Episode 10 ∙ 12.09.2024 ∙ 43 Min
Wie können wir als Bestatter für Angehörige da sein?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Hanna Roth
Was bedeutet eine Bestattung eigentlich für die Hinterbliebenen? Hanna Roth leitet gemeinsam mit ihrem Bruder David das Bestattungshaus Pütz-Roth und erlebt nach eigener Schätzung zwei- bis dreihundert Beerdigungen im Jahr – manchmal zwei oder drei an einem einzigen Tag.
Sie erzählt, wie unterschiedlich Angehörige auf einen Todesfall reagieren können – von Erleichterung über Wut bis zu Schuldgefühlen –, warum sie sich bewusst Zeit nimmt, um diese Gefühle erst zu erkennen, bevor organisatorische Fragen geklärt werden, und von einem jungen, tätowierten Witwer, der die Urne seiner Frau für eine Nacht mit nach Hause nahm, bevor er sie am nächsten Tag gemeinsam mit Freunden feierlich beisetzte.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Die Toten sind tot, aber was bedeutet die Bestattung für die Hinterbliebenen? Das ist die Frage, die wir heute beantworten werden." – „Jemand ist gestorben. Welche Gefühle löst das bei den Angehörigen aus?" – „Das kann ganz unterschiedliche Gefühle auslösen … das ist wirklich ein ganzer Blumenstrauß an Gefühlen, den man da erleben kann."

Über Hanna Roth
Hanna Roth ist zu Gast. Sie leitet gemeinsam mit David das Bestattungshaus Pütz-Roth in Bergisch Gladbach. Sie erzählt, wie unterschiedlich Angehörige auf einen Todesfall reagieren – von Erleichterung bis Wut –, warum sie sich bewusst Zeit nimmt, damit Trauernde nichts überstürzen, und von einem jungen, tätowierten Witwer, der die Urne seiner Frau für eine Nacht mit nach Hause nahm, bevor er sie am nächsten Tag gemeinsam mit Freunden feierlich beisetzte.
Auf Apple Podcasts hören
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere InformationenAuf Spotify hören
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere InformationenTranskript
Hallo zu Talk about Tod, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Mein Name ist Klaus Reichert. Und ich bin David Rot, hallo zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Heute ist bei uns Hannah zu Gast. Hannah Rot leitet zusammen mit David das Bestattungshaus Pütz Rot in Berges Gladbach. Hallo Hannah. Hallo. Hallo Hannah. Die Toten sind tot, aber was bedeutet die Bestattung für die Hinterbliebenen? Das ist die Frage, die wir heute beantworten werden. Wir werden also mal wieder von unserer täglichen Arbeit erzählen. Wir fangen aber wie immer mit der ersten Frage an.
Wann wart ihr das letzte Mal auf einer Beerdigung? Fang du mal an Hannah. Ich war das letzte Mal auf einer Beerdigung am Freitag. Nicht jetzt aus dem privaten Umfeld, sondern als Bestatterin war ich das letzte Mal am Freitag auf einer Beerdigung. Also ist jetzt vier Tage her und du David? Bei mir ist es ein bisschen länger her der Freitag davor. Da war ich auch auf einer Beerdigung im schönen alten Bergadomen. Wie viele Beerdigungen erlebt ihr im Jahr? Unterschiedlich. Die Hannah sicherlich ein bisschen mehr, weil sie ja auch mehr im Tagesgeschäft ist als ich.
Ich erlebe so vielleicht an die 100 Beerdigungen im Jahr. Und du Hannah? Ich würde jetzt mal schätzen, dass ich so circa ja zwei bis drei 100 Beerdigungen je nachdem erlebe. Also du hast manchmal zwei bis drei auch pro Tag. Das sind nicht alles Familien und Angehörige, die ich selbst betreue, sondern dass ich sonst auch eben auf Beerdigungen der Kollegen gehe, wo ich schaue. Ist alles in Ordnung. Die Familien begrüße und eben gucke, dass alles funktioniert und in Ordnung ist. Meistens gehen wir auch zu Beerdigungen, wenn einfach klar ist, dass das eine Beerdigung ist, wo einfach viel mehr Gäste sind oder wo einfach inhaltlich ist, wichtig ist, dass mehr von uns da sind, weil wir einfach mehr Aufgaben haben.
Jemand ist gestorben. Welche Gefühle löst das bei den Angehörigen aus? Das kann ganz unterschiedliche Gefühle auslösen. Natürlich so, dass man immer erst mal sagt, ist die Trauer, aber auch Trauer ist ja eigentlich irgendein Konklimarat ausgefühlen. Das kann manchmal durchaus Erleichterung sein, dass jemand es jetzt geschafft hat, keine Schmerzen mehr haben, nicht mehr krank ist, in dem Sinne Wut kann sein, Zorn kann sein, Liebe. Manchmal vielleicht auch im Zuge der Erleichterung Freude zum gewissen Teil, vor allem auch, wenn man sich natürlich vielleicht auch an Erlebnisse mit demjenigen erinnert.
Also das ist wirklich ein ganzer Blumenstrauß an Gefühlen, den man da erleben kann. Manchmal kommt auch noch Schuld mit hinzu, wenn man ja, das einfach gar nicht so auf dem Schirm gehabt hat oder auch Enttäuschung, wenn man gar nur noch was gemeinsam miteinander erleben wollte, sich sagen wollte. Und das ist immer total unterschiedlich. Und das ist ja auch erst mal für uns so ein Kennenlernprozess, dass man diese Zeit hat und nicht da einfach rational drüber geht und Frage um Frage stellt oder sich auf das Organisatorische fixiert. Sondern ich glaube, es ist wirklich wichtig, dass man dann auch wirklich erkennen kann auch für uns, was gerade die Themen sind, auch für unsere Begleitung und...
