Episode 26 ∙ 29.07.2025 ∙ 28 Min
Frag doch mal den Bestatter! Die MausKlasse war bei uns zu Gast
Mit David Roth, Klaus Reichert
Was passiert, wenn eine ganze Schulklasse ein Bestattungshaus besucht? Diese Folge hat keinen klassischen Studiogast: Stattdessen läuft eine Reportage von Maus-Radio, in der Kinder der GGS Hebborn aus Bergisch Gladbach als „Mausklasse" gemeinsam mit Maus-Reporterin Insa das Bestattungshaus Pütz-Roth erkunden.
David Roth erzählt außerdem, wie er selbst als Kind im Leichenwagen mitfuhr, wenn seine Eltern nachts zu einem Sterbefall gerufen wurden – auch mitten aus einem geplanten Ausflug in den Märchenwald heraus –, und warum es für ihn schon als Kind ganz normal war, mit trauernden Menschen zu sprechen.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „David, du bist im Bestattungshaus aufgewachsen. Wie war das eigentlich für dich als Kind? Erinnerst du dich noch an die erste Fahrt im Leichenwagen?" – „Oh ja, das war spannend. Früher gab es in den Leichenwagen noch so etwas wie einen Notsitz hinter dem Fahrer, da passten dann ein, zwei Kinder rein."

Über den Gast
Diese Folge hat keinen klassischen Studiogast. Stattdessen läuft eine Reportage von Maus Radio: Kinder der GGS Hebborn aus Bergisch Gladbach waren als „Mausklasse" mit Maus-Reporterin Insa im Bestattungshaus Pütz-Roth zu Besuch. David Roth erzählt außerdem, wie er als Kind selbst im Leichenwagen mitfuhr, wenn seine Eltern nachts zu einem Sterbefall gerufen wurden, und warum es für ihn ganz normal war, mit Trauernden zu sprechen.
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Weitere InformationenTranskript
Hallo zu Talk about Toad, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Ich bin Klaus Reichert. Ich bin David Roth. Heute reden wir nicht mit einem Gast, sollen wir spielen euch eine Sendung von Maus Radio vor. Das ist die Radioversion von der Sendung mit der Maus. Da gibt es eine Sendung, die heißt Maus Klasse. Die Kinder der GGS Hebborn in Bergisch Gladbach waren als Maus Klasse bei uns zu Gast mit Maus Reporterin Insa auf Entdecker-Tour im Bestattungshaus. Diese Reportage hören wir uns gleich zusammen an. David, die Kinder haben sich gewünscht, zu uns zu kommen.
Das passiert ja öfter. Ja, das hat mich total gefreut. Es passiert uns tatsächlich öfter, dass Kinder, die schon mal bei uns waren, sei es die Maus Klasse oder auch eine Nachbar Klasse, die waren im Rahmen, ich glaube, das Religionsunterricht bei uns und wollten mit mir über das Thema Tod und Sterben sprechen. Und wenn Kinder, da versuchen wir den Eltern ganz viel Mut zu machen, das zu tun, mit auf Trauerfeiern genommen werden und da einfach sein können, passiert es uns häufiger, dass Kinder uns noch mal besuchen wollen und fragen, ob die ihren Geburtstag bei uns feiern dürfen.
Also sowohl im Wald, der einfach ein Offener und Willkommenerwald ist oder auch im Haus. Und wenn wir dann Raum haben, dann könnt ihr den einfach nutzen, dann sind wir ja eigentlich immer ganz happy zu sehen, wenn die ums Laus laufen Freude haben oder wir dann auch mal einen Prinzessin Elsa Kuchen abbekommen, der übrig geblieben ist. Also es ist eine wunderschöne Sache und das hat mich halt auch total gefreut, wie die dann mit der Inspektions gekommen sind und das war ziemlich quirlig. David, du bist im Bestattungshaus aufgewachsen. Wie war das eigentlich für dich als Kind?
