Episode 32 ∙ 05.11.2025 ∙ 32 Min
Wie wachen Sie über den letzten Willen, Herr Sonnenberg?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Marcel Sonnenberg
Was geschieht mit einer Wohnung, wenn ein Mensch stirbt und zunächst niemand da ist, der sich um den Nachlass kümmert? Marcel Sonnenberg ist Nachlasspfleger und Testamentsvollstrecker und wird in 95 Prozent aller Fälle direkt von den Nachlassgerichten kontaktiert, nicht von Angehörigen.
Er erzählt, wie es sich anfühlt, die Wohnung eines völlig fremden Menschen zu betreten und dort nach Dokumenten, Vermögenswerten und einem Testament zu suchen – manchmal zu zweit aus dem Büro, damit niemand ihm später vorwerfen kann, allein etwas an sich genommen zu haben –, und von den überraschenden Lebensspuren, die ein Nachlass freilegen kann.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Heute schauen wir in eine Welt, in der Türen sich oft erst öffnen, wenn ein Mensch schon gestorben ist." – „Kontaktiert werde ich in 95 Prozent aller Fälle durch die Nachlassgerichte. Es gibt Fälle, in denen mich Angehörige direkt anrufen, aber das kommt eher selten vor."

Über Marcel Sonnenberg
Marcel Sonnenberg ist zu Gast. Er arbeitet als Nachlasspfleger und wird von Gerichten eingesetzt, wenn nach einem Todesfall die Zuständigkeit für den Nachlass zunächst unklar ist. Er erzählt, wie es sich anfühlt, die Wohnung eines völlig fremden Menschen zu betreten und dort nach Dokumenten, Vermögenswerten und einem Testament zu suchen, und von den überraschenden Lebensspuren und der Einsamkeit, die er dabei immer wieder findet.
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Hallo zu Talk about Tod, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Ich bin David Rothschild, dass du wieder dabei bist. Und ich bin Klaus Reichert, wir sprechen hier über das, was uns alle angeht, das Leben und den Tod, was bleibt, was trägt, was vielleicht sogar tröstet. Heute schauen wir in eine Welt, in der Türen sich oft erst öffnen, wenn ein Mensch schon gestorben ist. Marcel Sonnenberg ist Nachlasspfleger und Testamentsvollstrecker, ein Mann, der sortiert, was vom Leben übrig bleibt. Schön, dass Sie da sind. Hallo, ich freue mich für die Einladung, vielen Dank.
Herr Sonnenberg, wenn Sie zu einem neuen Fall gerufen werden, wer kontaktiert Sie und wie nähern Sie sich einem Ort, an dem niemand mehr wohnt, aber noch alles vom Leben erzählt? Also kontaktiert werde ich in 95% aller Fälle durch die Nachlassgerichte. Es gibt Fälle, in denen mich Angehörige direkt anrufen, aber das kommt eher selten vor. Also in den meisten Fällen durch die Nachlassgerichte, die erfahren haben, dass jemand verstorben ist und dass es einen Sicherungsbedürfnis gibt. Und zum zweiten Teil der Frage, wie nähere ich mich? Es kommt darauf an, ist die richtige Antwort des Juristen, es kommt so ein bisschen darauf an, was ich da vor mir habe.
Also habe ich eine Wohnblock-Situation in Offenbach am Main in der 20. Etage? Also habe ich ein Einfamilienhaus irgendwo im Vogelsberg, wo es idyllisch liegt. Gehen Sie da alleine hin oder haben Sie jemand von den Behörden dabei, der Ihnen aufschließt? Also manchmal kommt sogar wirklich jemand mit von der Gemeinde oder von den Behörden, weil die Schlüssel haben oder weil die mal schauen möchten. Aber in der Regel gehen wir aus dem Büro zu zweit hin, einfach um zur Sicherheit, dass mir niemand vorwerfen kann, oh, da warst du aber alleine und hast dir alles genommen, was da war.
Das ist ja auch ein kleiner Punkt. Und aber auch bei manchen Dingen muss man einfach vorsichtig sein, da geht man zu zweit rein. Sie betreten eine Wohnung ohne zu wissen, was sie erwartet. Erinnern Sie sich an den Moment, in dem Sie zum ersten Mal eine fremde Tür aufgeschlossen haben und das Gefühl dabei? Ja, erinnere ich mich. Ehrlich gesagt, ja, weil das damals so unangenehm war. Ich wusste ja, als ich das erste Mal gemacht habe, nicht so richtig, was mache ich jetzt und darf ich da wirklich reingehen? Und ich weiß noch, dass ich das ganz, ganz komisch angefühlt habe.
