Episode 47 ∙ 20.08.2026 ∙ 39 Min
Wie viel Tod steckt in deinem Alltag, Thomas?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Thomas Reichert
In dieser Folge von „Talk about Tod" ist Thomas Reichert zu Gast: Metzgermeister in Frankfurt, Bruder von Moderator Klaus Reichert und wie David Roth jemand, der beruflich täglich mit dem Ende von Leben zu tun hat – nur eben mit dem von Tieren statt von Menschen. Gemeinsam nähert sich der Podcast der Frage, wie Herkunft, Handwerk und Körperlichkeit den Umgang mit Tod und Endlichkeit prägen.
Das Gespräch ist für Klaus Reichert besonders persönlich: Er und Thomas sind in der familiären Metzgerei ihrer Eltern und Großeltern aufgewachsen, mit dem Geruch der Wurstküche und dem selbstverständlichen Nebeneinander von Leben und Tod. Daraus entsteht ein Gespräch über Kindheitserinnerungen an Hausschlachtungen, über Würde im Umgang mit Tieren und Körpern und darüber, warum Menschen sich heute oft schwerer tun, offen über das Sterben zu sprechen, als frühere Generationen.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Unser Gast steht mitten im Leben und gleichzeitig ganz nah an der Endlichkeit. Er ist Metzgermeister, arbeitet mit Fleisch. Er führt den Haxenreicher in Frankfurt in dritter Generation." Direkt im Anschluss erinnert sich Thomas Reichert an die letzte Beerdigung, die er gemeinsam mit Klaus besucht hat: die von Manfred Elzenheimer, einem gemeinsamen Freund und früheren Podcastgast.

Über Thomas Reichert
Thomas Reichert ist zu Gast. Der Metzgermeister führt den Familienbetrieb Haxenreicher in Frankfurt in dritter Generation und ist der Bruder von Podcast-Moderator Klaus Reichert – beide sind gemeinsam in der Metzgerei ihrer Eltern und Großeltern aufgewachsen. Er erzählt von seiner Ausbildung in einem Dorfbetrieb, in dem er von Anfang an selbst schlachten musste, wie diese Erfahrung seinen bis heute respektvollen Blick auf Tiere, Körperlichkeit und Endlichkeit geprägt hat, und warum er sich für seine eigene Beerdigung ausgerechnet die Rolling Stones wünscht – „Sympathy for the Devil".
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Hallo zu Talk About Tod. Wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Ich bin David Roth, schön, dass du wieder dabei bist. Ich bin Klaus Reichert. diesem Podcast sprechen wir über das Leben und den Tod, über das, bleibt, was trägt und manchmal sogar tröstet. Unser Gast steht mitten im Leben und gleichzeitig ganz nah an der Endlichkeit. Er ist Metzgermeister, arbeitet mit Fleisch. Er führt den Haxenreicher in Frankfurt in dritter Generation. Für mich ist dieses Gespräch natürlich was Besonderes. Thomas ist mein Bruder. sind zusammen in der Metzgerei unserer Eltern und Großeltern groß geworden mit dem Geruch von Wurstküche, mit dem ganz verständlichen Nebeneinander von Leben und Tod, dem Tod von Tieren und natürlich Thomas mit sehr viel Gelbwurst.
Herzlich willkommen Thomas. Hi, schön, du da bist. Ja, hallo David, hallo Klaus. Schön, dass wir das heute hier zusammen machen können. Thomas, wann warst du das letzte Mal auf einer Beerdigung? Klaus, glaube, da waren wir zusammen gewesen. Das war der Manfred Elsenheimer, unser lieber Kollege, als der gestorben ist. Ich erinnere mich, weil Manfred Elsenheimer spielt auch bei Püls-Roth eine große Rolle. Manfred war jemand, der seinerzeit einen Koffer gepackt hat, einen Koffer für die letzte Reise. Er war derjenige, der in den Fernsehfilm mit reingenommen wurde.
Er war auch in Bergeschlattbach schon zu Besuch. Wir hatten einen tollen Austausch mit dem Manfred. Wie hast du das damals empfunden? Also ich glaube, da ging es uns ganz ähnlich. Das war so eine Veranstaltung, ich das Gefühl hatte, dass die Angehörigen die Wünsche des Verstorbenen nicht so ganz ernst genommen haben und vielleicht auch gar nicht so richtig respektiert haben. Ganz im Gegenteil, ich hatte so bisschen den Eindruck, das war so ein Stück weit, ein Stück weit schon eine Genugtuung, das nicht zu machen, was der Familienpatriarch wollte.
Also er war schon ein nicht ganz unproblematischer Typ, ein Herzensmensch, aber mit einem sehr starken Willen, sehr streitbar. Und ich glaube, ich erinnere mich, dass er eigentlich erwartet hatte von dir, dass du die Trauerräder hältst. Warum ist es dazu nicht gekommen? Ja, das war immer so. Wir haben oft samstags beieinander gesessen. Das war so Tradition. Dann bei Manfred samstags Mittags mal ein Stück Fleischröst zu essen, sich über die Woche auszutauschen über das, was so passiert ist. Und dann hat er irgendwann mal zu mir gesagt, und Thomas, so in seinem ureigenen Ton, du hältst die Trauer rett.
Ich will kein röseliges Zeug hören. Die Leute sollen froh sein, die sollen lachen und sie sollen mich so in Erinnerung haben, wie ich war. Und dann hab gesagt, ja Manfred, ich glaube, ich hab auch den Einstieg schon fertig. Willst du mal hören? Da hat er gesagt, ja sag mal. Da habe gesagt, ja, liebe Trauergemeinde, lieber Manfred, ich glaube heute ist das erste Mal, dass ich neben dir stehe und zwei Sätze sagen kann, ohne dass du mir ein Wort fällst. Hehehehehe Ja, ja. Er hat sich natürlich kaputt gelacht. Das ist ja auch einer meiner Jobs als Obermeister der Fleischerinnerung bei solchen Gelegenheiten, wenn es denn der Wunsch der Angehörigen ist, Reden zu halten.