Erinnert es dir dich noch an die erste Fahrt im Leichenwagen? Oh ja, das war spannend. Denn früher gab es in den Leichenwagen noch so etwas wie ein Notsetzt, der hinter den Fahrer sitzen war. Da passten dann ein, zwei Kinder quasi rein und ganz am Anfang sind meine Eltern ja eigentlich jedes Wochenende oder abends auch selber gefahren, wenn jemand gestorben ist und haben denjenigen von zu Hause abgeholt. Und wenn wir dann eigentlich vorhatten, also wir können ja nie planen, wann wir gebraucht werden, wann wir zum Menschen gehen, da hatten wir dann vielleicht einen Ausflug in den Märchenwald bei Altenberg.
Das erinnere ich mich sehr deutlich geplant. Und auf einmal gab es dann über den Euro-Pipser, das war so eine frühere Möglichkeit sich zu erreichen, die Nachricht, dass wir uns mal melden sollen bei der Telefonzentrale. Und dann war da eine Fahrt und dann ging es halt statt Märchenwald in die Firma, da wurde der Leichenwagen geholt, damit ich da keinen Blut sind, wahrscheinlich mache oder da einfach unbeaufsichtigt bin. Ich war so acht, neun Jahre alt, wurde ich natürlich direkt mit eingepackt, saß auf diesem Notsitz und war mit meinen Eltern unterwegs und hab halt live mitbekommen, was die machten.
Und das war für mich total normal, mit Menschen in dieser Situation zu sprechen, zu sehen, wie meine Eltern mit einer Familie sprachen, dann in eine Wohnung zu gehen, den Verstorbenen nachher in die Firma zu bringen. Und so bin ich ja eigentlich aufgewachsen in dem Gedanken, dass das normal ist, dass Menschen sterben und dass man damit einander spricht und versucht, was helles Schönes draus zu machen. Ist vielleicht ein Hinweis auch darauf, dass wenn man sich dieser Situation stellen kann, also die meisten wachsen nur nicht in Bestattungshäusern auf und haben im Grunde tagtäglich damit zu tun und es wird irgendwann für einen dann automatisch normal, wenn man nicht in dieser Situation aufwächst und tatsächlich jemand im Umfeld verstirbt, nicht weggucken, sondern eher hingucken und mitmachen, oder?
Genau das und vor allem darüber sprechen. Ich konnte ja immer mit meinen Eltern darüber sprechen, das war bei jedem Essen immer, wenn wir irgendwo unterwegs waren, wenn meine Eltern Menschen trafen, sei es trauernde oder auch Freunde, das war irgendwo Thema. Und ich konnte einfach sehen, wie es tatsächlich ist, statt mir das halt so zusammenzuraumen und zu fantasieren, wenn ich das halt nicht als Thema habe oder immer nur so ein bisschen aus den Medien mitbekommen und gar nicht zuordnen kann. Wie war das, wenn deine Freunde gefragt haben, was deine Familie beruflich macht?
Das war immer ein großes Uh-ho, erst mal ein bisschen Makabe, aber dann kamen eigentlich immer tiefe Fragen. Das passiert mir bis heute, dass Menschen sich das halt eigentlich nicht vorstellen können, immer ganz viele Vorteile haben. Das ist doch bestimmt sehr traurig, schrecklich, unhygienisch, das riecht doch sicher. Also das ist ja immer so eine gewisse Gemengelage. Das ist eigentlich gerade das Tolle, wenn man darüber spricht, dass dann daraus was wachsen kann statt dieser Sprachlosigkeit und Angst. Ich bin ja nun in der Metzger-Familie aufgewachsen und kenne ja das Gefühl, wenn man gefragt wird und dann sagt, ja mein Vater ist Metzger und dann kommt auch so diese oder kam diese Reaktion so ein bisschen "Igid".
Ja, Makabe, da hättest du. Und dann ist aber folgendes passiert, ähnlich wie du das heute beschreibst, dass man sagt, okay, dann kommt auch alle mal und guckt euch das persönlich an. War das bei uns auch so, dass mein Vater dann irgendwann gesagt hat, da kommt er halt mal mit der Klasse zu uns und dann waren die auch da und da gab es für jede eine Scheibe Geldwurst und die konnten man in die Wurstküche gucken und da war dann die Situation komplett wieder anders. Also wenn man sich wirklich mal dann die Mühe macht und hingeht und guckt, dann verändert sich das.
