Episode 8 ∙ 29.07.2024 ∙ 27 Min
Warum ist die Arbeit im Kinderhospiz für dich der beste Job der Welt, Nadine?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Nadine Schulz
Warum kann die Arbeit an einem Ort, an dem Kinder sterben, trotzdem der schönste Job der Welt sein? Nadine Schulz arbeitet in einem Kinder- und Jugendhospiz und hat darüber das Buch „Peace, Love and Party" geschrieben – ein bewusst ungewöhnlicher Titel für ein so schweres Thema.
Sie erzählt von einem Mädchen, das im Hospiz leidenschaftlich gerne Schlüssel sammelte: Als das Mädchen starb und ihre Eltern eintrafen, hielt es noch sämtliche Schlüsselbunde der Mitarbeitenden in der Hand – ein Bild, das den Eltern zeigte, wie sehr ihre Tochter an diesem Ort zu Hause war. Bei der Beerdigung ließen alle gemeinsam bunte Luftballons und Seifenblasen über dem Grab steigen.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Wann warst du das letzte Mal auf einer Beerdigung?" – „Das ist jetzt schon gut ein Jahr her. Das war ein Mädchen aus unserem Kinder- und Jugendhospiz … Das war ausgerechnet der Tag, an dem ich erfahren habe, dass ich schwanger bin."

Über Nadine Schulz
Nadine Schulz ist zu Gast. Sie arbeitet in einem Kinder- und Jugendhospiz und hat darüber das Buch „Peace, Love and Party" geschrieben. Sie erzählt von einem Mädchen, das im Haus so gerne Schlüssel sammelte, dass es beim Sterben noch alle Schlüsselbunde der Mitarbeitenden in der Hand hielt, von der jährlichen Sternenniederlegung zum Gedenken an die verstorbenen Kinder – und davon, warum sie ihre Arbeit trotz allem für den schönsten Beruf der Welt hält.
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Hallo zu Talk about Tod, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Mein Name ist Klaus Reichert. Und ich bin David Roth. Hallo zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Heute ist eine Frau bei uns zu Gast, die ein Buch über ihre Arbeit in einem Kinderhospiz geschrieben hat. Aufgefallen ist uns Nadine Schulz, weil ihr Buch "Peace Love and Party" heißt, ein doch eher ungewöhnlicher Titel für ein Buch über einen Ort an dem Kinder sterben. Hallo Nadine. Hallo, guten Tag. Nadine, bevor wir über dein Buch sprechen zunächst, aber wie immer die erste Frage, die wir alle unseren Gästen stellen, wann warst du das letzte Mal auf einer Beerdigung?
Das ist jetzt schon gut ein Jahr her. Das war ein Mädchen aus einem Kinder- und Jugendhospiz, die ist verstorben und das war die letzte Beerdigung, auf der ich war. Das war glücklicher, weil ich auch der Tag an dem ich erfahren habe, dass ich schwanner bin. Ich bin an dem Tag auf uns beschäftigungsverbot und war deswegen jetzt auch verhältnismäßig lange nicht auf einer Beerdigung. Und wie hast du diese Beerdigung erlebt? Was war da für dich schön oder was war vielleicht nicht so schön an dem Tag? Ich fand die Beerdigung, also all unsere Beerdigung auf der Arbeit haben so was ganz Besonderes, finde ich.
Und bei der Beerdigung habe ich in Erinnerung, dass Mädchen hat Schlüssel über alles geliebt, wenn immer die bei uns im Haus war, hat sie ihre Zeit eigentlich damit verbracht Schlüssel von den Mitarbeitern abzuluchsen und von den anderen Gästen. Und als sie dann verstorben ist, wurde sie vom Strattoz zu uns gebracht und eher die Eltern im Haus ankamen, hatte sie schon sämtliche Schlüssel im Aufbauungsraum von allen Mitarbeitern und Schlüsselanhängern in ihrer Hand. Und als die Eltern kamen, war das so ein ganz trauriges, aber auch so ein ganz wohliges Gefühl, weil sie genau wussten, ihr Mädchen ist nicht irgendwo, sondern irgendwie da, wo sie gerne ihre Urlaube verbracht hat und die Menschen kennen sie wirklich auch.
