Episode 4 ∙ 20.05.2024 ∙ 29 Min
Wie wird im Dschungel getrauert, Frau Kuegler?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Sabine Kuegler
Wie trauert man, wenn die Beerdigung eher einem Fest gleicht als einem stillen Abschied? Sabine Kuegler ist mit ihren Eltern im Dschungel West-Papuas bei den Fayu aufgewachsen und wurde bekannt durch ihr Buch „Dschungelkind". In ihrem neuen Buch „Ich schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind" beschreibt sie unter anderem die Trauerfeier für Nene, eine alte Frau aus der Nachbarschaft, die sie als Kind miterlebte.
Sie erzählt, wie unheimlich viel gegessen, getrunken und geweint wurde – ein fast theatralisches Weinen, das abrupt endete, sobald man sich vom Körper der Toten entfernte, und das als Zeichen von Respekt galt, nicht als gespieltes Gefühl. Die Tote lag, wie früher auch in Deutschland üblich, im Wohnzimmer aufgebahrt, mit rot angemalten Lippen und weiß geschminktem Gesicht.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Wann waren Sie das letzte Mal auf einer Beerdigung?" – „Als ich auf den Salomonen war, da war ich auch auf einer Beerdigung. Die ist aber sehr, sehr anders als die Beerdigungen in Deutschland."

Über Sabine Kuegler
Sabine Kuegler ist zu Gast. Sie ist als Kind mit ihren Eltern bei den Fayu im Dschungel West-Papuas aufgewachsen und wurde mit ihrem Bestseller „Dschungelkind" bekannt, der in über 30 Sprachen übersetzt und verfilmt wurde. Sie erzählt, wie eine Trauerfeier bei den Fayu eher einem Fest gleicht als einem stillen Abschied, wie laut und fast theatralisch dort geweint wird – und wie sie selbst einmal schwer erkrankte und nur durch die Medizin eines Stammesheilers überlebte. Ihr neues Buch heißt „Ich schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind".
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Hallo zu Talk about Tod. Wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Mein Name ist Klaus Reichert. Und ich bin David Rot. Hallo zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Wenn unser heutiger Gast an seine Kindheit denkt, dann fallen ihm nicht deutsche Wiesen und Wälder ein. Während ihrer Kindheit hat Savine Kücklern den Westpapua, dem indonesischen Teil der Insel Neuginier gelebt. Hallo, herzlich willkommen Frau Kückler. Danke schön, danke für die Einladung. Bekannt geworden ist Savine Kückler durch ihr Buch "Jungle Kind". Jetzt gibt es ein neues Buch.
Es heißt, ich schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind. In diesem Buch geht es auch um den Tod. Darüber reden wir gleich. Die erste Frage, Frau Kückler, die wir allen unseren Gästen stellen lautet. Wann waren Sie das letzte Mal auf einer Beerdigung? Als ich auf dem Salomon Insel war, da war ich auch eine Beerdigung. Die ist aber sehr, sehr anders als die Beerdigung in ihrem Deutschland. Sie beschreiben in ihrem neuen Buch "Die Trauerfeier für Nene". Das Salomon über diese Insel reden wir gleich noch, weil die erste Beerdigung, die Sie beschreiben, ist ja von dieser Frau.
Wer war denn Nene? Das war, als ich noch ein Kind war. Das war so eine alte Frau. Ich war eine Indolevierin, die bei den Nachbarn gewohnt hat. Ich kann mich als Wander erinnern, weil das noch so präsent in meinem Kopf ist, weil es das erste Mal, wo ich den Tod im Mensch gesehen habe und wo ich zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert wurde als Kind. Wie lief denn diese Trauerfeierabdess unterscheidet sich, so wie Sie es in Ihrem Buch beschreiben, doch schon sehr von dem, was man hier bei uns kennt? Also ich kann mich erinnern, dass ich als Kind überhaupt keine Angst hatte.
Ich hatte das Gefühl, ob es eine große Feier war. Da waren sehr, sehr viele Menschen. Alle waren schön angezogen, es gab unheimlich viel Essen, unheimlich viel zu trinken. Und das war so, ja, es war so fast, dass für diesen Moment alles still stand und die Menschen zusammen kamen. Man hat mir damals auch als Kind gesagt, dass man sich das Leben dieser Person feiert, bevor die Person weiter zum nächsten Leben geht. Und ich fand das für mich als Kind spannend und auch sehr schön. Die Tote war im Wohnzimmer aufgebahrt. Auch das ist ja etwas, was früher hier auch eigentlich normal war bei uns, aber mittlerweile nur noch selten gemacht wird.
