Episode 36 ∙ 19.01.2026 ∙ 25 Min
Was zählt, wenn man eine zweite Chance bekommt, Herr Tauber?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Peter Tauber
Was zählt, wenn man eine zweite Chance im Leben bekommt? Der frühere CDU-Generalsekretär und Staatssekretär Peter Tauber hat sich nach schwerer Krankheit zurück ins Leben gekämpft und für die Ausstellung „Ein Koffer für die letzte Reise" einen ganz persönlichen Koffer gepackt.
Er erzählt von der Beerdigung seines Vaters, an die er sich bis heute an Wetter, Gesichter und einzelne Momente genau erinnert, und wie ihm die Trauerfeier zeigte, dass sein Vater bei Kolleginnen, Kollegen und Freunden eine Wertschätzung genoss, die er so nicht kannte – ein Vater, den er dadurch nicht nur als seinen Vater, sondern als eigenständigen Menschen neu kennenlernte.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Ich war das letzte Mal auf einer Beerdigung bei der Beerdigung meines Vaters." – „Bis heute sehr präsent, kann mich an das Wetter, an die Umstände, an Gesichter, an einzelne Momente sehr wohl erinnern."

Über Peter Tauber
Peter Tauber ist zu Gast. Der frühere CDU-Generalsekretär und Staatssekretär im Verteidigungsministerium hat sich nach schwerer Krankheit zurück ins Leben gekämpft und für die Ausstellung „Ein Koffer für die letzte Reise" einen ganz persönlichen Koffer gepackt. Er erzählt von der Beerdigung seines Vaters, bei der er ihn durch die Erzählungen anderer Trauergäste noch einmal ganz neu kennenlernte, und davon, warum er als Politiker gelernt hat, geteiltes Leid als halbes Leid zu verstehen.
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Hallo zu Talk About Tod, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Ich bin David Rothschild, dass du wieder dabei bist. Und ich bin Klaus Reichardt. In diesem Podcast sprechen wir über das Leben und den Tod, was bleibt, was trägt und was vielleicht sogar tröstet. Heute haben wir einen Gast, den viele noch aus der Politik kennen, Peter Tauber. Er war Generalsekretär der CDU, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, ist schwer erkrankt, hat sich zurück ins Leben gekämpft und erpackt für unsere Ausstellung ein Koffer für die letzte Reise, einen ganz persönlichen Koffer.
Schön, dass Sie da sind, Herr Tauber. Hallo, schön, dass ich mitmachen darf. Herr Tauber, wir beginnen immer mit der gleichen Frage. Wann waren Sie das letzte Mal auf einer Beerdigung? Ich war das letzte Mal auf einer Beerdigung bei der Beerdigung meines Vaters in der Tat. Wie haben Sie diese Beerdigung in Erinnerung behalten? Bis heute sehr präsent, kann mich an das Wetter, an die Umstände, an Gesichter, an einzelne Momente sehr wohl erinnern und habe natürlich auch noch so einen Gesamteindruck mitgenommen. Und das begleitet mich bis heute, die Bilder und die Eindrücke.
Ist das eine Erinnerung, die vor allem traurig macht oder haben Sie auch so eine Erinnerung daran, dass die Leute, die Ihnen da begegnet sind, sehr zugewandt waren? Dass alle zusammen auch eine Gemeinschaft gebildet haben im Rahmen dieser Beerdigung? Ich wusste, dass mein Vater bei Kollegen, Kollegen, Freunden bekannten in der Familie hohe Wertschätzung genoss. Und das war sehr, sehr schön, dass im Rahmen dieser Beerdigung erst der Trauerfeier in der Kirche und dann auch der Beerdigung auf dem Friedhof sozusagen bestätigt zu bekommen. Also ich habe jetzt in dem Sinne keine Überraschungen erlebt oder schreckende Momente oder irgendwas, das mich so nochmal anders angefasst hat, sondern es war einfach sehr gut zu wissen, dass das Bild, das ich von ihm hatte, sich sehr bestätigt hat durch die Eindrücke von anderen und es mir nochmal geholfen hat, ihn auch nochmal anders zu sehen, eben nicht nur als mein Vater, sondern auch als eigenständiger Mensch, dass er auch ganz viele andere Rollen hatte und eben viel mehr war als so mein Vater.