Und genauso war das auf der Beerdigung auch. Da waren viele Menschen, die erzählt haben, die haben persönliche Worte an die Familiengerichte, die haben ihr was Mädchen erzählt, wir haben viele bunte Luftballon steigen lassen und weißen Blasen haben wir am Grab steigen lassen und ich weiß, wie die Eltern, ich habe die so vor mir, wie sie sich so im Arm halten und einfach diesen Moment innehalten konnten, ohne dass irgendwer kongulieren wollte oder irgendwas von denen wollte. Das war irgendwie bei all der Traurigkeit doch auch schön. Du hast gerade gesagt, der Bestatter hat dieses Mädchen zu euch ins Haus gebracht.
Das ist ja schon eher ungewöhnlich passiert das häufig? Ja schon. Also die Kinder können ja ab der Diagnose Stellung haben die immer wieder auf dem Halte bei uns im Haus und im Kinderjunterspitz kommen die Kinder eben ab der Diagnose Stellung einer Lebenszeit verkürzenden Erkrankungen. Dann passiert es eben nicht zwangsläufig, dass die Kinder im Aufenthalt bei uns sterben, das haben wir auch, aber häufig verstärben die Kinder auch in Krankenhäusern oder eben auch zu Haversamm. Und dann wünschen sich die Eltern manchmal, dass Kinder noch zu uns kommen und wir Abschied nehmen können.
Manchmal auch nicht, aber doch kommt schon häufig vor, weil die Beziehung untereinander wächst ja auch in den Jahren. Nicole, wie kommt man eigentlich dazu in einem Hospiz zu arbeiten? Ja, also ich habe eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht, in einem ganz behüteten Dorf, 4000 Einwohner, nicht mal glaube ich, naja auf jeden Fall haben wir nicht geglaubt, dass in diesem Dorf und in diesem Kindergarten jemals der Tod noch alle spielen könnte. Und dann ist plötzlich von, habt ihr jetzt fast gleich ein Junge gestorben, bei einem Verkehrsunfall und auf einmal standen wir vor der Problematik, wie gehen wir damit um.
Und das war für mich so ein Schlüsselerlebnis, weil ich bis dato gewöhnt war, dass immer jemand eine Antwort auf meine Frage hatte in der Ausbildung, es gab immer jemanden, der eine Ahnung hatte. Und in dem Moment waren alle stumpen und hatten Tränen unter laufende Augen und keiner wusste, meine Lehrer haben abgebunken und haben gesagt, ah, wir sind in der Prüfungsvorbereitung, wir können jetzt nicht irgendwie über toren Trauer reden. Ja, und alle anderen waren irgendwie auch so, wir haben nicht unser Thema mit uns noch nie Gedanken gemacht und wir haben es dann glaube ich so gut wie möglich geschafft, aber ich habe gedacht, nee, das geht irgendwie nicht, da muss ich mir genau Gedanken machen.
Ich habe dann prozelle Arbeit studiert, meine Abschlussarbeit über trauende Kindergrate im Elementarbereich, also im Kindergarten geschrieben und dann habe ich eigentlich nur eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin besucht und dachte irgendwann mal, dann traue ich mich, aber jetzt noch nicht und dann habe ich gesehen, dass das Kinderauspiz ausmacht und wo partal ich dachte, nein, gut, dann schick mal in die Bewerbung, aber dann haben die deinen Namen für irgendwann schon mal gehört. Ja, und dann ging alles schnell. Seit wann gibt es gerade auch Hospiz für Kinder?
Wie lange ist das jetzt her umher 25 Jahre, würde ich sagen, in Olpe das erste Kinder- und Jugendhospiz, genau, und dann wurden immer mehr gebaut. Dabei sind wir bei ungefähr 19 Kinder- und Jugendhospizen in Deutschland und die Tendenz ist Gott sei Dank auch steigend. Schilder uns doch mal einen Tag im Hospiz. Der läuft auf jeden Fall immer anders als gedacht. Das kennen wir irgendwo her, David, oder? Absolut, ja. Ja, es ist so ein bisschen wie so eine große WG kann man sich das vorstellen, finde ich. Also wir haben Platz für zehn Kinder und Jugendliche, junge Erwachsene mit einer Lebenszeit verkürzenden Diagnose.