Wie erinnern Sie sich an diese Totefrau? Ich kann mich nur erinnern, dass man ihr ganz rote Lippen angemalt hatte und das ihr Gesicht ganz weiß war. Ich kannte sie ja, weil ich hatte immer ein bisschen mit Achimsa auf sie aufgepasst. Und das ist einfach, ich fand es interessant. Also ich wusste, sie war tot und ich fand es sehr interessant. Interessant ist hier versuchen ja viele Menschen auch bei Trauerfeiern mittlerweile ihre Tränen zu unterdrücken. Wie war das damals? Also ich habe nicht geweint, weil ich kannte sie ja nicht so gut. Aber die Menschen, also die Angehörige, die Freunde, die haben geweint, aber nicht so das normale Weinen, sondern fast das übertriebene Weinen.
Also fast das Geheule und Geweine, aber nur, wenn sie um den Körper herum waren. Sobald sie außerhalb waren, haben sie geredet und gesprochen und gelacht und so. Und ich kann mich noch erinnern, dass ich das eigenartig fand, dass das so übertrieben war. Aber für die war das, das hat man mir dann auch erklärt, das ist ein Zeichen von Respekt gegenüber der Dame, die schon sehr alt war, die gestorben war. Also es war fast so ein Theater. Es war so, als ob man in dem Raum, wo sie lag und man fest ja auch den Körper an, dass die Menschen fast so ein Theaterstück gemacht haben, die irgendwie sehr übertrieben geweint haben.
Wir beschreiben noch eine andere Abschiednahme, die der Frau eines Freundes. Wie lange dauerte diese Trauerfeier? Die dauerte, glaube ich, drei Tage, aber wir waren nicht die ganze Zeit da. Und wir waren glaube ich nur 24 Stunden da und das war sehr ähnlich. Also obwohl das Salmonin so war, sehr ähnlich, nur mit dem Unterschied, dass ich natürlich eine andere Stellung hatte. Als Kind wurde man so auf der Seite geschoben. Hier war ich sozusagen, ich kannte sie ja auch sehr gut und ich war sozusagen ein Ehrengast und so. Und da war das so, dass ich natürlich auch mitmachen musste, war auch ganz okay.
Und irgendwann als Ehrengast setzt man sich am Kopf des Körpers und man feste die Körper an und man weint und man ist traurig und so. Also das war schon sehr anders. David, wie lange dauerte denn die längste Trauerfeier an der Dummerteil genommen, was hatte die, die du organisiert hast? Also drei Tage nicht unbedingt, auch wenn manchmal Aspekte einer Trauerfeier, sag ich jetzt mal, verlegt sind. Das längste, was ich so erlegt habe, war bei einem Komponisten. Da lief eigentlich den ganzen Tag seine Musik, die er komponiert hat. Und ich erlebe es häufiger, dass Menschen sich halt einfach schön Zeit lassen, wenn sie halt die Trauerfeier auch noch eine ganze Weile weiterführen, bevor sie jemand wirklich weggeben.
Also es kann dann sein, dass wir den ganzen Nachmittag oder bis zum Abend dort bleiben, das gab es einmal. Wir erzählen ja häufiger von der Trauerfeier auch in dem Brauhaus, wo jeder dann noch mal eine ganze Weile geblieben ist mit einem Kölsch oder auch mehrfach mit einem Kölsch angestoßen hat. Eine Sache, die mir gerade noch in den Sinn kommt, wenn ich so Papua neuginäher höre, dort gibt es doch lokal teilweise auch, glaube ich, den Brauch, dass die Toten auch nach der Trauerfeier, nachdem man die eigentlich schon bestattet hat, auch nochmal wiedergeholt werden nach einem Jahr oder einer gewissen Zeit.
Ja, also es gibt verschiedene Stämme, haben verschiedene, wie sagt man, Kulturen, wie sie mit den Toten umgehen. Es gibt einstammende Räuchern den Körper. Und das sind diejenigen, das hört sich natürlich uns Makabe an, aber wir müssen auch überlegen, die haben ja keine Kameras und so. Also die Räuchern den Körper. Und dann wird der Körper im Haus reingetan und einmal im Jahr wird die Numier, sie hat eine Numier, wird dann rausgeholt und wird einmal durchs Dorf getragen und dann wieder zurückgetan. Es gibt einen anderen Stamm, die ihre Toten auch in der Atmen spezifizieren in einer Höhle und die Zähne alle ganz spitze machen.
