Episode 15 ∙ 09.12.2024 ∙ 21 Min
Warum hat man das Recht zu trauern, Schwester Theresita?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Schwester Teresita
Hat man ein Recht darauf, zu trauern? Schwester Teresita Maria Müller von der Ordensgemeinschaft der Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel verbringt viel Zeit mit alten, kranken und sterbenden Menschen und macht Musik für Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen, Palliativstationen und Hospizen. In ihrem Buch „Wenn alles still steht" beginnt jeder Abschnitt mit den Worten „Sie haben das Recht".
Sie erzählt, wie im Kloster jeden Abend beim Gebet der Mitschwestern gedacht wird, die an diesem Tag vor Jahren gestorben sind, wie der Sarg einer verstorbenen Schwester bis zur Beerdigung offen in einer kleinen Kreuzkapelle auf dem klostereigenen Friedhof steht, und warum sie findet, dass Trauernden auch Wut erlaubt sein muss – sogar auf Gott.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Wann waren Sie das letzte Mal auf einer Beerdigung, Schwester Teresita?" – „Letzten Donnerstag, eine Mitschwester." Von dort erzählt sie, wie eine Beerdigung im Kloster abläuft: mit Weihrauch, Gebeten und Liedern – „eine schöne und festliche, mehr Fest als traurige Angelegenheit bei uns."

Über Schwester Teresita
Schwester Teresita ist zu Gast. Die Ordensschwester spielt Harfe für sterbende Menschen in Hospizen und auf Palliativstationen und hat mit „Wenn alles still steht" ein Buch über Trauer geschrieben, in dem jeder Abschnitt mit den Worten „Sie haben das Recht" beginnt. Sie erzählt, warum Trauernde sich auch Wut erlauben dürfen – sogar auf Gott –, wie im Kloster jeden Abend der Verstorbenen gedacht wird, und warum sie sich wünscht, dass man sich einmal fröhlich an sie erinnert.
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Hallo zu Talk about Tod, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Mein Name ist Klaus Reichert. Und ich bin David Roth. Hallo zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Heute ist eine Frau bei uns zu Gast, die sehr viel Zeit mit alten kranken und auch sterbenden Menschen verbringt. Sie spricht mit den Menschen und sie macht Musik mit und für die Bewohner von Seniorenheimen, Palliativstationen und Hospizen. Hallo und herzlich willkommen Schwester Teresita Maria Müller von der Ordensgemeinschaft der Schwesterin der Heiligen Maria Magdalena Postel.
Hallo. Wir sprechen natürlich gleich noch über ihren Orden, fangen aber wie immer mit der ersten Frage an. Wann waren Sie das letzte Mal auf einer Beerdigung, Schwester Teresita? Letzten Donnerstag, einem mit Schwester. Wie ist Ihnen die Beerdigung in Erinnerung geblieben? Wenn ich ehrlich bin, finde ich, die Beerdigungen bei uns hier im Kloster immer sehr, sehr schön. Wenn man immer einen Totengebet, dann ist der Sack schon in der Kirche und das Bild steht da und mit Gebeten und Liedern und anschließend ist jeder eingeladen. Wir sind 55 Schwestern hier und die Gäste, die schon da sind, Weihraufkörner vor dem Sack in ein Weihrauf fast zu geben.
Und dann insensieren wir den Sack und sagen, wie der Weihrauch den Sack um Hüls, um Hül und unsere Gebete, Schwester Maria Henrika, die jetzt ins ewige Leben aufsteigt. Und nachmittags ist dann die Beerdigung, dann tragen wir den Sack mit sechs Kerzen begleitet auf den Friedhof, auf unserem Gelände. Das ist immer eine schöne und festliche, mehr feste als taurige Angelegenheit bei uns. Und bleiben diejenigen, die bei Ihnen im Haus versterben, dann auch bei Ihnen in der Zeit bis zur Trauerfeier oder Beerdigung bzw. viele Klöster haben ja, glaube ich, sogar eigene Friedhöfe auch?