Und das erlebe ich ja halt dann auch so ein bisschen mit meinen Kindern. Die kamen im Kindergarten von einem Ausflug wieder, wo die über Felder gegangen sind. Und gerade wo du das sagst mit der Metzgerei, die haben dann eine tote Kuh gesehen hier bei uns auf dem Land und waren erstmal auch so ein bisschen entsetzt. Wie kann das sein? Natürlich begreifen die nicht die ganze Tragweite davon, aber das war eine spannende Sache. Das war eigentlich das Einzige, wovon sie von diesem Ausflug erzählt haben. Und wie ich dann den erzählt habe, dann kommt die in die Wurst.
Da waren die ganz happy, denn Wurst mögen die alle. Sei es die kringlen Metzwurst von der Metzgerei oder die Bratwurst oder ähnliches. Und wo sie dann natürlich auch so ein bisschen begreifen können, dass das eine nicht ohne das andere geht. Natürlich nicht, dass der Metzger ein Tier das so verstuppt noch verwendet, aber dass sich das bedingt, dass das einfach Leben ist. Wie erleben denn deine Kinder deinen Arbeitsalltag? Was bekommen die davon mit? Also die bekommen natürlich davon mit, wenn ich telefoniere, dann wird auch schon mal die Serie oder der Fernseher ausgemacht, weil ich einen kleinen Moment Ruhe brauche und dann hören die zu.
Und dann stellen die mir auch Fragen zu dem, was da geschehen ist, damit die das einordnen können. Alle meine Kinder haben ein Praktikum bei uns gemacht, bisher beziehungsweise Ferienjob. Ich bin gerade auch wieder hier von meiner Jüngsten, die ist jetzt zehn Jahre alt gefragt worden, ob sie bei uns in den Ferien arbeiten kann. Und die finden das natürlich spannend, da ist immer was los. Die sehen ganz viele Sachen, die sehen natürlich auch so ein bisschen teilweise auch die technischen Aspekte. Hier so ein Leichenwagen ist ja ein Spezialfahrzeug, ähnlich wie ein Krankenwagen oder Feuerwehrwagen, wo es dann ganz viele Materialien gibt und irgendwelche Schalter, die irgendwas bewegen oder Klappen, die aufgehen.
Für die ist das auch ganz normal, die finden das ganz pragmatisch. Und meine zwei Jüngsten, die sind ja auch bei uns in einem Kindergarten, der bei uns auf dem Gelände war gewesen. Und die kennen sich ganz blind aus, sage ich mal, bei uns. Die haben da keine Scheu. Also wir müssen glaube ich mal für die Leute, die jetzt nicht so genau Bescheid wissen, dass es ein Kindergarten bei uns gibt. Es gibt die Gärten der Bestattung, das ist ein Friedhof, der erste private Friedhof in Deutschland und irgendwann kam die AWO zu uns und hat diesen Vorschlag gemacht oder kam der Vorschlag von uns dann?
Nee, ich habe die bewusst eingeladen, dass die zu uns kommen. Einmal weil wir wissen, dass Kinder alles heller machen, dass Kinder eigentlich nur lernen können, was normal ist und das einordnen können, wenn sie die Möglichkeit haben, sich damit zu befassen. Und es war halt früher so, dass ich einen anderen Kindergarten gesehen habe, der langsam von einem Friedhof verdrängt wurde und wo das Thema leider ziemlich eskalierte, weil die Kinder da als Störfaktor empfunden wurden. Und da habe ich gesagt, bei uns ist das nicht so gruselig, also mit Verbotsschildern und Ähnlichem.
Und das haben die fröhlich gemacht, die sind jetzt da 10 Jahren bei uns auf dem Gelände. Und das ist immer eine Freude, so im Schnitt ein, zwei Mal die Woche gehen die bei uns über den Friedhof oder kommen auch ins Haus. Wenn wir die sehen, jetzt zuletzt hatte ich sie gesehen, wie unser Sommerkonzert da waren, das fand die natürlich auch ganz spannend, dass so etwas auch in einem Bestattungshaus stattfindet. Das war ein großes Kino. Jetzt war die Mausklasse bei uns zu Gast. Wie erinnerst du dich an diesen Tag? Das war vom ersten Moment an spannend.