Das war für mich sehr, sehr spannend, weil natürlich dann, also auch spätestens danach, wenn Hessen nennt es Tröster, wenn man sich danach nochmal trifft und zusammensitzt und Erinnerungen austauscht und dann wird es ja meistens, wenn es ein guter Tröster ist, am Anfang etwas gesetzt und leiser und man sagt nochmal was und dann wird es im Laufe der Stunden ein bisschen lauter und bisschen fröhlicher und dann kommen die schönen Anekdoten und die Erinnerungen hoch und wenn man dann Geschichten über den eigenen Vater hört, den man selber noch gar nicht kennt, obwohl man ja denkt, man kennt ihn gut, das ist was schön.
Viele kennen sie aus politischen Debatten. Heute sprechen wir mit ihnen über Privates, ihr Leben, ihre Krankheit und ihren Blick auf den Tod. Fühlt sich das für sie ungewohnt an? Naja, ich bin sehr offener Mensch. Ich glaube, wenn man Politik macht, muss man das sein. Menschen wollen nicht nur wissen wofür man steht, sondern auch wer man ist. Natürlich habe ich ein Teil meines, wenn sie so wollen, Seelenlebens natürlich nicht preisgegeben. Noch von dem, was ich über mich als Mensch erzähle oder erzählen lasse, das versucht man natürlich so ein bisschen zu kontrollieren.
Man überlegt, über welches Hobby will ich in öffentlich sprechen oder welches Bild soll von mir entstehen. Also insofern damit auseinandergesetzt habe ich mich in der Zeit, in der Politik immer und dann gibt zu meinem Leben eben zwei Teil Erfahrungen, die ich gemacht habe, wo ich festgestellt habe. Erstens für mich ist es gut, geteiltes Leid ist oft halbes Leid, der Spruch stimmt. Und das andere davon was haben, wenn man offen ist und Dinge teilt. Und das fand ich dann sehr schön, weil es in der Politik jetzt ja oft um die Unterschiede und das Trende, weil das oft eher Dinge sind, die Menschen zusammenbringen.
Sie haben für uns einen Koffer gepackt, einen symbolischen Koffer für die letzte Reise. Was ist da drin? Ich muss sagen, das erste, was mich mehr oder weniger angesprungen hat aus ihrem Koffer, waren ihre Laufschuhe. Ich habe auch ehrlich gesagt überlegt, ob ich ihnen einen leeren Koffer schicke und sage, ich lasse eh alles hier zurück, was soll ich denn da mitnehmen und beweise, wie das da ist, so ein richtig fertiges Bild habe ich nicht. Aber ich habe mich an Luther erinnert und Luther hat gesagt, wir glauben wie die Kinder und das bedeutet für mich, dass alles was ich auf dieser Erde mag oder was für mich nahe an paradiesischen Zuständen ist, dass ich das einfach da wieder finde oder brauche auf der anderen Seite.
Und dann gehören die Laufschuhe natürlich dazu, weil mit den schönsten oder viele schöne Momente und mein liebster sportliches Hobby ist eben das Laufen und im Bewegung sein ist glaube ich was ganz Wichtiges im Leben und deswegen mussten Laufschuhe in den Koffer keine Frage. Also wir haben sehr interessante Erfahrungen gemacht, was die Leute alles in den Koffer gepackt haben. Es gibt so die eine Gruppe, die sehr künstlerisch damit umgeht und den Koffer umgestaltet hat. Es gibt in der Tat auch eine Gruppe, die in leeren Koffer zurückgeschickt hat.