Und dann haben die Kinder- und Jugendlichen, junge Erwachsene in ihrer Zimmer unten im Erdgeschoss und daran grenzt ein großer Aufenthaltsbereich. Und die können erstmal einfach ausschlafen, solange wie sie wollen. Dann, ja, die Jugendlichen werden dann ein bisschen später wach, die jüngeren Gäste werden ein bisschen früher und dann trudelt vor langem das Leben ein. Morgens um 9 Uhr stücken wir alle gemeinsam an einer großen Tafel und dann haben wir ein buntes Programm. Wir haben so ein Was geht abbraten, nennen wir das. Und da sind dann immer Ideen für den Tag.
Man kommt die Musiktherapeutin, mal kriegen wir tierische Besuch, mal gehen wir spazieren. Je nachdem was gerade anliegt, das sind dann Angebote an denen alle teilnehmen können. Also die Kinder und Jugendlichen sind nicht in ihrem Bett, so wie man das vielleicht aus dem Krankenhaus kennt, sondern alle aktiv mit dabei. Also beim Essen sind auch alle, auch wenn die gerade vielleicht nicht essen oder über eine Sonde ernährt werden, wir sind alle irgendwie zusammen und dann gucken wir, dass der Tag so bringt. Und wie jungen Menschen die zu euch kommen, Gäste.
Warum nicht Patienten? Weil der Mensch bei uns im Vorabgrund steht. Also die Krankheit ist für uns eigentlich sick und der. Ich weiß bestens keinem Kind, was es genau für eine Krankheit hat. Ja, wir sind eine Menschen viel mehr interessiert und wir wollen, dass sie so schön wie möglich bei uns haben und gerne kommen und ja, das ist ein bodige schönes Gefühl ist und genau deswegen nennen wir die Menschen Gäste. Aber die Krankheiten sind natürlich auch Teil des Themas, was da irgendwie wahrscheinlich dann immer mitschwebt. Was sind so die Krankheiten, mit denen die Kinder dort zu tun haben?
Klasse stellt man sich das ja oft so vor, dass es onkologische Kinder sind, kleine Kinder, die Krebserkrankungen haben. Die haben wir auch, aber zum viel größeren Teil haben wir Kinder mit Stoffwechselerkrankungen oder auch Muskelerkrankungen, wo dann vielleicht irgendwann die Lunge um viel zu schwach ist um zu atmen. Wir haben Chromosomanomalien, also Trasamin, ja ganz verschiedene Dinge. Manche auch Unfälle im Kindesalter, ja ganz viele verschiedene Krankheitsbilder. Manchmal gibt es auch einfach keine Diagnose. Ist den Kindern klar, dass sie sterben?
Ja, also bei vielen Kindern bleibt es wahrscheinlich ein Geheimnis, was sie so mitbekommen und was sie vielleicht nicht mitbekommen von ihrer Umwelt. Naja, ist den Erwachsenen klar, dass sie sterben? Vielleicht ist den Kindern ähnlich klar wie den Erwachsenen. Also, sie haben natürlich auch die Aufenthalte, wo Kinder gezielt zum Sterben eben auch kommen, wo sie wissen so. Die haben jetzt wirklich nur noch ein paar Tage oder Wochen und das ist wirklich der letzte Aufenthalt und da gibt es eben Kinder, bei denen man es vielleicht auch nicht weiß, aber es gibt eben auch Jugendliche, gerade die, die vielleicht eine Krebserkrankung haben, die wissen das.
Und auch wenn die Eltern nicht klar mit denen darüber gesprochen haben, um die zu schützen, die haben einen Smartphone in der Tasche. Ich gehe davon aus, dass sie aus Pizzz gegoogelt haben. In dem Buch erzählst du die Geschichten einiger Kinder. Eine hast du schon mit uns geteilt, nämlich die Geschichte des Kindes mit den Schlüsseln. Hast du noch eine andere Geschichte für uns? Es gibt viele schöne Geschichten in dem Buch, aber vielleicht die Geschichte, warum das Buch heißt, das heißt, das ist nämlich die Geschichte von einem Gast, der sich ein junger Mann, der sich mit einem Pfleger aus unserem Team verabredet hat, an Karneval, ja, richtig für Begeisterung zu wagen.
