Episode 49 ∙ 14.10.2026
Was sollten wir unsere Eltern noch fragen, Frau Wilkens?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Katrin Wilkens
Mit acht Jahren stand Katrin Wilkens zum ersten Mal an einem Grab: Ihre Großmutter hatte ihr zu Weihnachten noch ein Kinderbuch über den Tod eines Großvaters geschenkt und es mit ihr gelesen, dann starb sie. Heute ist die Journalistin, Autorin und Berufsberaterin aus Hamburg zu Gast bei Klaus Reichert und David Roth.
In ihrem Buch „Was zählt? 50 Listen, die dich durchs Leben begleiten“ findet sich eine Liste mit Fragen an die Eltern: Wie hast du geliebt? Worüber hast du dich gestritten? Was riechst du am liebsten? Im Gespräch geht es darum, warum solche Fragen Nähe schaffen, was eine aufgenommene Stimme auslösen kann und wie ein Kochbuch mit den Gerichten der Kindheit entsteht. Auch die Frage „Was kann ich tun, dir auch nach deinem Tode nahe zu sein?“ kommt zur Sprache.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Ich glaube, es stirbt sich nicht schön, wenn man hadert.“

Über Katrin Wilkens
Katrin Wilkens ist Journalistin, Autorin und Berufsberaterin und meldet sich für das Gespräch aus Hamburg. Im Beruf sucht sie jungen Müttern nach der Babypause einen neuen Job, und sie hat selbst drei Kinder. Ihr Buch „Was zählt? 50 Listen, die dich durchs Leben begleiten“ geht auf den Wunsch ihres Sohnes zurück, der sich mit 18 Jahren eine Liste von 100 Dingen wünschte, die man tun muss, um als gebildet zu gelten. Darin steht auch eine Liste mit Fragen an die eigenen Eltern. Der Tod ist ihr früh vertraut: Mit acht Jahren war sie auf der Beerdigung ihrer Großmutter, in den vergangenen Jahren hat sie ihren Ehemann und ihre Mutter verloren.
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Ich bin David Roth, schön, dass du wieder dabei bist. Und ich bin Klaus Reichardt, diesem Podcast sprechen wir über das Leben und den Tod, über das, bleibt, was trägt und manchmal sogar tröstet. Unser Gast heute beschäftigt sich mit der Frage, die wir oft zu lange vor uns her schieben und manchmal gar nicht stellen. Katrin Wilkins ist Journalistin, Autorin und Berufsberaterin in ihrem neuen Buch Was zählt 50 Listen die dich durchs Leben begleiten? geht es auch die eigenen der Elternliste stehen Fragen, die uns helfen können die eigenen Eltern besser zu verstehen.
Herzlich Willkommen, Kathrin Wilkens. Vielen Dank für die Einladung. Hallo aus Hamburg. Frau Wilkins, wann waren Sie das letzte Mal auf einer Beerdigung? Ich war, schon ein paar Beerdigungen, jetzt muss ich das chronologisch. Ich war auf der Beerdigung von meinem allerersten Chef. Ich war, ist jetzt ein bisschen makaber, tatsächlich auf der Beerdigung von meinem eigenen Ehemann. Meine Mutter ist nicht lange gestorben, das sind alles so die letzten drei Jahre, vier Also so ein ganz klein bisschen Beerdigungserfahrung habe ich. Ich kann sagen, wann ich das erste Mal auf der Beerdigung war.
Das war mit acht Jahren bei meiner Großmutter. Und die hat ganz toll gemacht. Wenn mir das gelingt, will ich das später auch machen. Die hat mir nämlich noch zu Weihnachten damals ein Buch geschenkt. Servus, Opa, sagt dich leise. Von der, ich glaube, der Erfinderin von Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen. Die hatte tatsächlich ein Buch geschrieben über einen Jungen. der den Tod seines Großvaters miterlebt und das alles so aufnimmt. Und das hat sie mit mir noch gelesen. Dann machte sie den Buchdeckel zu und starb. Direkt in diesem Moment. Okay.
