Episode 9 ∙ 12.08.2024 ∙ 35 Min
Wer waren die Edelweißpiraten, Rolly?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Rolly Brings
Können Lieder Menschen verändern? Rolly Brings ist Musiker, ehemaliger Lehrer und Vater der Musiker der Band Brings – die sich, mit seinem Segen, nach seinem eigenen Nachnamen benannt hat. Sein Leben lang hat er sich mit den Edelweißpiraten beschäftigt, einer Kölner Jugendgruppe, die sich den Nazis widersetzte und dafür brutal verfolgt wurde.
Brings erzählt, wie er als Kind an der Stelle vorbeiging, an der 1944 Jugendliche öffentlich hingerichtet wurden, und wie seine Balladen über die Edelweißpiraten, die Pogromnacht in Köln und Nelson Mandela bei Konzerten Gespräche in Gang gebracht haben, die sonst nie stattgefunden hätten – Zeitzeugen, die ihm nach Auftritten unter Tränen von eigenen Erinnerungen erzählten.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Was kann Musik im Kopf der Menschen bewegen? Das ist die berühmte Frage: Kann ein Lied etwas verändern, bewirken?" – „Lieder betrachte ich manchmal als U-Boote. Wenn die Sprache schön ist, die Melodie schön ist, dann kann man da so einiges reinpacken, was normalerweise nicht unbedingt Gesprächsgegenstand jeden Tag ist."

Über Rolly Brings
Rolly Brings ist zu Gast. Der Musiker und ehemalige Lehrer ist Vater der Brings-Musiker und hat sich sein Leben lang mit den Edelweißpiraten beschäftigt – einer Kölner Jugendgruppe, die sich den Nazis widersetzte und dafür brutal verfolgt wurde. Er erzählt, wie er als Kind an der Stelle vorbeiging, an der Jugendliche 1944 öffentlich hingerichtet wurden, wie er die Geschichte später seinen eigenen Schülern nahebrachte, und warum er trotz des Wunsches, seine Asche im Rhein zu verstreuen, am Ende zu einem Familiengrab tendiert – einem Ort, an dem seine Kinder ihn besuchen können.
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Hallo zu Talk about Tod, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Mein Name ist Klaus Reichardt. Und ich bin David Roth. Hallo zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Heute ist ein Mann zu Gast in unserem Podcast, der seit Jahrzehnten auf der Bühne steht, auch schon bei uns im Bestattungshaus. Hallo und herzlich willkommen, rolli prängst. Auch willkommen, leitet. Also wir müssen es glaube ich aufklären, wir haben heute eine ganz besondere Podcast-Folge und zwar ist David zu Hause bei rolli und mit dem Mikrofon und mit allem was dazu gehört.
Und ich bin wie immer bei mir zu Hause und so bauen wir heute die Folge zusammen. Der Name Prings ist natürlich im Rheinland sehr bekannt, was an rolli liegt und seinen Söhnen, die in der Band Prings spielen. Rolli, wirst du oft auf deine Söhne angesprochen? Leute aus dem Publikum fragen mich hin und wieder, bist du wirklich der Vater von den Pringsen? Ja? Weil ich dann bestätige und dann meinen sie ja, also da werden eine gewisse Ähnlichkeit mit Peter und Stefan. Ja? Und ob ich stolz auf meine Söhne wäre und dann sage ich, ich bin stolz auf die gesamte Band, weil die anderen, das ist ja der Sohn von Tommy Engel, der ist ja auch ein bekannter Sänger und Musiker und der Harry und die kenne ich ja schon, der lieber Jörg, die kenne ich fast 50 Jahre lang, kenne ich die alle.
Rolli, wie war das eigentlich damals, als du erfahren hast, dass die die Band Prings nennen wollen? Also im Grunde dein Nachnamen? Sie haben gefragt, ob sie das dürfen. Ja? Und weil ich die Lieder kannte, die sie sangen und weil ich meinen Söhnen absolut vertraue, habe ich ja gesagt. Ich habe allerdings nicht über die Folgen nachgedacht. Welche Folgen? Ja, Zeit lang, weil ich als die Jungs sich selbstständig gemacht haben, da habe ich andere Projekte gemacht bzw. gab auch halbjährige Pausen, bis drei, vierjährige Pausen, wo ich still zu Hause in meinem Lehrerberuf nachgegangen bin und Programme geschrieben habe.