Und ich habe mir von Fritz Roth, den ich ja auch... und der ja auch damals die Trauerrede bei unserem Vater gehalten hat, eins mitgenommen, das sind ja immer so Dinge, die man sich gut behalten kann. Bei so Trauerreden ist es ganz, ganz wichtig. Die Menschen möchten ihre Trauer erleben, aber sie möchten auch lachen und sie möchten am Ende mit Zuversicht rausgehen aus dieser Veranstaltung. löschen. Und das ist, ich, das Wichtige und Wesentliche. Und diesen Kernsatz habe ich mir für solche Gelegenheiten einfach zu eigen gemacht. Und ich glaube, dass gerade bei unserem Freund Manfred es schon So war er, er war ein herzensguter und unglaublich fröhlicher Mensch.
Man könnte auch so sagen, wenn man das gesehen hat, gehört hat man auf jeden Fall, wenn er irgendwo war. Absolut. Stimmt, ja, stimmt. Und ihn dann mit Arien zu überschütten bei so einer Gelegenheit, die Pfarrerin kommen zu lassen, die er sein Laptak wahrscheinlich nie gesehen hat, fand ich jetzt nicht so gut als Idee. Also er hat die Mannschaft von... Fütz-Roth damals Leid getan, die ja quasi die ganze Sache assistiert haben und diese Dinge dann umsetzen mussten, die sich die Angehörigen überlegt haben. Ja gut, aber ich hatte ja mit der Hannah darüber gesprochen.
Also für uns ist das alles fein und wir hatten halt auch einfach vielleicht etwas andere Wahrnehmungen von dem Herrn Elzenheimer. Wir durften ihn ja auch noch kennenlernen in der Zeit und ein paar mal erleben und gerade die Geschichte, wie behutsam er mit dem Thema, mit den Tieren umgegangen ist und wie sehr er, das sehe ich ja bei euch auch immer wieder, auch vermittelt hat, dass das wirklich einen Wert hat und nicht einfach nur eine Packung Wurst ist. Das fand ich sehr beeindruckend. Aber wie sieht es eigentlich bei euch aus? Also wie sah eure Kindheit in der Metzgerei aus?
Was sind eure Bilder, die ihr direkt im Kopf habt? In der Anmoderation hat der Klaus ja schon ein bisschen was gesagt. Welche Erinnerungen habt ihr da? Wir haben eine lebhafte Erinnerung an das Schlachten. Das die Leute hören, wenn sie Metzgerkinder fragen. Wir waren schon von frühester Kindheit mit dabei. Das war auch etwas, was mich am Anfang, als ich die ersten Mal dabei war, schockiert hat. Natürlich verängstigt das einen, aber das ist in einer Situation geschehen, wo unsere Verwandten bei einer Hausschlachtung dabei waren. Und alle waren aufgeregt und sie waren auch Sie haben sich gefreut auf das, passiert, weil das war ja nicht nur, dass das hier geschlachtet wurde, sondern die haben auf dem Bauernhof gelebt, die hatten nicht viel Geld.
Das war eine Verwandtschaft, arm will ich nicht sagen, aber die jetzt nicht irgendwie mit einem goldenen Löffel im Mund gelebt hat. Und für die war das Schlachten insofern etwas Besonderes, weil dann hatten sie für die nächsten Wochen einfach etwas zu essen. Und wenn man mit diesem Blick da drauf guckt und die Menschen erlebt in der Situation, die die Tiere selber aufgezogen haben, die sehr behutsam mit den Tieren umgehen, sind, liebevoll mit den Tieren umgegangen sind, wie Familienmitglieder, behandelt haben, dann ist das etwas anderes, als wenn man irgendwie diese schrecklichen Bilder im Fernsehen sieht, wenn in Schlachthöfe reingefilmt wird.
Thomas, wie hast du das erlebt? Also bei mir ging das schon immer früher los. es ums Schlachten ging, das tatsächlich zunächst mal dann bei unseren Verwandten da ein Großalmerspann. Das ist der Heimatort von unserem Großvater gewesen. Und da war das tatsächlich so, dass der Großvater zweimal im Jahr hingefahren ist, wenn Schlachtfest war. Da wurde der Kofferraum vollgeladen, noch mit Sachen hier bei uns aus der Metzgerei, was er mitgenommen dass man noch würsteln konnte und alle Gewürze mitgenommen und diese ganzen Dinge. Getroffen wurde sich dann da auf dem Hof mit unserem Wir haben damals Onkel Anton gesagt, war der ältere Bruder von unserem Großvater gewesen und der war ja der Hausmetzger.
Der ist da von Hof zu Hof gezogen und hat da im Grunde die Hausschlachtung gemacht. Ich habe das immer als großes Fest und als großes Ereignis erlebt und wenn die Saudern aus dem Stall getrieben wurde, war das nicht irgendwie so nur eine Sache oder so. Die hat man ja auch ein halbes Jahr lang oder dreiviertel Jahr lang groß gefüttert da und dann wurde die geschlachtet. Also dieser Schlachtvorgang letztendlich. Der war ja nur ein ganz kleiner Teil, das Töten dieses Tieres, das Erleben der Endlichkeit und dieser Prozess, es dann vom Tier zu Fleisch und zu einem Nahrungsmittel oder Genussmittel kann man ja sagen oder so, das ist ja auch interpretieren als Metzger immer, das war schon ein Prozess, der war für mich beeindruckend gewesen.
Er hat mich schon auch in frühester Kindheit sehr geprägt. Ich fand das halt immer wahnsinnig spannend, auch wie schnell das im Verhältnis ging, dass da eben noch das Schwein rumgelaufen ist. und ein paar Stunden später unser Onkel Anton in der großen Waschbüte dann mit dieser Handbewegung die Wurst gemengt hat. Dann Leberwurst gemengt hat, die Blutwurst gemengt hat, das wurde dann mit so einem Trisch da reingestopft und also quasi alles per Handarbeit gemacht. Wo ich dann immer ein bisschen ungeduldig wurde, war anschließend, wenn das gekocht werden musste, ich habe das nie begriffen, dass das halt lange dauert und geräuchert werden musste diese Dinge, warum man das jetzt gerade nicht essen kann oder warum man jetzt noch warten muss.