Die haben sich abgemacht, sich jetzt Balanginas zu verkleiden und haben das beide auch gemacht. Es gibt Bilder in dem Buch. Genau, und auf dem T-Shirt von einem Jungen steht. Sie ist lahmend-pali. Und das passt irgendwie einfach so gut, weil ich dachte, ja, genau so ist es einfach bei uns im Haus. Es ist irgendwie wild und auch bunt und laut manchmal. Und der Junge hat, wenn im Vorjahr wollten sie es noch toppen und als Balanginas verkleidet kommen, das wird der Junge leider nicht mehr erlebt. Aber der Pfleger hat es in Gedenken durchgezogen und auch davon gibt es Bilder in dem Buch.
Es ist traurig, aber verrückt und irgendwie auch schön und das macht es ganz gut aus, glaube ich. Genau so hört sich das an, also auch wirklich schön. Wie gehen die Eltern mit der Situation um? Also ich glaube, es ist ja oft im Prozess und die Eltern kommen häufig erst Jahre, nach dem die Kinder diese Diagnose haben, oft am Anfang, schlagen sie sich alleine durch unsere Binken ab und sagen, oh, es pieht nie, das ist nicht so und es ist noch nicht so weit und es braucht oft Jahre lang zu trauen. Von ambulanten Kinder aus Dienst oder Kinderärzten, die dann die Eltern ermutigen können, zu uns zu kommen und mal zu gucken, wie es denn da ist.
Und dann haben die ja schon einen langen Weg hinter sich, das ist ja dann keine Schockdiagnose, die haben lange gelernt, damit zu leben und dann ist es eigentlich eher so, dass sie, ich erlebe die sehr fröhlich und gelöscht bei uns im Haus, weil sie auf einmal nicht mehr alleine sind, viele Eltern leben alleine, Freunde haben sich vielleicht auch zurückgezogen, weil die mit der Diagnose vielleicht nicht zurückkommen, Angst haben, es falsch zu sagen. Genau und dann auf einmal sind da andere Menschen, die nicht nur sagen, ich weiß genau, wie es gerade geht, sondern die wissen das vielleicht wirklich eng.
Ja, die wissen, wie es ist, sein Leben zu führen und so besondere Kinder zu haben und dann können da sitzen auf einmal Menschen, die auch Zeit haben und Kartenspielen oder einfach mal auf der Terrasse sitzen und Kaffee trinken und das ist was, was viele Eltern so überhaupt gar nicht mehr kennen oder durchschlafen, nachts keine Medikamente geben, die Kinder nicht nochmal benden, ja oder Zeit für die Geschwisterkinder einfach auch oder die Partnerschaft. Von daher will ich sagen, wir brauchen einen Moment, um das wirklich glauben zu können und auch so ein Stück weit ihre Kinder ein, die hinter der Flähe hat zu geben und darauf zu vertrauen, dass sie es anders aber auch gut machen und dann sind die schon auch glücklich und haben Qualitätal mit ihrer Familie.