Dann war natürlich Prings und so, dann musste ich immer erklären, wenn ich jemand eingeladen hatte, dann haben die gesagt, ja, sie spielen doch so laute Musik, ich musste immer erklären, dass ich nicht ... Die waren wild am Anfang, also für Kölner Verhältnisse, die hatten uns nicht einfachen Karnen, aber ... Nein, die haben ja eher Karnen, weil sie gekommen sind, die hatten Zeit lang bedauert. Die waren eigentlich eine sehr gute Rockgruppe, nur eigentlich waren sie damals schon zu spät für Rock. Der Rockplatz war eigentlich schon besetzt mit BAB.
Wir wollen auch heute mit der ersten Frage beginnen, die wir alle und allen unseren Gästen stellen. Wann warst du das letzte Mal auf einer Beerdigung? Das war meine Schwägerin, die Frau meines Bruders vor einigen Monaten. Okay, und wie hast du diese Beerdigung in Erinnung behalten? Die Familie hat noch großes Glück. Die Frau, also meine Schwägerin, ist buchstäblich im Kreis ihrer Leben. Alle waren da, alle Kinder, alle Enkelkinder, der Mann war, ist sie gestorben. Das heißt, die Vorbereitungssite der Familie war da und es hat auch Gott sei Dank keinen schwarzischen Todeskampf gegeben und ein langes Siegchen in irgendwelchen Heilandstarten.
Und wer hast du die Beerdigung selber erlebt? Die Beerdigung selber, es ist ein Lied gespielt worden von den Bringsen, von Shostakovich. Der hat ja einen Dexter Shostakovich gemacht. "Schlag schön, mein Land!" Und mein Bruder wird aufgefangen von seinen Kindern. Ja, das ist ganz, ganz wichtig. Der war mit dieser Frau fast 60 Jahre zusammen. Was kann Musik in den Kopf der Menschen bewegen? Das ist die berühmte Frage, kann ein Lied etwas verändern, bewirken? Ich denke mal so, wenn mich Initiativen einladen, wie die Edelweiß-Piraten, Nachfolger oder die Friedensbewegung oder die Menschen, die gegen Rassismus sind, oder wenn mich da fritz oder jetzt du letzter Zeit eingeladen hat, dann kommen Leute dahin, die, ich sag das mal, Seelenverband sind.
Und bei denen kann es durchaus sein, dass das Erlebnis von einigen Hundert, die da mitsingen oder zuhören, das kann bestärkend sein, ich bin nicht mit meiner Ansicht alleine, oder ich bin nicht mit meiner Trauer alleine, oder ich bin nicht mit meiner Forsch vor einem neuerlichen Rassismus und Rechtsruck alleine. Das heißt, so ein Konzert wie jedes gemeinschaftliche Singen stärkt und nimmt Angst und ermutigt weiterzugehen. Ich denke auch manchmal, das ist mir früher sehr oft passiert, als ich die ganz langen Balladen vor 40 Jahren geschrieben habe, die Balladen über die Edelweiß-Piraten, die Balladen über die Pogromnacht in Cologne, die Balladen über Nelson Mandela, der damals noch auf Robin Island gesessen hat, dann kommen da Leute an.
A) Ich singe "Curge", das ist schon mal ganz hinterherdig von mir, dann bleiben die Leute schon mal stehen und hören zu, die "Curge". Und dann kommen dann die Leute, wie rund zu jungen ist das wirklich, was das auch von dem Schwarz zu erzählen ist. Das haben wir ja noch nie geruht und dann kommen richtig Gespräche, oder als wir die ersten paar Mal mit meinen Jungs in Ehrenfeld am Mahnmalen gespielt haben, öffentlich, da kamen Freuchen an, die waren damals schon 60 Jahre alt, würde ich mal sagen. Die haben geweint und haben gesagt, ja, ja, wir haben hier die Leute gesehen, die da gerangene haben und dann haben wir auch verjessene Wurte, ich weiß nichts davon, aber jetzt, wenn du dazu singst, also ich denke schon, Lieder, Lieder betrachte ich manchmal als U-Boote.
Wenn die Sprache schön ist, die Melodie schön ist, dann kann man da so einiges reinpacken, was normalerweise nicht unbedingt Gesprächsgegenstand jeden Tag ist. Manchmal sogar Dinge, die unter den Teppich gekehrt oder geheim gehalten werden sollen. Es fiel jetzt schon zweimal der Begriff Edelweiß Piraten und wir haben dich ja auch in den Podcast eingeladen, um über eine Gruppe Menschen zu sprechen, die fast in Vergessenheit geraten wären, wenn dich du und einige andere dafür gesorgt hätten, dass die Edelweiß Piraten sichtbar werden. Wer waren die Edelweiß Piraten, Rolly?