Das war spannend. Ich habe das als ein sehr spannendes Erlebnis Erinnerung. Und für mich hatte das überhaupt gar nichts Schreckliches, weil das irgendwie für mich den Anschein eines unglaublich natürlichen Prozesses hatte. dieses, als wir das Schwein geboren haben, das haben wir alles mitgekriegt. Meistens war ich ja im Frühjahr da, wenn die Schweine geboren wurden, auf dem Hof, dann sind die groß gepämmelt worden über den Sommer. Du warst ja nicht so oft dann im Sommer da, aber ich war dann da und dann hat man die Schweine schon gesehen, wie die langsam größer geworden sind.
Und irgendwann im Herbst wurden sie dann Hehehehehe am Schnürchen hinten am Bein rausgeführt. Das ging alles in einer unglaublichen Und dann geschlachtet worden. Man muss dazu sagen, dass mein Bruder ein Jahr älter ist und eigentlich von Geburt an schon feststand, dass er Metzger wird und den Laden übernimmt und ich damit so bisschen raus war aus dieser ganzen Geschichte. Ich war zwar auch dabei, ja, aber von mir hat niemand erwartet, dass ich da irgendwie ganz nah rangehe oder irgendwas mitmache, da steht halt da und guckt ein bisschen haltet ihn von den Messern fern, nicht dass er sich noch schneidet und die Finger in die eigenen.
Ansonsten ist es so gewesen, wir sind ja aufgewachsen der Metzgerei. Die Metzgerei war unter unserem Wohnzimmer. Das heißt, wir haben wirklich über der Firma gewohnt. Der Schulweg führte sozusagen runter durch die Metzgerei, dann raus auf die Straße zur Schule und da warteten immer meine Pausenbrote auf mich. Auch so eine Erinnerung, da war immer Klausi drauf geschrieben. Und Ja. diese Pausenbrote waren belegt mit fünf Lagen Wurst. Also eine wäre schon ausreichend gewesen, aber es waren fünf drauf. Insofern war das was Besonderes, weil ich habe dann direkt, wenn ich in der Schule war, die gegen Nutella-Brote getauscht.
Ja. Ich kann mich noch gut daran erinnern, die einen, hatten dann beim Bäckerpfeifer, da war oben an der nächsten Ecke, sich so gedätschtes Brötchen geholt, so hat es sich früher genannt. war so ein Ja. politisch inkorrekt bezeichneter Moorenkopf auf dem Brötchen drauf, der dann so zusammengequetscht wurde. Und das gab es halt bei uns nicht. Und ich hatte Ja. ja meistens Schweineschwänzchen und Schweinefüßchen, hab mich gekriegt, du hast die Pausenbrode gekriegt und ich Schweinefüßchen und Schweinefüßchen. Ja, ich hab das total Ja. gern gemocht.
Ich das auch super gern gegessen, also diese Gelatine. Ja. Ich muss mal sehen, ich hab so eine feine Haut auch noch dadurch heute. Ja, guck mal das. Kollagene, die Kollagene, Ja, aber... Ja, ja, ja, Das holt man sich heute mit Kollagen wieder. heute kaufste von Chanel oder von Fivangier oder von sonst irgendwerem viel, teures Geld in Haha, good job! so einem kleinen Tiegel. Und früher hast du einfach Schweinefüßchen und Schweineschwädtchen gegeben und quasi wurde es von innen gefettet, Haut. Und ich auch nie trockene Haut gehabt irgendwie. Und die Haut bleibt unglaublich geschmeidig dadurch.
Mit anderen Worten, hatten eine schöne Kindheit, eine sehr freie Kindheit. durften sehr viel. Das war wie ein großes Abenteuer. In der Rückschau ist es auch so, dass glaube, Kind ... David, du bist ja aufgewachsen, auch im Bestattungshaus mit dem Familienbetrieb. Als Kind spielt man mit dem, was sich einem irgendwie in den Weg stellt. Wir sind im Hof der Metzgerei, da stand mal ein Bluteimer. Ja, oder andere Dinge, die halt beim Schlachten so anfallen. Und damit haben wir dann gespielt teilweise. Das denke ich mir. Nee, das war bei uns anders, ich.
Also bei uns war das auch ein großes Abenteuer. Und wir ja auch einen ganzen Teil Bauern in der Familie. Also ich habe auch eine gewisse Schlachterfahrung in der Vergangenheit, aber da habe ich halt nie was Wildes irgendwie miterlebt. Mein Opa war Jäger und so Hobby-Hühnerzüchter. Also das war schon wild. Ich kann mich schon daran erinnern, wenn dann so ein Huhn ohne Kopf durch die Gegend flog. wilde Sachen, das ist mir eigentlich heute gar nicht so gewohnt, aber es ist keine schlechte Erfahrung. Und halt im Bestattungshaus muss ich sagen, das war ein großes Abenteuer.
Wir haben ja eigentlich immer darüber gesprochen, auch schon mal, dass es früher halt noch so diese Notsitze im Leichenwagen gab, dass man mitfuhr, dass man da durch das Haus durchging, dass man natürlich den Holzgeruch und alles das da hatte. Und auch diese ganzen Waren, die so bei einem Bestatter sind, dass man die Gespräche natürlich als Kind. sehr, sehr aufmerksam damit gehört hat und was Menschen da gemacht haben. Plus wie bei vielen Familienbetrieben natürlich auch die große Freiheit. Also wir mussten immer mithelfen. Ich habe früh kehren lernen Wir unter Umständen auch.
Sind mal zur Post geschickt worden, Briefmarken holen oder bei euer Vater war ja auch immer. Ihr seid ja mitten in der Fußgängerzone da auch in Höchst gewesen. Wahrscheinlich auch immer bei den Händlern aktiv gewesen, dass mal irgendwas hier und dahin gebracht werden musste. Man hat Leute kennengelernt und das war für mich nie so ein fremder Ort. Und natürlich auf der anderen Seite Menschen waren interessiert, aber es war nie so stigmatisiert, sag ich jetzt mal, oder würdelos, dass sie gesagt haben, gruselig oder ähnliches, sondern die kamen auch immer gerne zum Spielen rüber zu Ja, bei uns war das aber auch so.