Und ich auch wusste, ich muss jetzt jede Schublade aufmachen und mir war das unendlich unangenehm. Mittlerweile ist das Routine und das mache ich einfach so, aber damals war mir das sehr unangenehm. Kann das so ein bisschen nachvollziehen? Manchmal ist es ja so, dass Menschen bei uns eine Vorsorge machen und sehr viel hinterlegen von den Urkunden über Schlüssel und uns bitten, sich um alles zu kümmern. Und da kam ich mal in eine Wohnung, wo eine Dame offensichtlich so ein bisschen crazy shoppermäßig unterwegs war und da so an die 400 Kartons von irgendwelchen Versandhändlern und so waren ein ganzer Teil sogar auch ungeöffnet, so eine gewisse Staubschicht da drin.
Und da wird man dann schon mal ein bisschen fühlig, wenn man so diese Atmosphäre, den Geruch der Menschen, die Gegenstände, wenn man so sieht, wo sind die Bereiche, wo sich jemand offensichtlich viel aufgehalten hat und so etwas. Und natürlich auch so ein gewisses Suspense fand ich damals, so nach dem Motto, was mag sich hier alles verbergen? Ja, also ich erzähle immer, es gibt so Wohnungen, da können Sie wie beim Baum die Lebensringe ablesen. Also Sie sehen irgendwie, okay, der hat angefangen, sich so ein bisschen aufzugeben und hat den Müll da angefangen zu stapeln und dann können Sie von 2009 bis heute die Post nachvollziehen.
Das gibt es, also dass Sie so, dann gibt es diese Wohnungen, wo Sie sagen, oh mein Gott, wie konnte man so leben? Also wie kann das sein, dass Menschen so unter diesen Umständen leben? Das muss doch jemandem aufgefallen sein. Und dann haben Sie die Fälle, in denen Sie reinkommen und denken, oh Mann, hier sieht es aus wie bei meiner Mutter. Das ist auch sehr unangenehm. Also wenn Sie das Gefühl haben, gleich kommt hier jemand rein und der ist Ihnen bekannt oder so. Da gibt es die Bandbreite. Ja, und das ist halt nie ohne, dass man selber halt etwas abstrahiert, wenn man da, sag ich jetzt mal Sachen sieht, wie Sie sagen, dass gerade mit Ihrer Mutter und meiner Mutter von meiner Oma, mit denen man halt aufgewachsen ist, so als die Backform, mit denen der Grießpudding gemacht wurde, im besten Fall vielleicht noch irgendwelche Produkte, die es schon lange nicht mehr gibt.
Genau. Das ist spannend. Die treffen Sie dann wieder, die Produkte. Ja, denke ich. Das kenne ich. David, wenn wir zu einer Abholung fahren, ist aber meistens jemand dabei, entweder von der Familie oder von den Behörden. Oder kommt es auch vor, dass wir in Wohnungen oder Häuser gehen, wo wir dann alleine sind mit den Toten? Ja, wir müssen ja halt immer von irgendweben informiert werden. Sonst war es durch so ein Kärtchen, dass man ins Portemonnaie liegen kann, dass man sieht, dass bei uns Überlegungen vorhanden sind und ansonsten, dass wir natürlich von der Familie, von der Polizei gerufen werden, oder teilweise auch vom Ordnungsamt, die halt nach einer gewissen Zeit vielleicht in eine Wohnung gegangen sind und die geöffnet haben.
Also das passiert auch bei uns. Herr Sonnenberg, in Ihrem Buch "Die Erben der Toten" schreiben Sie, dass vom Menschen manchmal nichts bleibt. Was meinen Sie damit? Und stimmt das wirklich, wenn doch jeder Raum Spuren trägt? Das bezieht sich eigentlich ganz konkret, also auf einen ganz plastischen Fall. Aber das gibt es in Nuancen öfter. In diesem Fall war das so. Das Amtsgericht rief mich an und sagte, Sie müssen mal vorbeikommen. Wir müssen eine Nachlasswirtschaft anordnen. Der Vermieter war hier. Und der Vermieter ging zum Nachlassgericht und gab einen USB-Stick ab und hat gesagt, der hat bei mir gewohnt, ich habe schon mal alles ausgeräumt und weggeschmissen, das ist von ihm übrig geblieben.
Und dann haben wir diesen USB-Stick genommen und auf dem USB-Stick war die Abrechnung vom Bürgergeld, also damals Sozialleistungen. Und die Wohnung war bereits geräumt, das war so eine Art Notunterkunft. Es gab keine Papiere. Wir wussten, wie der Mann heißt, dass er Bürgergeld bezog. Wir wussten nicht, wo der bestattet wurde. Wir wussten nichts über diesen Mann. Und genauso wurde die Akte bei Gericht auch behandelt. Wir konnten nichts sagen außer, ist jemand gestorben, der da und da geboren wurde und Bürgergeld bezog. Das war es. Ob der Kinder hatte, eine Frau hatte, irgendwas, das war nichts, mit dem man rauszufinden.