Das war Improvisation pur, die sind ja quasi unter Live-Bedingungen bei uns reingekommen. Angeführt von Kindern wurde die Insa so ein bisschen in das Haus hinein gezogen und ich wusste nicht so genau, was da auf mich zukommt. Da ist ja immer gerade das Spannende bei Kindern, welche Fragen die stellen und die waren halt voller Enthusiasmus. Wir haben uns erstmal bei uns in der Villa in den Raum gesetzt, wo auch noch die Dekoration von der Trauerfeier stand. Und dann kamen wir ganz viele ins Erzählen und eine Frage kam zur nächsten. Also die waren gut anderthalb Stunden bei uns.
Nachher sind da, ich glaube normalerweise haben die 4-5 Minuten, um daraus einen Beitrag zu machen. Insa dann einfach aufgrund der Fülle an Themen und Fragen auch erweitert. Und nach einer kurzen Zeit sind wir dann als Gruppe so eine richtige Traube durchs Haus gezogen. Ich glaube, wir waren so an die 30 Personen insgesamt, Lehrer, Begleiter, Insa, ich und die ganzen Kinder. Und dann sind wir halt durchs Haus gegangen, so ziemlich in alle Räume. Wir haben uns sehr angeschaut, die Räume, wo Verstorbene gewaschen werden, wo man Abschied nimmt, haben auch einen Leichenwagen gesehen, der wirklich ein Highlight da auch für Kinder ist, sind ein bisschen in den Wald gegangen und das war eine quirlige Zeit und die Zeit ist wie im Flugvergang.
Jetzt ist mehrfach der Name Insa gefallen. Insa ist die Reporterin der Redaktion, der Mausredaktion, die dabei war, die mit den Kindern und ihren Lehrern dann zu uns ins Haus gekommen ist. Und wenn ich das richtig verstehe, die ist jede Woche in einer anderen Schule, in einer anderen Klasse, spricht mit den Kindern und die dürfen sich halt in dieser Mausklasse ganz frei dann entscheiden, was sie entdecken wollen. Und wir hören uns jetzt mal diese Reportage an, die damals entstanden ist und sagen vorhin noch ein dickes Dankeschön an den WDR, der uns das erlaubt hat, dass wir das hier im Podcast vorstellen.
Also dann hören wir es uns jetzt an. Hallo, mein Name ist Paula. Wir sind die Mausklasse. Herzlich willkommen, Mausklasse. Ich bin David Rot und begrüße euch hier ganz herzlich im Bestattungshaus Pütz Rot. Kommt einfach mal mit. Ich habe hier vorne einen schönen Raum, wo nachher eine Trauerfeier sein wird. Deshalb ist er schon ein bisschen dekoriert. Was fällt euch hier auf? Dass es sehr ruhig ist. Es ist sehr traurig und nicht so aufgeweckt, geschmückt. Das merkt man. Es fordert auch mit vielen Kerzen und so. Also es ist auf jeden Fall sehr schön.
Und da ist so eine kleine Erhöhung und da stehen ganz viele Kerzen drauf. Da sind auch Moos und Blumen und hier sind überall so Stühle. Also ich finde, es riecht so nach einer Mischung aus Duft, Kerzen und irgendwie auch nach Wachs. Und also das kann man nicht so gut beschreiben, dass es so ein eigenartiger Geruch. Es riecht so ein bisschen nach Honig. Genau. Also hier sind natürlich viele Blumen im Raum. Heute Lilien. Das sind so große, prächtige, rosarote Lilien. Hier ist ganz viel Moos, ganz viele andere Blumen. Und natürlich das mit den Kerzen.
Das ist auch so. Wir haben hier gefühlt irgendwas bei 80, 90 großen Stabkerzen im Raum. Ja, wir sind hier in einem großen, hellen Raum, wo man in die Natur reinschauen kann. Und wonach keine Trauerfeier stattfinden wird. Und wo dann eine Ohne stehen wird. Eine Ohne ist so ein kleines Behältnis, wo wenn jemand eingeächert wurde. Das heißt, wenn der Verstorbene mit dem Sarg verbrannt wurde, man nachher in diese Ohne kommt. Und ich bin ganz gespannt, was das für eine sein wird. Denn die werden hier teilweise ganz selber gemacht von den Familien. Und dann gehen die vielleicht nachher mit dieser Ohne selber zum Grab, wo sie die Ohne tragen.