Irgendwann kommt der Moment, da stirbt ein Kind, das bei euch zu Hause war oder ein zweites zu Hause gefunden hat. Wie ist das eigentlich für dich, diese Momente immer wieder zu erleben? Also nicht nur für dich, sondern auch für deine Kolleginnen und Kollegen. Ja, also ich glaube, das kann man nicht üben und das ist auch nicht so, dass man dann denkt, naja, wir haben jetzt schon ein paar Mal erlebt so, natürlich wird man irgendwie ein bisschen routiniert, aber es ist nie so, dass man denkt, oh gut, dann ist das so. Also jedes Mal ist es wieder besonders und es gibt auch immer wieder Kollegen, die das dann auch härter trifft, dann gucken wir untereinander, wer kann gut an der Begleitung für die Eltern da sein und wer kann das vielleicht jetzt gerade auch nicht, weil die Familie ja doch vielleicht ein bisschen näher ins Herz gewachsen ist, als der Plan ursprünglich war und dann ist es immer wieder tief traurig, aber ich glaube, wir haben über die Begleitung auch gelernt, wie gut es sein kann, wenn dann jemand da ist, der einfach auch so ein bisschen Orientierung gibt und im Hinterkopf behält, was jetzt vielleicht für die Beerdigung noch zu regeln ist, ja, nochmal eben nach Hause fahren kann und die Bettbäschung von dem verstorbenen Kind holt, als ob er ihn irgendwie sich wohliger fühlt für die Familie, ja, so jemand, der einfach mit dabei ist und dann wechseln wir uns eben auch gut ab und manchmal geht es gut und manchmal, ja, hat es ein Däber auch ein bisschen, aber dafür haben wir ein gutes Team mit guten Kollegen.
Du hast die Räume beschrieben, dass unten die Schlafräume sind in dem Gebäude und oben sind die Aufenthaltsräume. Wo sterben die Kinder bei euch? Gibt es dafür spezielle Räume? Also die Aufenthaltsbereiche grenzen dann die Schlafbereiche unten, oben im ersten Stock sind Büros und die Eltern und Geschwisterabzimmer, wo die schlafen. Die sind ja mit aufgenommen bei uns und wir haben eben einen extra Bereich auch im Erdgeschoss, der nennt sich Abschiedsbereich und da haben wir innerhalb dieses Bereiches, ja, kann man sich wie vielleicht so eine kleine Wohnung vorstellen, man kommt da rein und dann gibt das erstmal einen Raum mit nem Tisch, wo man Gespräche mit dem Stande haben kann, aber die Familie auch essen kann zum Beispiel oder einfach verweilen.
Dann gibt das im zweiten Raum, der mir besonders wichtig ist für Geschwisterkinder, damit die auch sicher sehen, hier darf ich auch sein, gerade kleine Geschwisterkinder, weil es zeichen auch an die Eltern, es ist total normal und gut und richtig, dass auch die Geschwister hier sind. Und dann kommt eben auf der Raum, in dem die Verstorbenen aufgebahnt werden. Das ist dann ein großer Raum auch mit nem Sofa, mit Sitzgelegenheiten, mit Stühlen, den man gut auch runterkühlen kann und eben auch nen Kühlbett, auf dem dann die Verstorbenen gebetet werden.
Radio, um die Lieblingslieder zu spielen oder das Lieblingshörerspiel. Viel Platz zum Gestalten für Fanposter, Diller. Ich frag mal euch beide, weil ich glaube, es gibt kaum jemand, dem mehr Trauernde begegnen als David und auch dir. Gibt es eigentlich richtige Worte, die man Trauernden sagen kann? Hauptsache vielleicht dazu sein und zu schauen, wie es nach Person gerade geht, aber das ist ja eigentlich immer die große Schwierigkeit, perfekte Worte gibt es nicht. Das ist glaube ich ganz gut, wenn man ein bisschen vertraut ist mit den Menschen.
Das hat Nadine ja gerade auch beschrieben, Menschen, die Familie ans Herz gewachsen ist und das ist dann halt so vielleicht dieser Moment oder Beginn einer Beziehung, wo man dann auch lernt, ja was brauchen Menschen gerade oder worauf reagieren sie und die Überraschung in so nem Moment ist ja immer, dass es einfach ganz, ganz viele Gefühle sein können in diesem Moment, das nicht wahrhaben zu wollen, sauer zu sein, sich schuldig zu fühlen, da fängt ja eigentlich gerade in dem Moment, wo jemand stirbt, dieses Verständnis an zu keimen, was da gerade passiert ist.
