Episode 13 ∙ 04.11.2024 ∙ 25 Min
Was passiert, wenn wir ins Gras beißen, Eric?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Eric Wrede
Soll man Kinder vom Tod fernhalten oder sie ehrlich daran teilhaben lassen? Der Berliner Bestatter Eric Wrede hat gemeinsam mit der Illustratorin Emily Claire Völker das Kinderbuch „Wenn wir ins Gras beißen" geschrieben, das erklärt, was beim Sterben eigentlich passiert.
Wrede erzählt, warum er überzeugt ist, dass man Kinder nur belügen kann, wenn man das Thema vermeidet, wie das Kindertrauerzentrum bei Pütz-Roth seit 25 Jahren genau das Gegenteil vorlebt, und warum ausgerechnet Schwämme über 10.000 Jahre alt werden können – eine der überraschenden Fragen, die im Buch beantwortet werden.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Wenn ich mein Kind vom Abschiednehmen, Sterben und Trauern fernhalten möchte, dann kann ich es nur belügen. Deswegen ist für mich eher die Frage nicht ob, sondern wie ich Kinder an diese Thematik heranführen kann."

Über Eric Wrede
Eric Wrede ist zu Gast. Der Berliner Bestatter hat gemeinsam mit der Illustratorin Emily Claire Völker das Kinderbuch „Wenn wir ins Gras beißen" geschrieben. Er erzählt, warum er Kinder nicht vom Tod fernhalten will, sondern lieber ehrlich mit ihnen darüber spricht, warum ausgerechnet Schwämme über 10.000 Jahre alt werden können, und warum die Fähigkeit zu trauern für ihn eine der wichtigsten Kompetenzen überhaupt ist.
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Hallo zu Talk About Tod, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Mein Name ist Klaus Reichert. Und ich bin David Roth. Hallo zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Wenn wir ins Gras beißen, das Buch "Vom Tod für große und kleine Menschen" so lautet der Titel eines neuen Buches, in dem beschrieben wird, was passiert, wenn wir sterben. Geschrieben hat dieses Buch, unser Freund und Partner der Berliner Bestatter Erik Friede zusammen mit der Illustratorin Emily Claire Völker. Mit Erik wollen wir heute zum einen über das Buch reden, aber zum anderen auch über die Frage, ob man Kinder mit dem Tod konfrontieren soll oder ob man sie besser fernhält.
Erik's Antwort ist klar, sonst hätte er das Buch nicht geschrieben. Hallo Erik. Ich grüße euch beide, schön euch zu hören. Hallo Erik. Lass uns, bevor wir die erste Frage stellen, kurz darüber reden, warum man Kinder nicht vom Tod fernhalten sollt. Wenn ich mein Kind vom Abschied nehmen, sterben, trauen und fernhalten möchte, dann kann ich es nur belügen. Und das wäre nicht die Art und Weise, wie ich mit meinem Kind umgehen möchte. Deswegen ist für mich eher die Frage nicht ob, sondern wie kann ich Kinder an diese Thematik heranführen. Und im besten Falle, das ist mein Ansatz von Kindern sogar lernen im Umgang.
Genau so sehen wir das auch. Und der Gedanke ist ja, bei vielen, was wir machen, dass Kinder einfach mitgehen, dass wir ihre Neugier nutzen, denen nicht einfach schreckliche Sachen zeigen, sondern dass es nicht so schrecklich ist, wie einfach dieses ganze Kommunikationsvakuum, das einem Glauben macht und umso glücklicher waren, weil wir, wie wir vor jetzt 25 Jahren von Domino angesprochen wurden, den Kindertrauerzentrum bei uns eröffnet haben, die eigentlich genau wie eine Jugendgruppe sind, wo die Kinder sein können, wie sie wollen, nicht traurig sein müssen, sondern lernen, dass all die Emotionen normal sind, die äterne Gruppe haben, wo man dann lernt, dass man wieder miteinander spricht.