Die Edelweiß Piraten waren keine homogene Gruppe, sie kamen zum Teil aus der damaligen Arbeiterjugend, wir sprechen jetzt aus der Weimarer Republik ja, von der SPD, von der sozialistischen Jugend, von der kommunistischen Jugend, aber auch von den kirchischen Jugend oder den Wandervögeln und den Pfadfindern und der Pfarrerjugend. Und dann, kurz nach 33, nach der Machtübernahme, wurde alles gleichgeschaltet, diese Bünde wurden alle verboten, mussten alle entweder in den BDM beziehungsweise in die Hjortrei. Und die haben sich dagegen gewährt, die wollten das nicht.
Das wären, fängt damit an, dass sie sich getroffen haben, an Wochenenden zu verfahrten, in der Hauptsache bei uns im Königsforst, das ist in der Nähe von Wienzberg, oder sind in Siebengebirge gefahren, zum Märchensee und im Büchertpark bei uns in den Parks in der Stadt, da haben sich getroffen. Ganz wichtig war, sie war nicht getrennt wie Hjort und BDM, sondern Mädchen und Jungen waren zusammen und die haben dann Lieder gespielt und haben die zum Teil umgedichtet, haben gegen die Nazis gesungen. Manchmal hatten sie BASCH, da sind sie von der Hjortstreife aufgespürt worden, da gab es große Brügelai, da wurden richtig verletzt zum Teil, waren die Elweisspiraten, in der Merzau kriegte die Hjortbrügel.
Und das wurde nachher wirklich zu einem Problem, dass sich die Gestapo und die SS drum gümmern. Als der Krieg dran war, da konnte dieses Jugendband und Unwesen von den Nazis in keiner Weise mehr gedodet wurden und da wurden dann die Verfaukungen schon richtig heftig, die wurden in Brauweiler, was damals ein Gestapo-Gefängnis war, beziehungsweise im LD Haus, das war die Gestapo zentrale und in den Kellern, wo die richtig zusammengeschärgern. Meine Freunde, die ich nach dem Krieg kennenlernte, die waren zum Teil sehr in Lagern oder am Westwall mussten die arbeiten.
Und irgendwann hat sich dann bei einigen von diesen Jugendlichen, nicht bei allen, bei einigen die Situation so zugespitzt, dass sie nicht mehr nach Hause gegangen sind, da wären sie sofort verhaftet worden, sondern sind in die Trümmerwelt abgetaucht. Und in der Trümmerwelt von Köln, da lebten desertierte Soldaten, da lebten Zwangsarbeiter, die ihren Lagern entwischen waren, da lebten versteckte Juden, da lebten Kriminelle, die in die brennenden Häuser einbrachen und dort plünderten und das auf den Schmack verkauften. Das war eine verschrohene Gemeinschaft.
Wunderbar besingt diese Gemeinschaft, da Franz Josef Degenhardt in seinem Lied "Zündschnürung" ist ja auch verfirmt worden. Aber gab es das nur in Köln? Nein, das gab es im Ruhrgebiet, das gab es in Düsseldorf, das gab es interessanterweise in Hamburg, da hießen die Swing-Jugend. Wie hieß der Schauspieler, Kinsky, der war möglich der Swing-Jugend gewesen. Okay, hätte ich gar nicht so gedacht. Ja, ja, ja. Und gegen Ende des Krieges, bei uns gab es von der SS und von der Gestapo-Geschätz 2.500 Widerständige Jugendliche. Das war viel für eine Stadt wie Köln, oder?
Ja, ja. Damals gab es die Zeit, dass man das so... Ihr müsst euch vorstellen, der Kampf wurde immer härter, weil für die Männischen Edelweiss-Piraten, die sich entweder Edelweiss-Piraten, Kittelwach-Piraten, Navachos-Landen, ganz so Fantasien haben. Die wussten immer, wenn wir 17 werden, werden wir gemustert und werden wir in den Osten geschickt. Und also die wollten für dieses Verbrecherische nicht sterben. Die wollten leben. Die wollten mit ihren Mädchen klutschen. Die wollten, ja, was was Jugendliche so wollen. Und wir müssen uns jetzt aber da verlüten, die hatten keine politischen Rezepte.