Vielleicht irgendwelche schönen Sachen hinterhergeben. Vielleicht Bombons oder Blumen oder was mögt ihr? Was soll euch hinterhergegeben werden? Auf jeden Fall viele schöne Blumen. Ich habe ein Andenken an meine Familie. Vielleicht Kerzen, ein Foto von meiner Familie und mir. Also ein Foto von allen Leuten, die ich gerne gemacht habe. Und von meinen Freunden und von meiner Familie und so. Ein Foto von meinem Hund und meinen Freundin und meiner Familie. Vielleicht ganz viele Blumen und einen Freundschaftsarbeit als Andenken. Jetzt haben wir schon eine Menge erfahren über Bestattungen, wie sie unterschiedlich sein können.
Und was man für Behältnisse selber bauen kann und bemahlen kann und so weiter. Und Herr Roth, was machen wir jetzt? Jetzt gucken wir uns mal so sehr gut und ordentlich an, wenn ihr möchtet. Und gehen mal in die Werkstatt. Ich habe noch einen Überführungs, also Leichenwagen für euch, wenn ihr möchtet, dass wir uns den anschauen können. Und so einen Raum, wo man zu Verstorbenen gehen kann, wo allerdings heute ein Lehrer sagt. Achtung, hier ist eine Stufe. Wir gehen hier durch die Eingangszahle und hier kann halt jeder hinkommen. Der mal gucken kommen mag, der wopft einen runter.
So, und jetzt gehen wir die Treppe runter zu dem Raum, wo man sich ganz viele Serge ansehen kann. Meine Kolleginnen, die waschen gerade auch jemand, der verstorben ist, aber da gehen wir nicht hin. Und hier seht ihr die Serge, von denen wir gesprochen haben. Und gleich seht ihr auch einen, der offen ist. Die sind innen drin, alle gepolstert mit Decken und Kissen. Also es sind sehr viele unterschiedliche Säge hier im Raum. Manche sehen eher so poliert aus. Manche haben goldene Griffe, manche sehen eher einfach aus. Durchs Fenster sieht man so ganz viele Bäume und so.
Und der Raum ist halt auch eher so mit Pflanzen und hier sind so grüne Wände. Es riecht auch irgendwie so nach so einer Blume, die irgendwie typisch ist. Es ist sehr kalt und in der Mitte steht ein Sitze. Es gibt auch hier Regale aufgehängt, da sind glaube ich Ohren drauf. Und auf einem Regal ist eher so, ich sag jetzt mal Strandig. Auf dem anderen ist eher so Frühlingshaft. Auf einem ist es so schwarz und auf dem anderen sind da so ganz viele Pflanzen und Gräser. Ich habe eine Frage, was ist dieses Lila, also dieses Stucklbinkedingsbus? Das ist so eine Ohne, wie ich gesagt habe.
Hier kann man auch mal aufmachen. Ich habe es schon geschafft. Wir haben immer einen unterschiedlichen Verschluss. Und das ist das, wo dann diese Kapsel reingesetzt wird. Da sind hier so Bänder dran, mit denen man die in die Erde legen kann. Und die ist zum Beispiel aus so einem Granulat, das im Boden halt sich zersetzt. Also nach einem halben Jahr soll das Ganze verschwunden sein. Die ist so rot mit einem goldenen Rand oben beim Deckel. Was würdest du sagen, wie groß ist die ungefähr? 20 bis 30 Zentimeter. Würde ich auch sagen, also 20 Zentimeter vielleicht im Durchmesser, 30 von 30 Zentimeter hoch.