Und ich wünsche das gäbe irgendwie was richtiges, was man machen kann, dann kann man einfach nur schauen, was man wirklich im Moment ist. Wie siehst du das Nadine? Ja ähnlich wie du, also ich glaube, die es im Kontakt bleiben ist einfach das Allerwichtigste ist, auf Berichten die Eltern, dass sie das Gefühl haben mitgestorben zu sein, weil plötzlich Nachbarn die Straßenseite wechseln oder keiner mehr genau weiß, was er sagen soll. Und ich erlebe das eigentlich so, dass sie das im Kontakt bleiben einfach das Wichtigste ist und wenn man je nachdem, welche Beziehung man zu gehen hat, ob man sie dann drücken mag oder einfach sagt, gerade Großelfer man zum Haus, habe ich schon manchmal das Gefühl, dass sie in meinen Beileid auch was bedeutet, weil die das so kennen, für mich selber passt es gar nicht mal so gut, aber ich kann das wagen, wenn ich das Gefühl habe, es wäre jetzt was Vertraues und Wichtiges für die Großeltern zum Beispiel.
Ich kann aber auch ganz manchmal, also ich habe schon mal gesagt so einem Scheiß und das kam von Herzen und das war auch okay, glaube ich. Wenn jemand lange krank ist, dann hört man schon hin und wieder den Satz, es ist vielleicht gut, dass er gestorben ist und der lange Leidensweg ist vorbei. Wie findest du diesen Satz Nadine? Ich finde ihn für euch sehr lecker. Ja, also in meinem Buch gibt es auch eine Bildergalerie mit ganz vielen Momenten aus dem Haus mit lachenden Kindern und Jugendlichen und ich glaube nicht, dass sie immer alle lange, lange gelitten haben.
Die Kinder an unserem Haus sind mir die Kamentös gut eingestellt häufig und haben so viele schöne Momente und bereichern das Leben ihrer Eltern von heimlich. Alles rumherum ist schwierig und anstrengend, ja, aber die Kinder an sich sind einfach ein Glück für ihr, die halt ganz egal wie die sind und deswegen ist es niemals besser. Ich glaube schon, dass es Anteile gibt, also jeder Mensch besteht aus verschiedenen Anteilen und da gibt es bestimmt ganz viel Trauer und Hut und vielleicht auch ein kleines Stück hier in der Leichterung, dass man weiß, wir haben das gut gemacht und wir haben das sehr gut geschafft.
Ganz sicher spüren die Menschen auch in Stückweiter Leichterung, aber ich glaube nicht, dass das was von außen kommt. David, du kennst auch so einen Satz, der auch öfter mal fällt und zwar lautet der "Das Leben geht weiter". Ist so, hilft nur in dem Moment irgendwie nicht und in diesem ersten Moment, da kann man sich das ja alles gar nicht vorstellen, dass es nochmal schön oder gut wird. Ich habe gerade mit einer Dame gesprochen, ihre Tochter ganz plötzlich im erwachsenen Alter aus dem blauen heraus auch verloren hat und in diesem Moment glaubst du, es kann nie wieder schön oder nie wieder gut werden oder dass irgendwas weitergeht und vergisst alles, schlafen, essen, Kontakt halten, die eigenen Bedürfnisse und die musste sich das ganz hart irgendwie und auch ganz alleine erarbeiten, weil er halt auch keiner da ist, der einen dann irgendwie da so ein bisschen weiter treibt in diesem Moment auch auf die eigenen Bedürfnisse zu schauen und das eigentlich genauso auch wie loslassen.
Man möchte ja nicht loslassen und das hat ja immer diese große Ambivalenz, dass man gerne noch vielleicht einen kleinen Moment gehabt hätte oder Nadine hat ja gerade gesagt, wenn man im Hospiz ist, steigt ja eigentlich auch die Lebensqualität, man ist medikamentös, in den meisten Fällen gut eingestellt, man hat keine Schmerzen, Menschen, die einen aushalten und die sich nicht wegducken oder dass man alleine irgendwo in einem Raum sterben muss und das hat halt immer leider eine große Ambivalenz würde ich sagen und irgendwann findet man dann halt vielleicht wieder zu schönen Momenten oder auch in diesen Momenten, es hat ja eine große Gleichzeitigkeit und da ist natürlich auch toll, wenn da die Geschwisterkinder, andere Kinder, Menschen in der Situation dabei sind und wenn da auch einfach eine gewisse Lebendigkeit so wie in einem Buchtitel dabei ist, dass man sich diesen Moment halt auch schön machen kann und dann gibt es eine Sterneniederlegung bei euch.