Also es gibt einen Stamm, die, wenn es ein ganz enge Angehörig ist, dann schneiden sie sich die Fickbalken mit dem Finger. Also wenn es ganz enge Angehörig ist. Und es gibt andere, die die Toten auch essen, zum Teil, also nicht ganz, nur Körperteile und so, was für viele hier natürlich ganz eigenartig ist. Aber wenn man damit aufgewachsen ist, dann gibt es auch eine Bedeutung, dass es eine Bedeutung hinter dem ganzen. Ich würde gerne nochmal zurückkommen auf die Trauerfeier, auf den Salomonen. Sie saßen am Kopfende, der Frau haben sie erzählt, haben die Haare berührt und haben auch eine Art Trauerrede gehalten, aber sie haben, oder haben sie nur über die Frau erzählt?
Nein, Trauerreden, nein, mein Bein nur ganz laut. Trauerrede wird nicht gehalten. Man redet schon, aber nicht für die Leute, sondern eher zum Beispiel, man weint, also es ist keine Art gespieltes Weinen, aber man soll ja traurig sein. Man sagt ja, du bist jetzt nicht da. Und dann erinnert wirklich an das Gute, was sie gemacht hat. Da warst du so toll, da hast du mir geholfen. Man redet eigentlich mit der Leiche. Und erinnert die Leiche an den guten, die gute Erinnerung, die man mit dieser Person hat dazu. Und dann hören alle zu. Ja, ja, ja, aber das ist sehr lauter.
Beziehungsweise, wenn ich das höre, erinnert mich so ein bisschen an die Gebräuche auch ums Mittelmeer. Da scheint es ja auch einige so Überschneidungen zu geben, dass das eigentlich ein fester ritueller Rahmen ist, die man in der Gemeinschaft begegt. Also zum Beispiel hier Klageweiber in der Marni und die Muruloya, die sie dort singen. Dass man das in einer gewissen Weise macht und dann immer wieder rein und raus geht in diese Rituale. Aber zusammen, also auch, sag ich mal, lernt, seine Trauer in irgendeiner Form auszudrucken. Ist das so? Ja, also was ich so interessant fand, ist, dass eine Beerdigung viel größer und wichtiger ist als eine Geburt oder eine Heirat.
Die Beerdigung, und das hat auch mit deren Spiritalität zu tun, weil die glauben ja, dass das Leben weitergeht. Und für die ist das wichtig und es kommen, bei der Beerdigung, auch alle zusammen, also das sind ja sehr, sehr große Beerdigungen. Und die gehen einige Tage und da wird sozusagen das Leben, das war ja bei dem Fall, wo ich aufgewachsen war, auch sehr ähnlich, da wird das Leben dieser Person nochmal durchgelaufen, die ganzen Erinnerungen, die man hat. Was aber interessant ist, ist, dass in dem Moment, wo die, wo Nacht drei Tage der Körper begraben wird, jetzt habe ich dann auch auf den Saal im Monat leb, dann wird alles, wird begraben, dann wird zugemacht, mit Steinen getan, manchmal haben sie ein Stein später.
Drehen sie sich um, gehen rein und alles, wie war dies vorher auch. Also dieses Nachtrauen oder, ich mein vielleicht vermissen dies, ich weiß es nicht, aber die haben nicht dieses, dass wir sich noch dran erinnern oder das sie auch später sagen, ich vermisse die Person. Es ist so fast, dass auch diese Person nicht mehr existiert. Und das fand ich so funktionierend. Eine kurze Frage habe ich noch zu den Faillus, sie schreiben, dass die Faillus, das haben wir eben ja auch erklärt, sie haben das erzählt, dass die Leute die Toten ins Haus holen, dass sie teilweise auch länger da bleiben, sie beschreiben den Geruch, der da herrscht.
Ich meine, es muss ja auch auf eine gewisse Art und Weise auch dann zwischendurch mal sehr abstoßend riechen. Wie haben Sie das in Erinnerung? Ja, wir haben einfach einen großen Boden gemacht ins Haus, also das riecht man ja auch von weit und weg. Ich weiß es, ich kann sie das als Kind schon, also das fand ich das natürlich unangenehm. Und manchmal hat man dann so einen Tag nicht gegessen, weil der Geruch bleibt ja irgendwie in der Nase drin. Aber das haben wir eigentlich nur ganz am Anfang gemacht, aber da haben die tatsächlich, was natürlich für die Gesundheit nicht gut war, haben die mit der Leiche zusammengelebt, aber das sind ja die Toten, also der Körper verweist ja unterm Laufen schnell.