Was für Themen können das denn sein? Wie gesagt, eigentlich das, was wir jetzt gerade so an Gefühlen gesagt haben und was daraus resultiert, das ist halt noch nicht der Zeitpunkt ist, dass man bereit ist, loszulassen oder dann kommt ja manchmal auch, dass es ganz wichtig ist, dass man das bis zu einem gewissen Zeitpunkt macht, weil zum Beispiel der Enkel gerade ein Auslandsjahr antreten wird, bevor die da im Ausland sind oder bis jemand wieder kommt, dass jemand anders im Krankenhaus liegt, dass da auch ganz viele Sorgen mit schwingen und dass eigentlich darum geht, dass wir dann auch, wenn wir diese Themen erkannt haben, wenn wir da Wege und Lösungen mitfinden, man dann eigentlich auch in den Bereich kommt, dass man wieder auch als Angehöriger sich so ein kleines bisschen entspannen kann, weil man das Gefühl hat, ich weiß, was jetzt gerade wirklich wichtig ist und was mir da passiert und dass man auch so ein bisschen begreifen kann, was da gerade geschieht und dass man gerade nicht funktionieren muss.
Am Anfang ist alles eigentlich in vielen Fällen sehr hektisch. Meistens knallt er tot, ja mitten ins Leben rein, das heißt, wenn ich dich richtig verstanden hab, David, hören ja die anderen Dinge, die anderen Probleme der Alltag hört ja nicht auf, weil jemand gestorben ist. Ja, der geht natürlich weiter. Die Kinder gehen weiter in die Schule. Ich habe ein bis zwei Tage Sonderurlaub, wenn jemand ersten Grades verstirbt, wenn ich selbstständig bin, kann ich mir auch vielleicht nicht, wenn ich eine Arztpraxis habe, leisten, dass ich die jetzt plötzlich zumache, weil da ganz viele lange bestehende Termine hinterhängen, Patienten, die regelmäßig betreut werden müssen, genauso wie wenn ich einen ganz normalen Laden habe, wo ich etwas verkaufe, wo es ganz viele Themen gibt und das läuft genau weiter.
Plus natürlich Sachen, die ja einfach dann vielleicht zusätzlich passieren, weil ich meinen Kopf ganz woanders habe, dass ich irgendwie mal einen Antitsch im Auto oder es kommt halt nie zu einem guten Zeitpunkt, wo man sagt, jetzt habe ich ein bisschen Zeit, sondern halt aus vollem Lauf und das geht natürlich weiter. Und das ist ja auch eigentlich so genau unser Thema, dass wir versuchen, dass nicht jetzt alles ganz schnell geschieht, dadurch wird nichts besser, sondern dass ich mich gut vorbereiten kann, dass Gäste teilnehmen können, wenn ich einen Termin habe, der ein bisschen weiter liegt, vielleicht, und dass ich diese Zeit dann auch neben allem anderen, was ich habe, für mich nutzen können.
Hanna, ist es vielleicht sogar ganz gut, dass die Dinge weitergehen, dass man sich auch um Dinge des Alltags weiter kümmern muss, während man in Trauer ist, während man sich um den Abschied kümmern muss? Ja, es gibt natürlich so ein bisschen Normalität auch zum Teil, aber was eigentlich auch immer ein großer Aspekt unserer Arbeit ist, dass wir eben, wie David auch gerade schon meinte, erstmal versuchen zu entschleunigen, dass eben nicht alles auf einmal eindrückt und ich erlebe ganz häufig das Angehörige, dass quasi schnell hinter sich bringen wollen, gerne so nach vier, fünf Tagen beerdigen wollen, wo wir aber auch immer und tatsächlich, das funktioniert auch zu 98 Prozent, erstmal versuchen das ein bisschen zu entzerren, dass wir denen schon versuchen zu sagen, naja, aber Bedenken sind mal, sie müssen erstmal überlegen, wie wollen sie einladen?
Soll es ein Brief sein, soll es eine Anzeige sein, was soll drinstehen, die Blumen kommen, man will vielleicht auch einfach selbst ja sich auch einbringen bei der Trauerfeier, dass man selbst was sagen will, alleine schon auch sich einfach mal vor den Kleiderstrangen zu stellen, zu überlegen, was soll der Verstorbene anbekommen, alles das sind Fragen, die man nicht unter Druck entscheiden will und wo ich meinen Anhörigen auch immer ziemlich klarmache, dass man einfach auch sich bewusst darüber sein muss, dass das eine Situation ist, die man einfach nicht wiederholen kann.
Also ich kann nicht, wenn mir in einem halben Jahr einfällt, Mensch, das hätte ich gerne gemacht, kann ich das nicht nochmal nachholen, sondern brauche eben zwischen diesen alltäglichen Sachen plus der Trauer plus, aber auch dann ja noch dem, was in Zukunft nämlich der Organisation, das Ganze, auch wirklich mal eine Zeit, wo ich einfach drüber nachdenken kann, was ist mir wichtig, wie will ich es machen? Und hinzu kommt natürlich noch, dass auch ganz viele der Angehörigen jetzt nicht direkt vor Ort sind. Also das heißt, die sind in einer ganz anderen Stadt unter Umständen, vielleicht teilweise sogar im Ausland und können jetzt nicht direkt in diesem Moment da sein.
Und dann ist es zum Beispiel auch ganz wichtig, dass man erstmal dann auch so ein bisschen priorisiert, was ist dann wichtig, dass wir uns so um die ersten Punkte kümmern, dass die auch mit ein bisschen Ruhe anreisen können, dass wir ja schon schauen, dass wir da so ein bisschen einfach Sicherheit geben können für diesen Moment. Wie begegnen euch denn die Angehörigen? Sind die Leute ängstlich? Spürt ihr vor allem Trauer? Was für Gefühle sind da? Das ist ganz unterschiedlich. Also natürlich spürt man Trauer, Angst eigentlich nicht so sehr. Das mag aber auch in der Art und Weise liegen, wie wir mit Angehörigen umgehen oder auch wie unser Haus gestaltet ist.