Nein, ein bisschen versetzt. Aber es war nicht weit versetzt. Also ich hatte das noch sehr präsent. Vielleicht vier Wochen später, zwei Wochen, da müsste ich jetzt nachfragen. Also wir reden ja oft mit Leuten über den Tod und haben manchmal den Eindruck, dass wenn wir mit ihnen darüber sprechen, dass dann das Thema auf einmal präsent wird, aber dass ansonsten im Leben nicht so viel darüber nachgedacht wird. Wie ist das bei Ihnen, Frau Wilkins? Denken Sie oft an Ihre eigene Endlichkeit, an den Tod? Ich glaube, tatsächlich, weil das bei uns noch so ein sehr natürliches Umgehen hatte.
Ich habe meine Großmutter gesehen, wie sie tot war. Ich habe meine Oma gesehen. Deswegen begleitet mich das schon relativ früh. das tollste Buch, das ich tatsächlich mal gelesen habe, über die Angst zu sterben. hat den wunder, wunder, wunderbaren Titel in die Sonne weil das wahrscheinlich genauso unmöglich und schwierig ist, wie die Angst vor dem Tod zu bewältigen. Und ich finde den Buchtitel so toll. Ihr Buch trägt ja den Titel Was zählt? Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden? Das war mein Sohn, der sich mit 18 Jahren eine Liste gewünscht hat von 100 Sachen, die man tun muss, als gebildet zu gelten.
Und ich habe da das allererste Mal schon ein bisschen geschmunzelt drüber, weil der alte Fuchs nicht sagte, gebildet zu sein, sondern nur zu gelten. Und dann habe ich angefangen mal zu suchen und zu fragen und meine Freundin sagte, die war Richterin. Man sollte das kürzeste Gesetz des Grundgesetzes kennen. ich dachte, welches war das nochmal gleich? Und ein befreundeter Pianist, sagte, na, ein Quintencirkel natürlich. Und mein alter Lateinlehrer, sagte, das kann ich gar nicht so. Na ja, gut. Ein KZ sollte man mal besucht haben. Und mein Schwager hielt dagegen und sagte, eine Weinprobe, eine Weinprobe.
Und so haben sich die Sachen gefüllt. Und interessanterweise, je mehr Leute ich gefragt habe, auch immer mit die nicht unbedingt sofort meins waren. Also ich trinke gar keinen Alkohol. Ich würde eigentlich, das ist total absurd, dass in einem Buch von mir Weinprobe drinsteht. Aber ich kann nachvollziehen, dass es Leute gibt, gute Gründe für eine Weinprobe finden. Und damit meine ich jetzt gar nicht das bedingungslose Vollsaufen, sondern dieses erkennen lernen, wie unterschiedlich Geschmack sein kann. Also habe ich die Weinprobe mitgenommen und den Quintenzirkel und dann aber auch damit es nicht ganz so dröge wird die Simpsons.
Und naja zwei Jahre später wurde der zweite Sohn 18 und da habe ich gedacht Anton zu dir passt, wie man ein höflicher Mensch wird. Und ich dachte naja was sind denn heute die Höflichkeitsregeln die die früher nicht mehr, also die noch gar nicht so bekannt waren oder die man nicht brauchte. Also meine Eltern hätten jetzt, die kannten keine Leute, die kleine Ohrstöpsel im Ohr haben, weil es das einfach nicht gab, dass man die aber heute rausnimmt. Das ist eine ganz neue Höflichkeitsregel, dass man auf WhatsApp-Nachrichten nicht fünf Tage später antwortet, sondern maximal schnell oder sagt, ich melde mich dann und dann, ist ja auch eine ganz neue Höflichkeitsregel.
Und dann kam die dritte, meine Tochter, und da habe ich mir ausgesucht, was ist denn schön? Was gilt heute schön? Und wenn man da mal ein bisschen länger sucht und nicht nach Sonnenuntergang und Palmenstrand und Hochzeitskleid fahndet, dann findet man auf einmal Mir sagte der Chirurg, so eine ganz freigelegte Niere ist was wunderschönes. Ich dachte, ich übergebe Ja. mich gleich, aber ich verstehe deinen Ansatz. Schwupps waren die ersten drei Kapitel fertig. Zum Glück hat der Verlag mir dann viel Freiheit gelassen, nicht alle mit 100 vollzustellen, sondern ich durfte bei manchen dann auch kurz bleiben.