Das war halt ganz, ganz traurig. Und das kommt leider öfter vor. Dass Menschen so einsam versterben, dass viele, die nach Deutschland einreisen als Fremde. Also ich weiß noch. Wir hatten mal einen Fall von einer Prostituierten, die durch ganz Europa gereist mit ihrem Köfferchen und in jedem Land irgendwie gearbeitet hat. Die hat Suizid begangen hier in der nächsten Stadt. Von dieser Frau wusste nichts. Da war nichts rauszufinden. Das ist tragisch. Und dann ist natürlich der Staat dafür da, um dahinter aufzuräumen und jemandem natürlich dann auch im zweifelsfallen Begräbnis zu geben.
Das finde ich manchmal so schwierig, wenn absehbar ist, dass jemand aus einem tiefkatholischen oder tief islamischen Land kommt. Dass man dann natürlich nicht weiß, wie hätte jemand vielleicht behandelt werden wollen und dass der Staat da natürlich auch nur begrenzt drauf eingehen kann. Auf der anderen Seite gibt es natürlich aber auch Spuren in den erstaunlichsten Formen und spannende Sachen, die man findet. Ein verrosteten Porsche, eine Ritterrüstung, ein sackvoll geschreddter Geldscheide. Ja. Das ist ja für Sie der Fund, der Ihnen heute noch kurz den Atem nimmt.
Oh Gott, das ist eine schwierige Frage, ehrlich gesagt. Also, ich mache diesen Job ja so gerne und schon so lange, weil ich fast jeden Tag solche Funde habe und denke, das ist ja verrückt. Also, angefangen von, dass ich irgendeinen Keller komme und da stehen paar Skirum und das sind die Skis, die ich als Teenager gefahren bin. Und wir denken, ach guck mal, der Atomics-Ski. Das sind so die kleinen Highlights. Was mir so wirklich den Atem genommen hat. Also, was mir auf den Atem ist diese Sammelwut, egal wie sie aussieht. Also, ob das Modellautos sind, ob es IAF-Figuren sind, ob es Pokémon-Karten sind.
Also, diese Sachen, diese Mengen, das fasziniert mich oft. Wie war Ihr Gefühl, wie Sie auf einmal vor einer Ritterrüstung standen? Beziehungsweise vor einem Porsche oder hier dieser Sack mit den Geldscheinen? Das ist ja mehr als ungewöhnlich. Ja, also die Ritterrüstung, das war wirklich ein Highlight. Und zwar, dieser Mann lebte auf einem Ort und hat sein Haus, also es war ja ein freier Stehendes Haus, in so einem Mittelalter-Stil umgebaut. Das heißt, das ganze Haus war mittelalterlich eingerichtet. Es gab Unmengen von Waffen, teilt sogar Schafe leider, aber auch so antike Waffen und Säbel und Löwenköpfe und Wasser alles in der Wohnung hatte, unter anderem auch eine Ritterrüstung.
Aber da können Sie sich vorstellen, wie man sich da in die Hose macht, wenn man die Treppe hochkommt und die Ritterrüstung schaut an. Also, das war schon ein bisschen spooky. Der verrostete Porsche, der hatte in seinem Garten diesen Porsche geparkt. Ich habe keine Ahnung, wo der herkam, warum der da stand, aber durch den Porsche ist immer ein Baum durchgewachsen. Dann habe ich gesagt, vielleicht kann man doch noch die Teile verwerten, irgendwie hat ein guter Kommen lassen, weil ich dachte, habe ich mal gehört, es gibt so Porsche-Modelle, wenn sie da selbst ein müdes Rahm noch besitzen, haben sie schon den Geld wert.
War hier aber nicht so, also war schottreif. Und die geschredderten Geldscheine, das ist doch auch irgendwie eine total interessante Geschichte. Wer hat denn bitte geschredderte Geldscheine im Keller wahrscheinlich? Und waren das Geldscheine in D-Mark oder in Euro? In Euros, es war in Euro, es war eine tragische Geschichte. Es gab einen erweiterten Suizid und im Rahmen der Auseinandersetzung dieser beiden Verstorbenen ging es wohl immer um Geld, also jedenfalls nach Ansicht der damals ermittelten Polizei und mir. Es ging sehr viel Geld in dieser Beziehung und vor der Tat müssen die das ganze Bargeld, das in der Wohnung gewesen war, geschreddert haben, also in so einem normalen Schredderautomat, den man so für die Papiere ausstehen hat.