Das kann mich nicht erinnern, dass wir jemals irgendwie gehänselt worden wären oder dass uns irgendjemand was hinterhergerufen hat. Das lag aber auch an meinem Bruder, der ja da sehr durchsetzungsfähig war und mich immer gleich mit ein bisschen beschützt hat. Auf der anderen Seite ist es schon so, dass ich wir waren halt auch nicht so dieses Metzger-Kind-Klischee, dass man so im Kopf hat, diesen pausbäckigen Metzger-Jungen, der irgendwie da so von seinen ... Mitschülern aufgezogen wird die ganze Zeit. Also sowas haben wir nie erlebt. Oder hast du mal sowas erlebt?
Ich kenne gar keine Kinderfotos Nö. von euch. seid ja heute recht hochgewachsen, ne? Ja, hab ein schönes Foto, stellen wir die Show Notes. dass wir da gehänselt wurden, ganz im Gegenteil. Wir waren zumindest mal in der Grundschulzeit gefragte Gesprächspartner. Denn in den 60er Jahren, als wir in die Grundschule gegangen sind, war das nicht normal, dass die Kinder jeden Tag ein Würstbrot mit 5 Klagen Was tat er? Wurst mit in die Schule gebracht haben. Ganz im Gegenteil. kamen ganz viele Kinder, kamen noch hungrig in die Schule, die halt nichts mitbekommen haben. da waren...
Die Arbeiter zur damaligen Zeit, also würde ich mal sagen, das hat noch... Wir haben das nicht so wahrgenommen. Im Rückblick zumindest, man hat es gespürt, dass die nicht in der Lage waren, wie jetzt heute, da mal eben schnell beim Rebe vorbeigehen und nach Herzenslust einzukaufen. Das hat man schon gemerkt, dass die Menschen zumindest mal was solche alltäglichen Dinge angeht, sehr, sehr viel bescheidener waren und auch ärmer. Wir sind ja da in Höchst, das ist eine Arbeiterstadt, wir aufgewachsen sind. Und da gab es alles. Das haben wir nicht begriffen als Kinder, dass da sehr arme Menschen noch unterwegs waren. auch jetzt von meinem Großvater, warum der den immer gefragt hat, warum schenkst du ihm jetzt Schweinefüße oder sonst irgendetwas und dann sagt er halt, weil er nichts zu essen hat.
Das gab es damals alles noch. Ganz andere Zeit. Das eine ganz andere Zeit. Das kenne ich aus den 80ern auch noch, wenn wir alle mittags bei meiner Oma am Tisch saßen. Dann gab es eine überschaubare Menge Fleisch, dafür viele Kartoffeln und viel Gemüse. Und das war Und das hat halt irgendwann natürlich, wie das für alle zugänglich war, schon deutlich an Wert verloren und auch an Wertschätzung. Aber empfinden viele unseren Umgang mit Tod und Körperlichkeit? heute als abschreckend oder unangenehm. Habt ihr da eine Idee zu? Die Menschen sind nicht mehr geübt in diesen Dingen.
Also ich könnte mir vorstellen, dass der Tod zumindest mal wenn ich jetzt ans unsere Kindheit zurückdenke, sind auch Menschen gestorben in unserem näheren Umfeld. Das war völlig normal, dass du den Tod auch gesehen hast, dass du mit dem in Kontakt warst und der ist halt gestorben. Ist halt so. Und heute ist es so, dass die meisten Menschen dadurch, dass sie im Krankenhaus wahrscheinlich sterben, Aber viele Menschen im Krankenhaus sterben, hat das so eine Anonymität bekommen. weiß nicht, jeder sieht ständig Morde und Mord und Totschlag im Fernsehen oder im Kino oder sonst irgendwo. ist es ein Begleiter, der ist völlig normal.
Wenn das jetzt in dein Leben allerdings so eindringt, ja, dann ist das schon was Beklemmendes. Ich jeder geht von fehlenden Endlichkeit seines eigenen Daseins aus. Und wenn dann mal einer stirbt, ja. Tatsächlich ist man dann halt oft auch überrascht, kann ich mir vorstellen. Wir waren damit schon auf eine Art und Weise vertraut. der Art und Weise, dass zum Beispiel wir Menschen aus unserem Verwandtenkreis erlebt haben, die ihr Leben lang in schwarzer Kleidung rumgelaufen sind. Natürlich hat man Das auch. mal gefragt, warum hat die eigentlich immer schwarze Kleidung an?
Oder warum hat die Tante Helene keinen Mann? da wurde einem schon erklärt, dass das eine Kriegswidwe ist und auch die Bedeutung, was das zu bedeuten hat. Und dann war es auch so, dass Versterben unserer Großeltern zum Beispiel war relativ nah an uns dran, weil die eben nicht in Pflegeheimen gelebt haben die letzten Jahre, sondern die waren zu Hause und die sind dann bis kurz vor ihrem Tod da auch geblieben oder die Oma Friedlich ist zu Hause gestorben. Nee, die war auch im Krankenhaus, Aber die war nur ein paar Tage. Die war nur die letzten Ja. paar Tage in der Klinik gewesen.
Oma Peber lag immer auf der Couch, bei uns, das weiß ich Die Oma Pepe war zu Hause, glaube ich. Ja. Und zwar wochenlang. War die sehr krank. Damals Ja. ist er an Krebs verstarben. Und das auch noch sehr jung, auch mit 60 Jahren schon. Und die ist nur die letzten acht Tage, war die dann noch mal der Klinik. ein paar Tage, ich kann es auch nicht genau sagen, ob es drei Tage oder acht Tage waren. Wir waren ja da auch noch sehr jung. also es wurde nicht versteckt oder nicht verheimlicht vor den Kindern. Wenn ihr heute auf eure Berufe schaut, Metzger und Bestatter, wie erklärt ihr Menschen, was die schönen Seiten dieser Arbeit sind?