Welche Fragen stehen denn auf der Elternliste? wie sie an die Eltern stellen sollten. Ich finde natürlich ganz spannend alle Fragen, die auch so ein bisschen das touchieren. Wie hast du früher gelebt? Wie hast du geliebt? Womit hast du dich gestritten mit deinen Eltern? Worüber? Also will nicht nur wissen, wie habt ihr Weihnachten gefeiert, obwohl das sicher auch spannend ist, sondern ich will wissen, na ja, wo gab es denn mal Krach? den es ja zwischen allen Generationen gab. Und wie entlastend, wenn dann die Jüngeren lesen, ach, ihr also auch.
Also ist das Buch auch ein Buch für Menschen, die nicht nur eine grundharmonische Beziehung zu den Eltern haben, sondern vielleicht auch wirkt es bisschen Verständnis, dass Beziehungen ambivalent oder wechselseitig schwierig sein können. Also ausdrücklich in dieser Liste. Ja, ob jetzt eine bloße Liste dazu geeignet ist, ein Verhältnis wieder zu kitten, das würde ich jetzt mal an dieser Stelle total... Das würde ich mir nicht anmaßen zu sagen. Aber man kommt ins Gespräch mit den Listen und das genau wollte ich, weil meine Kinder empfinden was ganz anderes als unhöflich, als ich.
Ja, die haben da so reingeblättert und sagten... Krass, es ist also unhöflich, schlafende Leute zu fotografieren. Dann musste ich das erst mal so erklären. Die sind natürlich in dem Social-Media-Zeitalter ganz anders aufgewachsen und fotografieren sich dauernd. Aber den Respekt, nicht nur den juristischen, sondern auch den ethischen Respekt vor einem anderen Bild, den haben sie dann schon auch begriffen. Sie schreiben sinngemäß, wer seine Eltern besser kennt, kennt auch sich selbst besser. Warum ist das so? Naja, die Eltern sind ja der Teil in den meisten Fällen, der einen am meisten geprägt hat.
Ich will jetzt nicht sagen, zu allen Zeiten der Kindheit und der Jugend, irgendwann sucht man sich ja dann auch in der Pubertät andere Peer Groups, aber die Eltern haben einen viel mehr geprägt in der Regel als jeder andere. Das ist der Ast, dem ich sitze und wenn ich nicht weiß, aus welchem Holz der ist. dann fehlt mir ein Stück meiner eigenen Identität. In Ihrem Buch stehen viele Fragen, die erst einmal erstaunlich einfach klingen. Zum Beispiel, was war das Unvernünftigste, das Du als Kind oder Jugendlicher gemacht hast? Oder, was riechst Du am liebsten?
Warum sind gerade solche Fragen so wertvoll? Naja, wenn ich meiner Tochter erzähle, also ich mag zum Beispiel gerne Amaretto riechen. Trinken nicht, aber riechen tue ich den gerne. Und sie wird später irgendwann, wenn ich nicht mehr auf der Welt bin, dem Geruch von Amaretto an mich denken, vielleicht. Oder, was war das erste, das Unvernünftige? Was war das Unvernünftigste, das du als Kind oder Jugendliche gemacht hast? Da muss man ja wirklich lange erst mal suchen und dann muss man sich relativ streng hinterfragen, traue ich mich jetzt auch das zu erzählen.
Und diese Überwindung von Scham. Ich habe eine Freundin, sagt, ich würde von dem Drogenkonsum, den ich früher hatte, meinen Kindern gar nichts erzählen und ich denke, ach wie schade, weil das ist ja eine ganz gute Möglichkeit tatsächlich in den Austausch zu kommen und soll man doch nicht das Bild vermitteln wollen, man wäre unfehlbar. Ich mag über die Fehlbarkeit, dass es viel mehr über einen erzählt, als über die guten Geschichten. Ich hatte beim Durchlesen des Buches manchmal das Gefühl, ist vielleicht auch so eine besondere Form des Abschiednehmens, die Eltern noch einmal als ganze Menschen zu entdecken, bevor man sie verliert.