Ich habe dieses Geld dann genommen und bin damit zur Bank, weil ich gehofft habe, dass die Deutsche Bundesbank dieses Geld zusammensetzt. Also ich war zumindest unterrichtet, dass die solche Lesegeräte haben, indem man die Schnipfel zuordnet, automatisiert und dann die mir sagen können, was wert ist. Die haben es aber abgelehnt, das Geld zu zählen, weil sie gesagt, es stammt aus einer Straftat und wenn es eine Straftat stammt, dann müssen sie es nicht rekonstruieren. Das heißt, es waren wahrscheinlich registrierte Scheine und was man herausgefunden hätte, wäre gewesen, dass sie irgendwo geklaut worden sind.
Nein, nein, nein, sie sind geklaut worden nicht. Das war reguläres Geld. Sie haben es nicht gemacht, weil diese Tat, der erweiterte Suizid dieses Paares war und das Geld sozusagen aus der Wohnung dieses Paares stammte. Deswegen haben sie es nicht gemacht. Natürlich, wir sind bei den total spannenden Teilen und dem Interessanten, was man erfinden kann. Und als eine grundneugierige Person ist das ja immer so eine Sache, dass man dann mit leuchtenden Augen an einen neuen Ort kommt und hofft tolles Kennzelern. Aber so wie das mit den Schattenseiten ist, ist das ja auch so eine Sache, wo tot ist.
Da ist auch verfallen nicht weit. Und wo so eine Wohnung und hier Lebensmittel oder ähnliches nicht mehr ordentlich gehandhabt wurden. Wie sieht es damit aus? Also mit den ekligen Aspekten oder mit dem Ekel, wenn man auch manchmal in so eine Wohnung kommt, gerade wenn jemand nicht mehr fähig war, Ordnung zu erhalten. Da bin ich immer überrascht, dass es so viele Menschen gibt, die so, wie soll man das sagen, verwahrlosen, also die noch in diesem Zustand leben können. Ich beschreibe das immer gerne damit, dass wenn man sich plastisch vorstellt, man hat eine seine eigene Wohnung, eine 80 Quadratmeter Wohnung und fängt an den Müll auf den Boden zu werfen.
Papier, Pappe, Klamotten. Und dann wirft man Lebensmittel obendrauf und irgendwann kann man nicht mehr unterscheiden zwischen Möbel, also Küche oder Wohnzimmer oder Sofa und Boden, weil es eine Fläche gibt. Als hätte man das mit Papmaschee überzogen oder so. Das ist manchmal unvorstellbar, aber das werden Sie ja auch wissen in manchen Wohnungen, wie es da drin aussieht, dass da Menschen noch gewohnt haben. Also ich war neulich in der Wohnung, da lagen tote Kaka-Lagen in der Wohnung. Und ich dachte, also was muss passieren, dass die Kaka-Lage stirbt und dass da Menschen drin geläht.
Das ist Wahnsinn. Also allein der Geruch, der aus dieser Wohnung rauskommt, das finde ich unglaublich. Sie schildern den Fall Renate in ihrem Buch, eine ältere Dame, ein handschriftliches Testament, am Ende erbt der Finanzberater, aber welchen Punkt schrillen bei Ihnen eigentlich die Alarmglocken? Da stimmt was nicht. Also erstens, wenn man die Kontrauszüge sieht, klar. Oder wenn es im Umfeld Menschen gibt, die so ein merkwürdiges Verhalten an den Tag legen. Also bei, in dem Fall, in dem Buch beschreibe ich das ja auch so ein bisschen, dass dieser Finanzberater auf meine Fragen so komisch antwortet.
Also ich beschreibe den Fall, das war ja wirklich so, dass der ganze Schmuck weg war, aber die Zertifikate für den Schmuck, die gab es sauber geordnet im Schrank. Die war im Leitzordner abgehäftet. Also wenn jemand diese Sachen ordentlich verschenken hätte wollen, dann hätte er auch Zertifikate mit "Ah, es muss jemand geklaut haben". Und dass dann dieser Erbe daran überhaupt kein Interesse hat, die der Sache nachzugehen und ausweichend antwortet. Und das haben Sie ja öfter, dass dann irgendjemand mit ihr eckgekommen, der meint oder insistieren meint Ansprüche haben zu wollen.
Dann wissen Sie schon, hier stimmt irgendwas nicht. Oder die Antworten, die Sie da bekommen, merkwürdig sind für jemanden, der sich interessieren sollte oder der mehr Wissen haben müsste, dann schrillen die alle am Glocken. Also ich habe aktuellen Fall, da sagt jemand, da ist der Erbe und der ist mit so einer Wehermens dahinter her, wo Sie wie denken, das stimmt was nicht. Also das ist zu viel, was der hier behauptet. Ein jemand, der Erbe ist, geht normal mit der Situation um und nicht so extrem. Wie sieht das denn aus, wenn da jemand dann, sag ich mal, nach vorne kommt, also die Menschen sehr nicht nur unbetreut und der sagt, ich habe die Person jetzt über viele Jahre gepflegt und die hatte mir eigentlich gesagt, ich wäre dann der Erbe in dieser Situation.