Die wollten einfach nur frei sein, dass was jede Jugendgeneration gegen die Älteren veranstaltet. Eine kulturelle Revolution, in der man sich plötzlich einen Erogesenschnitt macht, oder was weiß ich. Und irgendwann weiß man ja später, gleich sich das alles wieder an, werden sie alle wieder berufen. Und die haben das selbe Spiel, was alle Generationen gegen ihre Eltern bisher gemacht haben, gegen ein NS-Regime gemacht. Ein froschbar unmenschliches, brutales Regime. Und sie haben Solidarität geübt mit den versteckten Juden, mit den versteckten Desektören und so weiter.
Und das haben, als die Gestapo das rausgekriegt hat, da sind die verfolgt worden, also wirklich hart, als ob sie Erwachsene gewesen wäre. Dabei waren das eigentlich Kinder. Ja, und das ist ja noch viel mehr eskaliert dann bis zum 10. November. Ja. Und dann... Vielleicht, wenn du erzählst, was da passiert ist. Am 10. November, ja, da hat man, vorher hat man die 20-Arbeiter aufgegangen, am 25. Oktober. Und am 10. November hat man die Ehrenfeldergruppe, das waren Widerständler, Kommunisten, Sozialisten, SPD-Leute und ehemalige Edwarspiraten, die sich um die anderen jugendischen Edwarspiraten zu schützen, nicht mehr in die Gruppen begeben haben, sondern zur Ehrenfeldergruppe untergetaucht.
Die hatten einen Schusswechsel und haben dann einen SS, ein Gestapo, Mann umgelegt. Und die sind dann geschnappt worden, sind brutal gefoltert worden, damit sie Namen verraten. Das Merkwürdige, was die Gestapo nie kapiert hat, die Edwarspiraten hatten keinen Führer, die hatten keine Organisation und vor allem die kannten ihre richtigen Namen nicht, die hatten alle Spitzen. Nommende Geher hatten die alle. Das war der Fritz Teil, dann hieß die Blatt. Warum der so hieß das? Wer hat voller Sage, also der hieß die Blatt. Oder der Gehrtrud Koch hieß Mookie, keiner weiß warum.
Es hat sich aber geschützt, weil der richtige Name war nicht da. Das wurde mir als Kind falsch erzählt, weil ich immer Fotos gesehen hatte, wo die Ehrenfelder zugucken, wie die Zwangsarbeiter aufgaben werden. Hundertte von Ehrenfeldern. Das wurde mir immer erzählt, von der Nachbarschaft, nicht von meiner Familie. Die sind gezwungen worden, so zu gucken, Pustekuchen. Die kamen alle hin und haben das begafft und beklatscht. Man kann auch so wie die Edwarspiraten da anworten. Ja, genau. Am selben Platz nur die Fotos, die es gibt, das sind die Jugendlichen, die sind der Zwangsarbeiter von der Hinrichtung der Edwarspiraten.
Am 10. November gibt es unseres Wissens nach keine Fotos. Ihr müsst euch vorstellen, die Eltern von diesen Jugendlichen haben nach den Krieg versucht, wieder Gutmachungsanträge zu machen. Aber dann haben sie dieselben Leute vorgetroffen, die auch schon damals ... Vorher das sagen, und dann gesagt, das waren Verbrecher. Bis in die 80er-Jahre gaben diese Edwarspiraten als Kriminelle, Diebesbande oder sogar Mörder. Nessgeschwurzer. Das hat mich dermaßen gestunken, da habe ich eine ganz lange Ballade geschrieben. Die Blackfors haben die etwas umgewandelt, Kürzer gemacht, meine Ballade ist 9,5 Minuten.
Das ist kardionuntauglich. Wir haben eine Kurzform gemacht und dann ist plötzlich, wir hatten vorher lange dafür gekämpft, dass diese Straße, wo das passiert ist, Barteloumé Chim, das war einer der jüngsten Edwarspiraten. Und als die Blackfors das Lied rausgebracht haben, dann war es ja später, so nach dem Motto in Gürn, wenn die Blackfors da zingen, dann muss er Jots sind. Ja Jots, das ist nun mal, wie das. Warum ist es denn heute wichtig, noch über die Edelweißpiraten zu sprechen? Warum ist es wichtig, Rolli, dass diese Geschichte, die ja tatsächlich passiert ist, die Stadt gefunden hat nicht in Vergessenheit gerät?