Hier sieht ja hier ganz viele. Hier sind so Fußspuren draus, die da vorne sind aus Holz. Da hinten ist es aus Papier, das sieht so ein bisschen wie Gefalten aus. Ich finde, die Ohren sehen auch sehr unterschiedlich aus. Manche sehen eher so ganz wichtig und streng aus, andere mehr einfacher. Ja, okay, dann kommt man mit. Wir gehen einmal am besten kurz durch die Werkstatt. Das ist auch so ein bemalter Sack. Grün, rot, gelb, orange. So, und direkt hier unten am Eingang sind die Abschiedsräume. Und der Raum ist so offen. Und meine Kollegen haben mir hier einen offenen Sack hingestellt.
Das ist so ein roter Sessel drin, so ein paar Tische. Man kann hier rein und raus gehen, man kann die Räume sich so auf oder so zumachen. So hell oder so dunkel, wie man mag, Musik hören, was essen, trinken, Freunde empfangen. Und das eigentlich sage ich jetzt mal im kleinen Wien Wohnzimmer hier. Also es gibt hier auch so einen Sack, da sind halt Kissen und so drinnen. Und dann machen wir halt den toten Mensch, glaub ich, da rein. Und danach kann man sich halt da verabschieden. Und die Sachen dazu legen, so wie wir vorher gesagt haben. Und im Trin ist ein Kissen mit einer Decke, also recht gemütlich, damit es auch nicht so hart ist.
Das ist auch alles an der Seite mit einem weißen Bezug beschichtet. Um es auch eigentlich gemütlich aussehen zu lassen. Um das auch für die anderen, die das halt auch sehen. Und die hellen Farben, alles das Gegenteil von der Trauer. Und der Sack ist auch rund und ein bisschen angemalt. Manchmal gibt es den auch so mit Hände abdrücken. Das sieht so aus wie ein kleines Bett eigentlich, wo noch ein Deckel drauf kommt. Dieser Raum insgesamt ist eher schummrig, aber es gibt hier so ein Fenster nach draußen, so in die Natur. Und hier ist auch so Deco.
Also es sieht auf jeden Fall sehr schön aus. Und ich würde mich gerne hier vorne im Toten verabschieden. Also wenn man sich in Form verstorben, im Fall abschieden, könnte man dann auch so richtig mit dem Kurs stellen oder so. Natürlich, ihr dürft dir den berühren. Ihr könnt hier nichts falsch machen. Und es ist ja auch wichtig, dass man das mit allen Sinnen begreift. Dass man spürt, dass jemand was kälter ist, dass man merkt, dass der sich nicht bewegt. Und wenn du magst, kannst du jemand über die Wange streicheln, den Arm nehmen. Ein Verschraubchen ist ja sehr kalt.
Manchmal nehmen die auch so die Hand, um die zu wärmen, damit es einfach nicht so kalt ist. Ja gut, wenn ihr möchtet, gehen wir mal zu einem Überführungswagen. Also zum Leichenwagen? Zum Leichenwagen. So, gut, jetzt sind wir hier beim Leichenwagen. Der ist so ein bisschen rund, also oben. Der hat am Fenster so weiße Wände, da wird man die Leichen nicht. Und der geht jetzt hoch, das kann man nämlich auch. Der Sichtschutz geht hoch, wie ein Rollo. Genau, wie ein Rollo, dass man den Sarg auch sehen kann. Das Auto sieht aus wie ein sehr, sehr großer Kombi.
Oder wie ein kleiner, eleganter Lieferwagen in Schwarz. Genau. Und er ist natürlich dafür gedacht, dass man dort einen oder teilweise auch zwei Serge in diesen Wagen hineinsetzen kann. Und dann ist da so eine Schublade, die man rausziehen kann. Mit so ein Metall oder so, so ein Schiebeding. Ich denke, da liegt der Mensch dann drauf. Und ja. Man kann das was höher und noch was tiefer auch machen. Dass man das halt einfach sehr ruhig machen kann, sehr sanft machen kann und einfach ordentlich ist. Wir können nochmal hier, sag ich mal, ums Haus rum, dass wir oben uns wieder die Rucksäcke holen.