Aber das war so ihre Art des Trauerns, dass sie mit sich zum Körper mit der Leiche gelebt haben. Und ja, der Geruch ist nicht angenehm. Wir haben gerade beschrieben, dass danach dann diejenigen beerdigt wurden. Wie kann man sich das vorstellen? Ich nehme an, im Dschungel ist nicht unbedingt so etwas wie ein richtiger Friedhof, oder gibt es da bestimmte Stellen? Ich nehme an, alles was irgendwie nutzbar wird, wird ja wahrscheinlich auch zum Anbau von Lebensmitteln oder so genutzt. Also es war immer verschieben. Es gibt einen Stamm, die haben ihre Körper, die haben die Leichenung infuziert, es sind andere, die haben sie begraben.
Es gibt andere, die haben sie irgendwie die Faio, die Knochen in den Häusern getan, was sehr üblich ist. Es gibt andere, die haben nach der Verwesung die Knochen irgendwo speziell hingebracht. Was aber ich interessant finde, ist, dass ich bis jetzt persönlich noch nie erlebt habe, dass jemand den Körper verbrannt hat. Verbrennung eines Körpers ist generell für die, also ich habe es bis jetzt noch nie erlebt. Also die sagen, man darf ein Körper nicht verbrennen. Nun, sind sie ja nicht alleine dort im Dschungel gewesen, sondern mit ihren Eltern?
Ja. Wie war der Umgang, wenn so etwas erlebt wurde? Haben sie darüber gesprochen oder haben sie einfach akzeptiert, dass es so ist, wie es ist oder so das Gefühl gab? Sie würden das für sich gerne anders machen? Nö, also wir haben es übergesprochen. Meine Eltern haben natürlich darauf geachtet, dass wir nicht nur sehr damit in Kontakt kam, aber ich als Kind ist man ja sehr neugierig, es geht oft hin, wo man nicht hinwollt und schaut, weil das natürlich interessant ist. Aber für meine Eltern, die haben uns immer gesagt, das ist deren Kultur und das ist das Leben dort.
Und da ich ja fast eigentlich vom Kindesalter da aufgewachsen bin, war das für mich mehr normal, als ich später die Beerdigung hier in Europa erlebt habe. Das war für mich ganz eigenartig. Das war für mich eigenartiger, als die Beerdigung, die ich als Kind erlebt habe. Stimmt es eigentlich, dass im Dschungel die Freunde eines Menschen länger um ihn trauern als die Familie? Ja, absolut. Ein Freund oder Freund, den besten Freund oder Freund zu verlieren, also bei den Fallen besonders ist viel, viel schlimmer als ein Ehemann oder Ehefrau zu verlieren, weil die haben ja eine andere Bezug zu Ehe, die haben eine andere Bezug zu Kinder wie wir.
Um Kinder wird im Dschungel am kürzesten getrauert? Woran gibt das denn? Also bei fast allen Ständen ist das so, weil die sagen, die haben das sehr nicht gekannt. Ich fahre hier, haben wir zu uns beim Falle gesagt, warum trauert ihr für das Baby nur einen Tag? Und haben gesagt, wir haben doch nicht viel Erinnerung von diesem Kind. Wir kannten dieses Kind nicht. Wir sind nicht mit diesem Kind jagen gegangen, wir haben diesem Kind nicht gegessen. Das Kind ist ein fremde Brunnen. Während jemand, der sehr alt ist, ein sehr, sehr großen Wert hat. Und das ging um die Erinnerung, um das Leben.
Also eigentlich wird in der Beerdigung das Leben dieses Menschen gefeiert. Nicht getrauert, sondern gefeiert. Sie beschreiben die Ureinwohner auch als sehr kriegerisches Volk, das heißt, es sterben da auch Menschen durch Gewalt. Ja, aber das wird dann auch die aller anderen Beerdigung das dann auch so tun. Und da machen sie keinen Unterschied, ob jemand jetzt durch was, was ich jetzt bis jetzt erlebt habe, weder durch Tod noch durch Krieg oder so, das wird immer gleich machen. Aber was für die sehr, sehr wichtig ist, weil die glauben ja, dass nach dem Tod des Geist des Menschen auf dem Land bleibt.
Und die schlimmste Bestrafung für zum Beispiel, ich rede jetzt jetzt über Stämme, die kein Kontakt zu aufgewählt haben oder wenig. Die schlimmste Bestrafung wäre für sie, dass die Seele nicht zu ihrem Land zurückkommen. So lange sie wissen, diese Seele bleibt auf diesem Land, sind sie grültig, weil die Seele bleibt immer da, wo das Land ist. Lassen Sie uns kurz über Sie als Dschungelkind reden, damit die Leute, die Sie nicht kennen, noch ein bisschen etwas über Sie erfahren. Wie haben Sie damals im Dschungel gelebt? Wie war das? Also sehr einfach im Verhältnis zu hier, der hat keine Elektrizität, kein Wasser.