Und natürlich auch, wie wir den Waldkindergarten der AWU bei uns eingeladen haben, mit der einzigen Regel, dass das Thema nicht aufgespart wird. Das heißt aber, nur um es zu verstehen, das sind ja Leute, die sind bei euch auf dem Gelände in Berges Glatt war. Genau, und kriegen dort den Tod mit, wenn sie das wollen, neben anderen Sachen. Und ja, die sprechen einfach auch mit drei Jahren wie natürlich darüber, weil die sich Gedanken machen, was passiert, wenn die Großeltern weg sind. Okay, bevor wir über das Buch reden, Eric, müssen wir noch die Tradition warnen und die wirklich erste Frage stellen, die wir hier im Podcast jedes Mal stellen.
Wann warst du das letzte Mal auf einer Beerdigung? Fragen, die man einem bestatter gut stellen kann. Wir haben einen Normalfall, also zwei, drei Trauerfeiern, die ich die Woche begleite und sehe. Gut, wie ist dir diese letzte Trauerfeier Schreckstrich-Beerdigung in Erinnerung geblieben? War das eine gelungene Trauerfeier oder eher konventionell? Hier ist mir insofern total gut in Erinnerung geblieben. Da war jemand Dementes in der Familie, der sich eigentlich sehr vehement gegen Sachen gewährt hat, auch aus dem, was nicht stark Dementen oder bei Sachen nicht verstanden wurden.
Und dass dieser Mensch aus der Familie am Ende mit seinen Enkeln den Sarg aus dieser Abschiedsfeier herausträgt ins Fahrzeug, das den Sarg zum Krimatorium fährt, während sie vorher sich nicht mal vorstellen konnte, also in ihrer Erzählung und ihrer Welt, dass dieser Sarg überhaupt mit Anwesenden verschlossen wird. Das hat mich doll berührt, weil die sehr in den Moment gegangen ist als Mensch. Wenn wir ins Gras beißen, heißt euer Buch. Woher kommt eigentlich diese Redewendung? Viel schlimmer. Wir haben da drin ja ein bisschen auch aufgestößt, was für komische Sachen Erwachsene eigentlich sagen, wenn wir über Sterben sprechen.
Und das war so lustig, David, als ich den Titel das erste Mal irgendwo, ich weiß gar nicht, in der sozialen Medien erzählt oder veröffentlicht habe, wie ich ja geradezu istchofierte Reaktionen bekommen habe, also auch von Kollegen, weil der Humor nicht gesehen wurde und ich wirklich für ein paar Minuten dachte so, Boah, Edrik, hast du dich total vergriffen? Ist das vielleicht der dümmste Titel der Welt? Aber Kinder verstehen den Humor und das finde ich gut. Und ich glaube, das ist ja was, was dieses ganze Buch durchzieht. Besonder Begriffe sind nicht einmal in diesem Buch, sondern das ist das, was am Anfang steht, nämlich Quatsch, den die Großen erzählen und wir erzählen in diesem Buch genau das Gegenteil, nämlich wir erzählen unsere Form von Wahrheit.
Ich weiß nicht, wo der Begriff oder wo diese Worte herkochen, wenn wir ins Gras beißen, aber ich weiß, wo ich sie zum ersten Mal gehört habe und da war ich in der Tat noch ein Kind, nämlich in Bonanza. Oh, jetzt hast du natürlich, ihr beide ein bisschen noch den Altersvorteil. Danke schön, Erweck. Nein, nein, stopp, anders. Ich bin ja DDR-sozialisiert und Bonanza war für mich was, was ich vielleicht mal heimlich schauen durfte. Also das war, das ist ja ja schlimmste imperialistische Kultur, die da gezeigt wurde. Deswegen habe ich das, glaube ich, erst relativ spät gesehen und habe diese Begrifflichkeiten erst da auch, glaube ich, gar nicht mitbekommen.
Was ich aber viel interessanter finde, Klaus, selbst unter Fachleuten, also Menschen, die in dem Bereich arbeiten, wo wir sind, wie häufig sich so ein ganz klares "Da ist jemand gestorben", nicht über die Lippen bringen lässt. Also mein Highlight wird in alle Ewigkeit bleiben. In Berliner Friedhof, wir suchen eine Stelle aus und ich musste wirklich dreimal hinhören, die Friedhofmitarbeiterin sagt immer, der für immer entschlafen. Und ich wirklich dachte, okay, filmt das jetzt hier irgendjemand, ist das Quatsch. Und du musst sagen, Klaus und David, wir haben ja das Buch auch so aufgebaut, dass wir die Sachen immer auflösen.