Ja, man muss es aber ja nicht nur mit den Eltern machen, sondern ich weiß, dass meine meine Tochter eine Frage aus dem Buch, und ich sage jetzt nicht welche, ihrer Patentante einfach auf eine Karte geschrieben hat. Also das kann ja auch in ganz andere Richtungen gehen. Wahrscheinlich die Frage, welche Drogen hast du genommen oder so. Ich sage es immer noch nicht. Okay. Aber manchmal ist es ja gerade die Stimme, die später bleibt. Sie empfehlen auch, Gespräche mit dem Handy aufzunehmen. Ja, und das ist weiß ich eine delikate Empfehlung, weil manchmal ist die Stimme auch zu nah.
Ja, die kann man dann gar nicht mehr ertragen. glaube, man weiß vorher nicht, was man später ertragen kann und was nicht. Und deswegen ist ja eine Möglichkeit, dass ich das aufnehme, vielleicht auch transkribiere, dass ich einfach den Text habe. Und wenn ich mag, kann ich auch später tatsächlich mir das dann nochmal anhören. Mein Vater hatte auf seinem Anrufbeantworter, da gehen wir jetzt wirklich 15 Jahre zurück, ein großes Gerät war das, das in seiner Wohnung stand, die Stimme seiner Frau, die vor ihm verstorben ist. Und immer wenn ich da angerufen habe, wirklich immer ging dieser Anrufbeantworter an und ihre Stimme war zu hören.
Also da war sie schon längst tot. Und ich habe dann jedes Mal zu meinem Vater gesagt, kannst du mal Ansage da verändern? Weil ich muss jedes Mal die Kristel hören. Und dann sagt er ja. Er wüsste nicht, wie es geht. Der hätte es schon gemacht. Da habe ich irgendwann gesagt, lass sie drauf. Jedes Mal, wenn ich sie gehört habe, war es nicht so ein Grusel. Es war eine besondere Form von... Ich musste dann so still in mich hinein lachen. Es hat mich nicht gegruselt, ich die Stimme einer Toten höre. Es war eine schöne Erinnerung. Ich habe immer wieder, wenn ich meinen Vater angerufen habe, diesen Umweg an diese Frau denken aber ich glaube, man kann das vorab nicht prognostizieren, ob man einer sein wird, der die Stimme erträgt oder der ganz außer sich sagt, mach diesen Scheißkasten endlich aus und dann ist das auch in Ordnung.
Schwierig wird es natürlich, wenn so beide Meinungen aufeinanderprallen. Der eine erfreut sich kurz an der Stimme und der andere kann es nicht ertragen dann müsste man einen Kompromiss finden. Nun könnte es doch auch passieren, dass wenn man auf einmal auf eine gewisse Art Weise auch mit den Vorschlägen, die Sie in dem Buch machen, die Eltern zugeht, dass man ihnen vielleicht sogar Angst macht, dass sie denken, wieso bekomme ich jetzt diese Fragen gestellt? Signalisiere ich vielleicht damit dann doch, dass vielleicht mit meinem Tod gerechnet wird oder ich bringe meine Eltern auf traurige Gedanken?
Da kann man sich ja ein paar Fragen aussuchen, mit denen man einfach einsteigen kann, die tatsächlich jetzt nicht so final und endlich sind. Also mit was riechst du gerne oder was sind die Filme, die dich bewegt haben Da glaube ich jetzt nicht gleich, dass jemand denkt, und morgen soll ich meine Traueranzeige verfassen. Was sind die Handwerkskniffe, die ich noch mal von dir lerne? kann oder soll, was sind die wichtigen Gerichte. Meine Tochter hat sich immer gewünscht, die wird jetzt in zwei Jahren 18, dass ich ihr ein Kochbuch mit den ganzen Gerichten der Kindheit schreibe.
