Episode 28 ∙ 02.09.2025 ∙ 25 Min
Warum freuen Sie sich auf den Tod, Herr Langhans?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Rainer Langhans
Warum sollte man sich auf den Tod freuen? Rainer Langhans, Symbolfigur der 68er-Bewegung, spricht mit 85 Jahren offen über Krankheit, Sterben und Liebe. Er erzählt, wie er gemeinsam mit Gisela Getty die Asche ihrer gemeinsamen Freundin Jutta Winkelmann, Gettys Zwillingsschwester, auf deren eigenen Wunsch im Ganges bei Rishikesh verstreute.
Langhans erzählt außerdem, warum er glaubt, dass unsere materialistische Kultur den Tod verdrängt, weil er sich nicht kontrollieren und nicht vorbereiten lässt, und wie ihn die Begegnung mit seinem spirituellen Meister dazu brachte, das Sterben wie eine tägliche Übung zu betrachten.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Was ist heute eigentlich das größere Tabu: über Sex zu reden oder über den Tod?" – „Na ja, natürlich über den Tod. Das wird ja einfach nicht gemacht. Über Sex wird ja viel geredet."

Über Rainer Langhans
Rainer Langhans ist zu Gast. Die Symbolfigur der 68er-Bewegung spricht mit 85 Jahren offen über Krankheit, Sterben und Liebe. Er erzählt, wie er gemeinsam mit Gisela Getty die Asche ihrer gemeinsamen Freundin Jutta Winkelmann auf deren Wunsch im Ganges bei Rishikesh verstreute, warum er glaubt, dass unsere materialistische Kultur den Tod verdrängt, weil er sich nicht kontrollieren lässt, und wie ihn sein spiritueller Meister lehrte, das Sterben wie eine tägliche Übung zu praktizieren.
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Hallo zu Talk about Tod, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Ich bin Klaus Reichert und ich bin David Rot. Unser Gast heute ist eine Legende der deutschen 68er Bewegung. Rainer Langhans, bekannt als Provokateur, als Suchender, als jemand, der sein Leben immer radikal hinterfragt hat. Jetzt mit 85 Jahren spricht er offen über Krankheit, über Sterben und darüber, was Liebe für ihn bedeutet. Hallo Herr Langhans. Hallo. Herr Langhans, wann waren Sie eigentlich das letzte Mal auf einer Beerdigung? Das war die von Jutta, ja, schon lange her.
Ich weiß es nicht, der Schwestern von Gisela. Von Jutta Winkelmann. Ja. Ja, wir müssen das glaube ich ein bisschen erklären. Gisela Getti und Jutta Winkelmann sind Zwillinge, auch während der 68er Zeit sehr bekannt geworden und sehr eng befreundet mit ihnen und diese Beisetzung können Sie uns ein bisschen erzählen, wann und wo die Stadt gefunden hat. Puh, wann weiß ich auch gar nicht mehr genau. Vielleicht so acht Jahre her oder sowas schätze ich mal und wir haben sie eigentlich richtig dann in Weichensee gefeiert, damit all den Gefährten ihres unseres Lebens.
Ich erinnere mich noch an Fotos, die ich gesehen habe. Sie haben ja die Asche in den Weichensee gestreut damals. Ist das richtig? Nein, wir haben und darüber hat Jutta Gisela jetzt auch nochmal oder macht es ein Film vor, nämlich Ashes to Rishikesh. Das heißt, wir haben dann Gisela und ich die Asche mitgenommen und auf Jutta's Wunsch hin in Rishikesh in den Ganges gestreut. Erlangerns, was ist heute eigentlich das größere Tabu über Sex zu reden oder über den Tod? Naja, natürlich über den Tod. Das wird ja einfach nicht gemacht. Über Sex wird ja viel geredet.
Warum glauben Sie ist das so? Ganz einfach, weil unsere materialistische Kultur den Tod als Ende, das auch unverfügbar ist, also an dem man nichts ändern kann, auf dem man nicht irgendwie sich vorbereiten kann und so weiter sieht. Und das heißt also, dass es eine ziemlich unangenehme Angelegenheit ist, die wir natürlich deswegen vor allem verdrängen. Weil das sehen Sie natürlich ganz anders, denn Sie sagen, man kann das Sterben üben. Wie sind Sie darauf gekommen oder was bestärkt Sie da drüben? In meinem Fall war das relativ einfach zunächst. Der Zugang ging über meine Begegnung mit der Spirtualität, mit meinem Meister.