Dass es eben sehr einladend ist, nicht jetzt nach einem klassischen Bestattungshaus, sage ich mal, aussieht, sondern eher wie ein Hotel, wenn man reinkommt. Und natürlich sind die schon auch erstmal ein bisschen zurückhaltend. Aber im Laufe des Gesprächs wird man eigentlich, beziehungsweise im Laufe der ganzen Vorbereitungen, wird man eigentlich immer mehr so ein bisschen zu, ich sag jetzt mal, am außen stehenden Familien Mitglied. Im Gespräch fängt man dann auch, es geht ja nicht, es geht meistens ganz wenig, sage ich mal, eigentlich um das organisatorische, sondern es geht viel darum, wie war das Leben, wie war die Person, welche Marotten hatte man vielleicht auch, wo man auch ganz oft lacht mit den Angehörigen zusammen, wenn man sich daran zurück erinnert, wie war er so, wenn er auch Mist gebaut hat und solche Sachen.
Also ihr spürt schon in welcher Beziehung die Menschen, die vor euch sitzen, zu den Toten standen? Definitiv. David, was spürst du, wenn du mit Angehörigen sprichst? Was für Gefühle erkennst du in den Leuten? Das sind Menschen, die sind ja sauer, weil sie nicht wollten oder weil sie die ganze Situation nicht möchten, dass sie jetzt auf einmal hier bei einem Bestatter sitzen müssen. Ist natürlich klar, niemand möchte, dass eine Person, die er lieb hat, verstirbt. Dann Unsicherheiten. Es ist ja auch so ein Kennlernprozess, wo man langsam Vertrauen fasst und wo man dann auch merkt, dass da vielleicht irgendwelche Themen im Hintergrund stehen, die ich jetzt nicht unbedingt vor einem dritten ausbreiten möchte, bis ich Vertrauen fasse.
Sei es, dass da irgendwie Konflikte in der Familie sind, auch durch vorangegangene Beziehungen oder dass man halt befürchtet, dass jetzt Konflikte aufbrechen, so etwas wie das Thema Erben oder wer hat jetzt eigentlich zu sagen in diesem Moment, ob es möglich ist, gewisse Sachen zu machen. Bei der Trauerfeier, wo ich zuletzt war, da war es zum Beispiel so, den war ganz wichtig, dass es nicht direkt geschehen muss, weil der großvorbereitete 18. Geburtstag eines Enkels da war und die haben gesagt, wir können nicht am gleichen Tag Trauerfeier und Party machen.
Und es wäre gleichzeitig auch schön, wenn der Opa in irgendeiner Form noch da ist, wenn er seinen 18. Geburtstag feiert. Und das hat sich eigentlich interessanterweise auch alles durchgezogen. Der Opa war ein sehr lebenslustiger, fröhlicher Mensch. Bevor wir da in die Kirche gegangen sind, war Einschulungs-Quartesdienst, wodurch wir natürlich auch ein bisschen driller wurden, weil wir auch relativ spät raus kamen. Und das war eigentlich eine totale bändige Mischung aus allem an diesem Tag und das kam gut beieinander. Und dann natürlich eine gewisse Unsicherheit auch, weil niemand vertraut ist mit der Situation, mit den Abläufen.
Es wird dann vielleicht auch als Angehöriger erst bewusst, wie viele Wege oder Arbeiten da auf einen zukommen, von dem, dass man auf einmal wieder die ganzen Urkunden braucht, dass das ganz viel mit Schriftverkehr zu tun hat, dass damit so ein Termin stattfindet, natürlich viel Gutes gerade auch in der heutigen Zeit zusammenpassen muss, dass der Redner oder Seelsorger kann, der Friedhof kann, die Kirche an dem Tag kann oder dritte Orte, wenn man da hingeht. Das Restaurant, die engen Freunde, also das ist ganz viel Abstimmungsbedarf. Und man merkt eigentlich dann, wie in diesem Gespräch auch Vertrauen wächst oder man vielleicht auch merkt, ich kann mir hier was wünschen und ich kann das schöner machen.
Du sagst, dass der Opa dabei sein gerade, habe ich dich richtig verstanden. Das bedeutet aber nicht, dass... Der war nicht auf der Party. Nein, nicht der Sack und auch nicht die Urne, aber theoretisch wäre es denkbar. Ja, das war eine Erdbestattung, wir haben das hinbekommen. Also in dem Fall würde gewartet, dass er bestattet wird bis die Party vorbei war. Genau, dass durch eine glückliche Fügung auch die Fristverlängerung gewährt werden konnte. Aber wir hatten auch durchaus schon den Fall, dass tatsächlich... Es war eine junge Frau, da hatte ich das Gespräch, der Mann war Selbsttätowierer, von Kopf bis Fuß tätowiert.
Die Frau eben auch sehr jung an Krebs gestorben und als wir im Gespräch saßen, erzählte er, ja, es soll dann bei uns eine Trauerfeier mit Redner zu sein und dann irgendwann danach wollte er aber sowieso es eigentlich immer gemacht haben, zu Hause eine Party mit den Freunden feiern, wo ich ihn dann auch angeguckt habe. Und manche meinten, na ja, wenn ich ihre Frau wäre, ich wäre ein bisschen traurig, wenn ich nicht dabei sein könnte. Wir können es doch bei der Urne auch so machen, dass ich es für den Tag die Urne gebe. Und am nächsten Tag kommen sie dann mit den Freunden und dann machen wir hier die Bestattung.
Und das haben die dann auch tatsächlich so gemacht und waren super dankbar, weil ich glaube so dieses, na ja, ist ja auch nicht ganz traditionell, aber das traditionellere wäre für die gar nicht wirklich so dieser richtige Abschied auch gewesen. Wir haben jetzt über organisatorisches gesprochen, wir haben über Gefühle gesprochen, lasst uns nochmal ganz konkret zurückkehren zu den Toten. Wann und wie werden die Toten abgeholt? Na ja, das ist ganz unterschiedlich, je nachdem, wo jemand verstirbt. Meistens im Heim muss es sehr schnell gehen, das ist in der Regel dann noch direkt am selben Tag und innerhalb von wenigen Stunden passieren muss.