Wir haben einmal eine Kinderebene, bringen aber auch immer noch mal die Erklär-Ebene für Bezugspersonen mit rein, nämlich wie spreche ich darüber und was nehmen Kinder bei denen die Sachen wahr, über die wir da sprechen, manchmal sehen die ja, also mein Highlight wird immer bleiben, dass Kinder völlig andere Sachen interessieren und auch wahrnehmen, als wir Große sehen. Ja, also wenn wir drüber nachdenken, sehen wir noch mal jemand verstorben ist, dann kommen vielleicht alte Bilder, die wir im Kopf haben um die Ecke. Wenn ich das mit jemandem 5, 6-Jähriges mache, ist das auch was Trauriges, die fangen aber meistens an zu weinen, wenn sie sehen, dass die großen weinen.
Die haben an mich fragen, wie hast du den da reingelegt, wie hast du den dann angezogen? Was ist denn mit den Haaren von meiner Oma? Hat die jetzt ihre Zähne noch drin? Und auf die Ebene gehen wir ja auch, wir versuchen beides abzuholen und dennoch fand ich diesen Titel einfach so gut, weil ich wirklich dachte, dass der so absurd ist, dass den niemand ernst nehmen kann und ich wurde aber zum Teil schon eines besseren belehrt, deswegen finde ich es schön, dass ich hier noch mal mit mir drüber redet. Also wir schauen noch mal nach, woher der Ausdruck kommt, wenn wir ins Gras beißen, so ähnlich wie Radieschen von unten und wir verlinken das dann in den Show Notes, die Überschriften Erik über den Kapiteln sind Fragen und zwar Fragen, auf die jeder Mensch irgendwann kommt spätestens dann, wenn jemand aus der Familie oder dem Freundeskreis stirbt.
Lass uns ein paar dieser Fragen beantworten. Erste Frage, warum sterben wir überhaupt? Unser Ansatz für das Buch war zu sagen, wie kann ich was schaffen? Das vielleicht auch im Akuten, aber vor allen Dingen dann funktioniert, wenn vielleicht gerade nichts Akutes ist und haben uns so drei große Themen verjagert. Das eine Thema ist, warum sterben lebende Organismen und haben das alles immer bewusst nicht nur auf Menschen reduziert, um auch vielleicht die Allgemeingültigkeit zu zeigen und haben das versucht, also auch betlich zu erklären, warum so ein Körper altert, wann der altert, wie alt können eigentlich Körper werden, wie alt können Tiere werden und haben und das finde ich immer wichtig, auch nochmal ganz deutlich gesagt, dass das häufig ein Gedanke von Kindern ist, wann ist sterben eigentlich normal und auch Angst zu nehmen.
Ich glaube, das hat Emily sehr gut grafisch löst, auch mal so ein Körper gegenübergestellt, wie sieht eigentlich jemand das Leben aus und wie sieht jemand Verstorbenes aus? Ohne Gruselbilder zu zeigen und dann so, guck mal, der wird blasser. Vielleicht pups der nochmal, also auch um da ein bisschen Kumor mit reinzurengen und last not least haben wir natürlich auch gezeigt, woran merke ich eigentlich, dass jemand nicht mehr lebt, weil das ist, werden dir die Pädagogen und die Kinderzüge hologen gut erklären. Es gibt eine ganz wichtige Phase, wo Kinder genau diesen Unterschied zwischen was lebt, was stirbt und mal mal gerne auch wie generiere ich als Kind diesen Übergang.
Also wenn Kinder mal testen, wie man die Fliege töten kann, denn ich herüber das, was da wird und das haben wir in Bildern aufgenommen, gut erklärt und auch erzählt, wo kommen eigentlich Gerüche her, wenn mal irgendwann jemand stirbt und wie kann man sich dann vielleicht auch um Tiere kümmern, die man gefunden hat oder wenn die eigenen Haustiere sterben und da kommen wir dann wieder auf die Ebene zu sagen, liebe Eltern, wie könnt ihr dann eure Kinder dabei unterstützen? Und da David, muss ich immer an eine Anekdote denken, die mir deine Schwester erzählt hat, also auch eine Bestattertochter, die meine ich in der Kita die erste Mitwahr, die die toten Tiere angefangen hat, mit zu beerdigen mit ihren Freundinnen daraus ein Happening und eine Zeremonie gemacht hat.