Es gibt natürlich aber auch die Gruppe, die tatsächlich Alltagsgegenstände, die man eventuell gebrauchen könnte, da wo wir alle hingehen irgendwann oder die in bestimmten Erinnerungen zu werden haben. Und dazu gehört natürlich auch das Familienfoto und sie haben auch ein Familienfoto in ihren Koffer gepackt. Ja, also meine Familie bedeutet mir viel und die wollte ich natürlich mitnehmen. Was ist mit den Playmobilfiguren? Also das ist mein liebstes Kinderspielzeug und in jedem Mann steckt ja auch ein Kind und an der Stelle bin ich glaube ich Kind geblieben.
Wir haben jetzt gerade bei uns hier in Gellenhausen, wo ich lebe, eine wunderbare Playmobil-Ausstellung, wo die Stadtgeschichte mit Playmobil nachgestellt wird. Das ist ein bisschen auf meine Initiative. Ich bin Vorsitzender hier der Kulturstiftung in Gellenhausen und engagiere mich auch kommunalpolitisch noch auf meine Initiative zurückgehend. Ich kann den Ausstellungsmacher, der macht das professionell überall in Deutschland, macht eine Playmobil-Ausstellung und das war ein Kindheitstraum, das wir jetzt diese Ausstellung haben und das Playmobil begleitet mich, ist übrigens im selben Jahr gegründet, wie ich geboren wurde, das Unternehmen, also begleitet mich in der Tat mein Leben lang und eine Playmobilfigur ist ein Gefühl von Zuhause und Kindheit, das muss mit.
Ein Buch von Walter Mörr, das haben Sie auch in den Koffer gesteckt. Ja, habe ich die Stadt der Trondenden Bücher reingepackt. Das ist die schönste Liebeserklärung ans Lesen und die Literatur, die ich kenne und Erich Kessner, den ich auch sehr mag, hat ja mal gesagt, wer Bücher schenkt, schenkt Wertpapiere und ein gutes Buch muss auf jeder Reise, man weiß ja nicht, wie lange die dauert. Ein gutes Buch muss immer dabei sein. Eine Geschichte, die wir gar nicht haben einordnen können, es ist noch eine Tasse drin, aber in der Mitte liegt, ist das eine Zeitschrift, ist das ein Bild, Kamerad steht da drauf, was hat das zu bedeuten?
Also eine Tasse, die kann man natürlich füllen, in meiner Tasse ist definitiv Kaffee drin, also in sofern ist das wichtig. Naja und Kameradschaft ist auch etwas, was mich mein Leben lang begleitet und trägt, also nicht nur weil ich Reserveoffizier bin und Werdings geleistet habe, sondern weil ich auch sonst im Leben immer wieder auf Menschen getroffen bin, die mir geholfen haben, ohne dass sie als erstes gefragt haben, was habe ich da eigentlich von? Das ist im besten Sinne des Wortes gelebte Kameradschaft, wenn man etwas gibt, ohne zu fragen, was man dafür kriegt, um jemanden anderen zu ertüchtigen oder zu befähigen, eine Aufgabe zu erfüllen.
Und vielleicht auch gar nicht fragt, mag ich den Menschen, sondern man ist dann einfach für jemanden da. Es wird dann gebraucht und so Menschen habe ich eben ganz viele im Leben gehabt und da habe ich mir gedacht, auf der Reise so einen imaginären Kameraden dabei zu haben ist auch nicht so schlecht. Das ist ein, ich glaube, das ein T-Shirt, ein Sportkamera-T-Shirt, das ein Lauf-Shirt. Und gab es etwas, das Sie bewusst nicht eingepackt haben, obwohl man es vielleicht bei Ihnen erwartet hätte? Das weiß ich nicht genau, aber ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich habe bei manchen Dingen gedacht, weil ich Ihnen die Jahr gebe, also ich war mich auch ehrlich gesagt gar nicht groß mit der Frage beschäftigt, kriege ich den Koffer eigentlich irgendwann mal zurück mit dem Minard?