Im Krankenhaus dauert es meistens so ein bis zwei Werktage, bis die ihre Papiere in dem Sinne fertig haben, dass wir den Verstorbenen abholen können. Und zu Hause haben das eigentlich die Angehörigen komplett in der Hand. Also das Wichtigste ist immer, dass natürlich erstmal der Arzt kommt, den Totenscheinen ausstellt und den Tod feststellt und darüber hinaus gibt es zwar die gesetzliche Regelung, dass innerhalb von 36 Stunden abgeholt werden muss und dann ist es auch vollkommen in Ordnung, wenn man den Verstorbenen noch ein, zwei Tage auch bei sich zu Haus behalten mag, weil man im Kreise der Familie noch Abschied nehmen will und kann uns einfach jederzeit anrufen, sei es kurz nachdem der Arzt da war oder eben auch später.
Wie oft kommt es denn vor, dass die Leute die Toten noch zu Hause behalten wollen? Es ist heutzutage leider nicht mehr so häufig, also alles das was wir machen ist ja im Endeffekt nicht unbedingt was Neues, sondern so wie es früher eigentlich auf dem Land war, wie wir es in unserer Kindheit bzw. unser Vater auch kennengelernt haben. Und heutzutage würde ich mal sagen, dass ja schon so circa 10 bis 20 Prozent lassen sich zumindest mal noch bis zum nächsten Tag zum Beispiel Zeit. Und dann wiederum weniger sagen, sie wollen gerne noch zwei Tage oder je nachdem auch mehr, dass sie noch Abschied nehmen können zu Hause.
Großen Unterschied zu vielen anderen Bestattungshäusern bei Pützrot in Bergisch-Gladbach kommen die Toten wirklich zu uns ins Haus. Also sie werden nicht in Leichenhallen gebracht, sondern die kommen zu uns ins Haus. Was geschieht denn, wenn tatsächlich die Abholung stattgefunden hat und die Toten dann bei uns sind? Wenn die Abholung stattgefunden hat, meistens ist ja dann entweder an dem Tag oder am nächsten Tag das Beratungsgespräch, wo wir dann auch von den Angehörigen was zum Ankleiden für die Verstorbenen bekommen. Uns ist es eigentlich immer ganz wichtig, dass das wirklich was von den Verstorbenen, was Persönliches ist und das nicht zum Beispiel ein Talar ist.
Man kann auch immer, wenn ich ein großer Verfechter von das eigene Plymo oder eine eigene Decke und ein eigenes Kissen mitgeben, weil ich einfach immer finde, wenn es mir nicht gut geht, ist mein Plymo so ein Stück Heimat für mich. Und da würde ich einfach auch nichts Bremdes haben wollen. Bei einer Feuerbestattung muss dann nochmal ein Amtsarzt sich den Verstorbenen anschauen. Das machen wir auch immer in der Regel direkt am nächsten Werktag, wenn der Verstorbene bei uns ist, bei uns im Haus. Damit wir einfach ihn danach anziehen können und er nicht nochmal in Kramaturium ausgezogen werden muss.
Der Amtsarzt, da denken immer viele im Gespräch, der schaut nochmal, dass er auch wirklich tot ist. Nein, darum geht es dabei nicht, sondern da geht es eher darum, bei einer Feuerbestattung kann man natürlich nach der Krimierung einen Fremdeinwirken nicht mehr sehen und deshalb muss das nochmal sichergestellt werden. Das heißt, nach dem Amtsarzt wird jeder Verstorbene bei uns quasi eingekleidet und dann steht es der Familie auch bis zum Tag der Krimierung bzw. Erdbestattung immer nochmal frei, dass sie zu uns kommen können. Viele sagen dann im Gespräch, wir haben Abschied genommen, wir wollen das nicht mehr, wo ich aber auch da immer dazu ermutige, dass das vollkommen in Ordnung ist, wenn man es nicht mehr machen mag.
Aber wenn man in drei, vier Tagen aufwacht und doch nochmal das Gefühl hat, man dem gerne nachgehen kann, immer zu entkommen kann, weil auch das für Situation ist, die kann ich nicht im drei Monaten nachholen, wenn ich dann doch denke, ich würde gerne nochmal zu ihm gehen. David, wir sprachen ja schon darüber, dass immer weniger Leute zu Hause Abschied nehmen und da gibt es Räume in Bergisch Gladbach bei uns, wo man das dann machen kann im Grunde, diese ganzen Rituale, die früher zu Hause stattgefunden haben. Also wir haben Räume, wo man so oft und so lange wie man möchte hinkommen kann, wo wir immer mitgehen, auch mit zu dem Verstorbenen, wo wir zeigen, wo alles ist, Fragen beantworten, uns auf Wunsch auch zurückziehen oder wiederkommen.
Wenn eine neue Frage auftaucht oder man jemand etwas erzählen möchte und die kann jeder so oft und so lange, bis er bereit ist, den Verstorbenen wegzugeben, so nutzen. In seltenen Fällen ist es halt auch so, dass Menschen direkt Abschied nehmen möchten, bevor sie mit uns sprechen. Also wo sie dann zum Beispiel wenn jemand vom Unfallort von uns mitgenommen wurde zu uns in die Firma, dass sie den direkt sehen möchten, das kann dann auch in Absprache mit der Polizei geschehen. Manchmal auch wenn so jemand verstorben ist ohne Unfälle oder Ähnliches, dass das einfach so unfassbar ist, dass sie noch gar nicht sprechen wollen, dann machen wir das auch möglich oder dass sie uns am Anfang des Gespräches Kleidung geben und wir dann im Gespräch oder am Ende des Gespräches erst mal zu dem Verstorben gehen können und dann gucken wir, wie es weitergeht.
Das ist alles möglich, so halt wie die eigenen Neigungen dann in dem Moment sind. David, du hast den Totenschein schon erwähnt, welche behördlichen Dinge sind denn zu erledigen und wer macht das? Der Totenschein muss immer von einem Arzt ausgestellt werden, am liebsten der Hausarzt oder ärztlicher Notdienst. Ich würde halt nicht den Rettungsdienst rufen, wenn es jetzt nicht ganz plötzlich ist und die Aussicht besteht, dass jemand nochmal wiederbelebt oder gerettet werden kann. Denn der Rettungsdienst er sorgt halt in der Regel dafür, weil er schreibt unbekannte Todesursache auf den Totenschein, dass derjenige beschlagnahmt würde und dadurch habe ich halt nicht die Möglichkeit Abschied zu nehmen in diesem Moment, sondern das dauert einige Tage, bis jemand freigegeben ist und das verändert einiges.