Die muss es ja geben, sonst könnte man das ja nicht so lange machen. Ich meine, ihr habt ja beide jede Menge Berufserfahrung. Na ja, wenn ich als Metzger irgendwo auftrete, dann erzähle ich natürlich zunächst einmal von den schöpferischen Tätigkeiten dieses wunderbaren Handwerks, dass du halt durch diese Veränderlichkeit dieses Lebensmittels aus Fleisch etwas machst, etwas Neues schaffst, was dann am Ende auch noch gut schmeckt auf der anderen Seite und viele, Menschen einfach satt du jetzt deinen Beruf liebst, dann Siehst du auch weniger den Tod des Tieres, den du natürlich mit großem Respekt auch zur Kenntnis nimmst. du weißt, ich mache ja sehr viele Veranstaltungen zu dem Thema auch bei mir und erinnere jedes Mal daran, dass bei allem Blick auf Genuss und Lebensfreude, den Fleisch so bietet, immer im Hinterkopf sein muss.
Das war ein Tier, das Das darf man nie vergessen. Und ich glaube, dass wenn du Wertschätzung und Respekt für das empfindest, was du da tust, ist es auch ein leichtes damit umzugehen und dann diesen schöpferischen Teil, der anschließend nach dem Tod des Tieres kommt. Deutschland ist ja das Land der Würste, tausend verschiedene Würste gibt es, wo die Menschen eine unglaubliche Kreativität entwickelt haben, wieder etwas Wunderbares und besonders Genussreiches einfach rauszumachen. Ja, und bei uns ist, glaube ich, auch wirklich das besondere, Menschen kennenzulernen und hier auch wirklich gut kennenzulernen in dieser Zeit.
Und ich habe das immer für mich persönlich als eine besondere Zeit empfunden, gerade weil man auf einmal mit der Familie zusammen war, es gerade nichts Wichtigeres in dieser Situation gab, weil man Menschen vielleicht auch so ein bisschen besser verstanden hat oder so, wie ihr das gerade ja jetzt auch gemacht habt. Man so ein bisschen auch noch die Bezüge, wie sich eine Familie entwickelt hat, verstanden hat und was wirklich toll ist. Wir kriegen mit, worum Menschen einander liebhaben, wie sie mit ihren Themen umgehen, wie sie sich entwickeln in so einer Zeit, wenn wir sie mit dem Thema etwas vertrauter machen und wie das weitergeht.
Ich habe gerade hier vor diesem Podcast noch mit einer Dame gesprochen, deren Mann ich vor einem Jahr bestattet habe und die war gerade sehr fröhlich am Telefon und hatte ganz Lust, morgen zu einer Veranstaltung zu kommen, wo wir halt bei uns sind und die einfach wieder aktiv wird. Und das ist schön zu sehen, wie Menschen einfach lernen, mit diesen Situationen umzugehen. Mein Bruder und ich, kennen die gleichen Kellertreppen, die gleichen Kühlräume, die gleichen Geschichten aus der Metzgerei. Thomas, wo hat dich diese Kindheit besonders geprägt, auch was den Umgang mit Tod und mit Verantwortung für Tiere angeht?
Weil Du hast ja selber wirklich auch diesen Beruf erlernt in einer Situation, wo du selber schlachten musstest. Heute ist es ja oft so, dass auch viele Metzgereien, da wird nicht mehr selbst geschlachtet, sondern die werden halt beliefert von irgendeinem Großschlachter. Und du hast auf einem Dorf gelernt, wo tatsächlich du montags dann selber schlachten, die Tiere töten musstest. Ja, unser Vater war da sehr gründlich. sagte, wenn du eine Ausbildung als Metzger machst, musst du sie irgendwo machen, wo du wirklich alles lernst. dann bin ich zur Metzgerei Press nach Weilbach gekommen.
Das liegt zwischen Frankfurt und Wiesbaden. So auf der halben Strecke. War früher bekannt durch die Weilbacher Kurve und durch den Hühnerhugo, der da in der Kurve saß, man 24 Stunden am Tag hin konnte. Den haben wir dann auch schnell kennengelernt. Und es war tatsächlich so ... dass ich da hin kam dann montags morgens. Die Einstellungsgespräche bzw. die Bewerbungsgespräche liefen dann so ab, dass die zwei alten Meister sich da unterhalten haben. Der Bub saß dabei und da hatte ich dann mal so angeguckt, der Friedelpress. Da habe gesagt, 1. September geht's los.
So ging das. So, und dann bin ich am 1. September da aufgetaucht und dann hat er mich ins Auto gesetzt und dann sind wir losgefahren wir zwei und haben erstmal Schweine eingesammelt. bei Bauern. Das ging dann so, dass du mit so einem Anhänger dahin gefahren bist und hast dann drei Schweine, vier Schweine da, fünf Schweine da geholt, bis du halt so die zwölf, fünfzehn Stück, die da jede Woche geschlachtet wurden, beisammen hast. Und das war schon immer ein Spektakel, weil du kannst dir du montags morgens fünf Uhr bei Schweinen in den Stall einbrichst, die jetzt alle noch sehr gemütlich beieinander liegen und so gar nicht recht wissen, was da ist und der eine oder andere dann aufgefordert wird, mitzukommen, dass es natürlich dann nicht ohne sanften Druck abgeht.
Das ist halt vollkommen normal. Weiter geht es natürlich auch dann, die Schlachterei betrifft. Die wurden damals auch schon mit so einer elektrischen Zange dann betäubt. hieß es so, du machst das jetzt mal, sag ich mal, wie das habe ich noch nie gemacht. Dann hieß es so, pass auf, spritz dir ab mit dem Schlauch, dass sie schön nass sind, dass der Strom schön fließen kann. Dann drückst du die Zange hinter die Ohren und hältst sie mal bisschen fest, bis das Licht da oben ausgeht. So habe ich das gelernt. Und der nächste Schritt war dann der, dann wurden die mit so einer Kette dann ins Schlachthaus reingezogen, an die Rohrbahn gehängt und dann wo wird die halt gestochen.
