Episode 5 ∙ 10.06.2024 ∙ 32 Min
Was hast du gespürt, als du die Tote berührt hast, Mai?
Mit David Roth, Klaus Reichert, Mai Thi Nguyen-Kim
Wie fühlt es sich an, zum ersten Mal einen toten Menschen zu berühren? Mai Thi Nguyen-Kim hat für eine ZDF-Terra-X-Dokumentation über Anfang und Ende des Lebens im Bestattungshaus Pütz-Roth gedreht – und dabei gemeinsam mit Bestatterin Paula zum ersten Mal einen Leichnam gewaschen.
Sie erzählt außerdem von einer virtuellen Out-of-Body-Erfahrung, die sie für dieselbe Doku-Reihe ausprobiert hat, um nachzuempfinden, was Menschen mit Nahtoderlebnissen oft unabhängig voneinander berichten: das Gefühl, sich selbst von außen, wie schwebend an der Decke, zu beobachten. Im Gespräch geht es darum, wie ungewöhnlich es ist, dass eine Sendung Geburt und Tod bewusst zusammen denkt.
Ein erster Eindruck aus der Aufnahme: „Und natürlich ist jetzt die Frage berechtigt: Wie kommt Mai in einen Podcast über den Tod?" – „Mai war bei uns im Bestattungshaus und hat dort gedreht, für eine Folge von Terra X im ZDF. Es geht nicht nur um den Tod, es geht auch um Geburt."

Über Mai Thi Nguyen-Kim
Mai Thi Nguyen-Kim ist zu Gast. Die Wissenschaftsjournalistin und Moderatorin hat für eine ZDF-Terra-X-Doku über Anfang und Ende des Lebens im Bestattungshaus gedreht – und dabei zusammen mit Bestatterin Paula zum ersten Mal einen toten Menschen berührt und gewaschen. Sie erzählt, wie sich diese Erfahrung anfühlte, was eine virtuelle Außerkörper-Erfahrung mit Nahtoderlebnissen zu tun hat, und warum sie seit sie selbst Kinder hat, deutlich häufiger an den Tod denkt.
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Hallo zu Talk About Tod, wir freuen uns, dass du lebst und uns zuhörst. Mein Name ist Klaus Reichert. Und ich bin David Roth. Hallo zu einer neuen Folge unseres Podcasts. Unseren heutigen Gast kennen viele von ihnen aus dem Fernsehen oder von YouTube. Da ist sie auch sehr aktiv. Herzlich willkommen, Mighty New Union Kim. Hallo. Schön, dass ich da sein kann. Ja, wir freuen uns auch, dass du da bist. Und natürlich ist jetzt die Frage berechtigt, wie kommt Mighty in einen Podcast über den Tod? Mai war bei uns im Bestattungshaus und hat dort gedreht für eine Folge von Terra X im ZDF.
Es geht nicht nur um den Tod, es geht auch um Geburt. Mai, kannst du uns kurz was zu der Idee dieser Folge von Terra X sagen? Genau. Arbeitstitel ist noch Anfang und Ende des Lebens. Wir stecken jetzt, wo wir zur Tritt hier sprechen, mitten in den Dreharbeiten. Die werden noch bis Ende des Jahres laufen und wird das wahrscheinlich Anfang 2025 dann im ZDF ausgestrahlt. Und Terra X ist ja eine Wissenschafts-Sendung. Es geht um verschiedene Themen, die mit Anfang und Ende des Lebens zu tun haben. Gerade gestern, kann ich hier mal so, was exklusiv aus dem Nähkästchen plaudern, war ich in Köln im Studio und habe mit Hilfe von zwei Wissenschaftlerinnen eine Virtual Reality Out of Body Erfahrung, also außerkörperliche Erfahrungen erleben dürfen.
Das war auch richtig cool. Also ich habe dank einer virtuellen Brille und so ein paar schlaue Vorbereite und Gedanken, so das Teams, habe ich meinen eigenen Körper verlassen und schwebte dann an der Decke. Warum? Weil das etwas ist, das ganz, na ganz viele möchte ich nicht sagen, so viele sind es ja nicht, aber Menschen, die eine Nahtoderfahrung gemacht haben berichten das erstaunlicherweise unabhängig voneinander sehr oft, nämlich dass diese Minuten oder diese letzten Minuten sich selbst wie in einem Film beobachten oder quasi sich von außen, von oben, von weit weg sehen und ja, das findet die Forschung natürlich auch interessant.