Und wenn ich diesen Totenschein habe, brauche ich Personenstandsurkunden, also immer der letzte Personenstand wird von dem Standesamt dort, wo jemand verstorben ist, beurkundet. Wenn ich ledig bin, meine Geburtsurkunde, wenn ich geschieden bin, Heiratsurkunde und Scheidungsurteil, bei Menschen, die verheiratet sind, halt nur die Heiratsurkunde. Und wenn ich außerhalb meines Wohnorts versterbe, dann brauche ich da auch noch den Personalausweis oder ein PAS dazu. Und dazu natürlich analog für Menschen anderer Nationen, die jeweiligen Papiere, also Aufenthaltsalabnisse und Ähnliches.
Und damit geht üblicherweise der Bestatter zum Standesamt am Sterbeort. Das kann aber auch ein Angehöriger machen. Und dort bekommt man dann Sterbeurkunden. Davon gibt es halt ja verschiedene. Man braucht welche für die Einächerung, man braucht immer eine für den Friedhof. Dann für soziale Zwecke, also Krankenkasse, Rentenversicherung und weitere Originale für alles weitere, was so kommt. Nachlass, Versicherungen, Banken, Mitgliedschaften, Abonnements, wobei vieles kann man halt auch mit Kopien anschreiben, wenn da jetzt nicht unbedingt eine Leistung hintersteht.
Und dann gibt es einfach noch ganz viele weitere Stellen, wo wir dann zumindest unterstützen, dass man halt, wenn jemand verheiratet ist und eine Rente bekommen hat, vielleicht Anspruch auf die Witz für ein Rente hat oder auf eine Pension, auf Betriebsrenten, für den Arbeitgeber und Ähnliches unterunterstützen. Wenn jemand betreut wurde, dass der Betreuer die Betreuung niederlegen kann, braucht man auch eine Sterbeurkunde. Fällt hier noch was ein, Hannah? Geh' ich's, Händi. Also alles, alles wo man an irgendeiner Form Verträge hat, was abgewältigt werden muss, Bezahlungen entstehen, wobei es ja auch nicht immer nur um eine Abmeldung geht, sondern auch teilweise auch um eine Ummeldung.
Je nachdem bei Versicherungen vom Ehepaar auf, dann den Hinterbliebenen zum Beispiel. Geht es auch darum, dass man die Konten dann in Anspruch nehmen kann, dass man über die Bankkonten verfügen kann mit der Sterbeurkunde oder braucht man da noch ein anderes Papier? Für die Bankkonten genauso wie auch natürlich für Grundbesitz muss man sich ans Amtsgericht benden, dass man entweder das Testament eröffnen lässt, sofern eins vorhanden ist oder aber ein Erbscheinbarm folgt. Manchmal ist es vielleicht auch ganz gut, dass man nicht direkt zum Beispiel mit den Banken spricht oder manchen Stellen, gerade in komplizierten Situationen, also die Bestattungskosten, das sind immer vorrangige Nachlassverbindlichkeiten mit der Ausnahme der Grabgestaltung und jetzt wenn man die Gäste irgendwie in den Café oder Restaurant einlädt und die kann man eigentlich auch so immer der Bank einreichen.
Es ist natürlich ganz gut, wenn man eine Bank hat, die vor Ort eine Filiale hat. Bei Direktbanken kann das schon mal ein bisschen schwieriger werden oder wenn die so einen Nachlasscenter haben und da das manchmal je nach Bank auch ein bisschen kompliziert ist, wenn ich dann damit der Witwo und der Familie sitze und das alles so ein bisschen auf knapp genäht ist, ist es vielleicht auch nicht unbedingt wichtig, dass man als erstes zur Bank geht und die da das Konto sperren, sondern dass man einfach guckt, wie kann ich mich die nächsten Tage versorgen.
Darüber beraten wir halt auch, welche Schritte jetzt wirklich wichtig sind, welche man schneller gehen sollte. So was wie ein Erbschein dauert üblicherweise sechs bis acht Wochen zum Beispiel oder wenn man eine Wohnung auflösen muss, welche Wege da gehen, damit man nicht weiter in dieser Verpflichtung drinnen ist. Die Trauerfeier wird geplant. Wenn man das Wort Trauerfeier hört, haben die meisten im Hinterkopf, da findet in der Trauerhalle auf dem Friedhof eine Zeremoniestadt, die dauert in der Regel eine halbe Stunde. Das muss aber nicht so sein.
Das heißt, diese Zeremonie kann man auch bei uns im Haus abhalten oder irgendwo anders. Könnt ihr dazu was sagen, wie die Trauerfeier heutzutage geplant wird? Also die Trauerfeier kann man eigentlich an jedem Ort so ein bisschen gestalten, wo man das gerne möchte. Natürlich, dass der Ort dann dabei auch mitspielen, aber werden schon, klassisch ist immer noch nach wie vor, Prittauskapelle oder Kirche bei uns im Haus, aber es hatte auch schon eine Trauerfeier im Wohnzimmer des Verstorbenen. Wir werden ja schon in der Lieblingskneipe des Verstorbenen im Rockclub.
Also da gibt es eigentlich nichts, was man sich nicht vorstellen kann. Ich finde immer, es ist wichtig, dass es ein Ort ist, wo man sich selbst wohl fühlt. Und wenn es was außergewöhnlich ist, ist auch gerne ein Bezug natürlich zum Verstorbenen hat. Welche Rolle spielt denn die Erwartungshaltung von anderen, also von Freunden und zum Beispiel Verwandten für die Trauerenden bei der Planung des Abschieds? Leider einer viel zu groß, muss ich sagen. Das fand ich einer der wenigen guten Sachen tatsächlich an Corona, weil es da ja tatsächlich die Beschränkungen teilweise gab, dass nicht so viele Leute kommen durch, was die Trauerfeier natürlich zum einen was Intima gemacht hat und dadurch, dass es aber auch ein Intima Rahmen war, haben die Angehörigen sich viel mehr getraut, sich auch selbst mit einzubringen, vielleicht selbst was zu sagen, beziehungsweise haben bei der Musik nicht so viel darüber nachgedacht, dass eventuell Lieschen Müller die Nachbarin da drüber wagen kann oder sagen wird.