Und dort war das ganz selbstverständlich, dass man das Sterben eben ständig übt, täglich mehr ständig übt und damit natürlich sich einstellt, vorbereitet auf das letzte Sterben, nachdem diese Sterbeübung natürlich immer wieder eine Rückkehr möglich haben von diesen kurzen Sterbensassagen, kann man sagen, die man dabei erfährt. Lange ans Währ ist Ihr Meister, weil Sie das gerade so gesagt haben, mein Meister. Und können Sie uns ein bisschen was über das Verhältnis von Ihnen zu diesem Meister erzählen? Ja, ich war damals nach 68 auch am Ende, weil ich dachte, nachdem wir kurz mit dieser sogenannten 68er-Erfahrung die Wirklichkeit gesehen hatten, meiner Ansicht nach war die 68er-Erfahrung eine Spirtelle Erfahrung, die wir natürlich absolut nicht verstanden.
Aber für mich war das dann eben so, dass ich danach nicht in der alten Welt weiterleben konnte, nicht in sie zurückkehren konnte, weil sie so unwirklich, so höllisch eigentlich auch ist, wenn man einmal gesehen hat, wie die wirkliche Welt eben ist, das hatte ich. Und dann dachte ich eben, okay, dann sterbe ich eben nicht, weil das geht nicht hier weiter so. Ich habe dann irgendwie so krank geworden, erst wusste nicht, was es ist. Und in dem Augenblick fiel mir damals ein Buch in die Hände und das schilderte die Begegnung eines Amerikaners mit einem wahren Meister in Indien.
Und dann habe ich natürlich gedacht, auf nach Indien, sofort nach Indien, weil das ist es, was ich hier niemals gefunden habe. Ich wusste nicht mal, dass es eine Welt jenseits unserer normalen, so genannten wirklichen Welt gibt. Und auf diesem Weg dahin habe ich dann erst mal eine Gruppe von Leuten kennengelernt, die hier mit dem dortigen Meister, der aber nicht er war, der dort in diesem Buch nannte, eben hatten und bin dahin gegangen und dann über mehrere Stationen habe ich dann nicht von ihm, den ich als Waren, als kompetenten Meister erkannte, zur Erkenntlaube eben initiieren lassen und er hat dann ein Jahr später eine Weltreise gemacht, da habe ich ihn dann auch nochmal in Person kennengelernt, was aber nicht in dem Sinne nötig war, weil ich wusste schon, dass das alles okay ist.
Seitdem bin ich eben ein etwas dürftiger Schüler, hoffe ich jedenfalls, und versuche halt dann das, was er mir sagt zu tun und das heißt eben täglich sterben zu üben. Nennt sich dann normalerweise Meditation, ist aber in Wirklichkeit wie gesagt ein tägliches Sterbenüge. Herr Langehans, man sieht sie ab und zu mal oder liest etwas über sie in den Medien, aber ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe keine Vorstellung davon, wie sie eigentlich leben, wie ihr Alltag aussieht. Simple Life and Life Thinking, ja ich lebe sehr einfach, ich versuche arm zu bleiben, ich ernähre mich halt entsprechend, so fällig, vegan, nennt sich das heute.
Wie viele Stunden am Tag meditieren Sie? Ja, sagen wir mal 3+ Stunden plus etwa. Und in der Zwischenzeit ja, kaufe ich halt ein und treffe mich mit den Frauen vor allem. Das ist auch so eine Geschichte, die immer mal wieder in den Medien auftaucht, da ist immer so, glaube ich, eine Erfindung der Bildzeitung vom Haarem, die Rede, was natürlich eine völlige Verzerrung der Wirklichkeit ist, was sie und wie sie da leben, können sie uns kurz erklären, weil sie sagt, ich treffe mich mit den Frauen, das ist eine Gruppe von Frauen, die sie lange kennen und mit denen sie teilweise auch zusammenleben oder wie müssen wir uns das vorstellen?