Und wenn sie jetzt nicht direkt hinter der Tür sitzt und lauscht, das ist tatsächlich schon in Arbeit, weil ich denke, wie klasse ist das denn, man hat ein Kochbuch mit den Rezepten von früher. Und es müssen natürlich dann auch die Rezepte sein, bei denen man geschummelt hat. Also jetzt nicht die nonplusultra 5-Gänge-Rezepte, sondern Toast Hawaii mit Dosenananas in der Mitte gestanzt. In der Familie meiner Frau scheint das tatsächlich eine Tradition zu sein, diese Rezepte weiterzugeben. Nun muss man aber dabei sehen, dass wenn man zwei Generationen zurückgeht, die in handschriftlichen Sütterlin geschrieben worden sind, und es dauert wirklich immer etwas, bis man es entziffert.
Aber es ist eine gute Idee, also auch das im Grunde weiterzugeben. Nicht nur ein Kochbuch, was man irgendwann mal gekauft hat, sondern wirklich dann auch die eigenen Rezepte, die man vielleicht sogar mit der Hand niederschreit. Meine Oma hat es sogar dreimal mir aufgeschrieben, eines ihrer Lieblingsgerichte. Ich habe die alle verlegt. Und wir sind dazu übergegangen, dass wir so etwas wie einen Wettbewerb machen, mein Onkel und ich das nachzukochen, wer das am authentischsten hinbekommt. Und es hat sich mittlerweile etabliert, dass wir im Sommer als Familie zusammenkommen.
Alle sich Gerichte aus der Zeit bei unserer Oma, die war früher das Zentrum, alle ihre Töchter und der Sohn nachher zusammen kamen. Mein Onkel ist nur 15 Jahre älter als ich. Ich habe ihn bisschen von dem Küchentisch, von seiner Position, die er da immer hatte, verdrängt. Auf jeden Fall, dass wir dann ausgesucht haben, welche Gerichte wir haben wollen und dann auch gucken, ob das so ähnlich geworden ist. Und das ist eigentlich ein schöner Einstieg, wieder Gemeinsamkeit zu finden und auch sich gegenseitig zu versichern, was schön ist, wonach man Sehnsucht hat, alles das.
Stimmt, als wir den letzten Podcast aufgenommen haben, David, hast du gesagt, du musst gleich in die Küche, weil die Familie kommt und weil ihr diese Rezepte nachkocht. Ja, genau. Ihr trefft euch als Familie, wie viele Leute? 10, 15 Leute und dann Wir waren diesmal über drei Generationen hinweg 25. Wir waren fast vollständig bis auf die, die mittlerweile durch Studium oder so ganz weit weg wohnen. Und das war auf der Seite, das war echt schön, als wir hätten noch 30 vielleicht werden können. Wenn jetzt noch meine Kinder dabei gewesen wären, die waren an dem Tag nicht da, nur mein Stiefsohn.
Und das hatte was, also das hat Spaß gemacht. Und dann wichtig bei euch in der Familie ist die Maklöschen Suppe. Ich erinnere mich genau, als dein Vater gestorben ist. Die andere Familie, das ist die andere Seite, die haben ein Küchenstudio und da treffen wir uns Weihnachten und ich persönlich denke, wenn man schon Küchenstudio hat, könnte man auch vier, fünf dieser Küchen anschließen und dass jede Familie da einen Beitrag leistet, wenn man quasi so eine Art wechselseitige Küchenparty hat. Aber das habe ich jetzt fünfmal erwähnt. Wir gucken mal, ob das hier geschieht.
Nein, erwähne es deshalb, weil ich es wichtig finde, weil als sein Vater gestorben ist, es so, dass es auch so einen Abend gab, wo ich mich erinnere, wo wir bei euch waren. Der war ja aufgebahrt im Wohnzimmer und wir saßen zwei Meter weiter und haben Maklöschen Suppe gegessen. Daran erinnere ich mich auch noch gut. Das hat eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt und das ist auch eine Tradition, die dann noch weiter gepflegt wird. Sie fragen in ihrem Buch Raul Wilkins unter anderem, wofür bist du dankbar und womit haderst du? Das sind Fragen, die doch schnell sehr nahe gehen können.