Ja, das hat zwei Gründe. Der eine ist sozusagen ein selbsttherapeutischer Rund, weil wenn immer ich an Mamas Hand an dieser Stelle vorbeigegangen ist, da wurde meine Mama ganz traurig und hat immer so gesagt, da haben sie die Jungsaufgaben. Und ich konnte mir als Kind nicht vorstellen, dass man Kinder aufhängt. Das konnte ich mir nicht vorstellen. Später habe ich dann so gemerkt, als Lehrer, dass die Jugendlichen doch manchen komischen Vorbild hinterherläuft. Und dann habe ich gedacht, ein Vorbild wäre eigentlich, die Edelweißpiraten sind ein Vorbild für mich gewesen.
Versuche ich die doch mal meinen Schülern zu präsentieren. Und dann habe ich die in die Schulen eingeladen. Die überlebenden Edelweißpiraten waren, als ich damit angefangen habe, 60 Jahre plus, also noch voll im Saft, übergeist ich da. Und das waren Stunden, da hätte man die Stecknadel fallen hören. Die Kinder, meine Schüler, realisierten ganz, ganz schnell, was der Mann, was die Frau uns da erzählt. Da waren die so alt, wie wir jetzt sind. Und dass das real sein kann. Ja, wie behütet ihr aufwachsen. Und ich war so glücklich, dass ich die Grete Humbach hatte, die Frau vom Heinz-Humbach.
Da hatte ich auch mal eine Frau-Mädchen dabei. Das war ja zur Identifikation meiner Schülerinnen ganz wichtig. Sonst standen da immer die Kerbs. Und dann dachten sie, wir sind aus der Gemahre raus. Und das war wunderbar. Hatte natürlich zur Folge, dass ich also praktisch einmal im Monat beim RP antreten musste, weil ich ja Kriminelle in die Schule eingeladen habe. Beim Regierungspräsidium. Genau. Okay. Wobei es ganz komische Szenen gab. Der Schulrat, der Schulrat ist untergerochtet. Der bestellte mich ein und sagte, ja, Wolli hör mal, da hat wieder ein Kollege dich gemerkt.
Ich muss jetzt reagieren. Und ich schreibe auch hier meinen Bericht, dass wir uns unterhalten haben und du das in deine Akten rein. Und dann sagte er, jetzt rede ich als Mensch, gab mir die Hand und sagte, Wolli, mach weiter so. Ich finde das toll, was du machst. Da habe ich auch gedacht, wie schiezt so muss man sein. Ja gut, wo das die Bürokratik. Was essen das Vernechten, das der Edelweiß erwarten? Ja, Solidarität mit einfachen Worten, da ist jemand in Not, sprich die Abgetauchten in den Trümmern. Und denen ganz klar von dem, was man selbst hat, abgeben, ob es ein Decken waren, ob es zu essen und trinken war, oder ein paar Kugeln für den letzten Schuss.
Das ist die Solidarität. Und sich nicht beugen den Verführungen eines Staates, der aufbaut, indem er seinen Untertan sagt, ihr seid über Menschen, ihr seid Edelmenschen, alle anderen sind Untermenschen, die wen vernichtet. Ja klar, das ist gewaltig ist das. Das ist gewaltig viel. Und das finde ich ist durchaus erinnerungswürdig. Gibt es in Köln irgendwo so einen Platz oder ein Erinnerungsraum, wo das sichtbar wird, diese Geschichte der Edelweiß-Piraten? Du hast ja schon die Straße erwähnt. Ich nenne das immer mein Mahnmarkt. Da wo es passiert ist, ist der Bahnbohren bemalt und da ist eine Bronzestate und dort wird immer eine Bronzestafel.
Doch findet das immer statt am 10. November, das letzte Mal waren 6 oder 700 Menschen dabei. Und wir haben in der Körnerstraße, wo die Synagoge stand, wo wir auch dran denken, da ist das auch schon bemalt. Da ist eine Erinnerungsort und es gibt eine Erinnerungsortroman, die 1000 Roma und Sinti aus dem Lager abgeführt hat. In einem Mai, Morgen, quer durch die Stadt nach Deutsch-Stief und hat sie von dort in die Vernichtungslager. Von den 1000 sind ganz, ganz, ganz wenige zurückgekehrt. Und als Kind habe ich mit denen gespielt. Viele meiner Spielkameraden hatten Nummern auf dem Arm.
Irgendetwas hat mich gehindert, sie zu fragen, was das ist. Ich bin mit diesen Leuten aufgewachsen und das ist ein Teil. Und ich möchte nicht zu denen gehören, die verschweigen und so tun, als ob sie von nichts wüssten. Das ist ganz wichtig. Jetzt bin ich alt und bin ein glücklicher Mensch, weil meine Kinder bringen es und so weiter. Die nehmen die Facke weiter und machen das für das Wort. Lass uns noch ein bisschen über dich sprechen, Roli. Du bist 81 Jahre alt. Wie sehen deine Pläne für die nächsten Jahre aus? Ich mache in letzter Zeit immer Pläne und lege dir dem lieben Gott vor.