Und dann komme ich an den Punkt, der mich eigentlich umtreibt, nämlich zu sagen, wie wollen wir und das ist ja was, was uns alle in unserer Arbeit eint, wenn ich was ändern möchte, an der Form, wie wir uns verabschieden und wie wir mit Sterben umgehen, dann habe ich zwei Ansätze. Ich kann anfangen Bildungsarbeit zu machen, dafür ist dieses Buch mit da und ich kann anfangen mit Erwachsenen ins Gespräch zu geben. Ich glaube, dass der Weg über die Bildungsarbeit beim Nachwuchs ein einfacherer ist als Erwachsene aus gewohnten Riten abzuholen oder auch Sachen abzuhändern.
Erik Humor hast du erwähnt, was zum Beispiel ich in dem Buch auch gelernt habe, ich wäre gerne schwamm, weil Schwämme werden uralt. Ich habe bei den kritischsten Lehrer regelmäßig neben mir eine sechsjährige Tochter, die genau so eine Sache wie alt können Sachen werden und wie klein können Sachen sein, wie ist irgendwas tot und das sind genau die Fragen, die da sind und ich finde, so hole ich doch auch Kinder ab, im besten Fall auch Erwachsene, nämlich nicht mit dem Damokless Schwert, ihr werdet alle sterben, sondern guckt mal, die sind Fakten, die wir besprechen können und das kann ich Humorvoll machen, das kann ich Nahrbar machen, das kann ich Menschlich machen, weil ich einfach glaube und das ist ja immer das Ziel möglichst niedrigschwellig zu sein und ich fand ganz schön, was du am Anfang gesagt hast, das war ja immer so meine Hoffnung, ich glaube, dass es beim Lesen und Anschauen auch so manche Erwachsene, auch wenn er es nicht zugeben wird, nochmal sagen wird, das habe ich auch gar nicht gewusst.
Also Schwämme werden selten beerdigt, weil die werden etwa 10.000 Jahre alt, alles was lebt stirbt, aber nur wir Menschen bestatten unsere Toten, ich frag mal euch beide, warum eigentlich? David fang du mal an. Das ist ja irgendwann zu diesem Punkt gekommen, vielleicht wo wir so ein bisschen selbsthaft wurden, wo wir in Orten geblieben sind, dass wir uns einfach vorgestellt haben, dass es schön wäre, wenn die Personen, die wir lieb haben, halt an den Ort kommen, der gut ist, wo sie mit dem ausgestattet haben, was sie so zum Leben oder vielleicht von der Reise gebraucht haben und ja, irgendwann haben wir das dann auch gefunden und an diesem Beispiel vielleicht gelernt, also wovor 300, 400.000 Jahre in Marokko die ersten Menschen dann Höhlen genutzt haben, wo man vor den Tieren sicher war, wer auch heute noch verstorbene, so tief beerdigen, dass ein Tier da nicht dran kommt und ich erlebe das jeden Tag auf der Arbeit, Menschen möchten, dass mit ihren Angehörigen gut umgegangen wird und dass die an einen guten Ort kommen, religiös oder halt nicht.
Wie siehst du das, Eric? Ich muss mich outen, lieber David, ich glaube die einfachste Antwort hat uns dein Vater eigentlich gegeben, wenn man aus Trauer ist Liebe, Bestattung ist Liebe macht, kannst du das ja quasi auch Entwicklungs- oder Gesellschaftsentwicklung technisch gut betrachten, in dem Moment wo emotionale Bindungen entstanden und da sprechen wir wirklich also eher über Jahrhunderte, also im Sinne von Tausenden, dass in dem Moment wo jemand geliebt wurde, wo es Fürsorge für Kinder gab, man wollte, dass diese bestattet werden. Das kannst du auch ein Buch ja sehen, wie alt eigentlich so die ältesten Geräte sind, dass mit so die ersten Kulturzeichen, die wir eigentlich finden sind, dass sich Unverstorben gekümmert wird.