Was passiert, wenn Eltern darauf offen antworten? Das kommt, ich glaube, gar nicht auf das Offene an, sondern auf die Nähe, die sie zulassen. Und das ist ganz interessant. Ich bin ja in meinem normalen Beruf eine Jobberaterin, die jungen Müttern nach der Babypause einen neuen Job sucht. Und tatsächlich stelle ich viele Fragen auch meinen Kundinnen. Weil wie will man jemanden besser kennenlernen als mit so einer Frage? Ich finde bei der Frage, womit haderst du oder wofür bist du dankbar, ist nur eine Sache wichtig, dass man dem Antworter überlässt, wie nah er an einen herantreten möchte. also wenn eine Kundin sagt, ich hadere, dass ich letztes Jahr von Abteilung B nach C gewechselt bin, dann ist das eine Aussage, die nicht sehr sehr viel Nähe impliziert.
Aber wir hatten tatsächlich auch eine Kundin, sagte, ich harre, dass ich Kinder habe. Und dann denke ich, dann bin ich ganz wahnsinnig dankbar für diese zugelassene Nähe und denke, mein Gott, macht diese Frau sich hier gerade ganz großartig nackig, weil sie einfach nur in Anführungszeichen einen Job Sucht, zu ihr passt und was für ein Geschenk, was für ein ganz heiliger, kleiner Moment. Ich glaube trotzdem, dass sie zu 95 Prozent der Zeit ganz reizend zu ihren Kindern ist. Ich habe ja selber auch drei Kinder. Prinzipiell verurteile ich jetzt die Frau nicht für diesen Satz, jedenfalls nicht, wenn sie den nicht vor ihren Kindern sagt, sondern ich feier sie für diesen bis zum himmelreichenden Mut, sich das einzugestehen.
Deswegen die Fragen an sich finde ich gar nicht so weitreichend, sondern den Mut, den es braucht, näher auf jemanden zuzugehen und zu antworten. Das finde ich so das Bemerkenswerte. Was kann ich tun, dir auch nach deinem Tode nahe zu sein? Das war vermutlich eine der schwierigsten Fragen in dem Buch, sich überhaupt auch natürlich mit dieser Möglichkeit, dass jemand sterblich ist, auseinanderzusetzen, aber auch diesem Gedanken, was verbindet uns. Ich würde meinen Kindern immer sagen, seht ihr schon im Hintergrund, lest mal ein gutes Buch, dann seid ihr mir nah.
Mein Vater hatte immer so ganz lapidar gesagt, dann pack mal was in den Klingelbeutel, ich hier gar nichts. Also der hat das sehr hansiatisch-bremisch umschrieben. Und auch hier definiert man ja sehr, habe jahrelang den Pullover von meinem verstorbenen Patenonkel im Schrank gehabt. und der Geruch war mir zu nah und wegschmeißen konnte ich es auch nicht. Also es war so eine komische Allianz aus komm mir nah und komm mir nicht zu Also man verrät ja dann auch mit dieser Antwort. Ich würde zum Beispiel jetzt meiner Tochter nicht sagen, geh an meinen Kleiderschrank und rieche an meinen alten Klamotten.
Aber wenn ich ihr was über die Bücher erzähle, dann erzähle ich ihr ja auch was über den Augenblick und was an dem mir so wichtig ist, dass Lesen für mich ein wichtiger Teil ist. Haben Sie bei der Arbeit an dem Buch speziell bei dem Kapitel oder bei der Liste über die Eltern etwas über die Angst vor dem Tod gelernt? War das ein Thema in irgendeiner Form, diese Angst? Nee, was ich gelernt habe, war tatsächlich noch mal gute Fragen zu stellen und an den wahrhaftigen Kern zu kommen. Das ist so ein bisschen wie bei der Liste mit dem, ist schön? Es wäre jetzt zu einfach zu sagen, Sonnenuntergang fertig.