Es war ein sehr einfaches Leben, ein Leben, das sehr eng mit der Natur verbunden war im Sinne von der Zeit. Das heißt, wenn die Sonne aufging, sind wir aufgestanden, wenn die Sonne unterging, sind wir ins Bett gegangen. Wenn es geregnet hat, sind wir drin geblieben, wenn es nicht geregnet hat, sind wir nach draußen gegangen. Also es war ein Leben, das sich sehr viel draußen abgespielt hat, viel mehr als im Haus. Und was auch sehr in der Gemeinschaft gespielt hat, weil das Leben basiert in Stimmen um die Gemeinschaft und nicht den einzelnen Menschen.
Und ich fand das aus kind spannend, ich fand es schön, ich wurde hier als Jägerin ausgebildet. Also ich kann mir auch nichts anderes, glaube ich. Und für mich war es ein sehr, ich war sehr, es war ein sehr, sehr grüchige Kind, sehr grüchig. Sie erzählen in ihren Büchern auch immer wieder darüber, Sie sagten es gerade, Sie sind als Jägerin ausgebildet worden. Welches Verhältnis haben die Menschen, die so nah an der Natur leben zum Tod der Tiere? Ich meine die Jagentiere, die Schlachten, die Tiere essen sie auf, gehen die da ähnlich mit um wie wir mittlerweile, dass wir teilweise so ein Igit-Gefühl da entwickelt haben oder ist es eigentlich das Normalste von der Welt, das man ein Tier umbringt?
Also für die ist das das Normalste der Welt, also die sind nicht so nett zu Tieren, wie man sich das vorstellt, aber sie töten auch nichts umsonst. Also es wird nur getötet um zu essen. Sie würden jetzt nicht hinreden und irgendein Tier umbringen, um uns umzubringen oder zu jagen. Alles hat einen Grund und deshalb, und es wird zum Beispiel gar ein Bildschwein jagen, legen Sie sehr viel Bär drauf, dass das Tier so schnell wie möglich stirbt. Also da legen Sie auch sehr viel Bär drauf. Für Bildschweine und Sprachenpülgen, nicht so sehr viel Bär, da mäusen sie was.
Fand ich auch, also es ist natürlich schwer zu sehen, wenn das hier leidigt, aber für die ist das normal, ja. Ihr erstes Buch, Frau Kückler "Junglekind", wurde in 30 Sprachen übersetzt. Es war weltweiten Bestseller, wurde fürs Kino verfilmt, für ihr neues Buch. Ich schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind. Sind Sie zurück in den Urwald gegangen, weil sie krank geworden sind und niemand hier Ihnen helfen konnte? Auf dem Weg zur Heilung sind Sie fast gestorben. Was ist da geschehen? Also es war so, dass ich irgendwann mal so, vermutlich in Parasiten auch gefangen hatte irgendwo und ich über Jahre immer mehr krank wurde.
Und mir immer wieder, als ich gemerkt habe, dass mir hier keiner mehr helfen konnte, bin ich zurückgegangen, weil ich mir gedacht habe, wenn es etwas auf den Sprofen ist, dann wird es vielleicht unter den Stämmen jemand geben, der die Krankheit kennt und dann heimlich. Das hat sich dann auch so herausgestellt, hat aber länger getaucht als geplant. Und letztendlich haben wir jemand gefunden und der hat mir so eine Baumwinde gegeben. Es waren zwei Baumwinden. Der hat gesagt, ich sollte diesen Sack mischen oder das Harz mischen von den Baumwinden.
Das ist endlich was und wird das, weiß ich heute. Und soll ich nehmen? Und der hat damals mir gesagt, du wirst das Gefühl haben, dass du stirbst, aber du wirst nicht sterben. Und ich hatte das nicht so ernst genommen, weil ich hatte schon vieles anruf probiert und es war alles immer gut gegangen. Aber da muss ich sagen, da bin ich wirklich dem Tod so nah gekommen. Ich bin zweimal in meinem Leben fast geschworen. Also zweimal, man sagt ja dieses Todeserlebnis, wo man aus dem Körper rauskommt, wo man gefühlt hat, man löst sich auf uns nichts. Aber das war, würde ich sagen, bei weitem die schlitzten drei Tage, die man sich vorstellen kann.