Nein, wir haben damals eben keine Wohngemeinschaft gebildet, sondern ganz bewusst uns alle in der Nähe angesiedelt und so ist das auch bis heute, weil in dem Augenblick, wo du eine Wohngemeinschaft bildest, ist für eine wirkliche Liebe, für eine geistigere Begegnung eigentlich kein Platz mehr, weil dieser ganze Alltag frisst das natürlich alles auf und so weiter. Insofern sind wir zwar eine Kommune, aber nicht eine Kommune als Wohngemeinschaft, sondern als Liebesgemeinschaft. Und Liebe geht eben nur, wenn man die Körper nicht allzu naheinander reibt.
Erlangerns von ein paar Jahren haben sie die Diagnose Prostatakrebs bekommen, in den Medien hieß es sofort, jetzt geht es zu Ende, wie haben sie diese Zeit erlebt damals? Als ich diese Diagnose bekam, war mir sofort klar und ich denke aufgrund meiner ganzen Sterbenzuübungen, dass das kein Tod bedeutet und erschreckend ist, sondern gegenteil eine überströmende Liebeserfahrung ankündigt. Und das hat mich dann sehr begeistert und seitdem fühle ich mich noch liebevoller und begeisterter eigentlich als ich das schon vorher natürlich war. Ich sage mal so, trotz dieser dauernden Erinnerung, trotz dieses Wissens, dass sie Krebs haben und sie sagten ja gerade, dass das der ultimative eigentlich Liebesbeweis oder Liebe, die sie da erfahren, ihnen geht es ganz gut damit.
Also ich sage mal so, sie freuen sich auf das, was sie ein Leben haben, würde ich jetzt interpretieren, oder? Ja, weil Krebs ist ja, wenn man so will, nochmal eine Verstärkung des Sterbenmüssen oder man kann auch sagen, Sterben üben es für mich zumindest an gewesen und ist es bis heute. Und wenn man seinen Sterben verstärkt übt, wird das Leben erheblich besser. So erlebe ich das. Also auf Deutsch man lebt nochmal richtig auf, wenn man sich mit dem Sterben nicht glorisch insofern konfrontiert, als man sagt, ja ich bin sterb, ich weiß es, ich bereite mich noch vor uns, sondern wenn man das wirklich auch richtig übt, insofern bin ich da in einer besseren Verfassung als vorher, als je und mein Körper dankt es mir, der fühlt sich toll, die Erste sagen das auch.
Das Einzige, was die halt tun können, weil sie sagen, wir können eh nichts mehr tun, dein Krebs ist tödlich, da können wir gar nicht eingreifen und so, ist mir dieses Sterbenzahlen leichter. Und das sagen sie eben, kann man dadurch, dass man ihnen eine palliative Behandlung angetallen lässt und diese palliative Behandlung, die sie schon vorhin kurz erwähnt hatten, ist eben die des vierteljährigen Depotspritze, die palliative wirkt. In ihrer Wirkung übrigens eine archämische Kastration gleich kommt, das heißt dort dadurch wird, die Restaurantproduktion auf Null runtergefahren, das ist die Nahrung des Krebs ist normalerweise und dadurch bin ich eben total entmannt und fühle mich dadurch besser als jene, denn meine ganzen Libido-Beschichten, alles ist weg und ich bin ein richtiger Mensch, der von diesem ganzen Libido-Schreiß nicht mehr geplant.
Habe ich schon mal gehört, dass das ein Vorteil wäre. Wie geht ihr um Feld damit um? Das ist natürlich immer so eine Sache, wenn man weiß, dass ein Freund eine schwere Krankheit hat, da ist man ja nicht so ganz sicher, wie man mit dem umgehen kann. Also sie wirken auf mich ziemlich fröhlich und lebensbejaend, aber ich sag mal, das ist ja dann viel im Kopf, wenn ich weiß, der andere hat so ein Thema. Klar, die sind am Anfang schon erschrocken natürlich, klar, aber ich glaube langsam glauben Sie mir, dass ich das wirklich glaube, was ich da da und erzähle, nämlich dass mir das so gut tut, dieser Krebs oder dieses Sterben.