Genau. Wir haben auch einen eigenen Friedhof, der ist auf unserem Gelände und auf dem Friedhof ist die kleine Kreuzkapelle, sagen wir dazu, also ein Aufbewahrungsort. Da liegt sie dann im offenen Sack tatsächlich und jeder kann hingehen und sich verabschieden, also bis zur Beerdigung und ein bisschen bei ihr bleiben mit oder zu ihr reden, so wie ihr Vater, das ja auch immer so schön propagiert hat. Und am Beerdigungs-Tat wird sie dann runtergebracht in die Kirche von unseren männlichen Mitarbeitern. Sie ist im Bleibende gemeinschaft. Und was ich auch schön finde, wenn ich das ergänzen darf, jeden Abend bei unserem Abendgebet festbarnend das, nennen wir die Namen Adera, die am nächsten Tag ihren Sterbetag haben.
Mit Untermanin wegen 1910 gestorben oder 1947, keine Ahnung. Es ist so ein Zeichen der bleibenden Verbundenheit, bleibenden Gemeinschaft. Die sind uns schon vorausgegangen, wir werden irgendwann folgen. Das finde ich so vom Symbolcharakter her sehr schön. Wir haben jetzt über die Abschiednahme und die Beerdigung gesprochen. Wie werden Menschen im Kloster denn in den Tod begleitet, wenn sie nicht überraschend sterben wie die Schwester, die jetzt im Krankenhaus gestorben ist? Wenn die Krankenschwestern sehen, es geht zu Ende, dann sagen die Bescheid und sagen, wer möchte wachen.
Also die bleiben dann nicht alleine, sondern wir wechseln uns ab bei ihr zu sitzen Tag und Nacht, damit sie auch die Sterbende das Gefühl hat, ich bin nicht alleine. Ich werde begleitet auf diesem letzten Weg. Die Ordensgemeinschaft der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel aus dem Bergkloster in Beestwick im Sauerland. Erzählen Sie uns ein bisschen von Ihrem Orden und dem Kloster. Oh, das Wort "bisschen" ist schwierig. Wir haben Zeit. Das wird in den Rahmen sprengen. Also wir sind ein französischer Orden, tatsächlich. Unser Gründerin hat während der französischen Revolution gelebt.
In Bach-Flöhe ist der Großen Hafenstadt Cebuer. Da ist sie geboren und da hat sie eine Schule gegründet für Mädchen. Das war sehr fortschrittlich zu ihrer Zeit. Und nach der Revolution ist sie nach Cebuer umgezogen und hat doch das Ehländen gesehen der verweisenden Kinder und Jugendlichen mal viele ja schlicht geflohen oder geotiniert worden waren und hat dann gesagt, was kann ich als Frau alleine machen bei so einer Not. Ich will mich mit anderen Frauen zusammen tun, die so dieselbe Idee, dieselbe Vision haben. Und dann hat sie 1807 unserer Ordensgemeinschaft gegründet.
Und seit 18062 sind wir auch in Deutschland. Und da aber die Gründung in Thüringen war und die Zentrale des Ordens dann seit 1862 in Thüringen war bis 1961. Da wurde dann die Momma gebaut und dann hat man die Zentrale des Ordens nach Westdeutschland verlegt, eben hier nach Bestwig. Weil so ein Besuch von der DDR damals aus im Westen nicht möglich war von der Ordensleitung. Wie kam es denn, dass Sie sich entschlossen haben ins Kloster zu gehen? Das ist eine Frage, die sich auch meine Mutter immer gestellt hat. Ich bin aus einer Kölner Familie. Ich hatte so nach dem Abitur und Studium oder nach dem Studium, also ich habe Theologie und Musik studiert, also ich anfing zu arbeiten, die Idee gehabt.
Ach nee, ich will nicht heiraten, ich will für Gott und viele Menschen leben. Dieser Satz war in meinem Kopf. Nur dieser Satz. Ich habe vier Geschwister, die alle geheiratet haben, alle, fast alle vier Kinder. Aber ich hatte so diese Ideen und habe mich auf die Suche gemacht und irgendwie bin ich dann hier sozusagen gelandet. Ich glaube, das ist so ein bisschen wie wenn man sich verliebt und weiß, diesen Mann von denen ungefähr vier Milliarden Männern, die es auf der Welt gibt, das ist der, den ich heiraten möchte. Das kann man ja nicht nur rational begründen vielleicht.
Und so kann ich es auch nicht nur rational begründen, warum hier in Westwig und nicht im Saarland gibt es tatsächlich noch einen anderen Orden oder meine Mutter fahrt, warum bist du denn nicht in Köln ins Kloster gegangen, sondern in Westfalen. Man ist da, wo Gott ein hin führt oder wo Gott ein haben will. Und das war vor 40 Jahren und bis jetzt habe ich es noch nicht bereut. Und dann haben sie sich entschlossen, auch noch sich um Sterbende zu kümmern, das ja auch sage ich jetzt mal, auch eine ungewöhnliche Entscheidung auch gerade zu der Zeit, oder?