Also blöd gesagt kann man dann auch die KI benutzen, sondern sich bei jeder Antwort zu überlegen, ist die originell, ist die kreativ? Hilft die Frage weiter? Weil es gab auch viele Fragen, die wir rausgeschmissen haben, weil wir gedacht haben, das führt dann in eine falsche Richtung. Können Sie uns eine Frage nennen oder wird das nicht verraten, was nicht ins Buch gewandert ist? Ja, es waren zum Beispiel, bei welchen Symptomen sollte man medizinisch aufpassen, da ist man ja dann ganz schnell auf einem sehr dünnen diagnostischen Eis. Und auch bei der Frage, was sind politische No-Goes, auch entzweit man sich.
Was ist eine politische Haltung oder nicht? Ich fürchte, das jetzt auch nicht unbedingt besser, dass man sagt, naja. Im halben Jahr sind wir da wieder auf ganz anderen kulturellen Faden unterwegs. Also es gibt so Bereiche, die ich heute immer noch nicht touchieren würde. Wir kommen jetzt zu den letzten Fragen hier in dieser Folge. Und Sie haben vielleicht schon mal von unserem Koffer für die letzte Reise gehört. Das war ein Projekt, das auch mal bei Ihnen in Hamburg schon gewesen ist. Ich glaube, Michaelstoben sagt man, oder? Also so heißt, glaube ich, der Dom bei Ihnen noch in Hamburg.
Michaelis? Michael? Genau, da war der Schmal drin und das ist ja mitten in der Stadt, mitten in Nähe der großen Einkaufsbudevare. Sie einen Koffer für diese letzte Reise packen würden, was käme da rein? das ist eine tolle Frage. Nicht aus religiösen, sondern aus sprachlichen Gründen ganz bestimmt die Buba Übersetzung der Bibel, also damit ist man, glaube ich, für die letzte Reise gerüstet. Ganz sicher müsste da ein Stück Vollmilchschokolade rein. Ja, und ich würde ein Bild meiner Familie auch mir wünschen. Kennen Sie die Ausstellung, ein Koffer für die letzte Reise?
Sie davon schon Nein! mal gehört? Nicht? Wir haben mittlerweile 150 Leute in Deutschland einen Koffer geschickt, mit der Bitte, da reinzupacken, was sie gerne mitnehmen würden. Und da natürlich über Bande so den Gedanken initiiert, was ist eigentlich wirklich wichtig in ihrem Leben. Und wir haben so viele total interessante Koffer bekommen. Das ist mittlerweile, über drei Millionen Menschen, glaube ich, die Ausstellung gesehen, weil sie immer mal so durch Deutschland wandert, aber auch schon international, also war auch schon in Mexiko zu sehen. deshalb haben wir uns jetzt für diese neuen Folgen, die wir aufnehmen, immer vorgenommen, die Frage nach dem Koffer zu stellen.
Und das ist total interessant, ja, was die Leute da reinpacken. Die ist toll, aber wenn sie mir einen solchen Koffer schicken sollten, hätte ich immer Angst, dass die Objekte in der Zwischenzeit verloren gehen. Und dann sitze ich da. Das Buch kann man ja neu kaufen, aber Ist das nicht schlecht? mein Lieblingsteady, Heidenai. Das ist Teil des Problems natürlich auch der Historie. sind über zehn Jahre gereist und waren öffentlich und die sind natürlich nicht immer unter Glas gewesen. Manche Objekte waren vergänglich. Wir hatten auch zwischendurch eine Flut, die uns auch hier mit betroffen hat.
Einige dieser Objekte sind Genau, es kommt auch noch dazu. noch aufgelöst worden. Ansichten ändern sich über die Jahre, was natürlich auch spannend ist. ein Herr hat uns einen Koffer voll mit ungeöffneten Rechnungen geschickt, die hat er noch nicht zurückverlangt. Bis hin zu Zustellungsurkunden. Also da muss er als nächstes dann Besuch gegeben haben. Okay. Ja, also es ist halt eine gewisse Bandbreite und auch natürlich manchmal tief, aber nicht immer tief. Manches ist einfach nur hell und das Schöne ist, genau wie all diese Fragen, was mich auch so ein bisschen, ich weiß nicht, ob Sie von Frank-Cores die spirituelle Patientenverfügung kennen.