Wir versuchen diese Ängste immer so ein bisschen zu nehmen und dazu anzuregen, dass man eben aus diesen Konventionen ausbricht und die nicht wichtig sind. Aber klar, wir spielen schon teilweise leider eine Rolle. David, welche Erfahrung hast du da gemacht? Ja, also ich sitze in der Regel erstmal mit den Angehörigen zusammen und das sind die Personen, von denen ich auch glaube, dass es erstmal ganz relevant ist, dass alles das, was da geschieht, zu denen passt. Und da kriegt man natürlich dann auch die Einflüsse dritter mit, die teilweise ganz toll sind, wenn sie als unterstützend empfunden werden.
Aber es gibt auch Situationen, da kann die Ehefrau mit dem Vereinsleben, das Verstorbenen zum Beispiel, nicht so schrecklich viel anfangen und dann muss man das so ein bisschen trennen. Oder wo dann die Burschenschaft sich meldet und das gerade ganz wichtig ist, wir versuchen das immer zu verbinden, aber letztlich ist ganz wichtig, dass das stimmig, dass das harmonisch ist, dass das alles zusammenpasst. Und dann, dass man vielleicht auch für Dritte, wenn das nicht möglich ist, das erleben wir ja manchmal auch bei Patchwork-Familien, dass das Trug einfach gnadenlos zerschnitten ist, dass man dann Alternativen anbietet, dass die zum Beispiel auch etwas separat für sich machen können, dass wir denen auch Möglichkeiten irgendwo liefern.
Und es gibt immer mal ab und an Leute, das haben wir auch schon persönlich erlebt, die dann vielleicht ein kleines bisschen übergriffig sind in der Situation und sich selbst da dann in den Vordergrund drängen und Sachen haben, die da ganz wichtig gemacht werden müssen und Ähnliches. Welche Rituale werden heute noch gepflegt und welche sind verschwunden? Also ich denke zum Beispiel, dass auf einer Trauerfeier etwas über den Verstorbenen erzählt wird, das ist doch im Grunde noch die Regel oder nicht. Also das ist natürlich heute eine Vielzahl. Also einmal bei unser Vater ein ganz großer Freund davon, Rituale auch wieder zu beleben und auch ihre Bedeutung zu erklären, gerade im religiösen Kontext, dass man wieder in die Kirche geht, dass man miteinander ein Gottesdienst, Messe feiert, dass man Gemeinschaft hat und das in Anwesenheit des Verstorbenen.
Und es kommen natürlich heute Menschen, jeder Herkunft, jeder Weltanschauung, jeder Religion, mit regional total unterschiedlichen Ausprägungen. Also wenn wir eine muslimische Bestattung machen, ist das sehr, sehr unterschiedlich, je nachdem, welcher Tradition die entsprechen oder wie das auch innerhalb der gleichen Tradition in einem Land gelebt wird. Und so ist das letztlich, sage ich jetzt mal, wenn wir hier im Bergischen unterwegs sind oder ein bisschen darüber hinaus auch genauso bei den christlichen Gemeinden. Wie jemand ausgesegnet wird, welche Gebete wichtig sind, wie eine Gemeinde antworten soll, dass wir da natürlich auch Menschen vorbereiten, dass wir teilweise Programme erstellen.
Oder aber auch dann der heutigen Zeit geschuldet und dem Wunsch, denn Angehörige sprechen ja total gerne über die Menschen, die sie lieb haben, dass man das verbindet, dass auch persönliche Redebeiträge auch in einer kirchlichen oder religiösen Feier möglich sind, persönliche Lieder, dass man auch, wenn man eine ganz weltliche Feier hat, demjenigen trotzdem irgendwie wünscht, dass er einen guten Ort kommt und ein Segen spricht oder nochmal ein Vater unser. Und das kann ganz viel sein. Und bei der Trauerfeier natürlich noch ganz anders. Das geht vom gemeinsamen Herausbegleiten einfach aus der Kapelle, dass man jemanden selber tragen möchte über ein Pickneck.
Ich habe schon so etwas erlebt, dass ungefähr wie eine Samstagabends-Fernsehshow war, mit Musikbeiträgen und Weggefährten, die dann was gesagt haben, über ein strafferteidiger Kongress, Fachvorträge, die dem Verstorbenen nah waren in ganz viele Formen. Und das kann natürlich sehr unterschiedlich sein. Wir haben auch selten mal, dass eine Trauerfeier an verschiedene Kreise gerichtet, vielleicht sogar an verschiedenen Orten über einen Tag verteilt stattfindet, bis dann zum Beispiel die Beerdigung stattfindet oder Gäste schon mal zum Café gehen und die Familie dann die Beisetzung macht.
Und da versuchen wir einfach, Menschen zusammenzubringen, auch wieder Kontakte zu religiösen Gemeinschaften, die vielleicht abgebrochen sind zu schaffen, Menschen mit Rednern, die zu ihnen passen, zusammenzubringen oder ihnen Mut zu machen, dass sie halt auch ganz viel selber machen können und vielleicht Rituale entwickeln, die aus der Beziehung heraus ganz viel Sinn machen. Wer was üblich das Traueranzeigen geschaltet worden sind, wird das heute noch gemacht. Und gibt es noch Alternativen dazu, dass man zum Beispiel irgendwas im Internet noch schaltet an irgendeinem Ort, an dem bekannt gemacht wird, dass jemand verstorben ist?