Ich weiß gar nicht. Da habe ich mir schon überlegt, okay, du trennst dich ja damit auch von Dingen. Und jetzt gebe ich zum ehrlich zu, von diesem Lauf-Kamera-T-Shirt habe ich Gott sei Dank mehrere. Da fühle mir das leicht zu sagen, auf einen kann, eins kann ich verzichten. Lauf-Shirt habe ich auch, wie Sand am Meer. Bei der Tasse war es schon schwieriger und andere Dinge sind eben doch so individuell, die habe ich dann nur einmal. Und das ist aber deswegen eine total spannende Punkt, weil wenn ich diese Erde verlasse, dann muss ich ja auch in Wahrheit ja doch die wahrscheinlich alles zurücklassen.
Weiß ich nicht genau, aber es steht zu befürchten, dass ich nicht nochmal kurz anhalt und mir so ein Koffer schnappen kann. Also ist das loslassen, das ist ja sowieso eine wichtige Übung im Leben. Und das habe ich öfter schon machen müssen. Gar nicht so schlecht, das muss man anhand des Kofferpackens tun, wenn man lieb gewonnen hat Dinge. Und es geht ja darum, also so habe ich es aufgepasst, die Aufgabe, die sie mir mit dem Koffer gegeben haben, zu überlegen, okay, was macht mich so aus oder was ist mir so viel Wert, dass ich es mitnehmen will, nicht hier zurücklassen möchte und in Wahrheit jetzt aber weggebe, weil ich es ja Ihnen schicke.
Wie hat sich das Packen angefühlt eher leicht oder hat es auch etwas ausgelöst in Ihnen, weil es ist ja verbunden mit dem konkreten Gedanken an den eigenen Tod? Am Anfang, als ich mich mit der Idee beschäftigt habe, ob ich bei der Aktion mitmache, ich habe da ein bisschen gebraucht, weil ich erst mal gesagt habe, okay, ja da bin ich gefragt, was ist das eigentlich. Und dann habe ich es mir einmal kurz angeschaut, habe sofort gesagt, ja, alles gleich mach mit, weil ich erst mal den Grundgedanke spannend fand und dann war es extrem schwer. Als ich dann gesagt habe, okay, den musst du jetzt packen, Peter.
Was soll da rein? Ich habe das so oft aufgeschoben, das Packen des Koffers. Ich weiß nicht, wie das anderen geht oder ob es auch, vielleicht, also ich war auch, ich hatte auch einen Moment, wo ich gesagt habe, ich muss das absagen, ich mache da nicht mit. Und dann bin ich aber doch so sehr preuze, dass ich gesagt habe, nein, das hast du zugesagt, das kannst du nicht mehr absagen. Das geht nicht. Das hast du versprochen, das musst du halten. Du musst jetzt ein Koffer packen. Und du musst es auch ernst meinen, du kannst jetzt dich einfach balos blind in den Schrank greifen und drei Dinge reinwerfen und sagen, seht doch zu, was er damit macht.
Mir doch egal. Also ich hatte einen Moment, wo ich nichts mehr mit der Aktion zu tun haben wollte. Und dann, dann hatte ich so den ersten Punkt, dann war mir klar, okay, ein paar Laufschuhe muss hier rein. Also wenn es darum geht, mir zu zeigen, was, so habe ich es mir dann interpretiert. Wenn es auch darum geht, was zu zeigen, was mich in diesem Leben zu dem gemacht hat, der ich bin, der ich dann hoffentlich auch bleibe, über den Tod hinaus, was mich ausmacht oder vielleicht was von mir bleiben soll, dann sind es alles Dinge, da fällt mir was ein.
Symbolisch, konkret, im übertragenen Sinne, in dieses Laufen und in die Schuhe kann man ja so unheimlich viel reininterpretieren. Ich habe da dieses Jahr auch ein Buch darüber geschrieben, wo es natürlich nicht nur um das Laufen als Sport geht, sondern um diese Auseinandersetzung mit diesem Weg, der unser Leben ist. Es gibt, es gibt das älteste und das beste Laufbuch der Welt ist die Bibel. Wir hatten mal einen Pfarrer gesagt, da muss man Markus Evangelium lesen, das wäre das dynamisch und beweglichste Agilster Evangelium von allen. Da geht es ganz viel um dieses in Bewegung sein und nicht um das Ankommen, geht nicht ums Ankommen, es geht um das auf dem Weg sein und das ist das Leben.