Also das wäre jetzt ein Beispiel für das Ende des Lebens. Wenn es den Anfang betrifft, war ich zum Beispiel in Bonn in der ganz modernen Labor für Reproduktionsmedizin und durfte zugucken, wie ganz viele Zeugungen von Statten gingen. Also wir konnten quasi auf dem Mikroskop mit live sehen, wie das Sperrmium und die Eizelle kommt und ja, da gibt es einiges zu erzählen und gerade diese Verknüpfung entsteht auch eine ganz schöne Emotionalität und, na ja, letztendlich auch aus evolutionärer Sicht sind natürlich Leben und Tod direkt miteinander verknüpft.
Ja, ich wollte gerade fragen, wie die Idee entstanden ist. Wo kommen ja relativ viele Anfragen von Leuten, die Filme drehen oder Fernsehen machen und dann sich diesem Thema mal annehmen. Aber ich kann mich an keine Anfrage erinnern, wo tatsächlich in einer Sendung die Geburt unter Tod zusammen irgendwie dargestellt worden sind oder betrachtet worden sind. David, kannst du dich an was erinnern? Meistens kommen die Leute doch zu uns, so kurz vor dem November, merkwürdigerweise auch im Moment der Monat ansteht, oder? Ich bin mir nicht ganz sicher, allerdings, wir wissen ja alle, dass von unserem Vater das ein Steckenpferd diese beiden Themen zusammenzubringen.
Vorne, wo er jetzt seit 25 Jahren Domino-Trauergruppen für Kinder anbietet, sollte eigentlich auch ein Geburtshaus entstehen. Wir müssen, glaube ich, dazusagen, David, dass für die Leute, die jetzt bezroht und die Gärten der Bestattung nicht kennen, dass auf dem Friedhof dieses Domino-Haus, von dem du gesprochen hast, liegt, also wenn man hochfährt, sieht man direkt nicht nur das Bestattungshaus, sondern man sieht auch so ein größeres Gartenhaus und das war als Geburtshaus geplant und es gibt auch den Kindergarten. Ja, und als ich da ankam, also erstens ist es sehr schön bei euch bei Pütz Rot und ich kam da an, bin da aus dem Auto ausgestiegen, erst mal ganz viel fröhliches Kindergeschrei und ja, auch da, also bei euch vor Ort, kommt halt auch beides zusammen, das fand ich sehr schön.
Ja, und wir glauben halt, Kinder machen ist einfach heller und schöner, so ein perfekter Trauerbegleiter. Ich war gestern in einer Diskussion, da hat jemand, der seine Frau verloren hat, darüber berichtet, wie toll es mit seiner kleinen Tochter ist, die dann auf einfach so tolle Ideen kommen, wie wenn die Mama im Himmel ist, warum wir nicht einfach eine Leiter holen, um sie da wieder runterzuholen, also die dann einfach den Raum so ein bisschen aufmachen. Aber das ist natürlich nicht selbstverständlich, dass Tud und Boah und Werden, Lebens- und Harmonisch miteinander sind.
Wie hast du das letzte Mal erlebt, wie eine Beerdigung war? Oder warst du schon mal auf einer Beerdigung? Ja, ich war zufälligerweise an dem Freitag, nachdem ich bei euch war, war ich auf der Beerdigung des Opa's meines Mannes und zufälligerweise auch mitten in diesen Dreharbeiten, wo wir uns ja sowieso ganz viel damit auseinandersetzen. Und meine vierjährige Tochter war zum ersten Mal auf einer Beerdigung bei dieser. Und das war auch, ja, also und gerade bei euch war das auch noch Thema Kinder sind tolle Trauerbegleiter und sie sind so offen und unvoreingenommen.
Sie leben außerdem im Moment und das war tatsächlich auch ganz schön, sie da zu sehen mit ihrem gleichaltrigen Cousin und ja, sie hat das ganz, ganz neugierig aufmerksam und angstfrei so wahrgenommen. Natürlich hat sie, versteht sie noch nicht, noch nicht ganz, was das eigentlich wirklich bedeutet, wenn jemand stirbt. Sie hat mich, sie hat mich dann wieder auch mal später gefragt. Und hat sie so nachgedacht, hat sie gesagt, der, der Uroper ist ja im Krankenhaus gestorben. Ich sag ja, weil sie hatte dann noch Fotos gesehen, ihr kleiner Bruder, der ist, der ist eins, der kriegt, hat war auch dabei, aber der kriegt noch gar nichts mit.
Hat sie auch das Foto gesehen, wie von dem Uroper und ihrem kleinen Bruder am Krankenhausbett. Und dann hat sie dann da ist er gestorben und das Bett ist das dann auch gestorben und das ist so, das ist so toll. Also diese, diese komplette Offenheit, irgendwie alles ist möglich, aber auch alles wird in Frage gestellt. Es ist ganz, ja, Kinder sind, Kinder sind schon tolle, tolle Menschen. Was uns immer wieder auffällt, ist, dass Kinder diese Gleichzeitigkeit auf eine ganz andere Art und Weise wahrnehmen im Sinne von ja, da ist gerade etwas, was sehr traurig ist, da ist jemand gestorben, den sieht man nicht mehr wieder, wenn sie das schon verstehen.