Ja, das war auch eine Fügung wie alles. Also ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich mal Schulatterin werde, hat mein Orden erfunden und dann haben sie mich vier Jahre nach Frankreich geschickt, um da Friedensarbeit zu machen. Am Uta Beach und als ich zurückkam, konnte ich natürlich nicht nach meiner Nachfolgerin sagen, räumt den Schulatter Sessel und dann bin ich zum Bonifatiswerk gegangen, habe da als Redakteurin gearbeitet, vier Jahre und da hatte ich eine Karte vertrauende geschrieben. Und dann hat der Bonifatis Verlag, nicht das Werk, der neue Leitung hat das gesehen und gesagt, ich wässer schreibt darüber ein Buch, das Buch, was ich eben in der Hand hielt, wo ich dann eben auch eher wunderbares Institut besucht habe.
Ich komme aus dem Rhein-Nicht-Bergischen Kreis und kenne natürlich Pils Rot im Bergisch-Kladbach, sehr gut. Genau so kam das und meine Eltern sind gestorben, einer meiner Neffen ist mit 20 Jahren gestorben und wir hier sterben natürlich oft Schwestern, manchmal leider auch zwei im Alter von 51, was ja wirklich zu jung ist zum Sterben eigentlich. Ja und dann durch meine Ausbildung in Therapiehafe, also nicht normale Hafe, sondern Therapiehafe für Krankheit und Sterbende, war das dann nochmal intensiver, dass ich merke, ich war letzten Freitag noch im Hospiz, wie gut es auch denen tut.
So ruhige Klänge zu hören, diesen fasstmystischen Klang der Hafe, auch wenn ich dann zwischendurch über den Rainbow oder Moon River spiele, ist dann auch gut, es sind ja auch schöne Melodien. Ja, sie machen Musik für Menschen, die im Sterben liegen, das stelle ich mir ganz schön vor, es ist etwas, was ich noch nie gehört hatte, also klar kann man das machen, wenn man Gitarre spielt und Sterbebegleiter ist, dann wird man auch auf die Idee kommen, aber tatsächlich mit der Hafe die Leute zu begleiten, das ist doch eine ganz wundervolle Idee. Und ich singt dann ja auch mit denen oder für die, also je nachdem wie sie das noch können natürlich.
Doch letzten Freitag hat einer mitgesungen, ein alter Herr, der noch bei sehr, sehr klarem Verstand war, dann hat er dann leise mitgesungen, fand ich gut. Und Sie haben es ja gerade schon erwähnt in Ihrem Buch, wenn alles still steht, Wege aus Schmerz und Trauer, findet man diese Schadta für Trauernde und jeder Absatz beginnt mit dem Satz, Sie haben das Recht. Warum haben Sie sich für diese Textform entschieden? Weil ich immer wieder erlebe, dass Trauernde auch die vielen, die ich interviewt habe, gesagt haben, ich habe mir nicht mehr das Recht zugestanden, mich zu freuen.
Oder ich konnte nicht mehr eine der man sich suicidiert hat, eine Kollegin sagte, meine Söhne haben mir gesagt, Mama ist, ich glaube, ich habe nicht mehr das Recht, Essen zu genießen, das Recht. Also dieses Recht, ich bin nicht gestorben, ich lebe und ich habe auch das Recht, am Leben weiter teilzunehmen. Auch das Recht, mich zu freuen, das Recht, mich neu zu verlieben, das Recht, mich schön zu machen, das war mir so wichtig, weil das vielen sehr, sehr schwer fällt, was man auch verstehen kann natürlich. Für sich selber zu sorgen, in diesem Moment?
Ja, für mich geht das Leben weiter, mein Mann oder mein Kind ist gestorben. Das klingt, als würden Sie Menschen die Erlaubnis geben, so zu trauern wie sie wollen. Ja. Was das so ein Schubs ist, mach mal. Das sage ich auch und darum habe ich das auch geschrieben, weil ich das wichtig finde und darum habe ich auch geschrieben, bei 7,9 Millionen, vielleicht gibt es jetzt schon 8 Milliarden, Entschuldigung, Menschen auf der Welt gibt es 7,9 Milliarden verschiedene Arten, sich zu freuen, zu trauern, zu leben. Und da ist keine falsch, wenn es nicht, es gibt auch diese pathologische Trauer, wenn die nach fünf Jahren noch so versunken sind, dass sie nicht am Leben teilnehmen.