Also ich war viel unmächtig, aber das war Schmerzen, das kann man sich nicht vorstellen. Aber ich habe es übernimmt und wurde gesund. Nach all diesen Erfahrungen, wie schauen Sie heute auf den Tod? Ich habe keine Angst vor dem Tod überhaupt nicht. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich groß geworden bin in Kulturen, wo das Leben nicht aufhört mit dem Tod. Und ich habe immer gesagt, keiner weiß wirklich, was nach dem Tod passiert. Also lebe ich viel lieber mit dem Gewissen oder mit dem Denken oder Verzeugung, dass es ein Leben nach dem Tod ist, was immer es ist, anstatt zu denken, wenn ich sterbe, ist es vorbei und das nicht zu.
Also das macht mir mehr Angst als der Tod. Und deshalb habe ich immer, also für mich persönlich glaube ich immer, dass das Leben weitergeht. Ich glaube auch, an das Leben nach dem Tod in Formen wissen wir nicht, was es ist. Aber aus dem Grund, weil ich auch viel mit Tod zu tun hatte als Kind und als Erwachsene, habe ich nicht so Angst. Ich habe eigentlich keine Angst vor dem Tod. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie die Menschen irgendwann in ferner Zukunft von Ihnen Abschied nehmen sollen? Oh ja, das habe ich immer gesagt. Ich möchte gerne zurück.
Also, das Verbrannt bin ich nicht, da bin ich zu damalsmäßig dafür. Da bin ich zu Arbeit, glaube ich, dafür. Aber ich bin schon gerne zurück. Ich habe immer gesagt zu Micky, wenn ich sterbe, dann möchte ich, dass man mich da im Dorf betrefft mit seinen Leuten, im hinteren Garten, weil man beträgt die Leute hier am hinteren Garten, nicht so wie in Deutschland, was man sieht. Es gibt auch, wie sagt man, Plätze, wo man die Leute begraben, das sagt man, ein Friedhof. Friedhof. Ja, die gibt es dort auch, aber die Stämme begraben, die man eigentlich mit ihnen.
Was auch schön ist. Man steht auf, man geht raus, man setzt sich da auf den Slab, man trinkt Kaffee. Das haben wir ja viel gemacht und dann redet man mit den Verstrafen. Ganz anders, ganz anders wie gehen. So eine Art wären noch beim Westfalen Prinzip hier auch möglich. Allerdings ist der da nur als Einächerung bzw. prinzipiell nicht nur als Einächerung. Es wird am Sonntag noch bei Menschen sein, die das eigentlich auch bei sich vorhaben. Aber ich hoffe, die schieben das nicht mehr so mit dem Angang auf die lange Bank, denn dann wird das leider gar nicht klappen, denn halt deutsche Ämter sind dann ein bisschen skeptisch.
Aber was ich interessant finde, David, ist, dass unser Friedhof, der zu Bestattungshaus dazu gehört, "Gärten der Bestattung" heißt, in dem sich das Angang von Kükler gerade gesagt hat, dass die Leute im Garten bestandet werden. Das haben wir früher auch gemacht, oder? Ich meine, wir kommen ja auch von einem bestammten Ding. Ja, ja, eigentlich glaube ich, hat man das Thema immer versucht, einmal um die Zentren in der Gemeinde zu machen. Das sieht man heute noch auf vielen alten Kirchhöfen. Dann war man mitten in der Gemeinschaft und da kamen auch die Kinder nach der Schule lang, die Handwerke haben da Pause gemacht, man traf sich, man sprach miteinander.
Und dann irgendwann, wie die Franzosen kamen, hat man aus Grunde der Hygiene versucht, das vor die Tore der Stadt zu machen. Wobei ich glaube, die Idee ist schon ein bisschen älter, da sieht man ja auch mit den Gruppholen oder eigentlich in fast allen Grünstoren. Ja, ja. Und die Franzosen hatten halt die schöne Idee, daraus einen schönen, geordneten Park zu machen. Wir haben das so ein bisschen verdreht in die Soldatenfriedhöfe, die dann alle gleichmäßig und schön und den Nachbarn sagen, "Wir müssen mal wieder beim Grab schauen und bloß nicht aus der Reihe tanzen." Und wir haben daraus so eine Art Mischung gemacht, also es ist quasi unser Wald, den wir bei einem so einen ganzen Garten gebracht haben, wo Menschen später, ohne dass sie die Verpflichtung hatten, etwas zu machen, aber natürlich gemerkt haben, dass sie vielleicht das Bedürfnis haben, dorthin zu gehen, in Zwiesprache zu sein, so wie im Garten, und dann natürlich auch so ein bisschen zu zeigen, um wen es geht.