So nennt man das halt einfach, wenn das Blut am Hals, also durch den Schnitt an der Halsschlachader, rausgenommen wird. Das waren alles Dinge, die habe ich in den ersten acht Tagen bzw. in den ersten zwei Stunden meiner Ausbildung schon einmal gemacht bzw. schon gelernt. So schnell ging das. Alle weiteren Schlachtschritte, das dauert natürlich ein bisschen länger. Allerdings würde ich einfach mal behaupten, von hier aus, dass ich nach vier Wochen dann das auch konnte. Und bei meiner Prüfung, bei meiner Gesellenprüfung musste ich damals auch noch einen Schwein schlachten, also alleine.
Wir haben ja Berufe, in denen man sehr nah an Körpern arbeitet. Das hast du gerade beschrieben. wirklich sehr, sehr nah. Bei mir am menschlichen Körper, bei dir am Tierkörper. Welche Rolle spielt das Wort Würde bei deiner Arbeit? würdevoll und respektvoll muss man mit jedem Lebewesen umgehen. Und ich glaube auch, dass diese Art des Umgangs, so wie ich das damals erlebt habe, sehr würdevolle Art war, weil du jedes Schwein nacheinander auch getötet hast. Erstens zunächst mal betäubt, was ganz wichtig ist, dass das Schmerzempfinden halt einfach nicht da ist.
Das hat ja schon etwas mit würdevollem Umgang zu tun, dass du weißt, dass es ein Lebewesen ist, genauso schmerzend empfindet wie wir auch. Und das, wenn du es schon töten musst, zunächst mal das so machst, dass es halt schmerzfrei oder idealerweise schmerzfrei passiert. Letztendlich, ist das eine. Und dann ist es natürlich schon auch so, dass wenn du die Tiere oder diese Körper berührst, das schon auf eine ganz besondere Art und Weise passiert. Denn es gibt kein Lebensmittel oder es gibt auch nichts, was sich anfühlt wie So ein Körper und auch jetzt ein Schlachttierkörper oder ein Schweinekörper, das ist schon etwas ganz ganz Besonderes und das ist auch so etwas, was sich, was es immer in dir drin steckt.
Also wenn du jetzt zum Beispiel irgendwo sitzt und hast die Augen verbunden und berührst Gegenstände. Ich könnte ja hundertprozentig sagen, das ist jetzt eine Schweineschwarte. Ich könnte es ja bei vielen, vielen Dingen nett sagen, aber das sind Dinge, die prägen sich sehr, sehr stark ein. Durch den Umgang damit und halt einfach auch durch dieses Gefühl. ist ja auch etwas sehr, Emotionales. Essen ist ja eine ganz emotionale Sache letztendlich auch. Das ist ja nicht nur rein Nahrungsaufnahme, sondern es ist mit unglaublich vielen Emotionen behaftet.
Und genauso ist es letztendlich beim Umgang mit diesen Tieren und mit den Schlachttierkörpern, die dann am Ende übrig bleiben mit der Zerlegung. Du legst Hand an und du machst das mit sorgfältigen und sauberen Schnitten. Und die Idee, die letztendlich dahinter steht, ist, dass der Metzger, dass der Fachmann dann in der Lage ist, so viel Respekt vor dem Tier aufzubringen, dass auch in der Lage ist, dieses Tier von der Nasenspritze bis zur Schwanzkwaste quasi für unsere gesunde und gute Ernährung nutzbar zu machen. eine großartige Form von Respekt.
Es ist nicht einfach nur reinzubeißen und liegen zu lassen, wenn du satt bist, sondern wirklich etwas draus zu machen. was einen unglaublichen Wert letztendlich, gesamtgesellschaftlichen Wert hat. Wenn Kundinnen und Kunden dich fragen, wo das Fleisch herkommt und wie geschlachtet wird, wie sprichst du mit den Leuten darüber, ohne was zu beschönigen? Es ist natürlich so, dass wir in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein völlig anderes Verhältnis zu diesem Thema entwickelt haben. Das sah ungefähr so aus, dass wir Tierschutz dahingehend interpretiert haben, dass Tiere möglichst kurze Wege zum Schlachthof haben sollten.
Was dazu geführt hat, dass im Landkreis Reda-Wiedenbrück, hinter Düsseldorf, so Stück hinter So knapp. Düsseldorf, dass im Landkreis Redawiedenbrück, also rund um den Tönnies Schlachthof, zwischenzeitlich bundesrepublikanischen Schweine zu Hause sind, die dann irgendwann mal für uns zum Lebensmittel werden. 30 Prozent. Und das ist natürlich schwierig, das zu erklären, wenn du dann in so eine Richtung abgleitest, was das angeht, was den Umgang mit Lebewesen angeht. also auch das Schlachten von Lebewesen angeht, als glaubwürdiger Mittler noch dazwischen zu stehen.
Ich versuche zu erklären, ohne das zu beschönigen, dass diese Tiere alle unter grundsätzlich vom deutschen Tierschutzgesetz gedeckten Verhältnissen aufgewachsen sind. Das ist eins, was man immer wieder unterstellen muss. Und zum anderen halt einfach auch vom Leben zum Tod gebracht werden in einer Art und Weise. die eben auch dem Tierschutz insofern gerecht wird, dass sie das hinbekommen. Dass das natürlich eine industrielle Veranstaltung ist, die da stattfindet, die, wenn du 30.000 Schweine am Tag schlachtest, nicht für jedes Schwein die letzte Ölung parat hat.
Das ist natürlich etwas, was dem Zeitgeist geschuldet ist und was letztendlich dann auch den Verhältnissen in unserem Land geschuldet ist, dass wir möglichst ... nicht mehr mit diesen Dingen behelligt werden wollen. das eine. Das aber auf der anderen Seite bedeutet, dass es in anonymen Großschlachthöfen passiert und unsere Wahrnehmung am dann nur noch die ist, was dann quasi als Lebensmittel dabei herauskommt. Hm. Es gibt diese Großschlachthöfe auch deshalb, weil man den kleineren Metzgern irgendwann untersagt hat, in ihren Betrieben zu schlachten.