Das ist dann schon pathologisch, aber die erste, zwei Jahre ist das völlig normal und wichtig. Und da fehlt uns natürlich so ein bisschen die Vertrautheit mit diesen Gefühlen und die erlebt man ja heute im Alltag so auch nicht mehr und das ist ganz toll, diese Erlaubnis zu haben. Sie haben geschrieben genau dazu, Sie haben das Recht auf Ihre Gefühle. Was für Gefühle sollte man sich zugestehen in dieser Zeit? Schmerz, Trauer, aber auch Wut, auch das finde ich normal. Das Recht dazu, man kann Wüten sein, warum hat man man nicht jetzt verlassen? Warum stehe ich jetzt hier allein mit allem, wo ich doch noch drei kleine Kinder habe, zum Beispiel, oder die Frau ist gestorben.
Den Wut auf die Ärzte, den Wut vielleicht auch bei fremdverschulden, durch Fahrlässigkeit, bei einem Unfall oder durch Moch sogar. Und auch, was mir wichtig ist jetzt als Christen und als Ordnungsfrau, das Recht zu haben, auf Gott Wüten zu sein. Das sind gerade wir Katholiken ja oft anders erzogen worden. So diese Fromm und der Liebe Gott und dieser für mich elende Satz, Gott tut nichts als Fügen, kann ich persönlich kaum ertragen diesen Satz. Manche auch nicht sehe, dass es so ist bei dem vielen Elend, so dass ich auch auf Gott erwüten sein kann und klagen kann vor ihm und ihn anklagen kann.
Und die Bibel hat genügend Beispiele, dass Menschen das machen. Und dass in der Bibel Gott zu Job sagt, dem Beispiel, Job hat Recht geredet von mir, als er mich angeklärt hat auch nur. Und er hat ja, er ist machen ganz geduldig, aber nachher hat er Gott ja auch angeklagt. Und auch das kann man sich zugestehen, eben wie Gefühle, wie Verzweiflung verständlich. Aber auch Gefühle wie, ich führe, dass ich mich zu einem Mann hingezogen fühle, wenn mein Mann geschraubend ist. Ist ein Zeichen dafür, dass ich noch lebe, dass mein Inneres noch lebt. Und darum finde ich das auch wichtig und das kann man sich zugestehen.
Oder ich habe megamäßig Lust, mich in schönes Café zu setzen oder mir ein wunderschönes neues Outfit zu kaufen oder irgendwie auch immer. So diese normalen Dinge oder weiter mit Freunden auszugehen, in die Disko zu gehen oder in die Oper oder was auch immer. Also diese ganze Bandbreite von Gefühlen. Sie haben das recht weiterhin am Leben teilzuhaben. Zu diesem Kapitel hat Hannah ein Text damals beigesteuert. Da geht es um den Abschied von eurem Vater, David. Hannah hat geschrieben, dass sie am Ende gestärkt aus der Trauer hervorgegangen ist. Hast du das auch so erlebt?
Ich denke schon. Also das, was ich heute meistens erlebe, ist halt einfach eine große Freude, dass er da gewesen ist. Und Momente, wo ich einfach ganz viel von ihm in Erinnerung habe oder das Gefühl habe, dass er da nah ist, was schön ist. Und so wie sie das ja eigentlich auch sagen. Natürlich, sie kennen wahrscheinlich bei uns im Haus dann auch den Fahrt der Sehnsucht. Diesen Gang unter dem Haus, den bin ich heute noch mit jungen Pflegeschülern der Palutinerinnen gegangen. Wo natürlich diese dunklen oder traurigen Momente wiederkommen, das erlebe ich dann manchmal gerade jetzt in dieser Jahreszeit oder wenn man in ähnliche Situationen kommt.
Aber wo dann diese Stärke ist, weil man einfach weiß, das haben wir überstanden, damit haben wir gelernt, um zu gehen. Und dass man daran auch wachsen kann. Also ich glaube, früher wurde Trauma ja ab und an mit Trauer, mit Trauma verbunden. Dass es das nicht ist, sondern wie gesagt, dass es da wirklich Wachstum geben kann, Stärke aus der Trauer und der Erinnerung. Und ja, Sie haben das gerade mit Job genannt oder auch früher schon mit den Schwestern, die jeden Abend bei der FESPA erwähnt werden. Wo diese Gedanken einen mit Stärke weiterführen.