Und wenn der schweigt, dann sagt er, denke ich, geboren. Sehr gutes Konzept. Ganz konkret, wenn ich eine Einladung kriege, mit Benjamin irgendwo zu spielen. Und das ist dann im Januar oder Februar 1925, denke ich. Das sage ich immer. Wenn der Liebe Gottes zuläs, komme ich mit Benjamin zu dir. Ich bin dankbar, muss ich wirklich sagen, für jeden Tag, den ich leben kann, machen wir mit meinen Freuchen. Viele Rakturen, wir gehen raus, wir konzerte anhören. Ich bin ein absoluter Bücher-Nagel. Wenn der dafür gleich nach Zeit hat, zeige ich, kennst du meine Bibliothek?
Nein, ich zeige es dir. Ich habe angefangen mit zwölf Jahren Bücher zusammen. Ich habe inzwischen so etwas 24-tausches Stück. Ich lese abends oder nachts immer bis halb drei. Dann gehe ich ins Bett. Ich muss das haben. Meine Frau, die hat einen anderen Weg, die verreist gerne. Und ich, manchmal reise ich mit hier, aber meistens werde ich hier bleiben. Wir haben ja heute auch noch ein anderes Thema, den Tod. Denkst du ab und zu oder sogar häufiger über Tod oder was Tod bedeutet? Nein, wir haben ja gerade schon ein bisschen drüber gesprochen. Ja, auf jeden Fall.
Es gibt zwei Quellen in meiner Vorstellung von jenseits. Diese Quellen, die nimmst du ja normalerweise als Kleinkind auf und kannst dich mit deinem Verstand nicht gegen wehren. Sie sitzen dann fest als Elemente in dir. Das eine war die warme Quelle, die ich von meiner Familie hatte. Meine Familie war eine merkwürdig läubige, aber nicht kirchenfromme Familie. Also mal ganz unter uns, was die Priester Bischöfe und Babes etc. ist, die in einem Arsch obey gegangen. Die unterhielten sich viel lieber mit dem Madonna. Das war direkt. Auf der anderen Seite habe ich aber alle Segnonen, die ein katholischer, kleiner Junge hier in Köln mitbekommt.
Einschließlich Beichtunterricht. Ich wusste nie, was ich da weichen soll. Ungekäusch, manchmal ja, so unter Vorstellung, was das sein soll. Aber mir wurde fege Feuer und Hölle lebhaft vor Augen geführt. Das war ja mal gerade in Köln ganz anders, wenn man so einen Begriff wie "Fringsen" denkt. Nein, nein, nein, nein, die unteren Chargen hier in den Vor- ... Waren alle streng? Ja, so unüberlegt. Und zum Beispiel, meine Mutter hatte immer die richtige Reaktion, wenn sie mit mir in Kölner Kirchen war. Sie ist oft mit ihren Schwestern mit mir in die Kirchen gegangen.
Und wenn dann irgendeine Szene war, dann sei ich Apostel, was schon mal in Sankt Apostel. Da, wo die ganze Galerie da ist, kopf unterm Arm und so weiter. Das ist eine Art. Ja, ja, und dann hat sie mir immer gern vor die Augen gedacht. Ich habe mich auch nicht gewährt. Ich denke, wenn die Mama das macht, dann hat das seinen Sinn. Während sie dann natürlich, wenn Maria ihrem toten Sohn da hatte, die Pieter, das haben wir uns angeguckt und dann durfte ich sie auch befragen, ob die Frau da traurig wäre. Die hat mir das alles erklärt. Aber da ist ja total nur selbst präsent.
Ja, natürlich. Und von da aus habe ich mal festgestellt, es gab eine Phase bei mir. Ich habe Theologie studiert. Ich war Religionslehrer. Und irgendwann habe ich den Verein den Lappen dann vor die Türe geschwissen oder für die Füße. Also vielen, vielen, vielen Leuten und, glaube ich, der Generation Vormeer, noch mehr, die ist mit dieser Angst vor den Höllenqualen ganz schön gefügig gemacht worden. Da bin ich ganz sicher. Da bin ich ganz sicher. Was ist der Tod für mich jetzt? Es gibt so schöne Bilder, die mich erreichen, die ich reproduziere, die ich auch in meinen Liedern gebrauchen.