Und das macht sie unsagbar traurig, aber fünf Minuten später gibt es schon wieder etwas, was sie komplett aus der Trauer rausholt und komplett wieder an was anderes denken lässt. Wie hast du diese Beerdigung erlebt? War das eine traditionelle Beerdigung? Ja, ich glaube traditionell im, also ich war bisher auch erst auf zwei, also das war meine zweite, die waren beide ähnlich, also kein offener Sag zum Beispiel, aber ja, mit beide Male, schönerweise mit Viehmusik, mit natürlich vielen Tränen. Es war beide Male sehr traurig, aber natürlich insofern gleichzeitig auch schön sich an das Leben der Verstorbene zu erinnern, gemeinsam und dann auch alle zusammen zu sein.
Mein Mann hat eine sehr große Familie und ja, diese Gleichzeitigkeit, ja, Gleichzeitigkeit von Trauer und auch einem gewissen Frieden vielleicht, den man darin findet und ja, also das war, glaube ich, eine, eine konventionelle Beerdigung, sage ich mal, vor allem nachdem ich, nachdem ich bei Pütz Rot war und erfahren habe, was sonst alles möglich ist, wenn man mal darin fragt. Du hast bei uns hinter die Kulissen eines Bestattungshauses schauen können. Es gibt ja nicht nur die Organisation und es gibt auch die Dinge, die im weitesten Sinne schon auch was mit Handwerk zu tun haben.
Mit welchem Gefühl bist du an dem Morgen aufgestanden, als der Drehtag dann da war und du gewusst hast, jetzt gehe ich an einen Ort, an dem ich noch nie vorher war? Das spannendste, aufregendste und vielleicht auch bisschen gruselige für mich war, dass ich wusste, ich würde zum ersten Mal einen toten Menschen sehen. Also habe ich vorher noch nie gesehen und bin aber, ja, ich bin als Typ, ich bin halt Naturwissenschaftlerin, ich bin Chemikerin, hab zwar als Chemikerin jetzt da jetzt auch nicht grundsätzlich viele Berührungspunkte gehabt, aber habe das dann schon eher so rational gesehen, ja gut, ich glaube ja nicht an Geister oder ich weiß das nicht immer bevor man dann genau Angst hat bei Tod, aber ich denke jetzt erst mal nur, ja, Menschen sterben nun mal und jetzt werde ich das mal sehen und dann kam ich halt zu euch, habe sie gerade schon gesagt, man kommt da an, alles ist ganz grün, an dem Tag, als ich bei euch war, war auch, war so bisschen regnerisch und es war trotzdem sehr schön, also da musste ein Ort schon sehr, sehen schön aus, sehen, dass er selbst bei schlechtem Wetter, dass man sich da immer noch wohlfühlt, so ganz idyllisch und dann die Kinder und wurde dann durchs Haus geführt und dann kamen wir eben auch an dem Raum vorbei, wo eine verschorbene Frau lag und wo ich wusste, mit ihr werde ich dann gleich drehen und da wusste ich einfach bis dahin nicht genau, wie würde, also wie würde ich darauf reagieren, ich hatte gedacht, ja bestimmt ganz cool wie immer und dann war es, ich kann es schwer zu artikulieren, es war gleichzeitig unspektakulär und mulmig, also ich habe es mir irgendwie, es ist spektakulär ist natürlich ein schlechtes Wort dafür, aber vielleicht versteht ihr, was ich meine, ich dachte, das wäre, würde mich mehr umhauen, ja und dann war es doch irgendwie ganz anders.