Ja, es ist ganz unterschiedlich. Es kommt natürlich auch immer ein bisschen auf das Alter, das Verstorbenen an. Traueranzeigen gibt es schon auch immer noch, gerade bei der älteren Generation. Also ich höre auch ganz oft, dass tatsächlich Leute eigentlich nur noch die Zeitung haben, weil sie eben die Traueranzeigen lesen und schauen, gibt es jemanden im bekannten Kreis, der verstorben ist. Dann ist auch immer noch sehr präsent, das angehörige Briefeschreiben, sofern sie die Adressen haben, was heute aber auch mehr kommt. Zum Beispiel bei uns kriegen die Angehörigen ja auch bevor ein Brief gedruckt wird, bzw. eine Zeitungsanzeige geschaltet wird, das Layout zur Freigabe, dass das zum Beispiel per Mail oder WhatsApp auch verschickt wird.
Also ich glaube, wenn ich sterbe, wird meine Familie bestimmt nicht alle Adressen meiner Bekannten haben. Habe ich selbst auch tatsächlich nicht. Ich glaube, das letzte Mal habe ich die aller eigenen Sammelt eigentlich geheiratet und die Briefe verschickt hat. Und da gibt es mittlerweile schon auch, dass man immer guckt, okay, wie kommuniziert derjenige mit seinem Freundeskreis, welche Möglichkeiten hat man in dem Fall und dass man den Weg dann in der Regel auch wählt. Wenn so etwas, zum Beispiel, wenn die Einächern vorher geschieht und die Trauerfeier mit der Urne oder die Messe mit der Urne stattfinden soll, dann ist es schon mal so, dass das zwei, drei Wochen nachdem jemand verstorben ist, geschieht, dass die dann darauf warten, wann ist das endlich in der Zeitung oder so und auch Fragen.
Und in der Zwischenzeit ist es ja dann auch so, hier in der Region gibt es noch eine sehr rege Vereinstätigkeit oder auch Firmen, die sich einsetzen, dass wir dann teilweise auch co-ordinieren, dass die alle am gleichen Tag erscheinen. Der Tod kostet ja nicht nur das Leben, sondern er kostet dann danach auch noch weiter die Angehörigen Geld. Wir werden oft gefragt, was kostet heutzutage eine Beisetzung? Was kostet eine Bestattung? Könnt ihr zu den Kosten kurz was sagen? Das ist halt immer auch da sehr individuell. Also nicht hochgeschätzt kann man so sagen, dass es zwischen vier bis, ich sag mal, 10.000 Euro um den Dreh muss man schon einplanen.
Was ist denn da alles drin? Das kann wirklich nur die Beisetzung am Grab sein, vielleicht mit einer kurzen Rede. Was vom Grundsatz her immer irgendwo mit drin ist, ist der Sack, die Ohne, die Überführung, dass eben zustande ist an Gefahren wird, die Formalitäten über die wir eben gesprochen haben, also die Abmeldung und in der Regel auch durchaus das Grab, aber auch beim Grab. Also das kann man pauschal nicht sagen, weil jeder Friedhof hat andere Gebühren. Und auf dem einen Friedhof kriegt man vielleicht schon ein Teil anonymos Grab für 300 Euro.
Das kann aber bis zu 4.000 Euro je nachdem hochgehen. Und uns ist immer ganz wichtig, dass unsere Angehörige, wenn die aus dem Gespräch herausgehen, sehr konkret wissen, was an Kosten auch sie zukommt. Und dass das eben nicht so ist, dann kommt in zwei Wochen nochmal ein Kleckerbetrag, in drei Wochen kommt dann die Friedhausrechnung, die über die Vorhennung gesprochen worden ist. Und bei uns ist es eben so, wenn man aus dem Gespräch herausgeht, dafür gibt es ja eben auch teilweise, dass sich Angehörige schon weit vor dem Tod darüber informieren, in Form von der Vorsorge.
Und auch da, dass wir dann eben schon sehr konkret auf die Wünsche eingehen, weil was natürlich dann noch an individuellen Sachen hinzukommt, eben sowas wie eine Zeitungsanzeige, wie Brief, Blum, Schmuck, das ist bei jedem Unterschied nicht, manche wollen gar nichts, manche wollen vielleicht eine ganze Seite in der FZ. Ein gelungener Abschied, welche Bedeutung kann der für das weitere Leben für die Angehörigen haben? Also ich glaube einmal ist ganz wichtig, dass man diesen Moment des Innerhaltens hat für das weitere Leben, dass das Leben nicht einfach weitergeht, wie man so sagt, die Zeit, alle Wunden halt, bis man an selbst irgendwann stirbt, sondern dass man sich vielleicht diese Zeit nimmt, um auch mal selber zur Ruhe zu kommen, zu überprüfen, was sind meine Werte, was ist mir wichtig im Leben, was möchte ich machen.
Und wie ich auch bereichert durch diese Erfahrung, dass wenn ich weiß, was tot ist, auch wieder weiß, was Leben ist, was mir wichtig ist, wofür ich mich einsetzen mag, das ist ja eigentlich so, wie Verena Kast gesagt hat, bis mir das das erste Mal passiert, bin ich ja ganz unbefangen dem Tod irgendwo gegenüber und kann mir gar nicht vorstellen, wie das ist, eigentlich wie all die Jugendgruppen, die zu uns kommen, die jeden Tag in Serien, in Computerspielen, dem Tod tausendfach begegnen, aber den Toten direkt danach wieder, wenn die Respawnen oder in der nächsten Serie auftreten.
Und wo ich dann merke, dass manche Sachen einfach nicht wiederholbar sind, dass ich vielleicht mit anderen Augen dann auf das Leben schaue und ich denke, wichtig in so einer Zeit ist vielleicht, wie gesagt, erst mal dieses Begreifen, dieses Anerkennen, die Auseinandersetzung mit dem anderen und der Beziehung, die Lehren daraus und dass ich dann vielleicht auch sehe, dem Verstorbenen geht es nicht schlecht, der Tod ist kein dunkler schwieriger Ort und das ist mir in der Situation nicht schlecht gehen muss und dass ich auch ein Wachstum erfahre aus dieser Zeit und Lerner, diese Erfahrung und diese wichtige Erfahrung unserer menschlichen Existenz halt mitzunehmen und bereichert dadurch in mein Leben zu gehen.