Da kann man unheimlich viel darüber nachdenken und das habe ich im Zuge des Packens dann natürlich getan. Dann denkt man bei jedem Objekt auf einmal nochmal anders nach, warum will ich denn das da jetzt eigentlich reintun? Passt das eigentlich noch zu der Aufgabe oder mag ich es einfach nur so, dass ich es da gerne sehe, wenn da mein Name daneben steht? Schön, dass Sie es doch gemacht haben. Es gibt sehr unterschiedliche Ansätze dazu. Generell ist vielleicht besser auf jeden Fall eher ideelle Sachen in den Koffer zu tun, so erfahrungsgemäß. Das ist ja eine öffentliche Ausstellung, die in den letzten, sag ich mal 15 Jahren schon ungefähr drei Millionen Menschen gesehen haben, weil etwa die ins Ausland gegangen ist, sowohl nach Russland, Österreich als auch nach Mexiko und auch unterwegs ist und da gibt es halt viele Ansätze und dann ist es natürlich auch schön, wenn man ja für sich sich auf diese Reise macht, dieses Mal war zugegeben am Maßen auch so ein bisschen verkürzt.
Aber neben dem Laufen hatten Sie ja 2017 eine lebensgefährliche Darmerkrankung, von der Sie selbst sagen, ich bin im Tod noch einmal von der Schippe gesprungen. Wie hat diese Zeit Ihren Blick auf Leben und Endlichkeit verändert? Das ist eine Frage, die ich in der Tat natürlich auch oft nachdenke. Das ist in der Tat nicht selbstverständlich, dass ich jetzt mit Ihnen dieses Gespräch führen darf, obwohl es sich für mich ganz normal und gut anfühlt. Also ich bin ganz normal wie alle Menschen in meinem Alltag gefangen und stehe nicht morgens auf und sage lieber Gott, danke, dass ich noch hier sein darf, aber in Wahrheit ist es so und wahrscheinlich ist das auch ganz gut, dass man dann wieder zu seinem Alltag zurückfindet, wo man darüber nicht jeden Moment reflektiert, aber es hat eine starke Präsenz.
Und ich werde natürlich oft auf meine eigene Geschichte angesprochen oder erzähle sie auch oft und ich treffe dann natürlich, weil Menschen sich dann vielleicht auch herausgefordert fühlen sich zu öffnen auf ganz viele Menschen, die ähnlich Erfahrungen haben. Also so besonders ist es dann ja auch wieder gar nicht. Menschen, die einen Schernumfall hatten oder krank waren oder das so intensiv bei einem lieb gewonnenen, Angehörigen oder Freund erlebt haben, dass sie selber so stark erfasst und berührt hat, dass natürlich meine Erfahrung mich jetzt mit Blick auf meine eigene Endlichkeit und mein Tod und das Sterben an sich immer wieder beschäftigt.
Aber es ist kein gleichbleibendes Gefühl oder auch kein gleichbleibender Blick darauf. Es hat was viel mit Umständen zu tun. Also geht los bei den Jahreszeiten. Diese dunkle Jahreszeit macht mich schon anders nachdenklich als früher. Früher habe ich immer gesagt, wenn ich so Leute getroffen habe, die gesagt haben Winter und so alles so dunkel, weil ich sage ich bin immer gut geladen, dass mir so eigentlich egal wie es Wetter ist und es stimmt so nicht mehr richtig. Ich bin nicht wetterfühlig in dem Sinne, dass ich bei Regen schlechte Laune habe oder traurig bin.