Was macht ihr da? Das ist unsere jährliche Gedenkfeier für alle verstorbenen Kinder aus unserer Begleitung, alle Kinder die in dem Jahr gestorben sind, beladen, ein paar Wochen nachdem ein Kind verstorben ist, die Eltern nochmal rein ins Haus und dann steigen wir einen Stern mit dem gemeinsam, der dann in unserem Garten der Erinnerung für immer liegen wird und das ist irgendwie ein total liebgewandenes Ritual, das ist schön für die Familie nochmal wieder zu kommen bei aller Traurigkeit und dann ihrer Liebe kreativ nochmal ausbrücken zu verleihen, ich finde das hat schon noch so eine Heiseramkeit und dann werden die Sternen eben an diesem Gedenksfest gemeinsam wiedergelegt, wir lassen mal Nussballon steigen und gedenken nochmal der Kinder und auch aus den Jahren zuvor kommen dann Eltern und gedenken nochmal ihrer Kinder und dann sind die eben alle zusammen in unserem Garten und das ist irgendwie auch so ein schönes Gefühl, dass kein Kind alleine ins Nierenwo gegangen ist, sondern zu wehend wie von irgendwie alle.
Gibt es auch Rituale genau in der Zeit, wenn ein Kind gestorben ist oder wenn sich Menschen verabschieden bei euch? Ja, Rituale sind für uns unheimlich wichtig, weil die ja immer da auch gut greifen, wo dann auch die Worte fehlen. Wir stellen zum Beispiel immer Kerzen vor die Tür, damit alle von außen schon sehen können, aber wir haben ein verstorbenes Kind im Haus, wir haben eine große Kerze im Eingangsbereich, die gestaltet wird manchmal auch von den Geschwistern mit, wo der Name von dem Kind aufsteht und auch im Foto aufgestellt wird. Wir treffen uns dann an dem Tag auch gemeinsam im Wohnzimmer und lesen eine Geschichte und erinnern nochmal an das Kind Teilmomente, wie der dann fragen, was mit dem Kind verbunden hat oder immer noch verbindet.
Wir bieten an, dass Werke bemalt werden können. Das haben wir relativ häufig, dass Eltern uns auch geschwissbar das so in Anspruch nehmen. Das finde ich auch ein schönes Ritual. Die Eltern sind bei uns häufig auch mit dabei, wenn die Kinder eingesagt werden, dann nennen wir das, wenn die vom Kühlbett also in den Sarg gelegt werden. Und ja, das ist eben auch so, dass sie von uns aus dann zur Beerlegung fahren. Während wir aus unserem Haus getragen werden, stellen wir uns alle mit Kerzen und Laternen auf und leuchten so den letzten Seger aus unserem Haus raus.
Sag mal Nadine, hast du wirklich den besten Beruf der Welt oder den schönsten Beruf der Welt? Ja, ja, total. Habe ich. Habe ich vielleicht etwas komisch an, aber das ist so ein schöner Beruf einfach. Wenn man da sein kann, wo eigentlich viel Traurigkeit ist oder auch allein sein und dann sind das gar nicht so hochdrahmende Dinge. Ich habe auch sicher nicht die richtigen Worte in jeder Socialzone, aber manchmal ist es auch einfach ein Flotterspruch oder ein Kartenspiel oder eine Likör oder irgendetwas, was so daran erinnert, dass das Leben doch auch schön ist.
Ja, und ich glaube, alle in unserem Haus wissen, dass Leben ist endlich und es gilt irgendwie auch das Schönste daraus zu machen. Und ich glaube, wir sind uns alle sehr bewusst darüber und ja, das ist das Schönste auf der Welt, finde ich. Hat die Arbeit im Hospiz seinen Blick auf den eigenen Tod verändert? Ja, ich habe das schon auch präsent, dass das passieren kann. Und ich habe auch den Hinblick auf die Kinder, also wir haben ja teilweise auch Babys auf Bahnen. Ich habe jetzt nicht das Gefühl, wie vielleicht andere Menschen in meinem Alter mit der 30, ach, ich bin ewig weiter von entfernt.