Das war ja nicht nur, dass du einen Toten zum ersten Mal gesehen hast, du hast ja die Paula an deiner Seite gehabt, eine Kollegin von uns, die Paula Boxberg und ihr habt ja das gemacht, was bei uns mit den Toten einfach gemacht wird, das heißt die Toten werden gewaschen, sie werden vorbereitet auf die Aufwahrung, sie werden angezogen und du hast da auch mitgemacht, du hast also wirklich nicht nur den Toten gesehen oder die Tod, es war eine Frau, so hast auch tatsächlich dann die Frau angefasst und wie war das für dich? Das war krass, also fangen wir erstmal mit Paula an, ich habe das mit Paula gemacht, also mit, ich weiß gar, Bestattungsfachkraft ist ihre büchstensbezeichnung und Paula, also alle, die zuhören, muss man sich vorstellen, einfach eine junge, total, ja also lebendige, pröliche, aber liebe, so eine, einfach so eine, einfach so einen, wo man schon so, dass die Energie so den Viper, das ist einfach ein feiner Mensch, ich würde so schätzen, paar 20 Jahre alt, also ganz jung, die halt überhaupt nicht irgendein Klischee, eine Bestattungsfachkraft entspricht, also so sehr, dass ich mich auch nicht vergleifen konnte, sie zu fragen, wie sie zu dem Beruf gekommen ist und es war auch gar nichts, wie man sich vielleicht vorstellen würde, irgendein Schlüsselereignisse in ihrem Leben, wenn ich das richtig verstanden habe, sondern sie meinte, ja, sie wusste ganz lange nach der Schule nicht, was sie machen soll und kam auch nicht auf so einen grünen Zweig und dann hätten Freunde von ihr eher so aus Spaß gesagt, ja Bestatter kann man ja auch noch werden und dann dachte sie sich ja, warum nicht, hatte von Piz Rot, glaube ich, durch irgendeinem anderen Medienbeitrag das mitbekommen, das ausprobiert und ja, dann hat dann richtig einfach, also offensichtlich, also nicht nur, dass Paula so eine junge Frau mitten im Leben ist, sondern auch offensichtlich ganz viel Sinn, also man spürt halt so vor, dass sie ganz viel Sinn in ihrer Arbeit sieht und wenn man so drüber nachdenkt, ist es ja klar, also viele, die jetzt irgendwie jeden Tag in einem Büro sitzen oder so, da stellt sich ja schon die Sinnfrage, warum mache ich das eigentlich und macht es irgendein Unterschied, wenn ich jetzt hier sitze oder nicht und ich glaube, diese Frage stellt sich bei eurem Beruf nicht und das hat mir total geholfen, dass ich das mit ihr gemacht habe, das hat etwas, ist nochmal irgendwie natürlicher gemacht und ja, und dann hatte ich auch gar keine Zeit drüber nachzudenken, wie ich das jetzt finde, war dann schon mittendrin und Paula hat mich da durchgeführt und auf ihre so ganz ruhige und respektvolle Art und Weise, hat sie dann irgendwann gesagt, ja hier, jetzt ziehen wir die Hose an, dazu müsste es, wenn du magst, kannst du das eine Bein machen, ich mach das andere Bein und dann hab ich die Verstorbe dann zum ersten Mal angefasst, war im ersten Moment ein bisschen erschrocken von der Temperatur, also natürlich wusste ich rational, dass das keine Körpertemperatur mehr sein wird, aber natürlich ist es in diesem Raum kühl, also noch kühler als eine durchschnittliche Raumtemperatur, entsprechend kühl war auch der Körper und dann war ich aber so konzentriert darauf oder das war mir dann auch instantan total wichtig, dass wir jetzt respektvoll und würdevoll mit diesen Menschen umgehen, ja und war dann innerhalb von Sekunden hat sich da auch nochmal so eine, ja ich will nicht sagen Plukades, war jetzt so was ganz diffuses, mulmiges, was ich am Anfang gespürt habe und dass der Moment des buchstäblichen Begreifens, des Anfassens, hat das wirklich aufgelöst und auf einmal bis zum Ende hin war mir halt irgendwie klar auch emotional klar, also nicht nur Razzler, sondern auch emotional klar, das ist einfach ein Mensch, ist einfach ein Mensch der nicht mehr lebt und ich bin total dankbar für diese Erfahrung, die hätte ich jetzt ohne ein Terra X drehe, sicherlich ja wahrscheinlich vielleicht nie gemacht oder bis ich dann vielleicht ja bis ich irgendwie jetzt selber Angehörige von mir oder so vielleicht angefasst hätte, wobei ich jetzt auch gar nicht sicher wäre, ob ich das dann gemacht machen würde jetzt ohne diese Erfahrung und das hat ja auf jeden Fall jede Art von Berührungsangst oder Angst in allgemeinen oder einem seltsamen Gefühl in mir aufgelöst, obwohl ich die Frau ja nicht kannte.