Und das ist heute, sage ich jetzt mal, sehr bunt geworden. Ich muss auch sagen, manche unserer Nachbarn nutzen das auch als Ehrengarten, oder dass Paare dahin kommen. Wir haben schon wach dort angelegt und ein Teich und ganz viele Installationen. Der Kindergarten, den ich darauf gesetzt habe, der war heute auch um diesen Teich herum. Es gibt ein Waldkindergarten, du musst ja klären David, es gibt ein Waldkindergarten auf dem Friedhofsgelände. Genau, ja. Es kam so ein bisschen aus einem gescheiterten Projekt der Stadt, wo der Kindergarten weichen sollte.
Und da habe ich die eingeladen, weil Kinder halt einfach da alles äller machen. Und Kinder sind halt unglaublich pragmatisch mit dem Thema, eigentlich so ein bisschen wie im Urwald. Und die machen sich natürlich ab jüngster Kindheit auch Gedanken darüber, was da geschieht. Natürlich immer so ein bisschen in der Verbindung zum Schlafen. Wo die halt eigentlich nur wissen müssen, dass jemand nicht am Schlafen ist, damit sie keine Angst vom Schlafen haben. Dass sie halt ein bisschen was an der Situation machen können, dass die schöner und heller ist.
Und zwei meiner Kinder sind da auch hingegangen und die sind heute da sehr pragmatisch mit. Also auch so ein bisschen vom Anpacken. Und der Klaus hat das ja vorher schon gesagt, früher waren die Gebräuche und ich glaube die Gebräuche sind bis auf so kleine Änderungen, fast überall auf der Welt, sehr ähnlich, einfach aus gewissen menschlichen Notwendigkeiten, nach Gemeinschaft, nach Zeigen, nach Ritualen heraus, auch so das Verstorbene zu Hause blieben, bis zur Beerdigung, solange wie das gedauert hat, dass alle zusammengerufen wurden. Man eigentlich sogar ganz happy war mal die ewige Arbeit, die ging ja ewig weiter.
Für einen kleinen Moment halt zu pausieren, in Kontakt zu kommen, sich kennenzulernen und einfach einen Ausdruck zu finden. Ja, ja, ja. Ich bin das auch bei Kindern auch ganz wichtig. Also ich habe noch nie erlebt, dass ein stammes Kind Angst hat vor dem Tod. Aber ich glaube, weil die alle absolut überzeugt sind, dass diese Großeltern oder Ältern, die noch da sind, halt in einer anderen Form des Lebens. Und was interessant ist, ist, dass die Stämme, viele der Stämme glauben ja, dass die Verstorbenen mehr macht über das Land haben als die Lebenden.
Das heißt, wenn wir zum Beispiel jetzt, das habe ich im Buch nicht geschrieben, uns wäre das noch viel zu lang gewesen, wenn wir irgendwo reingekommen wären, in einem Stamm mussten wir immer in Opfergabe oder beziehungsweise Steuern an die Geisterzahlen. Und das war so in Form von Show Money oder so. Und weil man musste die sagen, mallaubnis bitten, dass man reinkommt. Und das war so eine ganz, ganz wichtige Sache. Also man musste eigentlich Steuern zahlen und die Verstorbenen. Gut, man sagt ja, Tod und Steuern sind das Einzige, was im Leben gewiss ist.
Ich hätte jetzt gedacht, nicht unbedingt, weil Stämme auch. Ja, stimmt. Scheinbar schon. Genau. Nein, aber auch diese Verbindung zum Land, das ja auch halt in Christentum, in Islam, im Judentum auch so, dass man glaubt, dass derjenige verbunden ist mit dem Ort und dass man die eigentlich nicht groß hin und her bewegt. Also in ihrem Sinne wäre es dann vielleicht auch schon besser, schon so ein bisschen Richtung Widerpapua neugierig zu kommen. Das sind danach ja nicht ganz so zerrissen sind. Nun haben sie uns ja gerade erzählt, dass dort eigentlich keine Reden gehalten werden.
Also, dass man erzählt, dass man lamentiert, auch etwas überzeichnet. Aber... Wir reden jetzt nicht stimmt, reden werden überhaupt nicht gehalten. Ich habe das nie erlebt, dass eine Rede gehalten wird. Ja. Man redet aber mit dem Verstorbenen. Das macht man bei uns auch viel. Also wir haben auch so Räume, wo Menschen nochmal hingehen, um das auszudrücken, was man sich halt nicht oft genug sagt, Probleme, die man vielleicht bis da nicht gelöst hat, was man noch gerne erlebt hätte. Das halte ich auch verheilsamt. Aber nun ist ja die Frage, wenn Sie selbst Ihre Trauerrede schreiben könnten, was wäre Ihnen wichtig, dass das gesagt wird?