Die Antwort ist für mich relativ eindeutig, es hat was mit Gefühlsentwicklung zu tun und ein Bewusstsein für ein Vorher und ein Nachher und das ist glaube ich das, was uns so Entwicklungsforscher relativ gut auch erklären können, indem man wo ich ein Bewusstsein entwickeln möchte, ich das mit Sachen auf irgendeine Form umgegangen und wertgeschätzt wird. Ich muss ergänzen, weil du David's Vater Fritz Rot erwähnt hast, Erik. Fritz hat erklärt, dass die Bestattungskultur, also in dem Moment wo Menschen ihre Lieben beerdigen und denen auch etwas in die Gräber hineinlegen, gleichzeitig wirklich der Beginn von jeder Art von Kultur und auch Kunst ist.
Das heißt man hat sich kreativ damit beschäftigt, was machen wir mit den Toten, was geben wir ihnen mit, was könnte ihnen nützlich sein, was ist einfach nur schön, ein Abschiedsgeschenk und am Anfang von jeder Kultur tatsächlich ein Bestattungsritus, das heißt, dass der Tod eines Menschen und der Verlust und der Schmerz darüber und die empfundene Liebe so stark sind, dass sie auch uns auf eine gewisse Art und Weise kreativ machen. Letztlich geht es ja darum, dass wir halt so behandelt werden, wie wir wollen und nicht wie andres uns vielleicht vorschreiben.
Aber du erklärst ja auch genau zu diesem Thema vorschreiben, was in einem Bestattungshaus passiert und was für Bestattungsarten es gibt. Was ist wichtig darüber zu wissen? Wir sind natürlich vom Fach David, aber in der Sache, die ich immer wieder merke und das finde ich ist eine ganz große Gefahr, dass wir Wissen voraussetzen und dass wir Kenntnisse voraussetzen und deswegen, weil mir das so wichtig auch diese totalen Basics, ja die ganz viele Erwachsene nicht mal wissen, nochmal zu erklären. Also was passiert da eigentlich mit dem Körper? Warum machen wir das mit dem Körper?
Wie lange gibt es das schon? Wer hat damit angefangen? Und auch da, wir haben natürlich die großen Kulturen gezeigt, wie wird damit verstorben und gegangen, aber wir haben auch ganz konkret auf unsere Kultur geschaut und gesagt, okay, was sind denn hier die gängigsten Varianten und haben das so ein bisschen in Einklang gebracht? Im ganzen Buch wird immer gesagt, man kann, niemand muss, ja. Aber wir haben natürlich versucht, ganz viele Sachen, wo wir gute Erfahrungen gemacht haben, als was sehr natürlich ist und nicht als was Besonderes darzustellen.
Also wenn ich sehe, wie standardisiert das mittlerweile bei uns ist, dass Familie mit ins Kramatorium kommt, weil es total normal ist, das mal bietlich zu zeigen, fand ich total wichtig, ja oder es gibt eine Szene im Buch, wenn du genau hinguckst, erkennst du den Bestatter, der in den Verstorbenen dort wäscht und da steht ein Papa daneben, hat seine Tochter auf dem Arm und die gucken dabei zu und ich warte auf die Reaktionen da drauf, weil es wird Menschen geben, die darüber meckern. Ja, aber genau diese Szene, die erleben wir jeden Tag und wir merken, wie wichtig das für Familien ist und wie wir da über Bilder im Mund schaffen können, weil es sich normal anfühlt und nicht nach, oh du hast da aber einen komischen Wunsch.
Erik, ich zitiere mal den David, obwohl er ja mit uns hier im Podcast sitzt. David sagt immer, Kinder sind die perfekten Trauerbegleiter. Ja. Und auch so? Ah, weiß ich nicht. Viele Kinder sind nicht so richtig gut in Rücksicht nehmen, was ich aber auch gut finde. Andersrum, ich glaube, dass Kinder ein guter Indikator für Bedürfnisse sind, weil sie nämlich keinen Filter haben und das finde ich was sehr, sehr Schönes. Wenn meine Tochter irgendwas möchte, denn wie die genau da sind, das formuliert sie. Wenn ich irgendwas möchte, fange ich erst mal an zu überlegen, okay, ist das konform, dass ich das möchte?
Kann das irgendjemand komisch finden, dass ich das möchte? Wird das vielleicht verwirrend? Kann das jemand nachvollziehen? Den Filter gibt es nicht. Und ich sehe das jetzt gar nicht aus der Trauerbegleitung, aber ich sehe zum Beispiel auch Trauernde Eltern von Kindern, die verstärben, die haben diesen Filter auch nicht. Und das ist was, was ich sage, okay, da kann man Trauer in seiner ursprünglichsten Form vielleicht erleben, was sie am wenigsten beeinflusst von Dritten stattfindet. Und das ist was, was ich gerne sehe, weil ich daraus lernen kann, weil das sind Sachen, das ist so ein bisschen, kennst du dieses Höhengleichnis mit dem Feuer und den Pferden und dem Flatten?