Aber da ist halt nichts schriftlich gemacht oder in einer Höhe, die die Person, die gepflegt hat, nicht akzeptiert. Ja, das kommt öfter mal vor. Plastischer Fall, mir sagt eine gute Freundin der Verstorbenen, ich glaube die waren wirklich gut befreundet, die hatten Schließfach und in dem Schließfach liegen, ich weiß den Betrag nicht mehr, sagen wir 30.000 Euro und da müsste auch ein Zettel drin liegen, auf dem mein Name steht, dass ich 10.000 bekomme. Da habe ich gesagt, okay, Fett das so ist, ist das so und dann sind wir dahin gefahren, zur Bank haben wir Schließfach aufgemacht und da lagen tatsächlich diese 30.000 Euro drin, weiß ich nicht mehr, aber es gab keinen Zettel auf dem Draufstand hier für meine Freundin so und so und das hat mir Leid, weil ich glaube, das war wirklich ernst gemeint und die Freundin hat es vielleicht zugesagt, aber hat es halt nicht getan, aber was soll ich dann machen, da kann ich halt nur sagen, es tut mir Leid.
Ich habe keinen Zettel, ich habe keinen Testament, es gibt keinen Schriftstück, mit dem ich berechtigt wäre, Ihnen das zu geben, tut mir Leid, passiert. Wie schützt man den Menschen generell am Ende ihres Lebens vor Übergriffen finanziell, rechtlich, aber auch menschlich? Gibt es ein Frühwahlungssystem, das Angehörige kennen sollten? Kontakt halten, viel Kontakt halten, das ist mein Tipp. Also wenn die Familienstrukturen gesund sind, sich immer austauschen, offen über alles reden, das finde ich wichtig. Sie haben das ja eben schon angerissen, nicht selten findet sich lange niemand bis Nachbarn etwas bemerken, wenn jemand verstirbt.
Was macht das mit Ihnen, wenn Sie merken, da war über Jahre kaum gegenüber? Ich finde das total traurig. Also ich finde das, ich hätte das früher nie gedacht, bevor ich diesen Beruf angefangen habe, dass es so viele Menschen gibt, die so alleine und so einsam leben und das macht mich, ich mach das traurig. Und umgekehrt, wie oft begegnet Ihnen pure Gehe oder totale Gleichgültigkeit und was davon ist schlimmer? Also schlimmer finde ich diese Einsamkeit wirklich, weil das ist so ein, das können Sie mit einem Schritt beheben, da klingen Sie beim Nachbarn mal und sagen irgendwie hier, Gerda, komm mal zum Kuchen vorbei oder wir haben irgendwie, wir grillen heute Abend.
Das ist ja irgendwie so ein kleiner Schritt. Das mit dieser Gear, ach das ist allzu menschlich finde ich, das ist, da habe ich schon fast Verständnis für, wenn das so aus dem Bruder läuft. Lassen Sie uns praktisch werden, wer kein Testament hat hinterlässt oft Verwirrung. Ja. Was ist die minimal sinnvolle Vorsorge, die jeder heute angehen könnte ohne großen Aufwand? Also das erste, was ich anrate ist sich erst mal darüber, was ich überhaupt habe und das transparent zu machen und vor allen Dingen transparent zu machen, den gegenüber dies betrifft.
Also für mich gesprochen, ich habe eine Frau und zwei Kinder mit denen zu sprechen, sagen, das habe ich, das ist das, was ich in meinem Nachlass gerne verteilen möchte und dann kann ich das ja ganz einfach regeln mit einem handschriftlichen Testament. Also handschriftlich g-schrieben und unterschrieben reicht vollkommen aus. Und habe ich letzte Woche gerade bei der Beratung gesagt, schreiben Sie Ihr Testament so, dass ein trissierter Affe ausführen kann. Also nicht zu kompliziert, ganz einfach klare Sätze. Handschriftlich notariell zu Hause depiniert, beim Gericht hinterlegt.
Was bewährt sich und welcher Fehler passiert am häufigsten? Also am häufigsten ist es so, dass die Verstorbenen ihrer Testament irgendwo in ihrem Haus verstecken oder in die Schreibtischukade legen und ich dann nach drei Monaten komme, da sind die Menschen lange bestattet, obwohl sie ja in diesen Testament noch reinschreiben, wie sie gerne bestattet werden möchten. Und es ist schon lange irgendwas passiert. Also ich finde es wichtig, entweder beim Nachlassgericht hinterlegen oder den Angehörigen geben, die es gibt, also jedem eine Kopie geben und sagen das Original, Liegt da und da, hier ist die Kopie für dich, wenn ich mal sterbe, dann hast du schon mal was in der Hand und kannst meinem Wunsch gerecht werden.