Wir haben in einem vorgehenden Podcast mit einer Frau gesprochen, die ihren Ex-Mann in den Tod begleitet hat und der hat die Hilfe der deutschen Gesellschaft für humanes Sterben in Anspruch genommen und hat sozusagen mit denen geredet und sich bei denen angemeldet und all die Dinge, die dann passieren, passierten dann und die Erika hat uns damals erzählt, dass nachdem das so entschieden war und nachdem er diesen Kontakt aufgenommen hatte, er wirklich, wie sie es gerade auch beschrieben haben, nochmal aufgeblüht ist. Das heißt also, dass es ihm deutlich besser ging, nachdem das alles klar war, das passiert jetzt und ich bin vorbereitet und ich kann jederzeit die Leute anrufen und die kommen dann und helfen mir beim Sterben.
Es scheint mir eine ähnliche Erfahrung gewesen zu sein, wie Sie sie gerade... Ja, das ist auch bei normalen Sterbevorgängen wohl häufig der Fall, dass die Sterbenden nochmal vorher, eine Woche vorher, meinetwegen vor ihrem Tod und so weiter nochmal aufblühen, nochmal aufleben. Die Demenz geht weg, sie erkennen die Leute wieder, sie sind freundlich, fröhlich und tun sich ein bisschen schwer damit natürlich in Angehörigen das beizubringen, weil die das natürlich nicht glauben können, der ist ja gleich tot. Und insofern ist das glaube ich eine normale Geschichte, die ich jetzt auch bewusster vielleicht erlebe, indem ich sage, ja, ich sterbe bald und dadurch lebe ich nochmal auf.
Also auf Deutsch der Körper nimmt dieser Aussicht eben als, wie soll man sagen, letzte Chance war nochmal zu zeigen, was er kann und wie er ist, indem er ihm sagt, ja geht's gut, alles wunderbar, bald ist es vorbei und ich entfalte nochmal das ganze Tableau des Lebens vor dir. Ich nehme an, das ist so ein Mechanismus kann man sagen, der ja unserem Sterben eingeschrieben ist. Ja gut, aber den vielen Menschen ja, einfach weil sie in absoluter Unkenntnis oder Leugnung des Themas sind ja nicht wahrnehmen oder nicht wahrnehmen wollen. Für viele ist das ja eigentlich eher eine plötzliche Angelegenheit und wenn ich mit Leuten heute spreche, höre ich häufig, dass sie am liebsten natürlich im Schlaf sterben wollen, ohne dass sie es vorher wissen und dann auf der anderen Seite merke ich natürlich immer die große Not der Menschen drum herum, die gerne ein bisschen vorbereitet gewesen wären auf diesen Moment.
Wie stellen sie sich den Umgang in der idealen Gesellschaft vor? Was müsste, sag ich mal, in unserer Gesellschaft geschehen, dass wir dieses Thema wieder annehmen? Fürchte, da kann man wenig gesellschaftlich machen. Das müssen die Einzelnen jeweils tun und werden es vielleicht auch zum Teil tun, aber das scheitert ja schon in den Kirchen und so weiter. Also die Menschen wissen da einfach wenig und ein paar Leute kümmern sich halt rum und die werden dann je nachdem entsprechende Erfahrungen machen können. Man kann das natürlich so wie wir es jetzt auch tun, ein bisschen kommunizieren, aber ich glaube nicht, dass man das so als Kultur bei uns ohne Warters einführen kann.
Haben wir zu häufig von Sterben üben gesprochen? Können wir da ein bisschen was Konkreteres noch darüber erfahren? Sie sagten, das hängt zusammen mit der Meditation. Was genau passiert da? Können Sie das ein bisschen beschreiben? Zunächst mal, ich bin da natürlich auch nicht gut drin und kann das also nicht so richtig machen. Ich kann also nur in etwa beschreiben, was man darüber sagt, also was mein Meister zum Beispiel darüber eben sagt und meine Erfahrung ist nur eine Annäherung daran, aber die hilft mir schon übrigens auch doch zu dem, was wenn ich es richtig gut könnte, eben sich dann abspielt, nämlich dass ich erstens mal nicht mehr so eine Angst habe von dem Sterben, zweitens mal eben Auflebe in gewisser Weise, also mich dadurch, dass ich mich damit so konkret auch beschäftige, das sind ja konkrete Übungen, dass ich dadurch mich eben wirklich sehr viel besser fühle, nicht besser sogar als vorher noch, wo ich noch nicht in einem solchen Prozess mich befand.