Und das sehe ich genau wie Hannah. Der Titel des Buches "Wenn alles still steht", warum haben Sie sich für diesen Titel entschieden, Schwester Teresita? Der Titel wählt immer der Verlag tatsächlich und auch das Layout. Das hat wirklich der Verlag mir so vorgegeben. Und auch dieses, das finde ich also auch wunderschön, dieses Layout auch mit diesen goldenen Sprenkeln, das ist hoffnungsvolle. Wenn alles still steht, Wege aus Schmerz und Trauer, ist erschienen im Bonifazius-Verlag. Dazu findet sich ein Link in den Show-Notes. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie die Menschen von Ihnen Abschied nehmen sollen?
Oder fügen Sie sich in die Rituale auch gedanklich schon ein, die Sie uns vorhin geschildert haben? Ich habe schon einer Mitorganistin gesagt, wo die Leiter 12 Jahre älter ist als ich, was sie spielen soll bei meiner Beältigung. Ein zertänzerisches Stück von Johann Sebastian Bach. Was wichtig ist, ist, dass die Menschen mich in fröhlicher Erinnerung behalten irgendwie. Darum habe ich auch schon oft zu Gott gesagt, nee, ich will nicht heilig werden, wenn nur Leute heilig gesprochen werden, die fürschbarlich das gelitten haben und als Mächtiger oder mit 25 Jahren gestorben sind, wie jetzt diese neuen Jugendapostel, die der Papst heilig spricht.
Ich will fröhlich leben und fröhlich von Gott Zorgnis geben. Und so wünsche ich mir auch, dass die Menschen sich von mir verabschieden. Ich will mich an meine Sagen und sagen, hey, gut, dass du bei uns warst und gut, dass du jetzt ein Schritt weiter gegangen bist, nach nebenan gegangen bist, wo das eigentlich zu Hause ist. Wenn wir über den Ritus und die Liturgie hinaus denken und Sie selbst Ihre Trauerrede schreiben konnten, was wäre Ihnen da auch wichtig, vielleicht explizit zu sagen? Oder was Sie vielleicht auch dem Zelebranten oder der Zelebrantin mitgeben würden, was Sie den anderen sagen können?
Das ist gut, es ist nicht wichtig, aber freudig. Zu erleben, dass wir einen gerechten Gott haben. Das heißt, es wird ja ein Gericht geben im Sinne von, das steht auch in meinem Buch in dem letzten Kapitel, im Sinne von, er wird alles gerade richten. Man kann ja hier so sehr, sehr leiden. Das tue ich auch unter der vielen Ungerechtigkeit, unter dem wirklich grausam was ganz viele Menschen erleiden müssen, aufgrund menschlicher Schuld, der ganze Machthaber und Despoten, um nur einen von tausenden von Beispielen zu nennen. Und dass das bei Gott nicht vergessen ist, dass er das gerade richten wird.
Und dass auch die nicht ungeschonter Vorkommen hören sich das blöd an. Aber verstehen Sie, was ich meine? Ja, sehr gut. Dass es eine letzte Gerechtigkeit geben wird durch Gott. Darüber freue ich mich sehr und das so stelle ich mir das vor in meiner Begegnung mit Gott, in meinem Sterben. Er mich angucken wird, liebevollen und mir dann selbst alles bewusst werden wird. Das ist, denke ich, bei Ehepaaren oder Freundes oder Liebespaaren auch so, wenn einer was gemacht hat, was dem anderen nicht gefällt und der andere guckt in An und denkt, oh nee, und dann tut einem das selber frisch bei weh, was man getan hat.
Und so stelle ich mir das vor in der Begegnung mit Gott. Dass er nicht trafend guckt, sondern einfach liebend und erwarmend und mir dadurch alles, die ganze Wahrheit über mich aufgeht und durch diese Liebe Gottes, diese Wundengehaltwände, die ich an und zu gefügt habe durch meinen Versagen und die man mir natürlich auch zugefügt hat. Und die Frage, warum die ich stellen werde und wahrscheinlich werde ich im Himmel die ersten Zeit immer nur ach so sagen, glaube ich. Aber so viel ist ja auch einfach nicht versteht, muss man ja zugeben. Aber man sieht so oder so, glaube ich, das auch durch ihr Leben, durch ihre Begleitungen von Menschen und durch ihren Glauben sehr einfach mit ganz viel Zuversicht durch das Leben gehen.