Da gibt es das jüdische Bild, bevor die Juden in ihren Philosophie und ihre Religion, die Wiedergeburt beziehungsweise das ewige Leben hatten. Bei den Juden, bei den ersten fünf Büchern Mosel, da ist das Leben ein Brogen. Du beginnst und dann bist du irgendwann mal weg, bist du bei deinen Arten versammelt. Da gibt es weder Hölle noch Fegefeuer. Das ist sehr, das kommt mir sehr nahe. Dann gibt es schöne Bilder, vor allen Dingen seit es die Bestattungen in den Friedwerdern gibt. Dass man eintaucht in den Kreis auf der Natur. Das ist auch ein schönes Bild für mich.
Dann gibt es solche Sprichkrochtungen. Solang du von jemandem erzählst und über ihn erzählst, so lang ist er bei euch schon nicht tot. Das sind alles Sachen. Ich weiß aus der Geschichten, aus der Literatur, aus der Philosophie, dass selbststarke Leute wie Voltaire, als es in die Zielgerade ging, auf dem toten Bett wackelig geworden ist. Oli hat Voltaire erwähnt. Bei Voltaire fällt mir eines gibt ja so ganz berühmte letzte Worte. Mehr Licht hat, glaube ich, Goethe gesagt. Du könntest bewusst sterben, Oli. Was wären deine letzte Worte? Hast du dir was zurecht gelegt, auch als jemand, der natürlich viel mit Text gearbeitet hat im Leben?
Im Moment, seit einigen Jahren stabil, ist es der Folgendes. Lass euch nicht verführen, dass Leben wenig ist. Genießt es in vollen Zügen. Es wird euch nicht genügen, wenn ihr es lassen müsst. Das war natürlich mein geliebter Baby, Bert und Becht. Sehr schön. Man darf auch auf dem toten Bett ruhig die ganz Großen noch einmal zitieren. Ich glaube, das ist erlaubt. Oli, lass uns deine Beerdigung planen oder hast du darüber noch nicht nachgedacht? Da musste ich undenken. Eigentlich war ich gerne den Kucklkorn, wenn er den Namen sagt. Der hat ja auch ein Bestattungsunternehmen und bei dem habe ich auch schon mal gespielt.
Dann hat er mir seine Särke gezeigt und ist ja ganz jeg. Ich habe auch einen Kucklkorn im Fußballform. Der hat auch sogar Nachchen mit Autos und was man das machen kann. Da stehe ich nicht unbedingt noch. Mein Wunsch war, und das ist leider so viel, ich weiß, bei uns noch nicht erlaubt, dass meine Asche von meinem Leben auf eine Körner Brücke gebracht wird und dann im Wind in den Rhein und vom Rhein ins Meer. Man kann es aber machen und ich kenne einen evangelischen Fahrer, der früher sehr aktiv war, der damit Menschen auch hingegangen ist. Das kriegt er schon werden.
Ja, pass auf, ich skandet. Irgendwann habe ich dann mal, da saßen meine Kinder zusammen, wirklich alle vier. Ich habe vier Kinder und habe das gesagt und haben die Protest geschrien. Wollen sie nicht? Nein, die haben gesagt, wir wollen einen Ort, wo wir hingehen, wenn wir mit ihnen reden. Das ist häufig, häufig. Ich denke, bist du egoistisch, machst du selber Wirt? Das war also richtig entsetzend in den Augen meiner Kinder. Gut, dass ihr darüber geredet habt. Eben drum, das meine ich, ein großes Geschenk von Fritz, der konnte mit uns auch nicht gut darüber reden.
Ich weiß, dass er mich lieb hat und dass er es gut machen wollte. Ihr macht das schon gut. Wenn er irgendwas ist, was für euch besser passt, 4 Kinder unter einen Hut zu bekommen, ist ja auch nicht einfach. Die merken ja auch vielleicht erst ein halbes Jahr später, was ihre Bedürfnisse sind. Wie jetzt der Tag war oder was die so erlebt haben oder was du da gesagt hattest. Vorbei ich dann im Nachhinein sagen muss, man muss auch als Papa, man ist nicht immer perfekt. Da fiel mir ein, dass der Peter, mein ältester Sohn, immer so erzählt, er will auf Milaten beheilig werden, da gibt es eine bestimmte Grabschaft, da sind so alles Musiker.