Und was sind das für Übungen? Das sind halt eigentlich Meditationen. Meditationen heißt aber in Wirklichkeit, wenn du wirklich mit jemandem zusammen bist, der dich da entsprechend anleitet, dass du jedes Mal stirbst. Das heißt, den Körper verlässt und in das Jenseits des Körpers eine Zeit lang eintrittst, dann aber wieder eben auch die Möglichkeit hast und wahrnimmst zurückzukehren in den Körper und wieder seine Funktionen aufzunehmen. Während dieser Zeit liegt der Körper eben einfach da und ist, wenn man so will, auf die Grundfunktion beschränkt und du erlebst dem Sachen dann außerhalb des Körpers.
Und das ist etwas, was man als Sterben lernen oder Sterben üben bezeichnen kann und was eben natürlich große Glücksgefühle eigentlich auslöst, weil man dann sieht, ja es gibt etwas anderes als nur dieses Leben, als nur diesen Körper und da gehe ich hin, da kann ich sogar immer wieder kurz hingehen und wieder zurückgehen und das ist alles wunderbar. Also auf Deutsch sterben ist, wenn man das kann, natürlich eine extatische wunderbare Erfahrung und das entsprechend vorher zu üben, damit man das auch wirklich kann und nicht dann diesen Schrecken, den normalen, der skumforbereitenden anheimt wird.
Das ist eben das, was ich versuche. Herr Langhans, irgendwo habe ich gelesen ein Zitat von Ihnen, bin ich sicher, ob es wirklich von Ihnen stammt? "Grebs ist ein göttliches Zeichen der Liebe". Haben Sie das gesagt? Ja. Für viele klingt das eher verrückt oder provokant. Wie meinen Sie das? Ja, eigentlich einfach nicht. In dem Augenblick, wo wahre Liebe jenseits nur des Körpers möglich ist und ein jenseits überhaupt möglich ist für einen selbst noch in dem Körper, in dem Augenblick ist natürlich das Sterben eine extatische, in die wahre Liebe führende Erfahrung und dass man dies üben kann und dass man dies sogar in gewisser Weise gestalten kann, indem man es übt.
Das ist eben etwas, was nur die Spirtualität und meines Wissens jedenfalls zu zeigen von Marc und was eben, wenn man sich mit Spirtualität entsprechend mit einer kompetenten Meister aufzusammen tun kann, was eben tatsächlich dann diese Erfahrung ermöglicht. Und nun bin ich da, wie gesagt, selber ziemlich schwierig darin. Also ich bin kein, ich kann nicht wirklich gut meditieren, aber ich übe es und selbst dieses bisschen stümperhafte Üben vermag mich doch mit dieser Begeisterung, mit dieser extatischen Erfahrung in Ansätzen schon in Verbindung zu bringen.
Also ich freue mich darauf und empfinde eben wie gesagt eine Kripsdärknose entsprechend als Sterbensübung, die mir geschickt wird, damit ich tatsächlich diese positive Erfahrung eine etwas vorweggenommene, des jenseits hier schon gelegentlich machen kann. Wenn Sie auf Ihr Leben schauen, was war für Sie der größte Aufbruch, der Moment, wo alles neu wurde? Waren das die 68 oder doch etwas, was danach kam? Doch, man kann sagen, die 68 Erfahrung war für mich zumindest. Ich weiß, dass das alle anderen, je nachdem, vielleicht sehr anders auch erlebt haben, eine im Nachhinein habe ich das natürlich erst dann richtig verstanden, hat mein Verstand, dass irgendwie mitbekommen, eben die Spirtuelle Erfahrung.
Das bedeutet wiederum, dass Sie damit den Anfang meiner Suche nach dem Meister, der mich dann wirklich in diese Spirtuelle Erfahrung dann hinein führen und begleiten konnte, dass diese Suche dort begann. Das heißt, als diese wunderbare Erfahrung weg war, saßen ja alle völlig verdattert da und sagten, mau, wieso ist das wieder weggegangen? Das fühlte sich doch so ewig an. Keine Zeit, allumfassende Liebe und so weiter. Und jetzt ging das aber wieder weg. Und alle saßen da und wussten nicht mehr, wie man dahin kommt. Haben natürlich alle versucht.