Sich freuen auf das Leben, das sie hier noch erleben, aber sich auch nicht bang machen vor dem Leben, das auf sie zukommt. Ich habe mal in einem holländischen Buch, was ich mal gelesen habe, diesen wundervollen Satz gelesen, den ich sehr liebe. Man lebt nur so kurz und ist so lange tot. Das Leben ist ja so, und ihr Vater ist ja sehr, sehr früh gestorben mit 63 Jahren glaube ich. Das hat er sich anders vorgestellt. Ja, das ist auch schon wirklich sehr, sehr jung zum Sterben. Also ich lebe sehr, sehr gerne und muss sich zugeben. Aber wenn es dann mal so weit ist, weil wir wissen, dass wir alle endlich sind, dann ist es auch okay, dann kommt der spannende nächste Schritt.
Ist es eigentlich im Kloster üblich, dass etwas auf dem Grabstein steht über den Namen und das Geburtstags-Stärbedatum hinaus? Nein, also da steht der Name und der weltliche Name, also mein weltlicher ist Michael Gabriela, so Schwester Therysida Maria Gabriela Müller Geburtstartum, Stärbedatum. Die sind ganz flücht und alle gleich um auf dem Friedhof, je jenseits der Wiese, auf die ich haue. Also wie ich das verstanden habe, lebt man ja in der Gemeinschaft und in den Geschichten der Gemeinschaft auch weiter. Also ich nehme an, dass vielleicht auch eine Chronik geführt wird.
Nein, es gibt natürlich einen Nikolog zu sagen, es gibt einen toten Brief von einer ganzen Seite, wo ein Foto von der Schwester ist und Geburtstag, Einkreinungstag, also Eintritt in die Gemeinschaft Todestag und dann ist über eine ganze Seite, wird über ihr Leben erzählt. Natürlich schon, und der wird an alle Schwestern geschickt und auch an die Familien und auf unsere Homepage gesetzt. Das schon, so eine Art Nikolog sozusagen. Also deutlich über den Friedhof und die Präsenz hinaus, für diejenigen, die einfach eingeweiht und verbunden sind. Genau.
Und wir haben auch in der Kirche, hier bei uns, in der große Kirche ein Tutenbuch liegen, also ein riesengroßes Buch, wo auf jeder Seite ein Tag des Jahres steht, vom 1. Januar bis 31. Dezember. Und da steht eine Schwester, die wunderschön schreiben kann, schreibt dann immer die Totende Hände. Und das ist immer aufgeschlagen auf der Kalendersite, die gerade dran ist. Also jeder, der dann in die Kirche kommt, kann sehen, ach ja, heute vor 65 Jahren ist Schwester so und so gestorben. Und heute vor, was weiß ich, fünf Jahren ist Schwester so und so gestorben.
Das finde ich auch nochmal schön, dieses Weiter zur Gemeinschaft gehören. Und Sie erwähnten das ja gerade schon, dass Sie mit Ihrer Mitorganistin darüber gesprochen haben, welches Lied auf jeden Fall bei Ihrer Trauerfeier gespielt werden soll. Sie haben vielleicht schon mal in unserem Podcast gehört, dass wir jeden Gast eigentlich immer danach fragen, welches Lied das ist. Können Sie uns das noch nennen, damit wir das hier auch in den Show Notes verlinken können? Es ist ein Koralvorspiel, alle Menschen müssen sterben von Johann Sebastian Bach.
Und das hat die Pedalmelodie ist so sehr tänzerig, also nicht traurig, sondern sehr schnell und sehr tänzerig. Und das gefällt mir sehr. Würde Ihnen eine große Freude in der Situation machen. Herzlichen Dank, Schwester Teresita Maria Müller von der Ordensgemeinschaft der Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Poste. Das war es für heute. Schön am Leben bleiben und bis bald. Danke schön, Schwester Teresita. Herzlichen Dank. Ich bin sehr beeindruckend. Ich habe mir gesagt, einfach die Freude, mit der Sie leben, mit der Sie Ihrem Glauben und Ihrer Tätigkeit nachgehen, ist total schön.
Und auch, dass Sie sich natürlich das reinige Investfählichen bewahrt haben. Danke sehr.