Das ist so ein bisschen das Höhen, das ist so mein Schattenbild von Trauer, ist Kinder, die trauern und erwachsen die um ihre Kinder trauen. Das ist so das Urbild von Trauer und wie man sich verabschieden kann. In deinem Buch gibt es einen Kapitel "Deine Rechte beim Trauern". Erik, was haben da Kinder und Erwachsene für Rechte? Ich meine, dass das ein englisches Verspitz relativ früh mal angefangen hat zu formulieren, zu sagen, was dürft ihr eigentlich? Und eine Sache, die ich auch in den vielen Gesprächen mit Pädagogen und Pädagogen im Vormitt, ob das Buch immer wieder hatte ist, bitte versuch, den Kindern Energie mitzugeben.
Und Energie im Sinne von du darfst Sachen rollen in dem Kontext, aber andersrum, eigentlich spreche ich in dem Moment natürlich die Erwachsene an und sage, ey, wie wichtig das ist, eure Kinder in diesen Momenten zu imanzipieren und nach Wünschen zu hören, weil das ist ein bisschen auf der Einstieg vom Gespräch, da wir, wenn bei uns Familien sitzen, die Kinder im Kosmos haben und die Frage im Raum steht, mal integrieren wir die irgendwie in die Arbeit, drehe ich die Frage um und sage, okay, schild ever vor, euer komplettes System bericht auseinander.
Und in dem Moment sagt euch eure Familie, ihr gehört nicht dazu, wir werden Entscheidungen ohne euch getroffen. Was nicht heißt, dass Kinder in den Mittelpunkten müssen, ganz wichtig, ja? Vielleicht muss man Kinder auch manchmal ein bisschen suspendieren von gewissen Sachen, aber ich finde es wichtig zu schauen, wo stehen wir. Ich muss Kinder nicht bei allem dabei haben, das verstehe mich nicht falsch. Es gibt Momente, wo ich und das Amwe im Buch, weil ich auch klar gemacht, wo auch Erwachsene mal alleine sein müssen, sollen und dürfen, weil die Rechte, die die Kinder haben, nämlich darf man eine Trauer ausdrücken, und ich darf wissen, was passiert, das gilt für Erwachsene auch.
Und eigentlich ist dieses Kapitel nicht nur für die Kinder, sondern vor allen Dingen auch für Erwachsene, die sich häufig so positionieren, dass sie sich also um alle anderen kümmern und dann gucken, wo es eigentlich mein Bedürfnis ist und wo es mein Recht, also bei Recht kannst du auch mit Bedürfnis gleichsetzen. Und das finde ich, haben wir wunderbar aufgenommen, dass wir halt dieser ganze Kapitel zum Thema Trauern, das ist ja, Rechte beim Trauern ist eher der Abschluss, sondern zu erklären, warum das immens wichtig ist, dass man Trauern darf, muss und soll.
Das war was, für mich ist das vielleicht sogar so der Kernpunkt von diesem Buch, weil wir das ja auch so aufgezogen haben, dass es nicht nur um Tod geht, sondern über was kann man traurig sein, wenn dein bester Freund wegzieht, wenn deine Eltern auseinanderziehen. All das sind Sachen und das ist ja das, um was uns das immer wieder geht in der Arbeit David, was diese Kompetenz zu Trauern braucht. Und ich habe das gerade in einer Studie wieder gesehen, wie gesellschaftlich relevant die Kompetenz zu Trauern ist, nämlich mit Situationen umgehen zu können, die ich nicht möchte.
Das siehst du auch gerade in politischen Dimensionen. Es gibt in Berlin so Zyphelogen, die so ein bisschen die These ausstellt, weil wir den Tod so weit von uns geschoben haben. Also das absolute Failed, das absolute Versagen ist vielleicht auch sterben. Und weil wir Angst vor solchen Sachen haben, deswegen wählen wir Parteien, die uns möglichst Antworten geben, die wir schon mal kennen, weil neue Antworten könnten ja Schwierigkeiten mit sich bringen. Also dieses Failed Trauerkompetenz und Resilienz aufzubauen, ist eventuell gesellschaftlich mit das Wichtigste, was es gibt.