Aber diese dunkle Jahreszeit macht mit meinem Gemüt was. Das war früher nicht so. Ob das jetzt am Elter werden liegt oder an der Erkrankung oder an beidem weiß ich nicht. Viele haben sie als kämpferischen Politiker erlebt, Herr Tauber. Sie waren Generalsekretär der CDU. Das ist eine sehr, sehr hohe und wichtige Position in einer Partei. Es ist sozusagen jemand, der austeilt, der Argumente liefert, aber auch eine gewisse Schärfe in die Diskussion reinbringt, der aber auch einstecken muss. Man steht da in der ersten Reihe und wenn dann irgendwas geflogen kommt, ist der Generalsekretär der, der es als erster mit natürlich dem Kanzler oder dem Parteivorsitzenden abbekommt.
Was passiert mit so einer Persönlichkeit, wenn der Körper plötzlich stoppsacht, wenn man in der ersten Reihe steht und einem dann so was passiert? Es ist immer schlimm, klar, aber ich glaube diese, diese Form von, von Druck, den man da aushalten muss, das ist nochmal etwas anderes. Also, dass das mit Menschen nichts macht, kann mir keiner erzählen. Also nicht nur aufgrund meiner eigenen Erfahrungen, schauen sie auf unsere öffentlichen Debatten, ob das jetzt Kevin Kühnert ist oder Michael Roth oder andere, auch Menschen, die wir in Verantwortung haben, nicht nur in der Politik, auch in ganz anderen Bereichen der Gesellschaft, auch fern ab jeder Medienöffentlichkeit, die Schaden nehmen in einer schwierigen Aufgabe, die man ihnen zugeschrieben hat oder die sie sich vielleicht auch erkämpft haben mit viel Herzblut und wo sie dann am Ende merken, Puh, das kann ich gar nicht auf Dauer oder es eben nicht merken und dann darüber Schaden nehmen.
Also das ist Manningfach, dieses Themenfeld und auch deswegen rede ich sehr oft drüber oder werde gefragt, wie ich das erlebt habe und ich glaube, dass eine der Herausforderungen ist, dass wir nicht gut darin sind mit unseren Schwächen umzugehen, also gar nicht die Transparenz zu machen und alle Teile haben zu lassen, das ist auch eher manchmal nervig, finde ich, aber auch sich selber mal zu überlegen, okay, wo ist eigentlich mein wundervunkt, wie kann ich mich schützen, was brauche ich dafür, wo kommt ein Ausgleich her, wo kriege ich Gelassenheit her, um damit auch umzugehen und dann aber auch so ehrlich zu sich selber zu sein, einen Punkt zu definieren oder zu erkennen, wo man sagt, jetzt wird es hier schwierig für mich und der, das ist glaube ich die Herausforderung, der mag bei jedem anders sein.
Also, wenn man dann einen Burnout kriegt oder eine Depression, da gibt es ja nun mal kein Level, dass man irgendwie sagt, okay, ob der Zahl von Schimpfwörtern oder Morddrohungen, da würde ich auf die Seite treten, es gibt Leute, die berühren das gar nicht, die kommen dann mit sehr gut klar, die werden von anderen Dingen eher negativ getriggert, würde man vielleicht auf Neudeutsch sagen, die berühren andere Dinge und das mit sich selber mal auszumachen ist glaube ich in unserer hektischen Welt eine große Herausforderung, weil es ja dazu führt und deswegen ist diese Kofferaktion auch irgendwie so cool, weil es notwendig ist, dass man sich damit sich selber beschäftigt.
Und wenn wir in Verantwortung sind, das sind Politiker ja wie andere auch, dann ist ja Kernauftrag eben nicht selbst Reflexion, sondern für andere da sein. Probleme lösen, zuhören, Menschen zusammenbringen, unterschiedliche Standpunkte nachzuvollziehen, abzuwägen, also da ist doch wenig Zeit und auch schon gar nicht Teil der Jobbeschreibung darüber nachzudenken, wie geht es mir eigentlich damit und wie sehe ich das so und wie komme ich da umbeschadet durch. Das interessiert im Wahrheit keinem, das muss ich schon selber mit mir ausmachen und das darf ich jetzt verraten, bei mir war zumindest der Punkt, das ist viel unangenehmer, als sich mit dem Problem anderer zu beschäftigen, sich mit den eigenen Problemen auseinanderzusetzen, weil ja dann sofort die Frage kommt also, erkenntes Problem haben wir alle selten, aber was ist mit der Umsetzung?
