liebsten, wo ich jetzt vielleicht fünf Leute aufzählen würde, wo dann lieber jeder noch was Nettes sagt, wo jeder nochmal Abschied nehmen kann und wo auch jeder nicht Haltung bewahren muss. Denn ich weiß, wenn da 60, 70, 100, 150 Leute sind, vielleicht traut sich der eine oder andere dann gar nicht zu weinen. Vielleicht ist der eine oder andere dann gar nicht so privat wie er sein könnte. Und die große Party, das, was vielleicht dann später kommt, aber nicht am Grab, das kann irgendwie stattfinden, aber dann so wie es meine Liebsten mögen.
Du könntest selbst deine Trauerrede schreiben. Wäre es dir wichtig, dass alles das, was du gerade gesagt hast, darin auch vorkommt? Oder würdest du da noch weitere bestimmte Sachen gerne nennen? Wenn ich meine eigene Rede halten würde, dann würde ich so gern sagen, das ist der Lauf des Lebens. Der Tod gehört zum Leben dazu und es ist fein. Also ich hab, wenn ich morgen sterben würde, ich hab so, so viel Glück in meinem Leben erfahren. Ich hab so, so viel Respekt und Achtung und Demut und Liebe in meinem Leben erfahren. Und das wäre mir so wichtig, dass es meine Lieben wissen, dass ich heute am Tag sterben könnte und ich hätte alle Gefühle und alles, was ich erleben wollte in mir, weil mir so, so viel, ich hab, ich weiß gar nicht, ob ich das jemals erzählt habe, ich hab mir immer eine Tochter gewünscht.
Ich wollte immer eine Tochter haben, die schöne, pinke Sachen anziehen, goldenes Krönchen, Haare noch geflochten und so weiter. Und dann hab ich meinen Sohn bekommen und ich hab ja ein einziges Kind und ich hab mir gedacht, oh Gott sei Dank ist er dein Kind geworden. Dieses Glück, das ich da hatte, dass mein Wunsch mir nicht erfüllt wurde nach einer Tochter. Mein Sohn ist der allerbeste Mensch der Welt. Ihr könnt euch das nicht vorstellen, wie unglaublich er ist und er ist keine 17 Jahre und er ist so geerdet, er ist so bodenständig, er ist blitzgescheit und kann auch noch Mathe, also das ist ja, ich nicht, nicht gut.
Aber weißt du, da sind so viele Sachen, wo ich denke, ich bin so unglaublich gesegnet. Ich hab das, ist ihr seid so wichtig geworden in meinem Leben, diese Verbindung zu euch, diese Fülle, egal ob bei Regina Sixt auf den Damenwiesen. Ich bin Metzger, dass ich jemals unter den Ladies der europäischen Unternehmerinnen sein dürfte, wusste ich nicht. Das ist ein Traum für mich und alles das ist so viel in meinem Leben, so eine Fülle, egal ob positiv oder negativ, was ja auch aufeinander aufbaut und was ja niemals nur in Einrichtung geht. Wenn man das verstanden hat, dann kannst du gehen.
Dann kann ich meinen Hut nehmen und gehen und sagen, mein Leben ist jetzt schon so erfüllt, so erfüllt ist sicherlich das Leben von ganz vielen anderen nicht. Leider gibt es bei uns nicht die Tradition wie zum Beispiel in Österreich, dass auf dem Grabstein nicht nur der Name und das Datum der Geburt und das Versterbens steht, sondern auch noch andere Informationen teilweise über den Beruf oder wo die Leute gelebt haben. Hast du eine Idee für eine Inschrift auf deinem Grabstein? Ja, ich habe auf meiner Visitenkarte stehen "And I think to myself what a wonderful world".
Ich glaube das wäre schön, denn das sagt alles aus. Welcher Song soll auf deiner Beerdigung gespielt werden auch, was du gerade sagtest oder hast so noch weitere, die du dir wünschen würdest, die eine große Bedeutung für dich haben? Der unmögliche Traum, weil darin so oft vorkommt, wie oft ich diesen unmöglichen Traum geträumt habe und wie oft dieser unmögliche Traum tatsächlich in Erfüllung gegangen ist. Und gerade wie du auch schon gesagt hast, "I think to myself what a wonderful world", das ist sicherlich auch einer der Songs, die unbedingt dabei sein müssen.
Wichtig ist mir, dass meine Gäste zu meiner Trauerfeier dann mit einem guten Gefühl, nicht mit einer Trauer rausgehen, sondern dass sie wissen, die ist so glücklich gestorben, alles ist gut. Und jetzt die letzte allesentscheidende Frage, was gibt es auf deine Beerdigung zu essen? Na Schokolade. Zumindest gibt es vielleicht so Schokoladenherzen, könnte ich mir gut vorstellen, aber mein Sohn zum Beispiel ist auch eher der Herzhafte, den würde ich damit nicht glücklich machen, der bräuchte dann Chips zum Beispiel, vielleicht halten wir das auch ganz individuell, so wie ja auch jedes Leben ist, dass das Chips genauso wie so kleine Proviantpakete, wo alles mit beinhaltet ist.
So Gudi-Bags, wie von Gugini Six, die hat 7 Kilo Gudi-Bags auf ihre Gugini Six-Damenwiesen ausgegeben. Ich denke, das wird zu vielen, aber für jeden so was drin sein sollte vielleicht schon. Herzlichen Dank Nadine Dorao. Alle Informationen über Nadine's Buch "Seimann Gast" und über die Schmeckerei in Krefeld findet ihr in den Show notes. Das war es für heute. Schönen am Leben bleiben und bis bald. Und nochmal ein herzliches Dankeschön an dich Nadine. Ganz herzlichen Dank. Ich habe mich sehr gefreut. Vielen Dank.