Denn diese Studie von der KDZ ist haben wir in Würzburg vor zwei oder drei Jahren gemacht. Die basiert auf folgender Frage, wie unterscheiden sich eigentlich Trauerende und Depressive? Die haben Gruppen gebildet und während das in den Symptomen nicht immer gut unterscheidbar war, waren die Ursachen natürlich unterscheidbar. Also in meinen Trauern ist das häufig ein sehr klarer Moment, wo das beginnt. Wichtiger aber noch, unser Long Run betrachtet danach, wird der Mensch, der durch einen gesunden Trauerprozess gegangen ist, empathischer, umsichtiger mit sich selbst und ganz häufig erleben die einen und den andern, das glaube ich persönliches Wachstum.
Und das kannst du wunderbar sehen. Wer sind die, die sofort verstehen, dass man sich um Flüchtende kümmern muss? Wer sind die, die sagen, dass Krieg keine Antwort ist? Das sind Leute, die das erlebt haben. Das hat eine Empathie entwickelt und dementsprechend ist diese Kompetenz zu Trauern für mich gesellschaftlich vielleicht einer der wichtigsten Punkte, die wir gerade noch haben, weil sie eben soweit weggeschoben worden sind und Trauern immer noch negativ konnotiert ist. Trauern hat was mit Traurigkeit zu tun und dass das ganz viele Gesichter haben kann, die aber alle eigentlich um eins gehen, nämlich wie kann ich mit der Welt umgehen, die nie so sein wird, wie ich sie möchte?
Das ist das, was wir, wenn ich mal den ganz großen Kugel heranfang, zu schieben, am Ende zumindest in Bezug auf Sterben und Trauern Kindern mitgeben wollen. Wenn wir ins Gras beißen, heißt das neue Buch und vielleicht zum Schluss noch so eine Schnellfrage Runde mit kurzen Antworten bitte Erik. Wenn wir ins Gras beißen, wenn du ins Gras beißt, irgendwann, wie oft denkst du denn an den eigenen Tod? Zu oft, weil ich ein ganz kasseler Buch erinner bin. Du könntest bewusst sterben, was wären deine letzten Worte, Erik? Doch recht. Lass uns deine Beerdigung planen oder hast du darüber noch nicht nachgedacht, wo du eigentlich das Planen von Beerdigungen und Abschiedsweiern zu deiner Profession gemacht hast?
Die ist ziemlich gut durchokrastiert, muss zu sagen, obwohl ich hoffe natürlich, dass ich noch sehr viel Zeit habe, das ungefähr noch 500 Mal zu ändern. Und nun könntest du auch selbst eine Trauerrede schreiben, das machst du ja auch häufig für andere. Was wäre dir wichtig, was da gesagt wird? Was in einer Trauerrede über mich gesagt wird, ich hoffe, dass bei allem Reibung, die ich mit Menschen, die ich sehr liebe, auch haben kann, dass immer gesehen wird, dass da eigentlich ein ganz großer Klumpenliebe durch die Welt läuft, der auch nur besser machen möchte.
Kennst du auch schon die Inschrift auf deinem Grabstein? Was soll da stehen? Erik Friede, Bestatter, Autorkünstler? Nein, das habe ich wirklich festgelegt, da steht E-Punkt, W-Punkt, ich habe gelebt. Nun hat Musik für dich auch eine große Bedeutung im Leben. Welcher Song soll denn auf deiner Beerdigung gespielt werden? Das ist der Song, das ist natürlich schwierig, aber aktuell muss ich dir sagen, der ist leider gerade sehr krank. Reinard Grebel hat eine Version von den goldenen Zitronen für immer pangen. Das ist so, also Forever Young von Alphawille mit einem sehr absurden Text runter.
Ich glaube, das ist, was ich möchte, das gespielt wird, weil außen im Total Traurigen eine völlig absurde Situation entsteht. Herzlichen Dank, Erik. Alle Informationen zum Buch "Wenn wir ins Gras beißen", findet ihr in den Show-Nauts. Das war's für heute. Schönen am Leben bleiben und bis bald.