Ich habe allen denen ich erzählt habe, haben dann auch gesagt, krass, krass, krass und ich habe dann immer wieder gesagt, ja, es war es war eigentlich auf eine schöne Art und Weise dann erstaunlich normal. Da wie das was Mike geschildert hat, tatsächlich einen Toten anzufassen, dabei zu sein, wenn der Tote gewaschen wird oder ihn anzukleiden mit in den Sarg zu legen, ist ja etwas, was wir den Leuten, die bei uns bestatten, auch vorschlagen. Also keiner muss das natürlich, die Leute können entscheiden, was sie wollen, niemand muss sich in dieser Situation hineinbegeben, aber wir sagen schon, das kann für sie gut sein, wenn sie diese Erfahrung machen, weil das was du gesagt hast, Mike, erstens ist es ein Mensch, da liegt, zweitens durch das Gefühl, die die Körpertemperatur tatsächlich zu spüren, wie kalt der Körper ist, wird einem auch relativ schnell klar, dass das was da an Leben drin gesteckt hat, dass das einfach nicht mehr vorhanden ist und dass das so helfen kann, dann auch loszulassen und dann tatsächlich zu sagen, okay, den Körper, der kommt in den Sarg, da kommt dann irgendwann der Deckel drauf und der Sarg wird entweder verbrannt oder wird in die Erde gegeben und man kann dann auch tatsächlich den Körper einfach weggeben David, ist das etwas, wird das oft gemacht von Leuten, wenn wir sagen, sie können dabei sein oder vermeiden das die meisten?
Ganz am Anfang, wenn jemand gestorben ist, ist das einfach total irgendwo real. Wenn Menschen jemand vielleicht vorher zu Hause auch selber gepflegt haben, dann kommen die sehr häufig auch initiativ auf uns zu und dass sie vielleicht da sich ein bisschen Hilfe erhoffen und dann ist es natürlich toll, dass die Paula und ihre Kolleginnen einfach so offen sind, also das was so die Grundfertigkeit ist, bei uns dass es aushalten können, Menschen in dieser Situation auszuhalten, den Zutrauen zu geben, dass man das macht und wir versuchen halt dann auch in einem Gespräch, wenn wir den richtigen Punkt finden, spätestens beim Abschied nehmen, um wirklich begreifen zu können, dass das geschehen ist, das auch zu thematisieren, also prinzipiell kann man bei uns an allem teilnehmen, alles selber machen, alles verändern, gerade durch die Erfahrungen, die er immer gemacht hat und wenn ich dann schon dabei bin, merke ich einfach, auch wenn ich da sehr achtsam mit der Person umgehe, der geht es nicht schlecht, ich nehme mir einfach unglaublich viel davon wahr, die Person hat keine Angst, die hat keine Schmerzen, die hat keine Sorgen, ich gewinne Zutrauen durch die Tätigkeit, es ist wie es ist, durch vielleicht denjenigen zumindest in seiner körperlichen Form weggeben kann und lernen kann mit all den Erinnerungen, die immer wieder dann kommen und mit dem was ich vielleicht dann auch lerne, wertzuschätzen statt nur den Verlust zu sehen, sondern wertzuschätzen, dass jemand da ist, das halt mitzunehmen.
Das wird in der Folge von Terra X auch zu sehen sein, also diese Tote Frau, man sieht ihr Gesicht nicht, aber man sieht schon dich und die Tote Frau und die Paula, wie ihr da im Grunde die Arbeit einer Bestatterin macht. Genau, wir haben das natürlich mit den Angehörigen vorher gefragt, ob das in Ordnung ist und ja, und natürlich ist das auch für das ZDF was spannend ist, dass wir in dieser Doku, das wird jetzt erstmal eine zweiteilige Doku, die aber jetzt nicht zweiteile im Sinne von ein Teil Anfang des Lebens, ein Teil Ende des Lebens sein soll, sondern wir wollen das schon irgendwie verknüpfen.
Also sage ich jetzt mal so, wo wir noch mittendrin sind, also wir haben noch nicht das alles noch nicht so ganz final und dann müssen wir natürlich auch einerseits sagen, wir uns ist bewusst, manche Dinge sind jetzt nicht gerade so die die Quoten-Hitts sag ich mal, oder auch riskieren, dass dann Menschen abschalten, aber genau das ist ja das, aber es ist ja unser Ziel, dass wir auch Tabus brechen möchten und sagen, das ist gut, sich damit auseinanderzusetzen und vielleicht ist es sogar geht es einem danach auch besser, wenn man sich, wenn man sich damit auseinandergesetzt hat und übrigens auch beim Anfang des Lebens, also wenn wir über Geburten sprechen, planen wir auch da Bilder zu zeigen, die auch nicht jeder man's Sache sind, das ist ja auch dann teilweise sehr brutal.