Das ist Ja. anders als hier diese kleinen Patientenverfügung, wo man einfach nur sagt, was soll mir nicht geschehen, wo man gefragt wird, was wäre denn schön, wenn es dir geschieht, dass Leute Zeit haben, dass man einer Himbeeren oder ihnen vielleicht voll mit Schokolade mitbringt. Und wenn man die auch nur dann in irgendwie, keine Ahnung, man letzte Hilfe gelernt hat oder so, in so einem kleinen Beutelchen, dass man halt den Geschmack ein bisschen davon hat, Und das stellt genau wie diese Fragen, die Sie in Ihrem Buch beschreiben, einfach näher.
Das ist ganz schön. Wenn Sie sich es wünschen dürften, wie möchten Sie sterben, Frau Wilkins? Wenn ich jetzt sehr medizinisch antworten sollte, würde ich sagen mit dem Hirnanurisma, weil man das ja wirklich dann gar nicht mitkriegt. Wenn ich es, wie alle wahrscheinlich, gerne im Schlaf oder zu Hause, ich glaube mir wäre am wichtigsten im Frieden mit mir selbst und mit den anderen. Ich finde diese Kombination, man hat nicht viel davon, wenn die anderen auf einem Graben sind und ich glaube es stirbt sich nicht schön, wenn man hadert. Und deswegen, ich tausche das Krankenhaus nochmal aus, das ist auf Position 3.
Ich glaube, wäre mir wurscht, Krankenhaus oder zu Hause, aber im Frieden mit sich und den anderen. Und wie sähe eine Abschiedsfeier aus, die sich für sie richtig anfühlt? Wo wären wir? Wer wäre dabei? Wie ist die Stimmung? Och, da bin ich relativ pragmatisch, weil ich sagen würde, das sollen die sehr entscheiden, für die es ist. Ich bin kein Freund von Wir ziehen uns alle bunt an und tanzen. Aber wenn das Gefühl dafür da wäre, dass sie es wollten, ganz ehrlich, dann stört mich das gar nicht so Vielleicht fände ich das Lied Ich liebe das Leben von Vicky Lerndros da ganz Vielleicht Als Journalistin würde ich immer gerne wollen, dass so das ein oder andere gesprochene Wort fällt. bevor sich jemand gezwungen fühlt und er denkt, Mist, jetzt muss ich, dann kann sowas auch schweigend Meine Eltern haben mir immer gesagt, nach dem Tod ist Einstellung vom Verfahren, was natürlich eine wahnsinnig harte, nüchternde und ganz wenig christliche Umschreibung war.
Aber sie ließ den Hinterbliebenen auch, gestand denen zu, das alles so zu machen, wie sie sich gut fühlen. Und mein Patenonkel, der hat das bis auf die letzte Strophe, die gesungen wurde bei seiner Beerdigung, der hat alles vorgeplant. Da stand dann der Beerdigungsordner im Regal. Ich glaube, bei mir wäre es so ein Mittelding aus beiden. Was hoffen Sie denn, dass einmal über Sie gesagt wird? Weil Sie sprachen ja gerade, es darf auch gerne geschwiegen werden, wenn was gesagt wird, warum nicht? Haben Sie eine Vorstellung oder was würden Sie sich wünschen, dass man über Sie sagt?
Sie hatte eine dreckige Lache. dann bliebe noch zu sagen, Katrin Wilkens, vielen Dank für dieses Gespräch und für die Erinnerung daran, dass die wichtigen Fragen nicht erst dann gestellt werden sollten, wenn es zu spät ist. Dankeschön. Vielen Dank für die Einladung. Das war Talk about Tod. Schön am Leben bleiben und bis bald.