Anna, was passiert nach der Beerdigung, bleibt man da in Kontakt oder sieht man die Trauernden nie wieder? Bei uns sehen wir ganz viele unserer Angehörigen tatsächlich wieder zum einen, weil wir jedes Jahr zu aller Heiligen einladen, das mittlerweile auch mal aus Gedenkfeier verbinden, wo man einfach auch noch mal ins Gespräch kommt, wo es meistens was zu trinken, dass es etwas zum Smicken gibt und man nochmal debut passieren lässt, was ist geschehen. Unser Sommerkonzert kommen viele unserer Angehörigen nochmal ins Haus und generell die Veranstaltung und das ist eigentlich immer total schön, wie zum Beispiel in diesem Jahr, als unser Sommerkonzert zumindest zu Beginn erstmal komplett ins Wasser gefallen ist, aber auch die Angehörige von mir, die nachher gesagt haben, die werden niemals auf die Idee gekommen, nach Hause zu fahren, weil es einfach so schön ist, sich in dem Rahmen auch mit anderen auszutauschen und auch, dass wir uns einfach wiedersehen, wo wir diese Zeiten so intensiv miteinander erlebt haben.
Ist es ja auch toll, dass wir Menschen in verschiedenen Phasen ihres Lebens begegnen. Also wir machen das ja jetzt schon eine ganze Weile und mittlerweile traf ich Menschen wieder, die ich bei der Beerdigung oder dem Abschied ihrer Großeltern kennengelernt habe, über die als Erwachsene mittlerweile, wo sie dann auch ganz andere Aufgaben übernehmen und wo die einfach auch über ihre bisherigen Erfahrungen und Lehren daraus sprechen. Und was sie dann machen möchten, viel mehr über die Möglichkeiten, wissen gerade auch, wenn sie als Kind da mitgenommen wurden und generell man trifft sich ja an den unwahrscheinlichsten Orten, im Urlaub, im Supermarkt.
Man hat das Gefühl, dass man auf einem gemeinsamen Grund irgendwo steht. Dass man etwas hat, was einen verbindet, das ist schön. Also es ist ja auch nicht nur so, dass wir die Angehörigen in verschiedenen Lebenssituationen erfahren, sondern die ja auch uns. Also viele meiner Angehörigen haben quasi zwei Schwangerschaften mit erlebt, wenn ich die heute treffe, und wie geht es den Kindern, mehr als die denn jetzt. Ich hatte mal einen Hinterbliebenen, der hat mich jedes Jahr zum Geburtstag angerufen und mehr gratuliert. Also ja, das ist ein großer Teil unseres Lebens.
Es gibt also auch ein Leben für Bestatter außerhalb des Retops. Soll es. Zum Glück. Letzte Frage. Habt ihr denn schon mal über den eigenen Abschied nachgedacht, wenn ihr irgendwann mal tot sein sollte, zum Beispiel welcher Song auf eurer Beerdigung gespielt werden soll? Ja, meine komplette Vorsorge ist schon, also meine Beerdigung ist quasi schon komplett durchgeplant, inklusive Trauerbrief, wobei den kann ich gleich nochmal angucken. Das Einzige, was ich noch nicht gemacht dafür entschieden habe, ist das Bild, das draufkommt, weil ich irgendwie blöd finde, wenn da keine Ahnung, eine 37-Jährige drauf ist, als 97-Jährige sterbe, das passt vielleicht nicht so ganz.
Das heißt, war 60 Jahre vor deinem Tod, hast du schon alles geplant? Ja, quasi schon 70 Jahre, weil die ist jetzt auch schon zehn Jahre einfach meine Vorsorge. Und da ist ganz klar drin geregelt, wie ich es mir wünschen und vorstellen würde. Nämlich das zum Beispiel, ich gerne je nachdem, wann ich verstärbe, erstmal eine Trauerfeier mit Sack hätte, dass sich jeder verabschieden kann. Und dann je nachdem, wie gesagt, wann ich verstärbe, müssen meine Angehörigen leider ziemlich lange warten, bis sie mich beisatzend dürfen, weil meine Beisatzung soll quasi an meinem Geburtstag sein.
Und dann soll wie auch jetzt in meinem Geburtstag, wenn ich feier danach, wirklich eine Feier mit Grillen, Bier, Rumkohlern sein, das soll viel Musik gespielt werden, aber auch für die Trauerfeier mit Sack, steht Stand jetzt. Auch das ändert sich ja immer die Musikliste auch schon fest, wo viel Florence and the Machine gespielt wird. Auf jeden Fall will er anderes. Ich liebe das Leben. Und das ist einfach, mein Lebensfeier von mir ist, die meinem Leben irgendwie dorspiegelt. David, das letzte Mal, als du diese Frage beantwortet hast, nach der Playlist, hast du gesagt, "The Prodigy" würdest du gerne auf deiner Beisetzung spielen lassen.
Ist das noch so oder hat sich dein Musikgeschmack mittlerweile verändert? Ich habe eigentlich einen ziemlich breiten Musikgeschmack. Also, im Sinnvollsten würde es sein, durch meine Playlist zu schauen. Ich glaube, das ist ein bisschen wie bei meinem Vater. Also, ich könnte mir vorstellen, dass da mehrere Stunden Musik zusammenkommen. Denke auch, dass das einfach schön und verweilenswert, hoffentlich für diejenigen, die an einem Tag da sind, wird und auch irgendwie für mich. Und das ist halt im Werten und entstehen momentan, höre ich mehr, wieder Hip-Hop.
Ich bin da nicht so klar, wie die Hannah, da ergänzen wir uns, glaube ich, ganz gut. Also, bekommen wir von dir heute kein Song, kein Titel. Auch doch, gerade finde ich z.B. von KIZ Frieden ganz toll. Okay, dann danke ich euch für die Zeit. David und Hannah Roth, das war es für heute. Schön am Leben bleiben und bis bald. Du auch Klaus. Bis bald, vielen Dank.