Aber es ist faktisch niemand gelungen meines Wissens. Und mir ist es eben dann doch gelungen, weil ich auf dieser Suche eben weiter verblieb und bin dann über meinen Meister halt da wieder ein Stück weit wenigstens hin gekommen. Und das ist alles ja wahr. Und das war für mich, wenn man so will, die größte Erfahrung meines Lebens. Ja, 68 eingeleitet, mich an die Suche begeben und danach weiter auf die Suche gemacht, zu meinem Meister gefunden und seitdem mühsam genug, weil ich auch ein bisschen dumm bin und so weiter, dann mich auf diesen Weg gemacht.
Das ist ja eigentlich eine ganz interessante Entwicklung, so wie ich das wahrgenommen habe in den 68ern. Also weit vor mir sage ich jetzt mal die Auflehnung gegen die Autorität, das bisher da gewesen war, das dogmatische der Kirchen, aber das es letztlich doch zur Spelderitualität führt, was man so eigentlich gar nicht hatte annehmen können, wo viele als Antwort eigentlich eher das nicht glauben, das Möchtern seinen Atelismus gesehen haben. 68er, so erinnere ich das, gut, ich war da auch noch sehr klein eher, das in der Nachbetrachtung habe ich das natürlich erlebt, war ja ein Projekt, die Gesellschaft zu verändern.
Das war ja sozusagen gar nicht so sehr auf den einzelnen bezogen. Sie waren zwar das Gesicht der 68er Bewegung mit Uchi Obamaya und einigen anderen, aber eigentlich ging es ja darum, die Gesellschaft radikal zu verändern und dass das dann zu so einer Innerlichkeit führt, das finde ich total interessant. Nein, ich würde das ein bisschen anders beschreiben und dann wird das auch deutlich, warum das so war. Was wir damals 68 in dieser sogenannten "spiritellen Erfahrung" gesehen haben, war eine andere Welt, eine wahre Welt, eine Welt von allumfassender Liebe und von Wirklichkeit, die alles überschritt, was wir vorher eben als Wirklichkeit nahmen und kannte.
Und du saßt die, du warst einen Augenblick in dir und dann ging das wieder weg. Und was haben wir dann gemacht? Wir haben natürlich gesagt, Mann, es gibt diese Welt, kommt mit uns dahin zu den Eltern, die das natürlich alles nicht so empfanden, nicht so zulassen konnten, wie wir das konnten und als Jüngere, als Jugendrevolte, wie sich das dann nannte, nicht und so weiter. Und daraufhin haben die Eltern gesagt, was? Nein, das gibt's nicht, ihr wollt uns wohl unsere wunderbare Welt, damals Wirtschaftswunder und so weiter hier vor allem materialistisch so aufgedollerte Welt wegnehmen, das lassen wir nicht zu.
Er hat uns damit den Krieg erklärt und haben deswegen sich provoziert gefühlt und haben dann gesagt, okay, werdet wieder vernünftig hört auf damit. Und wir haben gesagt, nein, wir wollen das aber weiter versuchen, konnte es aber dann auch natürlich nicht richtig durchhalten und es ist nur ein kleiner Krieg daraus geworden. Zum Glück kein großer, auch in der Geschichte übrigens sind dann größere Kriege daraus entstanden und da haben wir dann eben versucht, noch ein bisschen was davon zu bewahren, ist uns natürlich nicht gelungen und heute sitzen wir da, wissen, dass es das gab, es ist aber nur eine schöne Erinnerung, die scheinbar niemals wiederkommt, nicht so denken ja die meisten, sowas müssen wir wiedergeben, aber das wird's nie wiedergeben und so weiter.
Das ist eben natürlich jetzt die Erinnerung daran, aber in Wirklichkeit war es einfach nur, du warst in einem Augenblick in der Wirklichkeit, das nennen wir spürtell und fluchst wieder raus und wirst natürlich dein Leben lang mehr oder weniger bewusst nach dieser Wirklichkeit wieder streben, weil demwegenüber ist das, was wir für Wirklichheiten natürlich einfach, wie soll man sagen, eine Hölle oder eine unwirkliche, schreckliche Warn. Wir haben hier natürlich auch noch das andere Thema, wir sind Bestatter und Trauerbegleiter und befassen uns ja täglich damit und machen ja auch die Erfahrung, so wie sie das auch machen mit dem Üben, mit dem vorbereitet sein, dass es eigentlich immer besser ist, wenn man schon mal eine Idee hat.