Ich bin mal gespannt, wie das dann am Ende ankommen wird. Also interessant ist die Erfahrung machen wir halt auch, dass es natürlich der Fall ist, wenn das ausgestrahlt wird und einen festen Sendeplatz und festen Sendetermin hat, dann könnte der Effekt eintreten, den du gerade geschildert hast. Auf der anderen Seite, alle Menschen kommen irgendwann in die Situation, dass jemand um sie herum verstirbt und dann gibt es die Mediatheken und die Menschen machen sich, wenn sie an diesen Punkt kommen, auf die Suchen nach Informationen und sie suchen nach Möglichkeiten, ja auch auch ihre eigenen Empfindungen, dass wir sie selber vielleicht sich vorstellen könnten, irgendwo vorgeführt zu bekommen, gespiegelt zu bekommen und das ist so etwas, was wenn man es langfristig betrachtet, dass es dann so was gibt in den Mediatheken des ZDFs, ist dann etwas ganz Tolles und ich glaube, dass es über die Zeit hinaus eine ganze Menge Leute auch, die vielleicht nicht mehr linear gucken oder vielleicht in dem Moment, wo es ausgestrahlt wird, diesen Sendetermin jetzt nicht irgendwie für ihre eigene Gefühlswelt gerade gut finden, die es dann aber so schauen können, da müssen wir uns glaube ich keine Gedanken machen.
Das ist doch auch eine Erfahrung von uns David, dass wir immer wieder auf Leute treffen, die sagen ja im Moment vielleicht nicht, aber ein Buch dann mal irgendwann die Hand kriegen oder ein Film sehen oder eine Kunstausstellung von uns angucken. Also ja, ich glaube, das ist eigentlich eine Art, das heranführen. Es gibt ja Untersuchungen, nachdem immer mehr und mehr Menschen in Institutionen versterben und immer weniger ihre Verstorbenen sehen. Also das sind heute 80 Prozent, die in Institutionen versterben und 80 Prozent der Angehörigen, die ihre Verstorbenen halt nicht sehen, das in dem gleichen Maß die Angst davor zunimmt.
Und ich sage mal auf der anderen Seite, ich kenn Tarra X, der Sendeplatz ist wahrscheinlich immer noch Sonntag am frühen Abend. Genau, Sonntag 19.30, ja. Und wenn ich da herangeführt bin, glaube ich, ist das wichtig. Also vieles in der Form machen wir halt auch, wenn wir mit Jugendlichen zu Verstorbenen gehen. Das habe ich gerade vorgestern noch gemacht beim Herrn, wo wir das durften, wo das auch nicht unvermittelt geschieht, die auch frei entscheiden können, ob sie mitgehen möchten. In dem Fall war die Lehrerin mit dabei und wo viele dieser Erfahrungen einfach zeigen, dass sie wieder berührt werden, wo auf der anderen Seite halt genauso wie du das gesagt hast, es ist halt nicht dieses oberkrasse, obertrastigste, sondern eigentlich erschreckend und spektakulär, da jemanden so zu liegen, aber gleichzeitig anfangen zu begreifen.
So um 15 herum sagt man, fängt man an, sich über seine eigene Endlichkeit erste Gedanken zu machen und die Tragweite von so etwas zu sehen, das sollte sicherlich nicht einfacher durch Computerspiele und so immer wieder neu laden, das so anders zu sehen, aber dass man wirklich begreift, das ist jetzt real. Und dann erleben wir natürlich auch, wie die ganz anders damit umgehen. Die haben vor, das Ungestöme der Jugendmann-Fahrt hat auch immer gesagt, warum tue ich mir das an? Die Könige der Welt kommen zu mir und die haben einen lustigen Spruch nach den anderen auf den Lippen.
Und im nächsten Moment fangen die an, ihrem Kumpel mal in den Arm zu nehmen. Und ich glaube, halt, wenn wir alle so ein bisschen vertrauter werden statt nur dieser Horrorbilder, die wir sehen würden, werden wir halt vielleicht auch ein bisschen zuversichtlicher. Ich habe eine Frage hätte ich noch an die Mai zu der Situation, bevor wir die nächste Station nehmen. Im Narinein jetzt betrachtet, war das eine Entscheidung, wo du sagst, es war für mich richtig, wirklich da mal hinzugehen und einen Toten anzuschauen, anzufassen und nicht, wie ich vorher gelebt habe, dass ich das Thema vielleicht weggeschoben habe oder mir halt auch gar nicht vorstellen können, dass ich das mal tue.
Für mich war das auf jeden Fall die richtige Entscheidung und richtig gute. Ich habe jetzt, wo wir gerade sprechen, habe ich meinen Eltern noch nicht davon erzählt, weil ich weiß, dass meine Mama sich gruseln wird, wenn ich dir das einfach so erzähle. Ich glaube, das muss ich irgendwie mal mit der genügend Zeit und nicht so zwischen Tür und Angel, wer man sich die Enkelkinder quasi hin und her gibt. Meine Eltern kommen aus Vietnam und meine Mama erzählt mir manchmal, dass da halt auch sie aufgewachsen ist, wo Kinder total viel gruselige Geschichten auch so erzählt wurden.