Darüber habe ich noch nie nachgedacht und ganz ehrlich, ich möchte keine Trauerfeier haben, ich möchte eine Prate haben. Ich möchte, dass euch alle zusammenkommen, ganz viel Essen essen, tolles Essen, tolles Trinken, Lachen und das Leben feiern. Also ich möchte nicht, dass jemand weint oder traurig ist oder so. Also ich habe mir überlegt, wenn man sich wirklich mal wirklich hinsetzt, überlegt, wenn der Tod nicht wäre, man würde immer weiterleben und weiterleben und weiterleben. Ich glaube, das wäre viel schlimmer, weil warum lebt man dann? Wenn man es immer weitergeht, viele sagen ja, das ewige Leben ist ewige Leben, ich weiß, ob das so toll ist, weil ich möchte nicht ewig leben, weil irgendwann mal ist das so, als ob man immer wieder im Kreis dreht und kreist dreht.
Deshalb ist für mich der Tod eigentlich was Wunderschönes im Sinne von, dass es uns einen Grund gibt zum Leben. Und es gibt uns auch einen Grund, was Gutes zu tun. Weil wenn wir dann irgendwann mal gehen, dann ist natürlich die Hoffnung, dass die Erinnerung, die bleiben, guter Erinnerung sind. Das Gute, das man in Leben gemacht hat, Menschen, die man geholfen hat, das man zurückgelassen hat, das gibt das Leben überhaupt im Sinn. Wie sah das eigentlich mit Musik aus bei den FAIO, was würden Sie sich vorstellen, auch für Ihre Beerdigung? Sollts da auch bei der Party Musik geben?
Also auch nicht bei der Party? Also ich kenne es nicht. Also ich kenne Musik, bei der Beerdigung kenne ich nicht. Die FAIO haben ja so die Erinnerung zu gesungen, so in einem Sing-Sang-Lied, aber auf den Salmon-Inseln haben die auch gesungen, aber das waren so mehr christliche Lieder, hat man halt gesungen. Aber das wäre mir ganz ehrlich gesagt nicht so wichtig. Nein, ich bin da ganz, ich weiß nicht, ich bin da so ganz, ich denke immer, ich möchte die Menschen zurückbleiben, ich möchte, dass sie glücklich sind. Und ich möchte, dass die Erinnerung, die sie an mich haben, das Positives ist und dass man nicht traurig ist, weil irgendwann geht es für uns alle weiter.
Gibt es bei den FAIO eigentlich so was wie ein Grabstein? Also diese Stelle, wo dann der Tote begraben wird, steht da irgendein Erinnerungsstein oder vielleicht aus Holz irgendetwas auf dem eventuell sogar der Name steht oder vielleicht noch was anderes? Nein, also Namen werden grundsätzlich nie erwähnt, wenn eine Person begraben wird, wie zum Beispiel die Forbnen, Salmon-Inseln, wenn man das klingt, ich beabscheh in ihren Namen nicht aus dem Grund, weil wenn jemand stirbt, wird der Namen nicht mehr erwähnt. Also diese Grabstein kam eigentlich vom Westen, heutzutage im Neuginär, bestpapur sieht man das schon mehr, aber grundsätzlich in den Stämen habe ich das noch nie gesehen.
Man hat ja die Menschen auch mit Sachen begraben, das ist ja auch etwas, was das heute noch viel gemacht wird, dass man die Menschen mit Sachen begraben, zum Beispiel auf den Forbnen, Salmon-Inseln, wo dann die Bibel begraben, wo mit Decken begraben, und wirklich alles, was man halt eben nach dem Kumpel kommt. Womit möchten Sie begraben werden? Oh, darüber müsste ich nachdenken. Eine gute Flasche Biscuit, keine Ahnung, weiß ich nicht. Also da, ich habe nie so, ich bin ja schon so zweimal so dem Toten nah gewesen und ich meine, wenn man sich freut, jemand kommt und sagt, ja, Sie haben vielleicht 6 bis 800 zu leben, dann sieht man das Leben auch ganz anders, man sieht den Tod auch ganz anders.
Und für mich, ich habe mir nie so weit Gedanken gemacht, ich habe nur gesagt, es wäre schön, um Urwald irgendwie zu liegen und das wäre schön, aber mehr habe ich mir eigentlich nicht gegessen. Herzlichen Dank, Sabine Küchler. Bitte schön. Informationen zu den Büchern von Sabine Küchler finden Sie in den Show Notes. Das war es für heute. Schön am Leben bleiben und bis bald. Dankeschön Frau Küchler. Dankeschön.