Dann müsste ich ja was ändern, man muss sich von Gewohnheiten Abschied nehmen, vielleicht mir sogar eingestehen, dass ich für eine Aufgabe gar nicht geeignet bin, wer macht es denn gerne? Gerade wenn man die sich mit viel Einsatz erarbeitet hat, also wie gesagt, gehen wir mal weg von der Politik, engagierter, toller Lehrer in der Schule, alle mögen ihn, angesehen, zwar ein bisschen streng, aber irgendwie auch cool auf der Höhe der Zeit und dann sagt einer, du bist Schulleiter und dann sagt ja okay, das ist so eine große Wertschätzung, das ist irgendwie meine Aufgabe, das ist auch Ausdruck dessen, wie viel ich gegeben habe für meine Schülerinnen und Schüler und für die Schule im Kollegium, dann wird der Schulleiter nach einem halben Jahr der Kreuz so unglücklich, weil das gar nicht sein Ding ist, aber es gibt keinen Ausweg, das wäre ein Scheitern und dann ist die Aufgabe so groß, man muss sich kümmern, alle kommen, jetzt ist es nicht nur die eigene Klasse, die man führt, jetzt ist es der Schulleiterbeirat und die SV und alle haben Hoffnung und alle mögen ihn immer noch, dann zu sagen jetzt muss ich mal einen Schritt zurückmachen und eigentlich muss ich mich mal mit mir selber beschäftigen, also wir sind das viel leichter sich dann diesen Problem anderer anzunehmen, als ich selber zu hinterfragen und deswegen glaube ich, haben da viele Menschen ein Thema und der Koffer, den packe ich halt nur mal für mich, den packe ich halt nicht für wen anders, deswegen ist da der Ausweg zu sagen, jetzt gucke ich mal was der Klaus da so reinpacken würde oder was ich für den Klaus reinpacken würde, da ist nicht die Fragestellung.
Die letzten Fragen sind auch noch mal sehr persönliche Fragen, die wir allen unseren Gästen stellen, die hier in dem Podcast zu Gast sind. Herr Tauber, wenn Sie es sich wünschen dürften, wie möchten Sie sterben? Oh je, das habe ich mich oft gefragt. Ich habe es bei meiner Vater erlebt, mein Vater ist sehr langsam gegangen, hatte schwer Krebs und dieses Bild habe ich vor Augen und möchte das für mich nicht. Ich denke viel über mein Tod nach und ich möchte glaube ich schnell und unerwartet, aber vorbereitet gehen. Also ich will abgeschlossen haben mit gewissen Dingen, nicht angekommen sein, ich möchte gerne aus dem Leben gehen und nicht in einer Phase, wo ich mich anfange zu fragen, was mache ich hier eigentlich noch.
Wie sehr eine Abschiedsfeier für Sie aus, die sich für Sie richtig anfühlt? Sie meinen, dass man so wie auf der berühmten Wolke sitzt und von oben guckt und sagt ja, ob da so was töd ich zum Beispiel? Ich hätte es gerne noch mal in der Runde. Naja, tatsächlich, also ich muss dazu sagen, ich habe mal jemand, der politisches Kabere im Fernsehen gemacht mit Gummifiguren, kennen sie noch aus den 80er und 90er und sicher, der hat dann noch Genscher und Schul dazu bement, genau, und wie der, der das produziert hat, Staffelstab, war es natürlich so, die gehörten dazu und die wurden von der Familie noch mal dazu geparkt und generell wäre es halt so, was wären Elemente, die damit hineingehören?