Ja gut, das deckt sich genau mit unserer Ansicht auch. Also viele sagen, da schraube ich alles ins Testament, damit sie sich nicht mit ihren Angehörigen auseinandersetzen möchten und geben denen irgendwelche Auflagen auf. Ja. Aber ja, so ein Testament wird ja relativ spät nach einer Bestattung eröffnet dann im Zweifel Zweifel. Genau wie sie sagen, da ist alles geschehen. Beziehungsweise jetzt am Wochenende gab es noch von den Notaren, die sagten der größte Irrtum in dem Bereich wäre, dass das jedes Jahr angepackt werden müsste und jedes Jahr ein neues Datum drunter gesetzt werden muss.
Denn wenn dann mal ein Datum fehlt oder man das irgendwann einstellt, irgendjemand unterstellen könnte, ist das dann wirklich noch der Wille, das hier, was dann auch noch mal hinzukommt. Ja. Was passiert denn eigentlich, wenn mehrere Testament auftauchen? Sie sagten ja gerade, da schreibt man den Testament und ein paar Jahre später stellt man sich was anderes vor und dann wieder was anderes oder man gibt es wirklich an die Angehörigen weiter, aber jedem sein eigenes Testament, wer entscheidet denn am Ende, was jetzt gilt? Ja, das ist eine wirklich ganz schlechte Situation.
Das habe ich ja auch öfter in meinen Akten und dann sitzen wir hier und versuchen sozusagen den tatsächlichen Willen des Verstorbenen zu ergründen. Also was wollte der jetzt mit diesen ganzen Schriftstücken? Überlappen die sich? Haben die vielleicht sogar einen gemeinsamen roten Faden? Grundsätzlich ist es so, dass neuere Testamentstiche das Alter aus, ja. Wenn aber das sich irgendwie überlappt und man das Gefühl hat, da gibt es einen Willen, den man gerne umsetzen möchte. Ja, was soll ich dann tun? Ich muss die auslegen, die Dinger. Man muss halt gucken, was ist der wahre Kern?
Manchmal ist nach einem Todesfall aufräumen, plötzlich sehr schnell gegangen und Schmuckpapiere, Bargeld sind verschwunden. Wie lässt sich so was aufklären und wie reagieren Gerichte, wenn sie Manipulation vermuten? Also das Problem ist, niemand führt zu Hause Buch und sagt in meinen Schubladen liegt das und das, außer jetzt bei Renate mit ihren Zertifikaten. Aber in der Regel, wenn da vorher jemand aufgeräumt hat, ich weiß es nicht. Ich kriege das auch nicht raus. Also wenn da Sachen fehlen, ich kann das nur vermuten anhand einer Einrichtung.
Also es ist doch schon sehr erschreckend, wenn ich bei einer 80-jährigen Dame, die verstorben ist und allein gelebt hat, im ganzen Haus keinen einzigen Schmuck finde. Und kein Portemonnaie. Das muss ja irgendwo hingekommen sein und dass sie keinen Schmuck hat, ist relativ unwahrscheinlich. Aber wem wollen sie denn nachgehen? Sie können es ja gar nicht beweisen. Das macht die Sache so schwierig. Und die Prozessführung ist deswegen fast unmöglich, wenn sie nicht wissen, wer hat sich bedient. Wenn jemand am Bankkonto war oder ich habe aktuell einen Fall, das ist auch eigentlich unglaublich.
Der Nachbar geht in die Mietwohnung und sucht dort nach den Fahrzeugpapieren des Verstorbenen. Also Fahrzeugbrief und Fahrzeugschein. Nimmt den PKW und verkauft den PKW. Und sagt dann zu mir als Begründung, der Schulzeh mir Geld. Ich muss dir irgendwie mein Geld kommen, weil der S-Hates tot. Da habe ich gedacht, was ist denn diese Menschen passiert? Ich kann doch nicht einfach in eine fremde Wohnung gehen, die Papierrollen, das Auto verkaufen. Da können sie nachweisen und können sagen, der hat sich einfach bedient, das geht nicht. Aber das kommt selten vor, dass es so nachweisen können.
Ein Erbfall endet ja heute auch selten an der Wohnungstür. Es gibt Onlinekonten, Verträge, Social Media. Was empfehlen Sie für den digitalen Nachlass, damit Angehörige nicht vor geschlossenen Loggins stehen? Also es gibt ja auf den Handys mittlerweile solche Notfallkontakt-Dinger. Das heißt, wenn das Handy, wenn sie nachweisen können, dass der Mann tot ist, dann gibt es einen Notfallkontakt etc. Aber sie kommen ja nicht an die Apps ran. Also, Sie haben so eine Trade-Vipublic-Aktien-App, die können Sie ja nicht öffnen, wenn der jede getoht ist.