Und selten, dann stelle ich mir vor, wenn alles ruhig ist, dann kommen wir zu den Greibern, dann machen wir zusammen Musik. Ja, pass auf, dann hätte ich da besser zugehört. Ich habe das gehört, aber hat mir nichts dabei gedacht. Ich fand das etwas mehr schenhaft, aber lustig war das so erzählt. Dann hätte ich den Wunsch herausgehört, immer hör mal, es muss ein Ort geben, wo man dem anfassen kann. Also es gibt die Trauer, die durchaus abstrakt ist, so du bist im Wind und so weiter. Und die wollen wahrscheinlich einen Ort, wo sie hingehen können.
Und letzte Woche muss ich natürlich mit meinen Freuchen reden. Das ist auch so. Wir haben übrigens, meine Frau hat mich an den nicht vorhandenen Haaren hingezärt, für letzte verfügung und Arztverfügung und so weiter. Das muss man ja heute alles sagen. Das ist besser, wenn man es fragt. Wir haben nämlich festgestellt, mein Bruder ist zwei Jahre älter an sich, der ist 83. Also der Dieter und ich, wir sind die... So alt ist niemand in unserer Familie jemals geworden. Meine Mama ist mit knapp 50 vorm Umst gegangen. In einer Phase, wo ich sie dringend gebraucht hätte.
Weil ich plötzlich Vater von Peter und Stefan wurde. Da hatte ich ja, das habe ich ja auf eurer Konzerte auch erzählt, da hatte ich ja ganz komische Reaktionen. Da hatte ich plötzlich Wut auf meiner Mutter. So nach dem Motten, du hast mich verlassen, du hast mich verraten und so weiter. Das war zu einem passenden Zeitpunkt. Und da bleibt so vieles ungesagt. Und ich habe ihn enthättet. Da habe ich uns so ein Doppel geschrieben, dass ich eineinhalb Jahre lang nicht weinen konnte. Da hier die Umwelt mich für einen ganz hart gesortenen Wurschen, den er nicht mal weint, weil seine Mama dode.
Ich konnte aber nicht weinen. Ich hätte so gerne geweint. Ich habe im Moment, ich schwanken noch, bin ich egoistisch und gehe ja mit der Asche ins Meer. Oder wenn, dann möchte ich aber auf dem Wesfriedhof sein. Auf dem Wesfriedhof ist meine gesamte Familie. Und meine Freunde, ein Freund der Edelweissberaten und ethische Zigeuner sind da begraben. Da fühle ich mich zu Hause. Ich glaube, da gibt es auch Musiker. Ja, da gibt es auch Musiker. Ja, da gibt es auch Musiker. Und die Inschrift auf einem Grabstein, da gibt es ja auch ganz interessante Ideen.
Da steht ja dann mehr drauf als nur der Name und das Geburts- und Sterbedatum. Da könnte ja auch etwas stehen. Künstler, Dichter, Musiker, würdest du so was gerne auf deinem Grabstein stehen haben? Nein, nein, nein, nein. Also, es gibt einen Spruch, verstehst du Kurt? Nein, aber David kann es ja übersetzen. Nein, dann übersetzt es für dich. Meine Mama hat immer gesagt, es wird nirgendwo so viel gelogen wie am Grab. Und das hat sie mir sehr früh gesagt. Bei uns ist ja viel gestorben worden. Warum? Weil wir eine riesige Familie waren. Und das möchte ich überhaupt nicht haben.
Also, mein Name steht. Ich habe die Qual, ich heiße eigentlich Heinz Rolf. Heinz nach dem Opa. Rolf weiß ich nicht, warum. Aber seit ich mich erinnern kann von der Familie Rolle genannt habe. Und ich hatte sie gemacht, Personalausweiser standen Rolle drauf. Und dann ist es... Du akzeptierst dann das MTA, die nicht. Nein, nein, nein. Dann mach ich viel machen. Ja, ja, gut. Also, so Rolle bringt stehen von dann bis dann. Fährt in. Und was der gesprochen wird am Grab dazu, und die Kinder unter sich ausmachen. Und hast du den Wunsch, was da gespielt?
Ja, natürlich. Da habe ich dann... Das ist klar. Die Brings haben mit dem Bonner Beethovenorchester von Shostakovich den Walzer mit Dext versehen. Schlaf gut, mein Land. Das ist übrigens auch der letzten Beerehrte, die ich erlebt habe von meiner Schwergerin gespielt. Und das ist auch wunderbar. So, habt ihr genug gehört? Ja, das ist eigentlich... Ich könnte uns stündchen zuhören, das war der ganz toll. Herzlichen Dank. Herzlichen Dank, Kollege. Das war es für heute. Schön am Leben bleiben und bis bald.