Warum auch immer? Es ist vielleicht aus irgendwie erzieherischen Gründen oder sonst was, aber ich selbst bin wirklich einfach dankbar, dass es sich diese Gelegenheit ergeben hat. Also ich hätte das niemals von mir aus proaktiv verfolgt. Ich hätte jetzt wahrscheinlich nie gesagt, so, ich sollte mich mal mit dem Tod sehr gut auseinandersetzen, dann recherchier ich mal und dann verrag ich mal an, ob ich bei euch mal Praktikum machen darf. Ich wurde ja quasi im Rahmen dieser Drehereise kam ich dazu und bin total froh, dass das so kam und denke, und für mich war das eine richtig wertvolle Erfahrung für wahrscheinlich für den Rest meines Lebens.
Und ihr seid ja auch auf diesem privaten Friedhof unseren Gärten der Bestattung gewesen, habt da gedreht und wie wurdest du unsere Gärten beschreiben? Ja, also es ist alles so schön grün, die Gräber sind auch schön bunt. Also es ist vom Gefühl ja auch wie ein schöner Ort der Erinnerung. Also natürlich, also viel mehr der Erinnerung allgemein als jetzt ein Ort der Trauer. So kommt es einem vor und dass man da auch dadurch, dass es auch so diese gewundenen Pfade gibt und es ist nicht diese, es sind ja auch sehr viele, sehr viele Urnen, die da bestattet sind bei euch und wenig von so monumentalen Steinen, Gräbern, die wir auch besucht haben, auch jetzt im Rahmen der Destrez und die auch natürlich sehr schön sind, aber man direkt so einen Respekt dann davor hat, dass man sagt, oh je darf ich, je darf ich am besten gar nicht sprechen.
Wir haben auch darüber gesprochen, dass dann so diskutiert wird, da darf man auf so es gibt ja viele wunderschöne Friedhofsgelände, da darf man da joggen und dass man sich darüber überhaupt Gedanken macht oder ich dann auch so denke, ja wenn man jetzt die verstorbenen Fragen könnte, dann würden sie sich wahrscheinlich denken, ja warum den nicht? Es ist hinteran schlimm. Ja es ist schon interessant, was wir für ein Verhältnis zum Tod haben, dass ja offenbar nichts Natur gegeben ist, wenn wir uns anschauen, wie andere Kulturen auch im Rest der Welt damit umgehen.
Also wir haben uns am Anfang als die Idee aufkam, einen eigenen Friedhof zu gründen, haben wir uns lange darüber Gedanken gemacht und eins war allen vollkommen klar, die daran beteiligt waren, dass dieser Friedhof nicht damit beginnt mit einer Fair- und Gehbootstafel, das ist nämlich das erste, was man sieht, wenn man zu einem Friedhof geht, da hängt rechts dann am Eingang bei einer großen Mauer häufig, weil das alles irgendwie auch gut gesichert ist, auch irgendwie eine ganz merkwürdige Erfindung, dass immer hohe Mauern im Friedhöfe drum herum gebaut werden und bei uns gibt es halt gar keine Mauer, es gibt nicht mal Zaun, sondern das ist ein ganz offenes Gelände und das sich in die Natur einfügt und gehört auch dazu, dass die Leute darüber spazieren können, wenn sie nicht in Trauer sind und wenn niemand da liegt, sondern das gehört einfach zum Strundetal.
Das fühlt sich ganz organisch an, ja? Ja, das gehört zum Strundetal einfach dazu und das war die eine Idee, dass es keine Fair- und Gehbootstafeln gibt und dazu kommt noch, dass wir in Friedhof wollten, wo die Leute selber entscheiden, wie die Gräber aussehen, dass es ein Gelände ist, wo man sich einen Platz aussucht und dann auch selber gestalten kann und das einzige Gehboot, das es gibt, ist, dass niemand ohne Namen bestattet wird. Das war uns auch wichtig, dass es also kein Friedwald ist, wo im Grunde das so ein bisschen in der Natur dann völlig aufgeht, wo man, wenn man nicht genau hinguckt, gar nicht mehr das Gefühl hat, auf dem Friedhof zu sein, sondern es soll erkennbar ein Friedhof sein und damit der größtmöglichen Freiheit und das funktioniert irgendwie auf eine ganz unglaublich schöne Art und Weise, wenn man da drüber läuft.
Ja, so habe ich es aufwahrgenommen, auf jeden Fall. Ist dir an dem Tag bei uns mal durch den Kopf gegangen, dass auch du sterben wirst oder ist man da als Moderatorin so im Tunnel, dass man im Grunde nichts anderes als die Sendung denkt? Also spätestens seit ich Kinder habe, denke ich sehr oft an den Tod. Also erstens, weil diese Unverletzbar, diese gefühlte Unverletzbarkeit, die ich bis dahin hatte, die ist nicht mehr so da, seit ich Kinder habe. Ich kann total, also seit ich Kind selbst Kinder habe, das ist ja mal so eine Phrase. Das versteht man dann wirklich nicht, bis man selber Kinder hat.