Das heißt, Sie müssen handisch an die Bank schreiben und sagen, ich bin der Erbe, bitte, gib mir Auskunft über die Konten. Sie müssen als ordentlich verstärbender ihre Angehörigen unterrichten. Sie müssen denen sagen, guck mal, ich habe dar und dar ein Konto, dar und dar ein Konto und dar und dar ein Konto. Wenn das niemand bekannt ist, Sie finden das im Nachgang nie mehr heraus, nie mehr. Also bei uns in den Verfahren ist es ja auch so. Wir müssen ja, wenn wir keine Hinweise in den Wohnungen finden, alle Banken abklappern und einfach fragen, gibt es dort ein Konto des Verstorbenden?
Und wenn Sie nicht aktiv wissen, welche Bank das ist, Sie werden es nie mehr finden. Keine Bank muss Ihnen Auskunft erteilen, also von sich aus, sondern Sie müssen die alle anfragen. Das macht es schwierig und bei Internetbanken umso mehr. Social Media Accounts, ja, wenn Sie wissen, dass es dann Account gibt und Sie den jeweiligen Betreiber anschreiben können und sagen, hier diesen Account, bitte löschen, der ist verstorben, aber Sie müssen proaktiv auf alle zugehen. In ihrem Buch tauchten Paar auf, das mit Immobilien etwa 25 Millionen Euro aufgebaut hatte und eine Stiftung gründen wollte und trotzdem scheiterte der Plan woran, hakt sowas in der Praxis.
Also manchmal an den Angehörigen und manchmal an den Testament. Also aktuell habe ich einen Fall, der hat seinen Testament einfach schlecht geschrieben und deswegen kann die von ihm gewünschte Stiftung nicht gegründet werden, weil es einfach technisch falsch gemacht ist. Und so ist es, wenn man es so oft nicht kann, dann ist es so, dass man das nicht mehr kann, sondern man muss sich auch nicht mehr an die Stiftung an die Stiftung an die Stiftung zu bringen. Und wenn man es nicht mehr kann, dann ist es so, dass man es nicht mehr kann, dass man es nicht mehr kann.
Also das ist das, was wir jetzt noch tun, das ist das, was wir jetzt machen. Immer. Also das ist bei uns hier im Büro echtes Credo, dass wir sagen, wir sind der Verstorbene, die Verstorbene und wir wollen sozusagen das umgesetzt haben, was die wollten. Das ist uns wichtig. Und das versuchen wir auch. Also ja, so gut es geht. Und je länger wir die Akten hier im Haus haben, umso mehr erfahren wir ja auch über die Leute, um so ein bisschen zu wissen, okay, wir haben die gelebt. Was war da so, was könnten die damit gewollt und gemeint haben? Bei all dem Schweren gibt es Fälle, in denen am Ende doch etwas Heilsames passiert, also Versöhnung, ein spätes Wiederfinden, ein klarer Abschluss.
Gibt es sowas auch? Ach ja, also so Highlights sind ja, wir haben ja, ist auch im Buch benannt, wir haben ja so Fälle, wo dann irgendwelche Geschwister sich kennenlernen, die sie vorher gar nicht kannten. Also die gar nicht wussten, dass es dann noch ein Geschwister gibt oder Halbgeschwister oder sowas, die finden dann im Rahmen dieser Erbangelegenheiten zusammen. Das ist schon spannend. Oder wenn sie den Leuten irgendwie Geld geben können, obwohl gar nicht erwartet wurde, dass noch Geld da ist, das ist schon schön. Wenn dann irgendwann alles abgeschlossen ist, alle Aufgaben erfüllt sind, die sozusagen den Deckel der Akte zumachen können, verabschieden sie sich dann auch von dieser Person oder wie gehen sie langfristig damit um?
Also die Akte kommen ins Lager, rein technisch und ich sage mal, viele von den Akten sind auch sozusagen Standardakten, so wie sie ja auch Menschen bestatten und sagen, das war eine ganz normale Bestattung, ja, das, so wie alle Menschen sterben, so bestatt ich diesen Menschen. Und dann gibt es Bestattungen, bei denen sie mehr dabei sind, wobei manchen wo sie vielleicht weniger dabei sind und sagen, das war eine besondere Person oder das war eine besondere Art der Bestattung. Die Familie war besonders und so habe ich in meinen Akten ja auch nur Orson und manche von denen nehmen sie halt für immer mit.
Dann wissen sie vielleicht den Namen irgendwann nicht mehr, aber sie wissen, wie hat diese Wohnung gerochen und was ist da drin passiert oder was haben sie da erlebt? Also gibt es so eine Akte, von der erzähle ich immer wieder, da hat sich jemand suicidiert und hat sich in seiner Badewanne so eine Tötungsmaschine gebaut. Also der hat so einen Gestell in die Badewanne gebastelt, dass er sich in die Badewanne gelegt hat, Wasser hatte reinlaufen lassen und damit er nicht rausgehen kann. Also er hat mit so Lederriemen sich verspannt, dass er nicht in der Todespanik aus der Badewanne raus kann.