Ich habe vielleicht eher das Gefühl, ich bin linksüberfällig. Das ist das Gefühl, dass mein Leben unendlich weitergeht. Du könntest bewusst sterben Nadine, was wären deine letzten Worte? Habt euch lieb, ich trete nicht. Lass uns deine Beerdigung planen oder hast du darüber noch nicht nachgedacht? Ah ja doch, zwischendurch. Erzähl uns, wie soll deine Beerdigung ablaufen? Also erst mal würde ich das gar nicht selber planen, glaube ich, weil ich mag Überraschungspartys und ich habe irgendwie das Gefühl, das können die anderen machen, die müssen damit leben.
Ich gucke dann zu und es wird schon auch gut, weil ich so Videos mache. Ansonsten denke ich, ich gebe nicht so viel Geld aus, kauf davon, wie war irgendwie die Eis für meine Ure-Enkel, die dann wahrscheinlich auch alle da sind, wenn es gut läuft und ich ganz alt werde. Das finde ich gut. Aber viele Ansprüche habe ich da nicht. Ich trete euch nicht und bleib nicht zu seiner. Das ist gut. Das wäre ja eigentlich vielleicht auch Sachen, die dann in der Trauerrede so vorkommen, wenn man einfach so ein bisschen darüber spricht, wie du gewesen bist, was dir wichtig ist und ähnlich ist.
Ich würde mich schon freuen, wenn meine Ure-Enkel sprechen, weil dann würde es bedeuten, dass ich vereint geworden bin. Ich kann es schön, wenn die waren auch. Wir wollen so glückliche Eden führen, wie die Ure-Ure-Ure-Pan. Das wäre gut. Sehr schön. Ja. Ja, wunderbar. Es gibt Friedhöfe, auf denen steht ein bisschen mehr als nur der Name und das Geburtstatum oder der Todestag. Hättest du auch gerne eine Inschrift auf deinem Grabstein? Du hast jetzt schon ein paar Sätze gesagt, habt euch alle lieb, streitet nicht. Gibt es noch irgendwas, was auf deinem Grabstein stehen könnte?
Ja, das wäre nicht gut. Ansonsten stehen vielleicht nicht unbedingt, aber ich finde ein Fotoschick. Ich finde es irgendwie schön, wenn man den Verstorbenen nochmal so richtig sehen kann, weil die Erinnerungen vielleicht ja doch dann irgendwann auch ein bisschen verblasten und so ein hübsches Foto von mir da dran. Das wäre gut. Hast du dir auch schon mal Gedanken gemacht, welche Lieder auf deiner Beerdigung auf jeden Fall gespielt werden sollten? Also ich bin ja im Herzen echt ein Dorskind und bei meinen ersten Partys habe ich zum "Poor Party mit Mix" gefeiert und ich habe mal überlegt, das wäre vielleicht ganz gut, wenn ja "Poor Party mit Mix" laufen würde.
Wenn ich dann nicht aus der Sark-Hüpfe, wenn ich wirklich los, dann wissen alle, sie ist wirklich nicht mehr da. Das habe ich gedacht, weil ich den wahrscheinlich jede Party verbauen würde, wenn die dann auch immer an meine Beerdigung denken, wobei die, die nah dran waren, die denken wahrscheinlich dann sowieso an mich und die, die nicht so nah dran waren, haben es wieder vergessen. Das wäre gut. Herzlichen Dank, Nadine Schulz. Das Buch von Nadine heißt "Peace, Love and Party". Bewegende Einblicke aus einem Kinder- und Jugendhofspeeds. Informationen dazu gibt es bei uns in den Show-Nodes.
Danke schön. Danke euch. Das war es für heute. Schön am Leben bleiben und bis bald. Danke schön, Nadine. Sehr beeindruckend. Großes Lob an dich. Ganz toll. Hat Spaß gemacht und man mag, dass das dir Spaß macht und das mit ganzem Herzen macht. Sehr gut. Danke. Danke.