Was wären denn Ihre Wünsche, Herr Langhans, wenn es zu diesem Punkt kommt und tatsächlich aus dem Üben eines Tages, der Moment kommt, wo sie sterben oder tot sind? Was soll dann geschehen? Ich denke darüber überhaupt nicht nach, die Leute sagen auch immer, das soll auf deinem Grabstein stehen, willst du überhaupt deinen willst um Grab und also Zeug. Ich denke nicht darüber nach, weil ich das ja viel konkreter projiziere, nämlich ich kümmere mich darum, was nachdem ich den Körper abblickt habe, mit meinem Geist passiert, also was ich wirklich erlebe und was jetzt meine Angehörigen, wie man das ja so schön mit meinem Körper machen, darüber denke ich überhaupt nicht nach.
Das ist überhaupt keine Aufmerksamkeit wert, finde ich. Wir sollten uns oder ich jedenfalls tu, dass mit aller möglichen Liebe um diese Wirklichkeit des nichtkörperlichen Kümmern. Insofern kann ich dazu leider gar nicht sagen und ich will auch gar nicht mich damit beschäftigen, weil ich mich nur damit beschäftige. Aber Sie haben schon das Gefühl, dass Sie das gut machen werden und dass Sie das einfach machen sollen, wie es Ihnen in dem Moment gut tut. Haben Sie das denn mal gesagt oder ist das eigentlich klar, dass Sie machen können? Nein, die sitzen ja bei sich tu und die werden das dann auch tun, werden da noch vielleicht ein bisschen Aufmerksamkeit der Beseitigung meiner deren Hülle dann bitten.
Aber das ist nicht mein Ding, darum kümmere ich mich eigentlich überhaupt nicht rein. Haben Sie eine konkrete Vorstellung? Was passiert, wenn tatsächlich sozusagen der Geist aus dem Körper verschwindet? So muss man sich sehr irgendwie vorstellen, weil der Körper bleibt hier zurück und der Geist die Spiritualität. Was passiert dann? Naja, ich übe das ja nur täglich, so gut ich kann, wie gesagt, nicht besonders erfolgreich, aber immerhin ein bisschen und den Eindruck, den ich habe, das was ich davon weiß, also das bisschen was ich da in der Braum mache, das sagt eben, das ist ein schönes zeitweiliges Übregehen in die wahre Welt und währenddessen liegt der Körper trügtlich da und ist eben so minimal noch belebt und das alles ist einfach nur schön.
Wir fragen unsere Gäste ja immer nach dem Song, der auf ihrer Beerdigung gespielt werden soll. Das wäre das mal nicht, sondern wir fragen Sie, gibt es ein Song, gibt es ein Lied, eine Art Lieblingslied von Rainer Langhans, was er immer wieder hört, was ihm viel gegeben hat im Leben? Naja, gut, es gibt ein paar Erinnerungen an unsere schönen 16er Musik, aber eigentlich habe ich diese Musik längst verlassen, weil wir ja sehr darüber hinausgegangen sind, damit wir sich über diese Erfahrung oder in sie wirklich hineingegangen sind, indem wir eben sagen, es war eine spezielle Erfahrung.
Das Wort gilt eben und das gilt auch für mich heute inneren Musik und deswegen habe ich heute zu der äußeren Musik auch zu den Erinnerungen daran kaum mehr einen Bezug und kümmer mich auch nicht darum. Das heißt, ich versuche diese inneren Musik, die ist ja tief, wenn man nach innen geht, wenn man also stirbt und so weiter, immer wieder zu erfahren und zu entwickeln und das bedingt mir nicht besonders gut, aber immerhin etwas besser als jeder äußere Musikvermaßler. Das war Talk about Tod mit Rainer Langhans. Vielen Dank, Herr Langhans, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben.
Danke, Herr Langhans. Danke. Wenn euch unser Gespräch gefallen hat, abonniere den Podcast und empfehle ihn weiter. Wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Bis zum nächsten Mal. Dankeschön. SWR 2020