Und das war nicht schlimm genug, sondern er hat die komplette Wohnung ausgeräumt. Also er hat alle Sachen verschenkt, Bücher verschenkt, alle Möbel verkauft bis auf sein Bett, seine Klamotten dieses Tages und in der Küche standen auch ein Stuhl und ein Tisch. Und dann hat er in der Wohnung nichts mehr drin, die haben die Leiche rausgeholt, dann kam ich rein und dann gab es in der Küche diesen Stuhl und diesen Tisch und in dem Aschenbächer lag die letzte Zigarette und die Brille lag daneben. Der hat die letzte Zigarette geraucht, die lag noch da, die Zigarette und ist dann in die Badewanne und hat sich umgebracht.
Das nehmen sie für immer mit. Ich habe den Namen des Mannes vergessen, aber dieses Bild mit der letzten Zigarette, das werde ich bis zu meinem Grab mitnehmen. Und auch das Gefühl in dieser Wohnung. Ja, das hört sich auf jeden Fall spuckern. Ja, war's. Bevor wir zu unseren traditionellen Schlussfragen kommen, noch ein Blick auf sie. Hat dieser Beruf ihren Blick auf ihr eigenes Leben verändert? Auf jeden Fall. Auf jeden Fall. Also, ich habe mir früher nie über die Endlichkeit meines Lebensgedanken gemacht. Also, dass es überhaupt mal endet, so wie man sich mit Anfang 20 fühlt.
Was soll mir passieren? Nein, aber überhaupt ein Fokus darauf zu haben, dass das Leben endlich ist, dass jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen hat, dass jeder Mensch in seiner eigenen Geschichte lebt, was die Kommunikation oft einfacher macht, weil man ja oft denkt, der muss doch wissen, was ich meine. Nee, der lebt in seinem Eigenleben. Und das haben wir früher so nicht bewusst. Diese Willen jedes Einzelnen, dass wir uns doch alle ähnlicher sind, als wir alle glauben. Wir sehen zwar anders aus, wir sind aber ziemlich ähnlich. Also, es macht keinen Unterschied, ob sie in der kleinen Sozialwohnung sind oder der großen Villa.
Jeder hat so seine kleinen Geheimnisse, seine Verstecke, seine Lieblingsplätze. Da sind wir uns alle ziemlich ähnlich als Menschen. Es sieht nur ein bisschen anders aus. Das haben wir vorher nicht bewusst. Unsere letzten Fragen, die stellen wir jedem Gast, Ersondberg, wenn sie es sich wünschen dürften. Wie möchten sie sterben? Beim Skifahren. Auf der Piste. Also, auf der Piste, beim Herzinfarkt oder sowas. Irgendwie so bei der Sache, die mir am meisten gefällt, also wo ich so meinen Herz habe, das finde ich am schönsten. Wie sehr eine Abschiedsfeier aus, die sich für sie richtig anfühlt?
Also, ich finde wichtig, dass gefeiert wird, also positiv gefeiert. Keine Trauer in dem Sinne, sondern eine positive Feier, weil ja sozusagen, dass mein Leben ja gefeiert werden soll. Also sozusagen ein schöner Abschluss. So wie man das Jahresende feiert mit Raketen und das neue Jahr begrüßt, so würde ich mir das vorstellen. Angenommen, Sie würden Ihre Trauerrede selbst schreiben oder hätten Einfluss darauf, was da drin steht. Welche Zeilen dürften nicht fehlen? Gibt es da was, was über Sie gesagt werden sollte? Boah, ich habe versucht, ein guter Mensch zu sein, ist mir irgendwie wichtig.
Also, ein netter Kerl zu sein. Nie unfair. Das ist so etwas, was mir ganz wichtig ist, nie unfair zu sein. Menschen gleich zu behandeln. Und welches Lied sollte mal für Sie gespielt werden? Oh, das ist eine böse Frage. Welches Lied? Irgendwas verdammtanzbares. Okay. Also, 70er, Disco, Funk, Soul, so was in die Richtung, glaube ich. Cool ende Gang oder? Ja, so was ende Gang. Last night at DJSafe My Life, so was in die Richtung. Herzlichen Dank, Marcel Sonnenberg, wer tiefer eintauchen will, das Buch heißt "Die Erben der Toten", "Mordsteuerbetrug" und "Unerwartete Vermögen".
Das war Talk about Tod, aller Infos und den Link zum Buch gibt's in den Show notes. Dankeschön, Herr Sonnenberg.