Und weil auch oft die Nachbarschaft das nicht mehr wollte. Wenn du heute sagst, ich habe hier eine größere Metzgerei und ich würde gerne am Ortsrand ein Schlachthaus bauen, wo ich meine Schweine schlachten kann, vielleicht noch für andere dazu, die in der Region auch eine Metzgerei betreiben, dann wirst du große Probleme haben, dafür eine Genehmigung zu bekommen. Und wenn du sie bekommst wirst du mit einem großen Bürgerprotest rechnen müssen. Und auch das ist natürlich ein Grund, dass wir das eigentlich aus den Städten komplett vertrieben haben, die Schlachthöfe.
Und halt an so einem anonymen Ort, wo keiner merkt, dass du sagtest, 30.000 Schweine am Tag, du sagst, 30 Prozent der Schweine werden da aufgezogen, 30 Prozent der Schweine, die jedes Jahr in Deutschland aufgefuttert werden. Ich glaube, essen jedes Jahr 50 Millionen, 30 Prozent davon. Das ist eine gigantische Zahl. 10 Millionen. Du, Thomas, du hast jeden Tag mit dem Ende von Tierleben zu tun, ich jeden Tag mit dem Ende von Menschenleben. Was macht das mit deinem persönlichen Blick auf die Endlichkeit? Denkst du darüber häufiger über deinen eigenen Tod nach oder weniger?
Was den Blick auf mein eigenes Ende angeht, also ich mache mir da nichts vor. Ich gehe auch nicht davon aus, dass ich alle aus meiner Generation zunächst beerdigen würde. Ich hoffe halt immer für mich, wenn es mich mal, ich sage das mal in Anführungszeichen, erwischen sollte, so sein sollte, dass es ein kurzes knappes Ende ist, so wie sich das die meisten Menschen wünschen. Nehm ich mal an. Und wenn es denn jetzt passiert und ich sollte jetzt im Laufe unseres Podcasts vom Stuhl fallen, ja, dann war es das eben. Ja nicht doch, nicht bevor wir das nicht alles besprochen haben, ha?
Thomas. Nein und... Ja. Nicht bevor der Podcast zu Ende ist, Zumindest solange noch. Also ich bin, ich will nicht sagen, dass ich mit großer Gelassenheit auf mein Ende sehe. Ich würde allerdings mal sagen, dass mir der Umgang mit der Endlichkeit von Lebewesen schon ein gewisses Maß an Gelassenheit gibt, das zu begreifen, dass alles ein Ende hat. Nur die Wolfka II. Genau und ich glaube, es gibt einem ja auch so eine gewisse Zuversicht, dass man mit so einem Thema umgehen kann, dass man sich damit befassen kann, dass man einfach durch auch dieses Handwerkliche befasst.
Also ist natürlich jetzt so ein bisschen anders bei dir. Aber das Gefühl hat, dass ich das Hand haben kann im wahrsten Sinne des Wortes. Und das finde ich persönlich, also wo ich jetzt auch so langsam auf ein bisschen Alter komme, eigentlich ganz, ganz zuversichtlich. Und es ist nah ich finde es. macht einen so ein bisschen positiv gegenüber all diesen abstrakten Problemen, die für uns halt schwieriger zu handhaben sicher sind. Naja, also zunächst mal, du gesund bist und nicht das Gefühl hat, das Ende ist nah, ist der Tod ja auch ein abstraktes Problem.
Also so wird es jetzt zunächst mal, zumindest mal von meinem Gefühl heraus jetzt interpretieren. Das wird erst dann konkret, wenn du merkst, du hast jetzt irgendein Leiden, von dem du nicht loskommst oder du hast jetzt irgendetwas. meine, die wenigsten Menschen sterben gesund. Dann machen wir uns mal nichts vor. Davids Vater Fritz Roth hat mir da einen schönen Satz mit auf den Weg gegeben. Als er sehr krank war, haben wir geredet über das Ende. er hat gesagt, die Uhr tickt ja eigentlich immer. Die Uhr fängt an zu ticken, wenn wir geboren werden.
Nur wir hören sie nicht. Und wenn du dann älter wirst oder wenn du krank wirst, dann tickt sie auf einmal sehr laut. Du kannst sie nicht mehr überhören. Und gut, das ist jetzt auch schon viele Jahre her, aber mittlerweile ... bin ich auch deutlich älter geworden als damals und ich weiß jetzt oder verstehe jeden Tag mehr, was er gemeint hat, auch einfach älter zu werden bedeutet, dass die Uhr lauter tickt. Finde ich ein gutes Bild. Ja, ist aber für mich nichts, was jeden Tag für mich präsent wäre. denkst ja nicht ständig an die eigene Endlichkeit.
Du nimmst sie wahr als etwas, wahrscheinlicher wird, auch was den Abstand zu deinem eigenen Ende angeht, wahrscheinlicher wird, dass es wohl eher, sag mal in Anführungszeichen, kürzer als lang passieren könnte, mit zunehmendem Alter. Allerdings ist es jetzt nichts, jetzt bei mir irgendwie Panik auslöst oder was mich jetzt irgendwie den Verstand bringen würde oder wo ich jetzt sagen würde, da macht es dauernd Tick-Tack, Tick-Tack. David, wie ist das eigentlich bei Ich wir arbeiten jetzt schon viele, viele Jahre zusammen und die Zusammenarbeit hat schon meinen Blick auf den Tod radikal verändert.
Wenn man jetzt da so nah dran ist wie du, wie blickt man da auf sein eigenes Ende? ganz pragmatisch, also mit zunehmendem Alter und so langsamer eilt mich das Alter ja auch, mache ich mir da mehr Gedanken drüber. Ich habe bloß halt ganz viel auch mit den Angehörigen und deren Lebendigkeit zu tun. Ich erlebe halt ganz viel gerade auch durch meine Kinder, Jugend da drum herum und mir gibt es einfach eine gewisse Zuversicht auf der einen Seite, dass ich mit so etwas umgehen kann und auf der anderen Seite natürlich auch die Hoffnung, dass ich nicht wie manche Leute, denen ich begegne, lange leiden muss, wenn so etwas geschieht. und wie wichtig es halt ist, gewisse Themen geklärt zu haben mit meinen Kindern, mit den Menschen mich herum. ja, einfach, was man so aus seinem Leben macht, dass man genießen kann, dass Tage besonders sind.