Wir haben gerade, glaube ich, Kirche gehört, wir haben aber auch Lebendiges gehört, gerade wo sie sagten, wenn man dann zusammenkommt, einfach die Blicke der anderen, Musik und ähnliches, also aus solchen Elementen heraus. Ja, dann ist es sehr, sehr klassisch, sehr evangelisch, Kirche, Friedhof, Menschen, die ich mag, Menschen, die meinen Weg begleitet haben aus den Bereichen, vielleicht noch mal am Grab, ich bin ja nicht nur Reservo-Offizier, sondern auch Jäger und nochmal irgendwie, also bestimmte Koral oder ein Kirchenlied oder ich hatte einen Kameraden, sowas in der Art, sehr kavitätisch, konservativ, meine Beerdigung.
Und dann gäbe es natürlich einen richtigen Tröster mit Kaffee und Streuselkuchen und dann richtig gute Laune. Wenn Sie Ihre eigene Trauerrede schreiben würden, welche Zahlen müssen unbedingt darin stehen? Oh je, oh je, Sie fragen mich was. Ich, es muss immer Zitate geben. Also ein passendes Zitat fällt mir spontan ein, ist von Helmut Moldke, dem Älteren. Kein Plan übersteht den ersten Feindkontakt, danach beginnt ein System von Aushilfen, alter militärischer Grundsatz und so ist das ja auch, wann die Auseinandersetzung mit dem Tod oder wann der kommt, weiß ich halt nicht, kann ich noch so viel Pläne machen, hilft nichts.
Wenn er da ist, ist er halt da. Und er ist ein großer Wachmacher und ich glaube alle erleben das in diesem Moment halt als ganz anders von dem Plan. Ich glaube ja, man kann nichts falsch machen in der Situation, dass man einfach schauen muss, was tut mir da gut und dieser Tröster, das habe ich echt noch nie gehört, so Klaus kommt ja auch aus Hessen. Das ist eine interessante Sache bei uns. Also der erste Tröster und deswegen ist das vielleicht bei mir nochmal anders, sogar als jetzt beim Tod meiner Eltern konnotiert war, als eine meiner Großmütter starb, war ich noch sehr klein und da war schon noch zu Hause die Frage, sollen die, ich habe noch zwei Geschwister, sollen die drei mit auf die Beerdigung gehen, ja oder nein und dann sind wir mitgegangen und haben das vielleicht noch nicht so richtig wirklich realisiert, nur gesehen unsere Eltern weinen, das war schon irgendwie ungewöhnlich, die haben wir noch nie richtig weinen gesehen vorher und dann gab es diesen Tröster im bekanntesten Gasthaus im Ort und da waren alle erst in schwarzen Anzügen und traurig und dann wurde es, weil mein Vater noch zwei Brüder hat, immer lustiger, weil die drei auf den Scheich im Nacken hatten und dann haben die Geschichten über ihre Mutter erzählt und das war so schön, wir saßen so gefühlt als Kinder unterm Tisch und haben diese Geschichten gehört und was sie angestellt haben und wie die Oma darauf reagiert hat und das fand ich, es war sehr lebendig.
Schönes Nachschliegen. Wir finden das auch hier, auch hier im Bergischen und das ist auch gemeinschaftsstiftend. Eine Frage, die ganz wichtig bei uns ist, die würden wir auch mit dieser Folge verlinken, welches Lied soll der einst auf ihrer Beerdigung gespielt werden, also gibt es da ein persönlicher Lied, also sie sagten ja gerade schon, ich hatte einen Kameraden, das ist eher so für am Grab, vielleicht aber ein Lied, das besondere Wichtigkeit in ihrem Leben hat. Dann da bin ich auch sehr, glaube ich, klischeehaft oder vielleicht auch langweilig, aber Bonn-Höfer von guten Mächten.
Das ist schön. Herr Tauber, vielen Dank für Ihre Offenheit und für den Mut mit uns über Lebenkrankheit und den letzten Weg zu sprechen. Mehr über Peter Tauber und seine Arbeit heute verlinken wir in den Shownauts. Das war es für heute, das war Talk about Tod. Schön am Leben bleiben und bis bald. Danke Herr Tauber. Dankeschön. Vielen Dank.