Also ich fand es sehr cool, dass wir die ganzen Säge uns so angucken durften. Und hier oben, ich fand es cool, dass wir den angemehrten Sarg anschauen durften. Ich fand es gut, dass wir mal in den Leichenwagen gucken durften. Ich finde das toll, wie lang die Leichenwagen waren. Ich finde es toll, dass man bei einer Beerdigung und wenn jemand gestorben ist, so viel selber machen kann. Also ich fand es halt cool, dass hier alles so natürlich ist. Und man sich selber so alles aussuchen kann. Ich fand es toll, dass man den Sarg reingucken konnte. Ich finde toll, dass es für das Rot sich so viel Mühe gibt für die Menschen, die Sturm sind und auch für die anderen Menschen, die daran trauern.
Ich wollte mich auch noch bedanken, dass wir überhaupt hier sein durften. Ich fand das toll, es war super, Eindruckend zu sehen, wie direkt die Kinder fragen, einfach ganz frei nach Schnauze aus dem Moment heraus. Und wie unaufgeregt sie mit dem Thema umgehen. Und ich finde, wie sie auch wertschätzen können, dass sie in so Situationen dabei sein durften. Auch als Mut gegenüber den Eltern. Dass sie halt dadurch nicht ängstlich oder traurig werden, sondern Kinder haben eine ganz eigene Achtsamkeit. Warum tun sich eigentlich viele Erwachsene so schwer, damit mit Kindern über den Tod zu reden?
Weil es auch einfach den Eltern Angst macht. Weil es einfach für uns auch als Eltern so ein Thema ist. Und weil wir das vielleicht teilweise gar nicht mehr gelernt haben. Also die, die nicht auf dem Dorf leben, die nicht mitbekommen haben, wie das ist, wenn sowas in der Nachbarschaft passiert. Und weil die einfach Angst haben, dass ihren Kindern das auch Angst macht. Und natürlich vielleicht auch, weil das natürlich ein aufwendiges Thema ist. Man weiß nicht, wie so ein Gespräch endet und wann so ein Gespräch endet, dass das schnell vorbei ist.
Und ja, das überträgt sich natürlich irgendwo über Generationen. Und da fehlt in vielen Familien einfach die gemeinsame Sprache. Und ja, da gibt es auch vielleicht gar keine Patentantworten, dass man sagen kann, das ist jetzt so und so. Und damit ist das getan. Sondern einfach, das macht den Raum ziemlich auf. Was macht das mit Kindern, wenn sie ausgeschlossen werden bei der Beerdigung beim Abschied, beim Sprechen über den Verstorben? Also das zwingt die Kinder natürlich dazu, sich das Thema selber zu erarbeiten. Anhand der Ressourcen, die sie zur Verfügung haben, was meistens nicht viele sind, dass sie halt vieles auch einfach vielleicht dazu fantasieren und auf sich beziehen.
Also wenn die nicht wissen, warum ihre Eltern traurig sind, was da weitergeht, dann ist da ja häufig auch die Gefahr gerade bei Kindern, dass sie das Gefühl haben, sie haben was falsch gemacht oder sie haben was verursacht. Oder auch wie monströs muss das sein, wenn schon meine Hauptbezugspersonen davon so erschüttert sind, so traurig sind. Und das schürt einfach Ängste vom Schlafen gehen, Ängste, dass es einem selber passiert. Dass es den Eltern passiert, dass man dann irgendwann vielleicht ganz alleine ist. Das ist heftig für Kinder. Die Realität ist halt immer besser und klarer und grundsätzlicher.
Als das, was wir uns an Ängsten vorstellen, das kennen wir ja auch als Erwachsene. Das alles, was uns nicht vertraut ist, uns Angst macht und uns erst mal vor Riesen Probleme stellt. Was würdest du Eltern raten, die sich unsicher fühlen, soll ich mein Kind mit zur Beerdigung nehmen? Also ich würde den raten, das immer zu machen und sich im Zweifelsfall einfach mal mit kundigen Menschen in dem Thema austauschen. Es gibt überall in Deutschland, heutzutage auch Projekte, Kindertrauergruppen, wo halt nicht Kinder in einem Stuhlkreis sitzen, sondern wo Familien betreut werden, gerade miteinander zu sprechen.