Ich habe schon das Gefühl, dass in beiden Berufen als Metzger und als Bestatter man schon sehr vielen Menschen begegnet, die eigentlich den Tod verdrängen, die sowohl den Tod der Tiere negieren und einfach achtlos da Fleisch und Wurst in sich reinschaufeln, als auch wahrhaben wollen, dass sie selbst irgendwann sterben. Wenn wir weniger verdrängen würden, wenn wir mehr hinschauen würden bei Tieren wie bei Menschen, was würde sich aus eurer Sicht verändern im Konsum, im Alltag vielleicht auch? in der Art zu trauer. Also ich denke, Menschen würden vielleicht so ein kleines bisschen bewusster für den Moment, in dem sie gerade sind, einfach dieses Wissen, dass es auch ganz schnell ganz anders sein könnte, wären vielleicht ein kleines bisschen behutsamer und nicht ganz so voreilig vielleicht auch in ihren Urteilen gegenüber Menschen.
Und auf der anderen Seite einfach so ein bisschen zuversichtlicher. Das ist ja eigentlich das, wo ich Menschen auch ganz viel hinbringen möchte, dass Wenn Sie Ihren Verstorbenen sehen, Sie sehen, dem geht es nicht schlecht, keine Angst, Schmerzen, sondern sich einfach mit der Situation befassen können und da das Beste draus Wie siehst Du das, Thomas? Ich glaube, die Menschen haben keine Angst vor dem Tod, sondern vom Sterben. ist zunächst mal das eine. Weil dieser Schritt vom Leben zum Tod, ist das Mysterium. Wenn du tot bist, also ich bin zwar katholisch getauft und auch nach wie vor Mitglied der katholischen Kirche.
Allerdings habe ich das Gefühl, zumindest nach meinen Erfahrungen mit den Lebewesen, die ich jetzt vom Leben zum Tod gebracht habe und mit denen ich zu tun habe, dass auf der anderen Seite drüben irgendwas ist, was unser Bewusstsein erfassen könnte. Es ist ein Versuch, ein Erklärungsversuch. Ich glaube, dass wenn du achtsam mit diesen Dingen umgehst und wenn du dir bewusst machst, dass es diesen Schritt gibt, dass das natürlich schon etwas dahingehend ist, das auch selber besser zu verstehen. Und vom Verständnis her die Endlichkeit zu begreifen, ob das jetzt ein Tier ist oder ein Mensch, die Endlichkeit zu begreifen und diese Endlichkeit auch zu akzeptieren.
Ich glaube, dem Moment, wo man bereit ist, Dinge wie alles hat ein zu akzeptieren, dass es auch viel leichter fällt, was die eigene Endlichkeit dieses Bewusstsein zu entwickeln, dass alles nicht endlos weitergeht und dass du irgendwann wahrscheinlich auch möglichst von bewutsamen, achtsamen und Menschen versorgt wirst, die Ja, halt wissen, was dann zu geschehen hat. Wir kommen langsam zum Ende und haben wie in jeder Folge noch unsere letzten Fragen. Hast du eigentlich gerade schon ein bisschen beantwortet Thomas, wenn du dir das wünschen könntest?
Wie möchtest du sterben? bewusst. bewusst und möglichst schmerzfrei. Mmh. Wie sehe eine Abschiedsfeier aus, die sich für dich richtig anfühlt? Wo sind wir? Wer ist da? Wie ist die Stimmung? Wenn das möglich wäre, würde ich mir ein großes Fest vorstellen. Ich könnte mir nicht vorstellen, jetzt zu unserem Eingangsthema zurückzukommen, dass ich über eine Feier schwebe, die so war jetzt wie bei Elsenheimers, wo sich am Ende des Tages dann kaum einer bei wohl gefühlt hat und jeder nur dachte, hoffentlich geht es schnell vorbei oder so. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen da sind und das als großes Fest und letztendlich als Endpunkt eines großartigen Lebens.
Du schreibst ja auch Trauerreden und wenn du deine selber schreiben würdest, was müsste unbedingt da drin stehen oder was würdest du dir auf der anderen Seite erhoffen, dass das jemand über dich sagt? Ich bin mir da nicht so ganz sicher, ob Lobhudelei der richtige Weg zum Ziel ist. Allerdings ist es jetzt in solchen Situationen so, wir hatten das Thema ja eingangs auch schon mal so ein bisschen, dass so eine Trauerrede Platz für die Menschen zum Trauern lassen sollte. Allerdings auch die schönen und lustigen Momente des Lebens irgendwie noch mal skizzieren sollte und die Menschen mit Zuversicht, mit großer Zuversicht dann nach Hause schicken. sollte und zwar in der Zuversicht, dass einfach alles gut ist.
So geht es. Welches Lied soll auf deiner Beerdigung gespielt werden? Ja, da habe ich eins, was ich unbedingt hören möchte, wenn ich es dann noch hören könnte und zwar von Rolling Stones – Sympathy for the Devil. Und nun stell dir vor du packst einen Koffer für deine letzte Reise. käme da hinein? Welche drei, vier Dinge oder Symbole müssten auf jeden Fall mit? Da wären keine irdischen Dinge drin. Da wären wahrscheinlich so, wie ich das bei unserem Freund Manfred auch schon erlebt habe, ehrlich gesagt, du erreichst mich jetzt ein bisschen mit dieser Frage, einfach nur der Wunsch nach Zuversicht, der Wunsch nach Vertrauen, der Wunsch nach Glück Und ich glaube, mit diesen drei Begriffen kommst du schon ganz gut und ziemlich weit.
Thomas, danke dir für das Gespräch und deine Offenheit. Ja, sehr gerne. Es eine große Freude. Das war Talk about Tod. Schön am Leben bleiben und bis bald.