Aber wo ich jetzt bei der Eltern auch wirklich verstehe, weil man hat plötzlich ja so viel auch Angst, dass man das verlieren könnte. Wenn ich jetzt nur an mich denke, denke ich nicht, das ist, es wäre sehr schade. Ich hätte noch einiges machen gerne, aber ich hatte auch, also bis jetzt schon, ein ganz, ganz tolles, ganz, ganz tolles, glückliches Leben. Aber wenn man dann Kinder hat, dann ist es natürlich die schlimmste Vorstellung nach der Vorstellung, dass die eigenen Kinder versterben könnten, ist die, für mich die Vorstellung, dass ich oder noch schlimmer mein Mann und ich sterben und die Kinder zurücklassen, das ist halt für mich das die allerschlimmste Vorstellung.
Und das hat man, also das ist mir auch sehr präsent, wenn ich einfach nur Auto fahre auf der Autobahn, dass ich dann wirklich sage, ich würde nicht sagen, dass ich vorher jetzt wie ein Raudi gefahren wäre, ich würde relativ vernünftig Auto gefahren, aber ich achte jetzt halt noch mehr auf Abstände und so was. Wirklich mit dem aktiven Gedanken, ich muss gut auf mich aufpassen, weil Menschen, Menschen brauchen mich. Insofern denke ich auf so eine Art und Weise schon öfter, öfter mal an den Tod, also nicht an das Sterben, an sich, aber was das bedeuten würde.
Du hast ja vorhin schon angedeutet, dass du gerne eine Feier hättest. Das heißt, du hast schon mal aktiv darüber nachgedacht, wie die Menschen dann von dir Abschied nehmen sollen. Ich habe mal, ich weiß gar nicht, wann das war, so auf Spotify dann mir so eine, so eine Frank Sinatra-artige, so eine fertige Playlist angehört, weil ich irgendwie Lust hatte auf diese Art von Musik und einfach bei "My Way" habe ich ja ein bisschen auf dem Text gehört und dachte so, also wenn das nicht mein, mein Beerdigungslied ist, dann weiß ich auch nicht. Es klingt ein bisschen als wäre es extra für dich geschrieben, das ist tatsächlich so.
I did it my way und es ist großartig. Also, ja großartig. Und das hängt ja auch an mit. Now, the end is near. Ja, es wünschen sich auch sehr viele Leute, also unabhängig von deinem Namen, wo das natürlich ist. Ja, es ist auch unabhängig, selbst wenn man nicht mei heißt, es ist ein sehr gutes Abschiedslied. Ja, und es wird auch oft gespielt, also ist tatsächlich so. Mai, du könntest selbst deine Trauerbete schreiben. Was wäre dir wichtig, dass es über dich gesagt wird? Also wichtig, also wünschenswert wäre, dass ich ein sehr langes, langes und erfülltes Leben hatte.
Dann ist alles gut. Oder lang ist ja relativ, aber ja, ich find's toll, wenn, also das einzig Wichtige wäre, dass ich nicht das Gefühl hätte, ich würde die Menschen zurücklassen, die noch auf mich angewiesen sind, sondern dann ist auch alles fein. Und ich bin ja eine ganz typische Naturwissenschaftlerin. Ich glaube nicht an ein, also direktes Leben nach dem Tod. Ich glaube auch nicht an die Existenz einer Seele, auch wenn ich es ja gut nachvollziehen kann, dass dieser Glaube irgendwie naheliegend ist. Aber indirekt gibt es natürlich das Leben nach dem Tod in dem, was man zurücklässt, weniger materiell, aber und ich damit meine ich auch gar nicht meine Sendungen, sondern eher so vielleicht irgendwelche Einstellungen, Erinnerungen, Geschichten und so weiter.
Und ja, wenn man die sich dann gegenseitig erzählen würde auf meiner Traufeier, dann dann wäre ich dann wäre ich sehr glücklich. Was könnte oder sollte auf deinem Grabstein stehen? Ja, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. War schön hier. Schön war's. Vielen Dank, dass du dir für uns Zeit genommen hast. Ja, ich danke euch. Ich habe versucht, was um das möglich zu machen. Und so bleibt uns nur noch eigentlich dir ein wunderschönes, langes Leben. Ja, gleichfalls. Wünsche ich euch auch. Genau, lasst dich mal wieder blicken und... Indem wir uns vielleicht doch mal sehen, ja.
Genau. Information zu Terra X und den Sendetermin, den wenn wir rechtzeitig bekannt geben, das war's für heute. Schön am Leben bleiben und bis bald. Dankeschön. Copyright WDR 2021