Der eine oder andere Bestatter hat da definitiv heute auch Kenntnis. Im Zweifelsfall kann man sich immer bei uns melden, um so ein bisschen auch zu schauen, wie kann ich mir das einfacher oder besser gestalten. Dass es da ein paar Hilfsmittel oder Aufgaben gibt, die die Situation einfacher machen. Und ich glaube, da kann man nichts falsch machen. Wir sind über Jahrmillionen Jahre da irgendwie hingekommen. Es war früher ganz normal, dass auf dem Dorf die Kinder halt nicht dann in eine Kita oder Betreuung gesteckt wurden, sondern bei allem irgendwie mit liefen und die Normalität gesehen haben.
Und das hat Menschen vielleicht ein kleines bisschen pragmatischer und patenter gemacht. Und das gibt halt die Möglichkeit auch zu ganz anderen Gesprächen und Verbindungsebenen miteinander. Statt dass da jeder so sein eigenes Süppchen macht, so sage ich jetzt mal so wie jeder heute, sein eigenes Endgerät hat und dann irgendwie in seiner Bubble irgendwo hingezogen wird, sondern dass man auch tatsächlich wieder verbunden wird. Und würde ich immer machen und unsere Erfahrungen sind durchweg gut. Und da geht es halt auch immer darum, man kann keinen Zwingen das zu machen, das sollte man nicht machen.
Das führt einfach in eine andere Richtung. Ich finde das super, dass die Sendung mit der Maus sich sowas traut und sowas macht. Das war ja nicht das erste Mal, dass wir mit der Sendung mit der Maus eine Sendung gemacht haben. Damit erinnerst du dich noch. Wir haben vor vielen Jahren mal dein Vater hat in der Sendung mit der Maus erklärt, was wir tun. Da gibt es eine ganz tolle Folge, halt zum Tod von der Sendung mit der Maus. Ist jetzt vielleicht schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Das war manchmal mit dem Armin Maywald, wenn ich den Namen richtig erinnere.
Und der hat sich gedanklich geklont, also durch das, was Fernsehen und Film kann. Und dann ist sein Klon gestorben und die haben von dem Abschied genommen. Und diesen ganzen Weg einmal begleitet, von dem Anfang, wenn man das feststellt. Vom Waschen, vom Abschied nehmen, vom Plan einer Beerdigung bis zur Beerdigung selbst. Die sind dann auch zu einem leeren Grab gegangen. Das ausgehoben war und haben im übertragenen Sinne da einen Sack beigesetzt. Zusammen mit unserem Vater, den sieht man dann noch ganz schön, wie er dann vorgegangen ist, mit Zylinder und so weiter.
Und die haben einfach viel miteinander drüber gesprochen. Das ist zum Beispiel auch die ganz viele Kinderbücher, die es zu dem Thema gibt. Eine große Hilfe, damit man miteinander spricht, um dann zum Beispiel zu erklären, wie kann es sein, dass der Upa jetzt in die Erde gelegt wird, wenn er doch eigentlich im Himmel sein soll? Oder wie passt der eigentlich in diese Urne rein? Und ist der das wirklich? Also ganz viele Fragen, mit denen man dann konfrontiert wird. Und die einfach bei solchen Gesprächen irgendwo helfen. Sachgeschichten, aber am Ende auch manchmal Lachgeschichten.
Das kommt nicht zu kurz. Nee, und gerade mit Kindern. Kinder finden wirklich immer ulkige Wege oder auch direkte Wege, das zu machen, die einfach auch einen sanften Zugang zu diesem Thema Tod und Trauer Verlust ermöglichen. Dass man damit wieder lernen kann, umzugehen und zu leben. Und natürlich auch wieder zu Lebensfreude, Lebenslust und dass man halt so ein bisschen aus diesen Sektuatsionen wächst. Auch als Mensch. Also wir schauen mal, vielleicht finden wir ja im Netz irgendwo diese Folge der Sendung mit der Maus von damals. Was man auf jeden Fall im Netz findet, sind jede Menge Infos zur Mausradiosendung.
Und auch die ganzen Mausklassen findet man da. Und auch zu unserer Arbeit mit trauernden Kindern findet man einiges. Und wir verlinken das alles in unseren Show Notes. Wir danken dem WDR für die Erlaubnis, die Sendung hier in unserem Podcast vorzuspielen auf jeden Fall. Danke schön. Danke schön, das war's für heute. Schön am Leben bleiben und bis bald.